Möglichkeiten des PC-Einsatzes im Unterricht der Grundschule - Exemplarisch dargestellt am Beispiel einer vierten Klasse


Examensarbeit, 2004
117 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

HAUPTTEIL

1 NEUE MEDIEN IM UNTERRICHT

2 COMPUTEREINSATZ IN DER GRUNDSCHULE
2.1 Diskussionen um den PC in der Grundschule
2.2 Begründungen für den Computereinsatz
2.2.1 Anthropologische Begründungen
2.2.2 Pädagogisch-psychologische Begründungen
2.2.3 Soziologische Begründungen
2.3 Begründungen gegen den Computereinsatz
2.4 Fazit

3 EINSATZMÖGLICHKEITEN DES COMPUTERS IN DER GRUNDS CHULE
3.1 Ausstattung eines Computers für den Grundschulunterricht
3.2 Der Computer
3.2.1 Der Computer als Informationsquelle
3.2.2 Der Computer als Werkzeug
3.2.3 Der Computer als Übungshilfe
3.3 Der Computer und das Internet
3.3.1 Informationsgewinnung durch das Internet
3.3.2 Kommunikation mit Hilfe des Internets
3.3.3 Selbstdarstellung mit Hilfe des Internets
3.3.4 Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten im Internet
3.4 Ziele des Computereinsatzes im Unterricht

4 DIE LEHRERROLLE IM COMPUTERUNTERSTÜTZTEN UNTERRICHT

5 EINSATZBEISPIELE EINES PCS IN DER GRUNDSCHULE - DARGESTELLT ANHAND EINER VIERTEN KLASSE -
5.1 Projektarbeit
5.1.1 Projektunterricht als eine Lehrform des „Offenen Unterrichts“.
5.1.2 Merkmale und Arten von Projekten
5.1.3 Ziele und Kompetenzen
5.2 Englischlernen mit Ritter Rost - Ein Kindermusical -
5.2.1 Vorgeschichte
5.2.2 Nötige vorbereitende Arbeiten und Vorkenntnisse
5.2.3 Anschreiben an den Verlag
5.2.4 Textverarbeitung
5.2.5 Informationsbeschaffung
5.2.6 Gestaltung mit dem Computer
5.2.7 Kommunikation mit Hilfe des PC
5.2.8 Arbeiten ohne zur Hilfenahme des Computers
5.2.9 Ergebnisse

SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kinder und Computer - Tätigkeiten 2003, mpfs

Abbildung 2: Neue Medien für das Lernen

Abbildung 3: Bestimmungsmerkmale des geöffneten Unterrichts

Abbildung 4: Projektorientierter Unterricht in Form von Gruppenarbeit

Abbildung 5: Das Anschreiben an den Verlag

Abbildung 6: Textverarbeitung für die Bühnengestaltung

Abbildung 7: Informationssuche im Internet

Abbildung 8: Arbeiten ohne zur Hilfenahme des PC

Einleitung

„Bei der heute weiten Verbreitung von PC (engl. personal computer, dt. persönlicher Computer) wird der PC häufig auch kurz als Computer bezeichnet. ... Ein Arbeitsplatzrechner oder Personal-Computer (Abk.

PC), auf Deutsch eigentlich "persönlicher Computer", ist ein zur persönlichen Verwendung geeigneter und auf eigene Bedürfnisse hin anpassbares Computersystem.“[1]

Da sich in der heutigen Zeit die Begrifflichkeiten 'PC' und 'Computer' kaum noch voneinander unterscheiden bzw. sie als gleichwertige Definitionen im allgemeinen Sprachgebrauch ihren Platz finden, wird auch in der folgenden Arbeit keine Unterscheidung dieser beiden Begriffe vorgenommen.

Der Computer, mittlerweile ein alltägliches Nutzungsobjekt, dass in allen möglichen Bereichen unseres Alltags seinen Platz gefunden hat. Ob in der Bank, im Büro oder in der Freizeit, diese Art der Technologie vereinfacht einer Vielzahl von Menschen Tag für Tag ihr Leben. In vielen Bereichen ist der PC ein wichtiges und fast nicht zu ersetzendes Werkzeug geworden. Nicht nur die Berufswelt profitiert vom Einsatz der Neuen Medien, sondern auch in den privaten Haushalten haben die Computer eine immer größer werdende Verbreitung gefunden und sind somit automatisch auch Bestandteil der Lebenswelt der Kinder geworden.

Bereits in den 70er und 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurden Stimmen laut, in den Schulen ein neues Arbeitsgebiet für den Computer zu schaffen. Kritiker standen dem mit hitzigen Argumenten gegenüber. Nach diesen Diskussionen ist der Computer seit Jahren in den Schulen anzutreffen. Zunächst fand er nur im Informatikunterricht der Mittel- und Oberstufen seinen Platz im Unterrichtsgeschehen. Durch verschiedene Modellversuche und Einzelinitiativen positiv hervorgehoben, ist er inzwischen auch in fast jedem Klassenzimmer der Grundschulen anzutreffen.

Obwohl Einsatzmöglichkeiten des Computers in zahlreicher Form bestehen, hat dieses Medium aus unterschiedlichen Gründen noch nicht den Weg in das alltägliche Unterrichtsgeschehen jedes Klassenzimmers gefunden. Theoretische Ansätze gibt es zugenüge, nur in der Praxis findet der Computer selten seinen Einsatz. Wegen Hemmungen, aus Unkenntnis gegenüber der Technik und den möglichen didaktischen Mitteln und auch aus Sorge vor jugendgefährdenden Inhalten im Internet, scheuen sich sowohl Lehrerinnen und Lehrer, als auch Eltern ihren Kindern die Arbeit mit dem Computer in der Schule zu ermöglichen. Ihre Befürchtungen, Ängste, Irritationen und besonders ihre Hilflosigkeit hemmen den Einsatz von neuen Medien im Grundschulunterricht. Selbst die heutige Lehrerausbildung und die Fortbildung der älteren Lehrkörper im Bereich der Neuen Medien sind noch unzureichend.

Der Fokus der folgenden Arbeit liegt auf dem Einsatz des Computers in der Grundschule. Zunächst werden einleitend viel zitierte Begriffe wie 'Neue Medien', 'Medienpädagogik' und 'Medienkompetenz' kurz erläutert.

Danach wird skizziert, mit welcher Begründung aus anthropologischer, pädagogisch-psychologischer und soziologischer Sicht der Computer auch in der Grundschule zum Einsatz kommen soll und welche Möglichkeiten sich den Lehrenden und auch den Lernenden hiermit bieten.

In diesem Zusammenhang werden verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Computers in der Grundschule aufgezeigt. Sowohl die Ausstattung eines geeigneten Computers für den Grundschulunterricht, als auch der Online- und Offline- Betrieb werden hier betrachtet.

Anschließend folgt eine Darstellung der Lehrerrolle im computerunterstützten Unterricht. Wird die Lehrperson neue großen Herausforderungen erfahren oder vielleicht überlastet sein mit ihrer neuen Aufgabe? Oder werden sich die Handlungsbereiche der Lehrerinnen und der Lehrer auf ein Minimum reduzieren und sie eventuell sogar durch die neuen Technologien ersetzbar sein? Abschließend wird an einem Praxisbeispiel gezeigt, welche Umsetzungsmöglichkeiten sich in einer vierten Klasse anbieten und wie diese mit Hilfe der Projektarbeit umgesetzt wurden. Der erste Teil beschäftigt sich mit der der Projektarbeit als Form des Offenen Unterrichts und es wird auf die möglichen

Arbeitsformen, deren Merkmale und Ziele eingegangen. Zum Schluss werden die einzelnen Arbeitsphasen der Schülerinnen und Schüler dargestellt und ihre Umsetzungsmöglichkeiten mit dem PC beleuchtet.

Hauptteil

1 Neue Medien im Unterricht

Im Zusammenhang mit den auftretenden Diskussionen über den Computereinsatz in der Schule finden auch Begriffe wie Neue Medien, Mediendidaktik, Medienerziehung und Medienkompetenz immer häufiger Verwendung im Sprachgebrauch. Doch welche Definitionen lassen sich finden und welche Bedeutung haben sie für das Unterrichtsgeschehen?

Da jeder dieser Begriffe eine Vielzahl von Definitionen zulässt und weder in der Literatur noch in der Didaktik ausreichend erklärt ist, bzw. keine eindeutige und allgemeingültige Definition dieser Worte existiert, wird vorab eine Grundlage der Begrifflichkeit geschaffen, welche im Folgenden für die gesamte Arbeit gültig sein wird.

Das Wort 'Medium' stammt aus dem Lateinischen und bedeutet 'das in der Mitte Befindliche'.

In der Literatur sowie in vielen pädagogischen Diskussionen tritt der Medienbegriff immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen auf. Es ist zum Beispiel die Rede davon, dass Medien das Lernen unterstützen sollen, dass Medien zu heimlichen Erziehern geworden sind oder dass die Lehrperson das wichtigste Medium bleiben soll, und vieles mehr. In solchen oder ähnlichen Formulierungen wird ein unklarer Medienbegriff verwendet, der unter Umständen zu widersprüchlichen Aussagen führen kann.[2]

Doch was bedeutet das Wort Medium eigentlich genau? Oder in welchem Zusammenhang wird es angewendet? In der Umgangssprache bezeichnet der Begriff 'Medium' in der Regel ein Mittel oder einen Mittler. Oftmals wird er auch für etwas „Vermittelndes" verwendet.

Im pädagogischen Sinne wir er meist für unterschiedliche Sachverhalte in Gebrauch genommen, wie z.B. Tafel und Kreide, Radio und Fernsehen, Lernprogramme und Arbeitsblätter etc. Somit werden Sachverhalte, mit denen etwas vermittelt werden kann als Medien bezeichnet.

Tulodziecki beschreibt sein Verständnis des Medienbegriffs mit folgenden Worten:

„ [...] Medien als Mittler, durch die in kommunikativen

Zusammenhängen bestimmte Zeichen mit technischer Unterstützung übertragen, gespeichert, wiedergegeben oder verarbeitet und in abbildhafter oder symbolischer Form präsentiert werden."[3]

Medien im diesem Sinne sind Bücher, Zeitungen und Illustrierte, Arbeits- und Diaprojektoren, Filme und Fernsehen, Radio und anderen Tonmedien, Videos und weitere Bildmedien sowie der PC.

Ein solcher Medienbegriff kann somit nicht nur für die herkömmlichen Unterrichtsmaterialien verwendet werden, sondern wird hier sowohl für technische Geräte als auch für die dazugehörigen Materialien Anwendung finden.

Eine konkrete Bedeutung für diesen ungenauen Begriff ist im Allgemeinen, dass es sich um einen vermittelnden Gegenstand handelt, der sich auf die Wiedergabe und Verbreitung von Informationen mit Hilfe von Bild, Sprache und Musik bezieht. Professor Rupp der Universität Düsseldorf gibt folgende Definitionen von Medien an:

„1. Präsentations- bzw. Vermittlungsformen im Sinn von 'Medium Buch'
2. technische Medien der Wirklichkeitsverarbeitung seit dem Galileischen Fernrohr. Sie zerfallen in auditive und visuelle Medien (Radio, Schallplatte, Tonband, Telefon versus Foto, Film und Fernsehen).
3. neue Medien ( Video, Computer, CD-Rom und Internet).“[4]

Wo über Medien gesprochen wird fällt auch immer wieder der Begriff 'Neue Medien'. Wo besteht hier nun der Unterschied? Gibt es dann auch 'alte Medien'?

Der Brockhaus bezeichnet 'Neue Medien' als Verfahren, die auf neue Technologien beruhen, und welche der Informationsverarbeitung und -verbreitung zuzuordnen sind.[5]

Im Internet-Lexikon 'wissen.de' findet zum Begriff 'Neue Medien' folgende Definition:

„ Sammelbezeichnung für verschiedene Techniken im Bereich der Unterhaltungselektronik, der Datenverarbeitung und der Nachrichtentechnik sowie für Neuentwicklung bei der Informationsspeicherung und -übertragung, im weiteren Sinne auch die neuen Formen der Massenkommunikation, insbesondere das Internet“[6]

Unter 'alten Medien' werden somit meist Bücher, Tonmedien, Dias, Filme usw. und deren Inhalt verstanden. Unter 'Neuen Medien' hingegen werden in erster Linie elektronische Medien verstanden. Sie beziehen sich meist auf die Inhalte, die mit Hilfe eines PCs gelesen, gehört und so genutzt werden, dass mit ihnen gearbeitet werden kann. Im Wesentlichen geht es hierbei um das Konzept der Interaktivität. Mit ihnen sollen, wie mit den 'Alten Medien' auch, Situationen des Kommunizierens, der Informationssuche, des Schreibens, des Spielens und des Lernens ermöglicht werden. Für den Einsatz im schulischen Bereich sind mit 'Neuen Medien' vor allem der Computer und das Internet gemeint. Andere Technologien wie zum Beispiel das Fax bleiben von der Schule eher unbenutzt und finden kaum Bedeutung und Verwendung für den Unterricht.

Aus der Vielzahl der sich ähnelnden Definitionen ergibt sich nun häufig die Frage, was eine Pädagogik, welche sich mit diesen 'Neuen Medien' beschäftigt, leisten will und welche Ziele sie dabei verfolgt. Hier treten wiederum zahlreiche Begriffe wie Medienpädagogik, Medienerziehung und Medienkompetenz auf.

Die Medienpädagogik ist dabei die übergeordnete Bezeichnung für alle pädagogischen Beschäftigungen mit den Medien. Sie befasst sich vornehmlich mit der Entwicklung, Verwendung und Evaluation von Medien als ein Mittel zur Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen.[7] Der Medienpädagogik geht es um die Nutzung von Medien in Lehr- und Lernprozessen, mit dem Ziel neue Qualitäten des Lehrens und Lernens zu ermöglichen. Deren Wirksamkeit soll durch den Einsatz der Technik gesteigert werden.

Medienerziehung hingegen ist ein Teilaspekt der Medienpädagogik und beschäftigt sich mit den Medien als Unterrichtsgegenstand hinsichtlich ihrer Wirkung, ihrer Aussagen, ihrer Verwendung und Gestaltung.[8] Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Lernenden einen reflektierenden, kritischen und bewussten Umgang mit den Medien zu ermöglichen Dieser bewusste und richtige Umgang mit den Medien muss den Kindern jedoch erst näher gebracht werden, und dies sollte schon zu Beginn der Mediennutzung geschehen. Hier tritt nun der Begriff der Medienkompetenz auf. Manche verstehen darunter die Fähigkeit, ein elektronisches Gerät, hier den Computer; bedienen zu können. Dieter Baacke geht über diese alleinige Fähigkeit hinaus und hat einen erweiterten Begriff gefunden. Er unterscheidet vier Bereiche der Medienkompetenz:

- Mediennutzung:

Hierzu gehört natürlich, Geräte bedienen zu können, aber auch die Fähigkeit, auszuwählen und zu finden was man sucht.

- Medienkunde:

Damit sind die Kenntnisse über die Entstehung medialer Produkte gemeint.

- Medienkritik:

Kompetent mit Medien umgehen zu können heißt, die Inhalte kritisch zu betrachten und sie in den Gesamtkontext richtig einordnen zu können.

- Mediengestaltung:

Selbst Medien zu gestalten heißt, wirklich zu begreifen, wie sie funktionieren. Dies heißt aber auch, Medien kompetent für seine eigenen Ziele einzusetzen.[9]

Zu erkennen ist, dass das alleinige An- und Ausschalten eines Computers für das effektive Arbeiten an diesem Gerät nicht ausreicht. Jeder Nutzer, ob ein Erwachsener oder ein Kind, muss sich genauestens mit der Materie des Computers auseinandersetzen, um die Möglichkeiten des Neuen Mediums im vollen Umfang für seine eigenen Ziele einsetzen zu können. Zwar muss niemand das vollkommene Verständnis von zugrunde liegenden physikalischen und elektrotechnischen Vorgängen, wie z.B. das Programmieren eines Programms, haben, jedoch sollte er die grundlegenden Fertigkeiten, wie die Bedienung der Hardware und deren Funktionen, sowie die ordnungsgemäße Programmeinwahl usw., beherrschen.[10]

Medienpädagogik und Medienkompetenzen bilden somit zwei wesentliche und wichtige Teile der gesamten Pädagogik. Beide Bereiche ergänzen sich zu einem immer erfolgreicher werdenden Konzept der Unterrichtsplanung und -gestaltung. In der heutigen Zeit kann man sich das Schulwesen ohne diese beiden Komponenten kaum mehr vorstellen.

2 Computereinsatz in der Grundschule

Bevor ein neues Lehr- und Lernmittel in der Schule seinen Platz findet, müssen verschiedene Aspekte vorab überdacht und geprüft werden. Neben gesellschaftlichen Aspekten spielen auch derzeitige Erziehungsideale bzw. Erziehungsziele eine bedeutende Rolle. Ist deren Einsatz aus pädagogischer Sicht überhaupt sinnvoll? Nimmt das neue Medium den gesellschaftlichen Hintergrund der Kinder in genügender Form auf und kann es sich mit diesem ausreichend verbinden? Im Folgenden werden nun solche Begründungen für den Einsatz neuer Medien sowohl aus pädagogischer, gesellschaftlicher, als auch aus soziologischer Sicht erläutert.

2.1 Diskussionen um den PC in der Grundschule

Schon bereits in den 80er Jahren gab es Vorraussagen, die den PC für den Unterricht einerseits in ungeahnte Höhen lobten und andererseits Befürchtungen, welche den Computer für den Schulalltag für nicht überlebensfähig hielten. Viele dieser Diskussionspunkte, Euphorien und Ängste haben sich inzwischen relativiert. Weder die Befürchtungen einer vereinsamten Generation von ausschließlich computerorientierten Kindern und Jugendlichen, noch die Vorstellungen eines völlig anstrengungsfreien und deutlich effektiveren Lernens haben sich bewahrheitet. Auch die Verdrängung der herkömmlichen 'alten' Medien fand weder inhaltlich, noch technisch und auch nicht ökonomisch statt.[11]

Mittlerweile besteht in Deutschland ein Konsens darüber, dass weder eine Pädagogik vorherrscht, die die Neuen Medien aus der Schulwelt ausschließt, noch ein virtueller Unterricht, oder eine Computerschule, welche die Lehrerinnen und die Lehrer überflüssig macht. Man ist sich einig darüber, dass die Neuen Medien, wie auch alle anderen Medien in der Schule, danach beurteilt werden müssen, ob und wie sie den didaktischen und pädagogischen Ansprüchen der

Grundschule genügen.[12] Auftretende Probleme über mögliche Überforderungen durch die zunehmende Informationsflut und ähnliche Fragen werden jedoch nicht allein aus dem Grunde beseitigt, dass die Schulen die Neuen Medien vollkommen ignorieren und den Schülern den PC als Lernmedium und Werkzeug vorzuenthalten. Zudem wäre es unverantwortlich Kinder und Jugendliche mit der Bewältigung des Umgangs mit dem PC allein zu lassen.[13]

Bereits zu Beginn der 80er Jahr startete England die ersten Computerversuche im Schulsystem. Nach und nach fand der PC auch in anderen europäischen Primarschulen erhöhten Zuspruch.[14]

Im europäischen Ländervergleich hingegen verhielt sich Deutschland bezüglich der Einführung des Computers im Unterricht der Schulen bisher äußerst zurückhaltend. Es wurden Stimmen laut, die der Technik eher skeptisch gegenüber stand. Die möglichen negativen Folgen und Auswirkungen des PC für die Kinder und die Gesellschaft standen im Vordergrund der Überlegungen, begleitet von generationsspezifischen Ängsten und finanzpolitischen Bedenken. Der Primarbereich sollte möglichst von all diesem Übel bewahrt werden.[15] Diesen negativen Argumenten standen andererseits empirische Studien und Modellversuche mit eigenen Aussagen entgegen. Zentrale Begründungen für den Computereinsatz im Unterricht des Primarbereichs sahen die Befürworter in der Zukunftsbedeutung des PC, dem Lebensargument und dem Lernargument für die Schüler.[16]

Zum heutigen Zeitpunkt sind Computer im Klassenzimmer nicht nur gestattet, sondern ein gerngesehenes und mit Fördermitteln unterstütztes Lernobjekt. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft unterstützen hier die Erschließung des Neuen Mediums sowohl in finanzieller, materieller als auch in personeller Hinsicht. Gerade zur Zeit der Pisastudie und der schlechten personellen Ausstattung des Arbeitsmarktes wird es zum Ziel gemacht, alle Schulen mit Computern und Internetzugängen auszurüsten. Dabei sollen didaktische und pädagogische Gesichtspunkte jedoch nicht aus den Augen verloren werden.

Im neuen Lehrplan NRWs von 2003 ist zu lesen, dass die Medienerziehung den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten und Beschränkungen einer durch Medien geprägten Lebenswirklichkeit aufzeigen und die Arbeit mit Medien dazu beiträgt, dass die Kinder Medienkompetenzen entwickeln können.[17] Um dies zu erreichen, sollen die Schülerinnen und Schüler Hilfen erhalten, Medien sinnvoll zu beurteilen, zu bewerten und gezielt auszuwählen.

2.2 Begründungen für den Computereinsatz

2.2.1 Anthropologische Begründungen

Die Begrifflichkeiten 'Erziehung' und 'Bildung' stehen in unmittelbarer Verbindung zueinander, sodass der eine von dem anderen eigentlich nicht mehr getrennt werden kann.[18] Und doch sollen hier zunächst beide Begriffe näher betrachtet werden, um anschließend eine Begründung finden zu können, warum das Lernen mit dem PC in der schulischen Erziehung berücksichtigt werden soll. Bildung ist als ein Prozess zu verstehen, in dem die natürlich vorhandenen, geistigen Anlagen einer Person bewusst und planmäßig entwickelt werden. Die Aneignung von Kenntnissen, Erkenntnissen und Erfahrungen spielt hier ebenso eine große Rolle.[19]

Bei der Erziehung werden Kinder und Jugendliche aktiv geprägt, um sie auf das zukünftige Leben in der Gesellschaft und dessen Erwartungen vorzubereiten. Dies wird auch oftmals mit Bildung gleichgesetzt.[20]

Angelehnt an Rousseaus Theorie, dass der Mensch von Natur aus gut und alles in ihm selbst veranlagt ist, ist es Aufgabe der Erzieher, sich so wenig wie möglich erzieherisch zu betätigen. Stimmt man dieser Theorie zu, so soll sich Erziehung darauf beschränken, schädliche und entwicklungshemmende Umwelteinflüsse fernzuhalten.

Auch Pestalozzi geht von der grundlegenden natürlichen Veranlagung des Menschen aus. Seine grundlegende Überzeugung ist jedoch, „dass es dem Individuum nur durch Erziehung möglich wird, seiner höheren Bestimmung gerecht werden zu können."[21]

Verstehen wir nun Bildung als die Fähigkeit eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und sein Wissen sinnvoll und effektiv anzuwenden, so wird Erziehung als Bildungshilfe verstanden, die ein Mensch zur Ausbildung und Förderung seiner Persönlichkeit benötigt. Durch erzieherische Maßnahmen soll er befähigt werden, sich in der Welt zu orientieren und sein Leben sinngemäß und eigenverantwortlich führen zu können.

Auf die Medienpädagogik bezogen, soll dies bedeuten, dem Menschen Hilfestellungen zu geben, mit denen er die Medien, welche ihm in seinem Lebensumfeld täglich begegnen, verantwortungsvoll und selbstbestimmt für sich nutzen kann. Somit ist es auch schon Aufgabe jeder Bildungseinrichtung, den Lernenden auf die Anforderungen einer solchen medienorientierten Umwelt vorzubereiten und sie zu befähigen, die oben genannten Kompetenzen zu entwickeln. Der Erwerb dieser Kompetenzen und die aus der Nutzung entstehenden Vorteile für den Lernprozess sollten so früh wie möglich in das Unterrichtsgeschehen einbezogen werden und so wird dies schon eine grundlegende Aufgabe der Grundschule.

2.2.2 Pädagogisch-psychologische Begründungen

„Konstruktivisten argumentieren, dass jeder Mensch sich seine Wirklichkeit im Kopf „konstruiere"." (Kolhoff-Kahl 2003, S.163). Aus ihrer Sicht tritt jeder Mensch seiner Umwelt mit seinen individuellen Erfahrungen und Emotionen entgegen.[22] Diese Eindrücke und Empfindungen beeinflussen die Wahrnehmung des Menschen und dadurch ist keine objektive Wiedergabe der Wirklichkeit möglich.

Jedes Individuum beschreibt lediglich seine Beobachtungen, so wie er sie wahrgenommen hat und auch nur in den Teilen, die ihm wichtig erschienen. Jeder kennt zum Beispiel ein Spiel, in dem einer Person ein Bild gezeigt wird und diese soll einer anderen unwissenden Person das Bild nur in Worten erklären. Diese Erläuterung soll nun im „Stille-Post-Verfahren“ an weitere unwissende Personen weitergegeben werden. Bis zum Ende des Spiels ist zu erkennen, dass die 'Wirklichkeit' des Bildes bei jeder Wiedergabe ein Stück verfälscht wird, da sich jeder Teilnehmer an andere Aspekte erinnert und seine individuellen Vorstellungen in die Weitergabe der Informationen einfließen lässt. Somit nimmt jeder Mensch seine Umwelt anders war und das führt dazu, dass die Wirklichkeitskonstruktionen der Menschen sehr unterschiedlich sind.

Übertragen auf den allgemeinen Lernprozess entstehen auch hier ebenso viele verschiedene Weltkonstruktionen wie es Lernende gibt und jedes Individuum entwickelt einen eigenen, nur für sich ersichtlichen Lernweg. Im Schul- und Unterrichtsgeschehen werden solche Weltkonstruktionen nun entweder aufgegriffen und in das vorhandene Wissensnetz der Schülerinnen und Schüler eingepasst, oder sie werden wieder verworfen. Folglich ist Lernen ein aktiver Prozess der Wissenskonstruktion, welcher immer in Verbindung mit vorhandenem Wissen entsteht. Aus dieser Sicht ist es erforderlich, dass der Lernende aktiv an seinem Wissensaufbau beteiligt ist und sich mit dem angebotenen Material auf seine Weise ausreichend beschäftigen kann. Da Informationen nur in Verbindung mit dem eigenen Wissen ausgewertet und interpretiert werden können, reicht Sprache allein nicht aus, Wissen eindeutig zu vermitteln.

Es macht also wenig Sinn, dass ein Lehrer versucht, seine Kenntnisse direkt an die Schülerinnen und Schüler weiter zu geben. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, den Wissenserwerb der Lernenden indirekt zu steuern. Dies kann er dadurch tun, indem er durch Hinweise, Fragen und Informationen den Schülerinnen und Schüler anregt und indirekt unterstützt, sein Wissen selbst zu konstruieren.

Einen wesentlichen Vorteil können hier die neuen Medien bieten. Sie können als Hilfsmittel für die Vorbereitung, Gestaltung und Durchführung von Lehr- und Lernprozessen dienen. Die hierdurch neu gebotene Lernumgebung erlaubt stärker als bisher die Selbstbestimmung individueller Lernwege und eigener Lerngeschwindigkeiten. Dem Lernenden stehen dadurch mehr Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, um seinen Wissenserwerb zu gestalten. Er kann auch auf entfernt vorhandene Informationen schnell und ohne großen Aufwand zugreifen und gleichzeitig neue Formen gemeinsamen Lernens erfahren. Dem Schüler wird nun mehr ein rascher Zugriff auf eine umfangreiche Materialauswahl in verschiedenen medialen Formen, z.B. schriftliche Texte, Tondokumente, Grafiken, Bilder, etc. angeboten. Dadurch wird ihm ein situationsgerechter Abruf der Materialien ermöglicht. Der Computereinsatz im Unterricht ermöglicht zusätzliche Zugänge zum Lernstoff, wodurch eine Lernumgebung geschaffen wird, die ein entdeckendes und projektorientiertes Lernen fördert. Dies hat eine stärkere Schülerorientierung zur Folge. Der Lehrer verliert dadurch mehr und mehr von seinem Wissensmonopol und seine Aufgabe verlagert sich in die oben genannt Richtung. Das eigene Entdecken und Entwickeln des Schülers gewinnt an Bedeutung.[23]

Neue Medien ermöglichen ein aktives und produktives Lernen und Arbeiten in der Schule und schließen damit an reformpädagogische Konzepte zum offenen, aktiven, selbstbestimmten und selbstorganisierten Lernen an.

Auch die Multimedialität des Computers birgt lernpsychologische Vorteile. Es gibt Befunde, die beweisen, dass die Sinne anfällig sind für Überlastungen und Schwächungen. Der PC bietet hier die Möglichkeit Überlastungen zu reduzieren, dadurch dass das Informationsangebot auf unterschiedliche Sinnesarten verteilt wird.[24] Es ist z.B. erwiesen, dass Schülerinnen und Schüler den Lernstoff besser aufnehmen und verarbeiten können, wenn Erläuterungen zu Bildmaterialien nicht nur durch Text, sondern durch Sprache erfolgen. Eine Überlastung des visuellen Sinnes wird vorgebeugt und dem Schüler eine einfachere Informationsaufnahme ermöglicht. Dadurch dass der Lernende nicht ständig zwischen Text- und Bildmaterial wechseln muss, wird seine Konzentration auf das Wesentliche verlagert. Ein geeignetes, und gut koordiniertes Angebot von verschiedenen

Darreichungsformen ist hierbei jedoch sehr wichtig, sobald eine multimediale Darstellung erfolgt.

Neben dem Aspekt der Lernerleichterung geht gerade für Grundschüler von einem Computer eine hohe Motivation aus. Die meisten Kinder finden den PC im eigenen Lebensumfeld und sind von klein auf mit der Technik umgeben. Warum sollte die Schule daher nicht den Computer nutzen, um die Lernfreude der Schüler neu zu wecken bzw. zu erhalten? Die Kinder werden beim Lernen aktiviert und ihr Interesse wird aus folgenden Gründen geweckt:

- Technische Attraktivität und Aktualität
- Sofortige Rückmeldung
- Gute Übungsmöglichkeiten
- Chance, selbst Aufgaben oder Varianten zu finden[25]

Lesen, Rechnen und Rechtschreiben sind so keine Angst machenden, frustrierenden Quälereien mehr. Dadurch nimmt der PC einen wichtigen Platz im Unterrichtsgeschehen ein.

Bei der Textproduktion ist es gerade für Kinder mit Rechtschreibschwächen und geringer Schreibmotivation hilfreich, ihnen eine andere Art von Textbearbeitung und -verarbeitung anzubieten. Und auch in der Zeit des Schriftspracherwerbs kann ein PC zur Schreiberleichterung beitragen. Neben erhöhter Schreibmotivation und -produktion kann auch eine verbesserte Schreibkompetenz verzeichnet werden.

Erfahrungen zeigen, dass auch Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten und hyperaktive Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum von 10-15 Minuten konzentriert und produktiv am Computer zu arbeiten und sie den PC auch gern und häufig als Alternative zu herkömmlichen Arbeitsmethoden wählen.

2.2.3 Soziologische Begründungen

Durch die heutige technologische Entwicklung entsteht eine neue Informations­und Kommunikationsstruktur in der Gesellschaft. Häufig wird auch schon von einer Informations- und Wissensgesellschaft gesprochen.[26] PCs spielen in unserer zeitgenössischen Gesellschaft und Technologie eine immer bedeutendere Schlüsselrolle. Der Computer wird zum Träger neuer Lebens- und Arbeitsformen. Eine grundlegende gesellschaftliche Bedeutung wird dem Zugang zu Informationen zugesprochen. Somit werden Computerkompetenz und Informationskompetenz als zu vermittelnde und erwerbende 'Schlüsselqualifikation' bezeichnet.[27]

Doch auch die heutige Kindheit wird von dieser Entwicklung beeinflusst. Seit einiger Zeit schon ist der PC nicht mehr nur ein Nutzungsgegenstand im Berufsleben, sondern trägt zur Unterhaltung im Privatleben einen großen Anteil bei. Auch Lorenz und Heyden vertreten die Ansicht, dass der PC schon längst selbstverständlich zur Umgebung unserer Kinder im Grundschulalter gehört.[28] Studien belegen, dass weit mehr als die Hälfte aller Familien mit Kindern mindestens einen Computer zu Hause haben. Schülerinnen und Schüler widmen einen Großteil ihrer freien Zeit unterschiedlichen Medien. Neben herkömmlichen Spielen greifen die Kinder immer mehr auf elektronische Unterhaltungsgegenstände wie das Fernsehen und den Computer zurück. Die Haushaltsdurchdringung mit Computern, das heißt mindest ein Gerät ist im Haushalt vorhanden, liegt im Jahr 2003 bei ca. 74 Prozent, beim Internet ist sie von 47 Prozent im Jahr 2002 auf 57 Prozent im Jahr 2003 angestiegen.[29]

„Computer und Internet sind auch bei Kindern weiter auf dem Vormarsch. So haben bereits 70 Prozent der sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland erste Erfahrungen mit dem Computer gesammelt. Und wenn Kinder Computer nutzen, lernen sie dabei immer häufiger auch das Internet kennen. Waren im Jahr 2002 bereits mehr als die Hälfte der Kinder mit Computererfahrung auch schon einmal im Internet (53%), ist dieser Anteil im Jahr 2003 auf 60 Prozent angestiegen. Während bei Jungen mit Computererfahrung der Anteil an Internetnutzern nur um fünf Prozentpunkte angestiegen ist, fiel der Zuwachs bei Mädchen doppelt so stark aus (plus elf Prozentpunkte). Somit zählen erstmals mehr computererfahrene Mädchen (62%) als Jungen (58%) zu denen, die zumindest selten das Internet nutzen. Zieht man den Vorjahresvergleich nach Altersgruppen, so weisen vor allem die 10- bis 11-Jährigen mit Computererfahrung einen überdurchschnittlichen Zuwachs bei der Internetnutzung auf (plus elf Prozentpunkte). Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie "KIM 2003 - Kinder und Medien" des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MpFS) [,].“[30]

Zu den regelmäßigsten Anwendungen am Computer zählen nach wie vor Spiele (siehe Abbildung 1). Ca. 46 Prozent der computererfahrenen Kinder nutzen den PC regelmäßig für die Schule, 44 Prozent bevorzugen Computerprogramme für eine mindestens einmalige Nutzung pro Woche. „30 Prozent surfen mit dieser Häufigkeit im Internet - im Jahr 2002 waren es nur 23 Prozent, zwei Jahre zuvor sogar erst 15 Prozent.“[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kinder und Computer - Tätigkeiten 2003, mpfs

So stellt sich nun die Frage, wie sich die Schulen in diese medienorientierte Gesellschaft einbinden können?

Die Schulen müssen nun mehr auf diese veränderten gesellschaftlichen Anforderungen reagieren. Schule wird heute als Institution gesehen, die sich in ihren Inhalten und Angeboten an dem Bedarf der Arbeitswelt sowie der Gesellschaft zu orientieren hat. Da Neue Medien in diesem Zusammenhang wichtig sind und vermutlich in der nahen Zukunft noch erheblich an Bedeutung gewinnen werden, kommt ihrer Beherrschung große Relevanz zu.[32] Um Wissenslücken nun rechtzeitig vorzubeugen, sollte schon in der Grundschule damit begonnen werden, den PC im Unterricht zu integrieren. Den Umgang mit den Neuen Medien in die weiterführenden Schulen zu verlegen, würde die Lernerfahrungen und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler bis dahin weiter auseinander laufen lassen und der Anspruch der Bildungsgerechtigkeit wäre noch schwieriger zu lösen.[33]

Die Zahlen zeigen, dass die Nutzung des Computers bei vielen Kindern ein aktuelles Thema ist und auch in Zukunft sein wird. Was sie am PC tun, wie lange und wie oft sie es tun, variiert nach Persönlichkeit, sozialen Umfeld und den vorhandenen Handlungsalternativen. Nun ist es Aufgabe der Schulen, insbesondere der Grundschulen, diese Nutzung mitzulenken und sich ihrer Möglichkeiten und Grenzen bewusst zu werden.

2.3 Begründungen gegen den Computereinsatz

Neben den Vorzügen des Computereinsatzes im Unterricht der Grundschule, wie z.B. die große Eigentätigkeit des Lernenden und die motivationalen Aspekte des Computerlernens, werden auch immer wieder Stimmen laut, die die Contra­Positionen vertreten. Zum einen wird auf die Wirkungslosigkeit eines PCs verwiesen. Da bisher kein empirischer Nachweis über die Überlegenheit des Computers besteht, wird angenommen, dass der Einsatz von Neuen Medien insbesondere des Internets im Grundschulbereich keine Leistungssteigerung hervorruft und somit wirkungslos ist.[34] Wieder andere meinen, der Schwerpunkt der Schulen liege auf der Vermittlung der Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnen. In diesem Fall ist die Einführung des PCs hinderlich, da kein handschriftliches Schreiben mehr vorgenommen, sondern nur vereinzeltes Tippen und Klicken zur Textver- und -bearbeitung nötig werde. Das Lesen werde durch Vorlesen und den Sound der Computerprogramme ersetzt oder Bilder übernehmen die sinnhafte Entnahme der Informationen. Zudem ist die Arbeit mit dem PC äußerst einseitig in der Förderung bestimmter Lernbereiche und des mechanischen Übens.[35] Ab und zu tritt auch der Begriff der 'McDonaldisierung des Wissens' auf. Dies mag bedeuten, dass der Computer und das Internet das Wissen zu einer beliebig und leicht anhäufbaren Sache machen und das Denken dabei an Bedeutung verlieren werden.[36] Auch treten immer häufiger die Fragen der Nutzbarkeit für den späteren Ausbildungsweg in den Vordergrund. Muss die Orientierung an Anforderungen, die für einen jetzigen Grundschüler erst in circa 10 Jahren wirksam werden, bereits in den ersten Schuljahren erfolgen? Ist jetziges Wissen in 10 Jahren nicht veraltet?

Auch der Autor Clifford Stoll beschreibt in seinem Buch „Log out - Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech- Ketzereien" verschiedene Contra-Argumente gegen den Einzug des PC in den Schulunterricht. Laut Stoll ist es reine Zeitverschwendung, den Umgang mit Spezialprogrammen zu unterrichten, denn die Software, deren Anwendung man in den Schulen lernt, wird vielleicht in der privaten Umgebung der Schülerinnen und Schüler gar nicht benutzt oder ist bereits veraltet.[37] Auch er vertritt den Standpunkt, dass schriftliche und gar handschriftliche Darstellungen sowie motorische Fähig- und Fertigkeiten verlernt werden. Viele Kinder, welche sich mit der Technik gut auskennen, können sich im Gegensatz dazu jedoch nur schlecht ausdrücken. Zudem sei das Internet mit seinen verlockenden Werbespots nicht dazu geeignet, den Heranwachsenden einen kindgerechten Wissenserwerb zu ermöglichen, sondern biete hierdurch nur einen weiteren reizüberflutenden und ablenkenden Bereich im Leben der Schülerinnen und Schüler.

Auch die Argumente, dass Lernen mit Spaß sehr förderlich sein könnte, werden in diesem Bereich eher als Hindernis betrachtet. Der Computereinsatz im Grundschulunterricht halte die Kinder vom Schreiben ab. Nebenbei wird angenommen, dass hier meist auf schnelle Antworten hingearbeitet wird, anstatt auf Verstehen und kritisches Denken zu setzen.[38] Die Förderung der geistigen Trägheit ist vorprogrammiert und hierdurch werden Originalität, Konzentration und Inspiration ausgetrieben. Die Schülerinnen und Schüler verlieren jegliche Ausdauer und Geduld und auch ihre Lust am Probieren. Stoll plädiert eher für die akustischen und haptischen Erfahrungen der Kinder. Für ihn sind die visuellen Darstellungen zwar nicht ersetzbar, aber seiner Meinung nach, sollten sie auch nicht überbewertet werden. Mit Hilfe der Neuen Medien werden nur abstrakte Symbole im Überfluss geliefert, doch sie vermitteln nur dürftige Erfahrungen. Das Ertasten und Erproben von Materialien und Vorgängen sei unverzichtbar.[39] Nur hierdurch sind die Lernenden in der Lage die Informationen und das zu Lernende im vollen Umfang aufzunehmen und zu verstehen.

Andere Kritiker wiederum verweisen auf die illusionären Bausteine der Computerarbeit. Sie sind der Ansicht, dass viel zu viele Erwartungen in die Neuen Medien gesetzt werden und dass diese nicht so leicht zu erfüllen sind, sondern eher zu Enttäuschungen führen. Als eine falsche Absicht wird gesehen, dass vor allem die Kompetenz des schnellen Zugriffs auf schnell und leicht abrufbare Informationen und Inhalte erworben werden muss, statt des eigenen Wissens dieser Inhalte. Der Lernende nimmt die Informationen lediglich als Tatbestand hin, ohne ihn kritisch zu hinterfragen und ihn zuvor eigens erarbeitet zu haben. Dadurch sind Oberflächlichkeiten vorprogrammiert und der Wissenserwerb für einen längeren Zeitraum ist nicht möglich.

Doch auch Argumente bezüglich der finanziellen Seiten und des zeitlichen Aufwands werden negativ betrachtet. Die Anschaffung und Wartung der Geräte sind nicht die alleinigen Dinge, welche wichtig sind. Auch die Folgekosten müssen Beachtung finden, die z. B. für die Fortbildung der Lehrpersonen und für die Aufrüstung der Computer entstehen, damit eine zeitgemäße Nutzung gewährleistet ist.

Viele dieser Contraeinstellungen wurden nicht nur zu Beginn der Diskussion zum Einsatz des Computers im Grundschulunterricht vorgebracht, sondern werden auch heute noch angeführt.

2.4 Fazit

Selbstverständlich ist es wichtig und richtig, die tatsächlichen Ansätze, Möglichkeiten, Vorschläge und Ideen im Zusammenhang mit computerunterstützten Lernen immer wieder abzugleichen und zu überprüfen. Gerade in der heutigen Zeit ist nichts endgültig und sowohl didaktische als auch methodische Vorgehensweisen müssen immer wieder überprüft werden. Gegebenenfalls ist eine Anpassung an den derzeitigen Wissensstand ebenso nötig.

Viele der ungewollten und unentdeckten Nebenwirkungen des Einsatzes von Neuen Medien werden jedoch nicht allein durch das Vermeiden des Schuleinsatzes verhindert. Ganz im Gegenteil: durch Medienforschung und Beobachtung der Kinder wird versucht, die schädliche Wirkung zu erfassen und pädagogisch wertvoll damit umzugehen. Den Kindern werden Kompetenzen vermittelt, welche ihnen helfen verantwortungsvoll und kritisch mit diesem neuen Medium umzugehen, denn im privaten Bereich ist der Fortschritt nicht so leicht aufzuhalten. Den Kindern werden in anderen Bereichen außerhalb der Schulen genügend Anreize geboten, mit dem PC in Kontakt zu kommen und dadurch ist es auch gerade Aufgabe der Schulen hier tätig zu werden und vorbeugende Arbeit zu leisten. Auch die häufig genannte Nebenwirkung der Vereinsamung konnten bisher noch nicht bestätigt werden. Gerade im schulischen Bereich lassen sich eher gegensätzliche Tendenzen aufzeigen.

Neben den ständig steigenden Anforderungen bezüglich eines schnellen und umfangreichen Wissenserwerbs darf die Betreuung der Schülerinnen und Schüler, sowie deren Bewahrung vor Überforderung nicht außer Acht gelassen werden. Es muss ein Weg gefunden werden, Kinder auf der einen Seite nicht künstlich unwissend zu halten und sie auf der anderen Seite nicht zu überfordern. Die Heutige Kindheit wird von vielerlei Dingen beeinflusst und untersteht einer ständigen Veränderung. Hierbei wird sie auch nicht ausschließlich durch und mit Medien erlebt und Medien dienen auch nicht zur möglichst schnellen Anpassung an die Erwachsenenwelt.

Lernen soll Spaß machen, doch dass Lernen mit dem Computer ausschließlich Spaß bringt und fast mühelos abläuft, das ist ein Trugschluss. Lernen ist in vielerlei Hinsicht mühsam und ist fast immer mit einem gewissen Maß an Anstrengungen verbunden. Es ist nicht schlimm, wenn dies den Lernenden bewusst ist. Auch Kinder sprechen schon häufig davon, dass sie am PC 'arbeiten'. Der Computer kann keine Wunder bewirken und den Kindern die Arbeit und die Mühe, die das Lernen in sich birgt, abnehmen. Aber er kann als Hilfestellung dafür dienen, dass die Schülerinnen und Schüler Erfolgserlebnisse und Zufriedenheit mit ihren Leistungen erfahren.

[...]


[1] vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Computer

[2] vgl.: Tulodziecki 1997, S. 33

[3] vgl.: Tulodziecki 1997, S. 37

[4] vgl.:www.phil-fak.uni-duesseldorf.de//germ5%seminare/1999ws/rupp/medien-definitionen.pdf

[5] vgl.: http://www.brockhaus.de

[6] vgl.: http://www.wissen.de

[7] vgl.: Tulodziecki,G.; Hagemann,W.;Herzig, B.; Leuten, S.; Mütze,C. 1996, S. 11

[8] vgl.: http://www.net-lexikon.de/Erziehung.html

[9] vgl.: Baacke, Dieter 1/99, S.7-11

[10] vgl.: Wöckel, Stephen 2000, S.192

[11] vgl.: Mitzlaff / Speck-Hamdan 1998, S. 18

[12] vgl.: Mitzlaff / Speck-Hamdan 1998, S. 21

[13] vgl.: Mitzlaff / Speck-Hamdan 1998, S. 17

[14] vgl.: Mitzlaff 1996, S.21

[15] vgl.: Mitzlaff 1996, S.21 - 22

[16] vgl.: Wöckel 2000, S. 178 - 185

[17] vgl.: Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen 2003, S. 18

[18] vgl.: http://www.net-lexikon.de/Erziehung.html

[19] vgl.: http://www.net-lexikon.de/Erziehung.html

[20] vgl.: http://www.net-lexikon.de/Erziehung.html

[21] vgl.: http://www.heinrich-pestalozzi.info/

[22] vgl.: Kolhoff-Kahl 2003, S.163

[23] vgl. Wöckel 2000, S.183 - 185

[24]

[25] vgl. Arenhövel 1994, S. 77

[26] vgl.: Rheinländer, K. 2003, S. 7

[27] vgl.: vgl. Wöckel 2000, S.178-180

[28] vgl.: Heyden, K., Lorenz, W. 1999, S. 10

[29] vgl.: http://www.mpfs.de/studien/kim/kim03.html:

„Bereits zum vierten Mal hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MpFS) im Rahmen einer umfangreichen Studie das Medienverhalten der 6- bis 13-Jährigen in der Bundesrepublik untersucht. Hierzu wurden von Mai bs Juli 2003 über 1.200 Kinder und deren Mütter persönlich befragt. Im Mittelpunkt der Untersuchung "KIM 2003" standen die Medien Computer und Internet.“

[30] vgl.: http://www.mpfs.de/studien/kim/kim03.html

[31] vgl.: http://www.mpfs.de/studien/kim/kim03.html

[32] vgl.: Wöckel 2000, S.178-180

[33] vgl.: Mitzlaff / Speck-Hamdan 1998, S. 22

[34] vgl.: Wöckel 2000, S.115

[35] vgl.: Wöckel 2000, S.118

[36] vgl.: Wöckel 2000, S.119

[37] vgl.: Stoll 2001, S. 17

[38] vgl.: Stoll 2001, S. 27

[39] vgl.: Stoll 2001, S. 79

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten des PC-Einsatzes im Unterricht der Grundschule - Exemplarisch dargestellt am Beispiel einer vierten Klasse
Hochschule
Universität Paderborn  (FB Kulturwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
117
Katalognummer
V28609
ISBN (eBook)
9783638303422
Dateigröße
1366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, PC-Einsatzes, Unterricht, Grundschule, Exemplarisch, Beispiel, Klasse
Arbeit zitieren
Jessika Voits (Autor), 2004, Möglichkeiten des PC-Einsatzes im Unterricht der Grundschule - Exemplarisch dargestellt am Beispiel einer vierten Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28609

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