Der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Leistung einer Gruppe


Hausarbeit, 2014

28 Seiten, Note: 1,6

Frida Rich (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Zentrale Erkenntnisse: Gruppe und Gruppenleistung

3. Hypothese über mögliche Zusammenhänge von Persönlichkeit und Gruppenleistung

4. Aktueller Forschungsstand

5. Handlungsempfehlungen für die Zusammenstellung leistungsstarker Gruppen

6. Beurteilung der Machbarkeit von Empfehlungen in der Praxis

7. Literaturverzeichnis
A. Tabellenverzeichnis
B. Ergebnisse der Metaanalyse von Bell (2007)

1. Einführung

Jeder Mensch ist Teil einer Vielzahl von Gruppen. Bereits mit der Geburt ist man Mitglied einer Familie. Im Laufe des Lebens fühlt man sich weiteren Gruppen zugehörig – sei es als Teammitglied eines Sportvereins oder der Theatergruppe, als Bestandteil des Freundeskreises oder als Element einer Arbeitsgruppe im späteren Berufsleben.

Die Betrachtung von Gruppen ist so komplex und vielseitig, weshalb es nicht überraschend erscheint, dass sich die Gruppenforschung als eigenständiges und bedeutsames Gebiet der Sozialpsychologie entwickelt hat. Die zentrale Fragestellung der Arbeits- und Organisationspsychologie betrachtet Gruppen im Zusammenhang mit der Arbeit in Organisationen, wobei hier die Erkenntnisse der Sozialpsychologie einen bedeutsamen Stellenwert einnehmen.

Aufgrund wachsender Komplexität im Bereich der Technologie, dem Wettbewerb und den Anforderungen an jeden einzelnen Mitarbeiter, sowie deren Wunsch nach Selbstverwirklichung, setzen eine Vielzahl von Organisationen Arbeitsgruppen zur Bearbeitung von Aufgaben ein, die ein Mitarbeiter allein nicht bewältigen kann. Nach Ergebnissen von Antoni (1996, zitiert nach Wegge, 2001) nutzen fast alle größeren Betriebe in Deutschland Projektgruppen und etwa die Hälfte Qualitätszirkel.

Doch manche Teams sind erfolgreich, während es andere nicht sind. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Zusammenstellung eines funktionierenden Teams, welches effizient und erfolgreich an der Verwirklichung seiner Aufgaben arbeitet, eine große Herausforderung darstellt.

In dieser Studienarbeit, welche die Abschlussarbeit des Studienmoduls Grundlagen der Psychologie darstellt, werden zwei wichtige Aspekte der Gruppenleistung – Prozessverluste und Prozessgewinne – betrachtet. Des Weiteren wird anhand einer umfassenden Literaturrecherche überprüft, in wie fern Persönlichkeitsmerkmale die Leistung einer Gruppe beeinflussen. Es wird sich allgemein auf Gruppen als Form der Arbeitsorganisation beschränkt. Handlungsempfehlungen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Zusammenstellung von leistungsstarken Gruppen in Unternehmen bilden den Abschluss dieser Arbeit, sowie deren Einschätzung und Beurteilung zur Machbarkeit in der Praxis. Es sei noch hinzugefügt, dass die Begriffe Team und Teamarbeit als Synonyme für Gruppe und Gruppenarbeit verwendet werden.

2. Zentrale Erkenntnisse: Gruppe und Gruppenleistung

Gruppe

Aufgrund der großen Vielfalt an Informationen zur Gruppenforschung ist es schwierig den Gruppenbegriff eindeutig zu definieren, sodass lediglich die zentralen Merkmale, die für jede Art von Gruppe gilt, aufgeführt werden.

Nach Rosenstiel (2003, zitiert nach Nerdinger, Blickle & Schaber, 2008) handelt es sich bei einer Gruppe um mehrere Personen, die über einen längeren Zeitraum direkt miteinander interagieren und sich daher durch Rollendifferenzierungen, gemeinsame Normen und ein Wir-Gefühl auszeichnen. Um Arbeitsgruppen explizit abzugrenzen, muss hinzugefügt werden, dass diese ihre Aufgaben gemeinsam, entsprechend einer gemeinschaftlichen Zielsetzung bewältigen, im Sinne der Organisation (Nerdinger et al., 2008).

Gruppenleistung

Steiner (1966) betonte, dass eine Gruppe, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen (wie Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen, Werkzeuge) und den Anforderungen der zu lösenden Aufgabe, zu einer optimalen Leistung gelangen kann. Allerdings ist die Verfügbarkeit der benötigten Ressourcen keine Garantie für die optimale Leistungserbringung.

Dieses Phänomen ist in der sozialpsychologischen Literatur als Prozessverlust bekannt. Zysno (1998, zitiert nach Eberhardt, 2013) betonte außerdem die Bedeutsamkeit von Prozessgewinnen aus dem Gruppenkontext (Synergieeffekte).

Nach Hackman & Morris (1975, zitiert nach Brodbeck & Guillaume, 2010) kann die Gruppenleistung folgendermaßen ermittelt werden:

Prozessgewinne und -verluste sind neben einer Vielzahl anderer Faktoren wichtige Aspekte der Gruppenleistung, auf welche noch einmal detaillierter eingegangen wird.

Prozessgewinne und Prozessverluste

Das primäre Ziel der Gruppenarbeit besteht darin, Gruppenleistungen zu erzielen, „[…] die durch starke Prozessgewinne und weitgehende Abwesenheit von Prozessverlusten gekennzeichnet sind […]“ (Schulz-Hardt, Hertel & Brodbeck, 2007, S.705).

Prozessverluste sind individuelle Leistungsminderungen innerhalb eines Gruppenkontextes, welche sich negativ auf die tatsächliche Gruppenleistung auswirken. Prozessgewinne hingegen haben einen positiven Einfluss auf die Gruppenleistung, da sie zu einem individuellen Leistungszuwachs führen.

Diese Phänomene sind neben Koordinationsaspekten besonders durch Motivationsaspekte gekennzeichnet, die in Abhängigkeit der Aufgabenart die Gruppenleistung unterschiedlich beeinflussen. In Anlehnung an Steiners Aufgabentypologie (1972, zitiert nach Schulz-Hardt et. al, 2007) können folgende Motivationsgewinne bzw. –verluste auftreten:

Bei additiven Aufgaben ergibt sich die Gruppenleistung aus der Summe aller Einzelleistungen. Es entstehen Prozessgewinne in Form der Sozialen Kompensation, indem sich die leistungsstarken Teammitglieder zusätzlich anstrengen, um die Leistung der Schwächeren auszugleichen (Williams & Karau, 1991, zitiert nach Schulz-Hardt et al., 2007). Dem gegenüber steht das Soziale Faulenzen, welches eine Leistungsminderung beschreibt, da die Gruppenmitglieder ihren individuellen Beitrag als nicht identifizierbar ansehen (Latané, Williams & Harkins, 1979, zitiert nach Schulz-Hardt et al., 2007).

Bei disjunktiven Aufgaben entspricht die Gruppenleistung der des besten Gruppenmitgliedes. Der auftretende Motivationsverlust - Soziales Trittbrettfahren - entsteht, wenn die Mitglieder ihren eigenen Beitrag als bedeutungslos ansehen und sich weniger anstrengen (Kerr & Bruun, 1983, zitiert nach Schulz-Hardt et al., 2007). Sozialer Wettbewerb führt zu steigender Motivation bei den Gruppenmitgliedern aus dem Wunsch heraus, die anderen in ihren Leistungen zu übertreffen (Seta, 1982, zitiert nach Schulz-Hardt et al., 2007).

Der Köhler-Effekt kann bei konjunktiven Aufgaben (z.B. Bergsteigen) auftreten. Schwächere Mitglieder strengen sich vermehrt an, um nicht für schlechtere Gruppenleistungen verantwortlich zu sein (Hertel, Kerr und Messé, 2000, zitiert nach Schulz-Hardt et al., 2007). Soziales Faulenzen entsteht hier wiederum bei leistungsstärkeren Mitgliedern.

3. Hypothese über mögliche Zusammenhänge von Persönlichkeit und Gruppenleistung

Die Persönlichkeit eines Menschen ist definiert als „[…] das für ein Individuum charakteristische Muster des Denkens, Fühlens und Handelns.“

(Myers, 2008, S. 588). So ist es durchaus realistisch anzunehmen, dass Gruppenprozesse, die durch soziale Interdependenzen und Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern geprägt sind, von den Persönlichkeitsmerkmalen der am Gruppenprozess beteiligten Personen beeinflusst werden. Diese Überlegung führt zu folgender Hypothese:

H: Persönlichkeitsmerkmale haben Einfluss auf die Gruppenleistung.

„Persönlichkeitseigenschaften finden in heutigen IPO-Modellen (z.B. dem Modell von Tannenbaum, Beard & Salas, 1992) meist in zweierlei Hinsicht Platz […]“ (Muck & Wesche, 2014, S. 917). Einmal im Hinblick auf die Charakteristika des einzelnen Individuums und zum anderen als Charakteristika des Teams in Form von Heterogenität bzw. Homogenität. Die Zusammenführung der individuellen Merkmalsausprägungen in den Gruppenkontext wird als Gruppenzusammensetzung (group composition) bezeichnet (Muck & Wesche, 2014).

Um den Rahmen dieser Studienarbeit nicht zu überschreiten, erfolgt die Beschränkung auf lediglich ein Persönlichkeitsmerkmal, welches es näher zu betrachten gilt. Um herauszufinden, welche Persönlichkeitseigenschaft den meisten Einfluss auf die Teamleistung ausüben kann, wird Bezug auf das bekannteste Modell zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften – dem Fünf-Faktoren-Modell (FFM) der Persönlichkeit von Costa und McCrae (1992, zitiert nach Furtner & Baldegger, 2013) genommen.

Anhand dieser fünf Faktoren kann jeder gesunde Mensch in seiner Persönlichkeit beschrieben werden.

Die Faktoren lauten wie folgt (Borkenau und Ostendorf, 1993, zitiert nach Nerdinger et al., 2008):

1. Extraversion
2. Verträglichkeit
3. Gewissenhaftigkeit
4. Neurotizismus
5. Offenheit für Erfahrung

Jeder dieser Faktoren ist gekennzeichnet durch detaillierte Beschreibungen von Persönlichkeitsmerkmalen, jeweils unterschieden nach 2 Dimensionen – starke Ausprägungen vs. niedrige Ausprägungen (Tab. 3.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3.1: Die 5 großen Faktoren der Persönlichkeit, in Anlehnung an Ostendorf und Angleitner (2001)

Bei der Betrachtung des Merkmals Gewissenhaftigkeit ist erkennbar, dass diese Eigenschaft durchaus Einfluss auf die Gruppe und damit die Gruppenleistung ausüben kann. Ostendorf und Angleitner (2001) beschreiben Menschen mit hoher Ausprägung als ordentlich und diszipliniert. Sie erledigen ihre Aufgaben in guter Qualität, haben hohe Ansprüche und arbeiten hart dafür (Leistungsstreben). Sie besitzen ein hohes Maß an Eigenmotivation, um eine Arbeit zu beenden (trotz Langeweile oder Ablenkungen) und handeln besonnen. Bevor sie eine Entscheidung treffen wägen sie erst sorgfältig zwischen den Alternativen ab. Im Hinblick auf die, im Kapitel 2 beschriebenen Prozessgewinne, ist es durchaus denkbar, dass besonders die Willensstärke und Zielstrebigkeit von gewissenhaften Teammitgliedern zu Phänomenen wie der Sozialen Kompensation oder dem sozialen Wettbewerb beitragen. Unmotivierte Teammitglieder neigen eher zu Sozialem Faulenzen und Sozialem Trittbrettfahren. Das führt zu einer Spezifizierung der oben aufgeführten Hypothese:

H1: Das Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit hat Einfluss auf die Gruppenleistung.

4. Aktueller Forschungsstand

Die meisten Studien zu diesem Thema befassen sich primär mit dem Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und individueller Leistung, weniger mit dem zwischen Persönlichkeit und Gruppenleistung. Daraus resultiert das Problem, dass zwar allgemeine Aussagen darüber möglich sind, welche Merkmale ein Individuum aufweisen sollte, aber wenig fundierte Aussagen darüber, wie eine Gruppe erfolgreich zusammengesetzt werden soll.

Im folgenden Abschnitt werden Ergebnisse von insgesamt fünf empirischen Studien zum Zusammenhang von Teamleistung und Persönlichkeitsmerkmalen vorgestellt:

Wie bereits in den Erkenntnissen über die Gruppenleistung angesprochen ist die Aufgabenart bei der Betrachtung von Gruppenleistungen bedeutsam. Driskell, Hogan und Salas (1988, zitiert nach Muck & Wesche, 2014) nahmen diese Überlegungen auf und untersuchten den Einfluss von Persönlichkeitseigenschaften in Anlehnung an eines der Big Five-Persönlichkeitsmodelle in Abhängigkeit verschiedener Gruppenaufgaben (z.B. verwaltende Tätigkeiten, handwerklich-technische Tätigkeiten). Ergebnisse dieser Studien ergaben, dass Geselligkeit, Verträglichkeit und Emotionale Stabilität (Neurotizismus) besonders bedeutsam bei der Durchführung von sozialen Aufgaben sind, hingegen Leistungsmotivation (Aspekt der Gewissenhaftigkeit), Verträglichkeit und Emotionale Stabilität für die Gruppenleistung in Überzeugungsaufgaben von Vorteil sind. Bei z.B. handwerklich-technischen Aufgaben oder ordnenden Aufgaben in der Verwaltung ist Geselligkeit eher nachteilig, da diese Aufgaben wenig Interaktion benötigen. Leider ist festzustellen, dass diese Untersuchung eher auf die Wirkung einzelner Persönlichkeitseigenschaften eingeht, weniger auf die Zusammenstellung dieser Eigenschaften (Homogenität oder Heterogenität) im Team. Dieses Modell wurde jedoch mehrfach für Studien herangezogen, die die Effektivität der Gruppenleistung im Hinblick auf die Persönlichkeitseigenschaften innerhalb einer Gruppe untersuchten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Leistung einer Gruppe
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,6
Autor
Jahr
2014
Seiten
28
Katalognummer
V286113
ISBN (eBook)
9783656869672
ISBN (Buch)
9783656869689
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Abschlussarbeit des Studienmoduls "Grundlagen der Psychologie"
Schlagworte
einfluss, persönlichkeitsmerkmalen, leistung, gruppe
Arbeit zitieren
Frida Rich (Autor), 2014, Der Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf die Leistung einer Gruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286113

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