Mit dem Fahrrad um die Welt: USA, Australien und Südostasien


2014-12-17, 208 Seiten (ca.), 9783656862901
PDF, ePUB und MOBI
Originalausgabe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wie alles begann …
Vorbereitung
Planung
Psyche und Gedanken vor der Reise
Sprachkenntnisse
Fitness
Informationsbeschaffung offline
Internet-Infos
Karten
Finanzen
Visum
Versicherungen
Impfung
Bücher
Packliste
Rad und Radtaschen
Papiere & Finanzen
Kleidung & Hygiene
Camping
Werkzeug/Ersatzteile
Sonstiges & Luxus
Gesundheit

Deutschland
Es geht los – Start in Stuttgart
Langsam gewöhnt sich der Körper ans Fahren
Weihnachten und Abschied von Deutschland
Unsere Route in Deutschland

USA
Ankunft in New York City
Entlang der East Coast
Unsere Route an der East Coast
Wir starten durch auf der Route 66
Gefahren und Bier in Missouri
Zwischenstopp in Kansas
Wild-West-Nostalgie in Oklahoma
Neue Bekanntschaften und noch mehr Presse
Texas – eine windige Erfahrung
New Mexico, oder: Von Disteln und Wohnmobilen
Unsere Route auf der Route 66
Mit Klaus durch Colorado
Eindrucksvolle Landschaften in den Südstaaten
Zocken in Las Vegas
Abschied von Klaus in San Diego
Unsere Route mit Klaus
Kalifornien – das Ende der Route 66
Mit Steve an der West Coast entlang
San Francisco
Unserer Route durch Kalifornien
Hawaii
Unsere Route auf Hawaii

Australien
Startpunkt Sydney: Regen im australischen Winter
Australische Fauna in Queensland
Auf Roberts und Dylans Farm
Surfen und ein Segeltörn zu den Whitsunday Islands
Von Cairns nach Darwin
Unsere Route durch Australien

Asien
Singapur
Willkommen in „Fine City“
Unsere Route durch Singapur
Malaysia
Gastfreundschaft und Pantomime
Unsere Route durch Malaysia
Indonesien, Sumatra
Willkommen in Indonesien!
Auf der Suche nach der größten Blume der Welt
Indonesische Gastfreundschaft
Unsere Route durch Indonesien
Thailand
Umweg über Malaysia
Neue Sprache und neues Essen
Schattenspiel und Geisterhäuser
Bangkok – zwischen Tempeln und Boxlegenden
Auf nach Kambodscha!
Unsere Route durch Thailand
Kambodscha
Erste Eindrücke
Die dunkle Geschichte Kambodschas
Unsere Route durch Kambodscha
Vietnam
Ho Chi Minh City – Die chaotischste Stadt der Welt
Es geht Richtung Norden
Unsere Route durch Vietnam
Laos
Im Land der Elefanten und Berge
Unsere Route durch Laos

Heimkehr
Unsere Route zurück nach Stuttgart

Fragen & Antworten

Links

Bildnachweis

Lesetipps

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir sind Katja (30) und Mathias (31), zwei Fernweh-Stuttgarter mit viel Spaß am Reisen. Dieses Buch beschreibt unser einmalig faszinierendes Reisejahr 2012. Knapp 13 Monate waren wir auf dem Rad auf der ganzen Welt unterwegs. Wir haben dabei 12.720 km auf dem Fahrrad zurückgelegt, dazu kommen weitere Kilometer mit Flugzeug, Bus, Zug und Schiff.

Jeder einzelne Reisetag hat uns geprägt. Zurückblickend überwiegen die schönen Tage, auch wenn es natürlich anstrengende Zeiten gab, in denen man sich nach Deutschland, seinen Freunden und der Familie zurücksehnte und ans Aufgeben dachte. Trotzdem, auf die Frage: „Was würdet ihr anders machen, wenn ihr nochmals losfahren würdet?“, können wir voller Überzeugung auch noch heute sagen: „Gar nichts!“

In diesem Buch nehmen wir euch mit auf unsere Reise, berichten von unseren Erfahrungen und erzählen von unseren einmaligen Erlebnissen. Und wir geben euch wertvolle Tipps für eure eigene Traumreise und wollen euch dazu animieren, einfach loszufahren, für einige Zeit auszusteigen und euren Traum zu leben. Frei nach dem Motto: Man bereut nicht die Fehler, die man gemacht hat, sondern die Dinge, die man nicht gemacht hat, weil der Mut dazu fehlte.

Ein besonderer Dank geht an alle Menschen, denen wir auf dem Weg begegnet sind. All denen, die uns herzlich aufgenommen haben, die uns selbst in der Pampa begleitet und uns ihre selbstlose Hilfe angeboten haben. Menschen, die unsere Reise so einmalig machten und unsere Erde zu so einem schönen Ort. Denn es sind immer die Menschen, die einen Ort zu einem Stück Heimat machen. Hier alle aufzuzählen würde dieses Buch allerdings sprengen.

Ein weiterer Dank geht an unsere Familien und alle Freunde daheim, für die unendliche Geduld und Unterstützung eines großen Traums. Danke auch an unsere Sponsoren und die Presse.

Wie alles begann …

Dezember 2010

Vom alljährlichen Fernweh geplagt, besuchte ich einen Reisevortrag in Stuttgart. Die Referenten berichteten über ihre zweijährige Reise um die Welt mit dem Fahrrad. Ich ging an diesem trüben Dezemberabend voller Begeisterung wieder nach Hause und war mal wieder vom Reisefieber gepackt.

Jetzt galt es nur noch Mathias zu überzeugen. Den Plan vom gemeinsamen Reisen gab es schon seit Längerem, aber mit dem Fahrrad? Trotzdem: Was ich mir in den Kopf gesetzt habe, das bekomme ich so schnell nicht mehr los – das weiß jeder, der mich kennt. Allerdings hörte es sich, das muss ich zugeben, schon etwas verrückt an, als ich Mathias das erste Mal von meiner Idee erzählte. Mal abgesehen davon, dass wir nicht über Unmengen Geld verfügten und Mathias noch im letzten Jahr seines Studiums steckte. Das Irrwitzigste an der Sache war, dass Mathias noch nicht mal ein Fahrrad besaß und ich auf meinem treuen Drahtesel, den ich mir 1997 zur Konfirmation gekauft hatte, höchstens einmal im Monat unterwegs war. Naja, aber die Idee war geboren und nahm auch immer mehr Gestalt an. Nachdem einige Länder von der Wunschliste gestrichen wurden, stand die Entscheidung fest.

Mit dem Fahrrad nach Westen durch die USA, Australien und Asien bis nach Indien; wie genau, würden wir ja dann auf dem Weg sehen. Jeder einzelne Kilometer würde von uns intensiv erlebt werden, unmittelbar nah an den Menschen, der Kultur und der Landschaft der verschiedenen Länder. Unsere Motivation war die Neugierde, der Drang nach etwas Neuem. Was genau auf uns zukam, wussten wir nicht. Und auf was wir uns da eingelassen hatten, würden wir wahrscheinlich sowieso schnell herausfinden.

Mathias gestaltete eine Homepage, auf der wir ab und zu Informationen veröffentlichen wollten, wo wir gerade waren und was wir so trieben. Zu unserem Glück wurde dadurch eine Onlinefirma auf uns aufmerksam und wollte uns gegen Werbung mit neuen Radreisetaschen ausstatten. Mathias legte sich ins Zeug und schrieb einige weitere Firmen an. So konnten wir einige Sponsoren für uns gewinnen und einiges Geld schon im Voraus sparen.

Mathias schloss sein Studium im September ab und hatte die Möglichkeit, in seiner Firma noch bis Dezember übernommen zu werden, um noch ein wenig Geld heranzuschaffen. Zum Dezember hin kündigte ich schweren Herzens meinen Job als Sozialpädagogin in einer Tagesgruppe. Die Wohnung wurde nach einer ordentlichen Abschiedsfete bereits Ende November geräumt und wir zogen die letzten Tage vor der Abfahrt zu meinen Eltern ins frühere Kinderzimmer ein.

Auch die Tatsache, dass wir im Dezember durch Deutschland fahren wollten, damit wir die Weihnachtstage und Silvester noch im Norden bei Mathias’ Eltern und unseren nordischen Freunden feiern und uns verabschieden konnten, konnte uns nicht aufhalten. Nun gab es kein Zurück mehr.

Vorbereitung

Nachschlagewerke, Foren, Reiseführer, etc.: Informationen zu Weltreisen sind gerade im digitalen Zeitalter unendlich verbreitet und wir ackerten uns durch viele Seiten und Internetangebote. Aber eins konnten wir lernen: Es gibt keine absolute Empfehlung für irgendwas. Was der eine behauptet, wird vom anderen widerlegt. Deswegen dürft ihr unsere kleinen Tipps nicht als DIE Lösung sehen, sondern eher als Ratgeber.

Planung

Ihr könnt noch so viel vorausplanen, aber kleine und größere Pannen werden auf der Reise einfach passieren. Deshalb war für uns eine gesunde Menge an Vorplanung zwar wichtig, jedoch haben wir versucht, unsere Reise nie zu überplanen. Das heißt: Organisiert und recherchiert, wie ihr es für nötig erachtet, werdet aber nicht Opfer eurer eigenen Pläne. Wenn man zum hundertsten Mal zwei perfekte Zelte vergleicht, kann einem das Planen ganz schön auf die Nerven gehen. Schnell ist dann übersehen, dass es noch andere Dinge gibt, die es zu besorgen gilt.

Psyche und Gedanken vor der Reise

Natürlich gibt es viele Zweifel, selbst nachdem man sich entschieden hat, die Reise anzutreten. Viele kleine Hürden, das lange Sparen, aufkommende Gedanken wie: „Warum lass ich alle meine Freunde zurück? Eigentlich geht es mir doch gut hier, mein Job, meine Familie …“, und so weiter.

Aber falls diese Reise wirklich euer Lebenstraum ist, dann steht ihr das durch. Jeder, der einmal länger unterwegs war, wird euch sagen, dass so eine Reise ein einmaliges Erlebnis ist, das man nie mehr missen möchte. Wie viele Menschen nehmen sich so eine Reise vor und ziehen es nie durch?

Also: Hört auf zu träumen und lasst den Alltag hinter euch. Als wir den Tag des Aufbruchs geschafft hatten, war uns klar geworden, wie simpel es sein kann, einfach loszufahren und alles hinter sich zu lassen. Wir wollten nie diejenigen sein, die sagen müssen: „Ach hätten wir doch …“ Man zweifelt vor und während der Reise, ob das alles einen Sinn macht. Aber wie bei allen Dingen gibt es Höhen und Tiefen, das gehört einfach dazu. Unsere Entscheidung, auf eine Weltreise zu gehen, war die beste, die wir jemals getroffen haben.

Sprachkenntnisse

Unsere Englischkenntnisse haben uns enorm geholfen, aber falls ihr doch einmal mitten in der Pampa ein Zimmer sucht, bringen euch auch Zeichensprache oder Bilderbücher weiter. Sprachen helfen erheblich und auch wir haben versucht, uns ein paar Grundbegriffe einzuprägen, aber strebt nicht nach der perfekten Verständigung. Wer keine Angst vor Abenteuern hat, der wird sich auch ohne Sprachkenntnisse durchschlagen.

Ein bisschen Planung ist aber empfehlenswert: Den „Phrasebook-Sprachführer“ hatten wir für Südost-Asien immer dabei, die wichtigsten Redewendungen haben wir uns aufgeschrieben und unterwegs haben wir immer mal wieder Englisch miteinander geredet, um in Übung zu bleiben (machen wir immer noch). Ein nützliches Büchlein ist außerdem das „OhneWörterBuch – 550 Zeigebilder für Weltenbummler“ (das hatten wir leider nicht dabei, hätten es aber hier und da in Asien gebrauchen können).

Fitness

Wie fit wir waren? Ich behaupte mal so lala. Wer einen Marathon fahren will, sollte natürlich körperlich vorbereitet sein. Wir sind immer so weit und so lange gefahren, wie wir konnten und wollten und wenn es eben nicht mehr ging, dann machten wir einfach Halt und blieben an Ort und Stelle. An vielen Tagen fuhren wir nur zwei Stunden auf den gesamten Tag verteilt. Lust und körperlicher Zustand war uns hier wichtiger, als eine bestimmte Strecke unbedingt zu bewältigen. Kleine Tagesziele oder Etappen setzt ihr euch dann schon von ganz alleine. Und falls wir gar keine Lust mehr hatten, sind wir einfach Zug gefahren.

Generell ist Fitness natürlich von Vorteil (Katja war regelmäßig im Fitnessstudio und ich nach Lust und Laune joggen); allgemein kann man aber sagen, die Ausdauer und Fitness kommt mit den Radeltagen, geht aber leider auch sehr schnell wieder mit den Pausentagen dahin.

Informationsbeschaffung offline

Die besten Informationen zum Thema Radreise bekommt ihr von anderen Radlern und Reisenden. Waren sie in dem Land, in das man selbst reisen möchte, umso besser. Vortragsreihen, Live-Reportagen und Messen gibt es in ganz Deutschland immer mal wieder. Ein wenig Recherche im Internet hilft bei der Suche.

Der ADFC ist der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club und eine erste gute Anlaufstelle, wenn es um europäische Länderinformationen geht. Sie haben auch eine komplette Auswahl an Deutschlandkarten speziell für Radfahrer. Wir haben dort auch einen Reparaturgrundkurs besucht, um wenigstens etwas Ahnung zu haben, falls unser Bike unterwegs auseinanderfällt.

Internet-Infos

Wir versuchen es kurz zu machen, denn ein Überblick ist hier fast unmöglich.

Fündig werdet ihr auf den unserer Meinung nach drei besten deutschen Reise-Webseiten. Hier könnt ihr euer Anliegen auch direkt in das Forum posten und wenige Stunden später habt ihr sicher ein paar Antworten oder Links. Das ist zum einen weltreise-info.de und speziell für die Radreise rad-forum.de und bikefreaks.de.

Eine nette kleine Community findet ihr unter warmshower.org oder im iTunes-Appstore unter „Warmshower“. Zur Erläuterung der Grundidee ist hier ein Ausschnitt aus der Webseite:

1. Fahrradtouristen und Gastgeber melden sich an auf der Seite
2. die interaktive Karte und andere Suchwerkzeuge helfen Reisenden, Gastgeber(innen) auf ihrer Route zu finden
3. Reisende senden über die Seite eine Mail an potenzielle Gastgeber
4. Gastgeber können als Beherbergung ein Sofa, einen Raum oder einen Zeltplatz anbieten“

(Quelle: warmshower.org)

Im Gegensatz zu couchsurfing.org findet man hier gleichgesinnte Fahrradreisende und auch wir konnten uns so hilfreiche Tipps einholen und gegenseitig Radgeschichten austauschen.

Zu guter Letzt ist da noch helpx.net. Dort gibt es eine große Liste mit Farmen, Hilfsorganisationen, Ranches, Hostels oder sogar Segelbooten, welche freiwillige Helfer suchen, um bei ihnen kurzzeitig zu arbeiten. Zum Tausch gibt es Essen, eine Unterkunft und eine unvergesslich schöne Erfahrung. Wirklich lohnenswert.

Karten

Das Thema Karten war immer etwas schwierig, da es gerade für den asiatischen Raum praktisch keine Fahrradkarten gibt. Für Deutschland hatten wir uns handelsübliche Radkarten beim ADFC und in unserer Buchhandlung besorgt. In den USA gibt es zwar den ACA (das Pendant zum ADFC), jedoch war unsere Strecke entlang der Route 66 nicht im Programm dieser Organisation. In Australien haben wir uns oft auf den Campingplätzen Streckenführer besorgt, in denen dann auch nützliche Informationen standen, wo wir beispielsweise unser Zelt aufschlagen konnten.

Touristeninformationen und Buchhandlungen sind aber in jedem Land die erste Anlaufstelle, wenn ihr euch Karten besorgen wollt. Manchmal bekommt man auch schon in den Nachbarländern Karten. Stellt euch aber darauf ein, in einigen Ländern (z. B. Südostasien) nur Autokarten zu bekommen. Echte Radkarten hatten wir nur für Deutschland.

Generell muss jeder für sich selbst herausfinden, mit welchem Hilfsmittel er navigieren möchte. Ein GPS-Gerät ist natürlich sehr genau und direkt. Wir jedoch wollten nie auf elektronische Geräte angewiesen sein und mit einer Karte durch ein Land zu navigieren, hat einen ganz eigenen Reiz. Außerdem war es in Asien meist sehr leicht, den Weg zu finden.

Finanzen

Die Meisterfrage schlechthin: Wie viel Geld braucht man für so eine Reise? Es gibt leider keine Zauberformel dafür, die unerfreuliche Antwort ist: Sparen. Die Menge des Geldes hängt immer davon ab, wie ihr reisen wollt. Wir sind eigentlich nach dem Motto losgefahren: Das was wir haben, haben wir eben. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Geld er braucht. Vor der Reise haben wir für uns 30 Euro pro Person und Tag ausgerechnet, womit wir im Jahresdurchschnitt auch hinkamen. Das beinhaltet nicht die Vorbereitungskosten, wie z. B. für Visum, Equipment, Fahrräder, Karten etc.

Unterwegs ist es sehr hilfreich, immer wieder auszurechnen, wie viel Geld noch übrig ist. So kann man immer wieder den Geldverbrauch neu einteilen und falls dann etwas übrig ist, darf man sich auf einen kleinen Luxus freuen. Wir haben uns auch hier und da ein schönes Hotel geleistet, aber im Vergleich haben wir deutlich häufiger das Zelt aufgeschlagen.

Visum

Die erste Anlaufstelle ist das Auswärtige Amt. Hier findet ihre alle nötigen Sicherheitshinweise, Reisewarnungen und Informationen zu allen Ländern. Es lohnt sich auch, während der Reise immer wieder nachzusehen, ob Unruhen in einem Land auftreten.

Jedes Land hat eigene Einreisebestimmungen und die Beantragung eines Visums kann sehr unterschiedlich lange dauern (zwei Tage bis vier Wochen). Daher informiert ihr euch am besten so früh wie möglich und plant den Zeitbedarf ein. Es kann natürlich passieren, dass man ein Visum erst während der Reise beantragen kann. Dann kommt man nicht darum herum, die Botschaft (Embassy) des gewünschten Landes ausfindig zu machen. Oft, aber nicht immer, sind die Botschaften in den Landeshauptstädten zu finden.

Viele Länder haben jedoch ein „Visa on arrival“: Ihr bekommt eine Einreisegenehmigung direkt am Flughafen oder an der Grenze mit sofortiger Wirkung. Dieses Touristenvisum ist auf eine bestimmte Zeit begrenzt, die meistens zwischen zwei Wochen und drei Monaten liegt. Das hängt vom Land, eurer Nationalität und der aktuellen Situation im Land ab.

Versicherungen

Reisekrankenversicherungen gibt es viele. Einige gelten ausschließlich für Europa. Viele Krankenversicherungen bieten bei Reisen, die länger als drei Monate dauern, keinen Versicherungsschutz im Ausland an. Wir hatten eine Auslandskrankenversicherung von AXA. Fragt einfach mal bei eurer aktuellen Krankenversicherung nach und vergleicht danach mit der Konkurrenz. Mit eurer Versicherung müsst ihr ohnehin abklären, wie es sich mit einem längeren Aufenthalt ohne ständigen Wohnort verhält.

Wir hatten auch eine kleine Fahrradversicherung bei der ARAG, die uns bei Verlust den versicherten Wert des Fahrrads wieder zurückzahlt. Klärt ab, ob ein Diebstahl im Ausland in das Leistungsbild der Versicherung fällt.

Im Ernstfall genügt es bei beiden nicht, die Versicherung nur abgeschlossen zu haben. Der Nachweis oder wenigstens die Kontaktinformationen solltet ihr überall hin mitnehmen.

Impfung

Geht auf jeden Fall in ein Tropeninstitut. Hier werdet ihr sehr gut beraten, wenn es um Impfungen und Reisemedikamente geht. Neben dem allgemeinen Check beim Hausarzt, einem Blutbild und den üblichen Standardimpfungen (z.B. Diphtherie, Meningitis etc.), haben wir vom Tropeninstitut einen Impfplan bekommen, der ein halbes Jahr vor Reisebeginn begann. Mit dabei waren Impfungen gegen:

- Gelbfieber
- Tollwut (Reisen in Entwicklungsländer)
- Japanische Encephalitis (Reisen in ländliche Endemiegebiete)
- Typhus (Reisen unter schlechten hygienischen Bedingungen)
- Hepatitis A und B (Standardimpfung bei Fernreisen)

Bücher

Auf der Reise hatten wir immer den „Fahrrad Weltführer“ vom Verlag Reise Know-How dabei. Der ist Gold wert, wenn es gilt, sich einen ersten Überblick über die Fahrradsituation im Land zu machen. Dort findet ihr viele Tipps zu allem, was eine Reise mit dem Fahrrad so mit sich bringt. Dieses Buch ist Pflicht! Für Europa gibt es vom selben Verlag das Buch „Fahrradführer Europa“.

Im Land haben wir uns immer einen Reiseführer mit Tipps zum Touristendasein gekauft und können hier den „Lonely Planet“ sehr ans Herz legen. Aber das ist wahrscheinlich eine persönliche Präferenz.

Zur Einstimmung empfehlen wir das Buch von Daniel Schneider und Susanne Bemsel: „Erdanziehung – Die große Reise: Abenteuer Weltumrundung“. Das Buch hat uns erst auf die Idee gebracht, unsere Reise zu machen.

Das Buch „OhneWörterBuch“ vom Langenscheidt Verlag hatten wir zwar nicht dabei, aber es hätte uns so mache Situation erleichtert. Viele eindeutige Zeichnungen für Gesten aller Art und jede erdenkliche Reisesituation sind darin enthalten. Dann braucht man nur noch auf das zeigen, was man braucht, anstatt wild umherzuzappeln.

Dank dem Buch „EZ 66 Guide For Travelers“ von Jerry McClanahan konnten wir die Route 66 in den USA wirklich Kurve für Kurve abfahren. Für den Rest unserer Reise hatten wir normale Karten, aber die vielen Wochen auf der „Mother Road“ (wie die Route 66 auch genannt wird) wurden durch das Buch nie zu einer Suche, sondern zu einer Attraktion mit historischen Details und jeder einzelnen Sehenswürdigkeit an der Route 66.

Packliste

Generell nimmt man gerne zu viel Material mit. Spätestens am ersten steilen Berg beginnt man zu überlegen, auf was man eventuell verzichten könnte. Jeder von uns hatte höchstens 22 kg Gepäck dabei und wir haben versucht, darauf zu achten, das Gewicht so gering wie irgend möglich zu halten. Die folgende Packliste gilt pro Person und ist nicht als Empfehlung, sondern als unsere persönliche Liste zu verstehen:

Rad und Radtaschen

- Fahrrad der Marke Fahrradmanufaktur (Model: T-400 XT 27-Gang)
- Sattel (Brooks Flyer S)
- Scheibenbremsen durch hochwertige Bremsbacken ausgetauscht
- Fahrradhelm
- Packsack (10 Liter)
- Lenkertasche (Ortlieb Ultimate6 Plus, 7 Liter)
- Packtasche hinten (Ortlieb Back-Roller Plus, 2x 20 Liter)
- Packtasche vorne (Ortlieb Front-Roller Plus, 2 x 13 Liter)
- Tacho (Sigma 1609)
- Schnellspanner, 3 Trinkflaschenhalter

Papiere & Finanzen

- Reisepass
- Auslandsreiseversicherungsschein
- Impfpass
- Führerschein (und internationaler Führerschein)
- Kreditkarte (TAN-Liste)
- Geldbörse
- Kopien von wichtigen Dokumenten (Rücklagen, Passfotos, Ausweise)
- Landkarten

Kleidung & Hygiene

- Unterwäsche und Socken (dicke und dünne)
- T-Shirts
- Sweatshirts, Fleecepulli
- Funktionsunterwäsche (für Ober- und Unterkörper)
- Regenfeste Jacke und Hose und Schuhüberzieher (ganz dünn zum oben drüber ziehen)
- Winterjacke und Winterhose
- Schal, Mütze, Handschuhe
- Trekkingschuhe
- Shorts
- Badesachen
- Sonnenbrille, Baseball Cap
- Flip Flops (Chucks hatten wir später auch dabei)
- Buff Hals-/Kopftuch
- Jeans (auch wenn das nie empfohlen wird)
- Toilettenrolle (Gold wert)
- Reisehandtuch (ein großes und ein kleines Handtuch aus Microfaser)
- Kulturbeutel

Camping

- Zelt (Exped Venus II Ultralight)
- Zeltunterlage
- Schlafsack (Tagoss Sundance Ultra Lite, 750g)
- Matratze/Iso (SynMat Basic UL 7.5) und Exped Pillow Pump
- Gaskocher und Brennstoffflasche (MSR Whisperlite Internationale)
- Feuerzeug, Streichhölzer
- 1-Liter-Topf/Pfannendeckel (uns eigentlich zu klein)
- Wasserfilter (Katadyn Vario)
- Solardusche (fast nie genutzt)
- Taschenmesser (Gerber Crucial)
- Plastikbesteck, Teller, Plastikschüssel (mikrowellengeeignet)
- Becher
- Taschenlampe

Werkzeug/Ersatzteile

- Schaltzug, Bremszug
- Fahrradkette
- Faltreifen
- Ersatzschlauch (2x)
- Bremsbacken (4x)
- Speichen
- Flickzeug
- Inbus Multitool
- Reifenheber
- Druckluftmesser
- Luftpumpe
- Kettenpeitsche
- Klebeband
- Kabelbinder
- Speichenschlüssel

Sonstiges & Luxus

- lange Schnur (kann man für alles brauchen)
- iPod inkl. Kopfhörer
- iPhone
- Mini-USB-Boxen
- Digitalkamera
- USB-Stick (mit digitalen Kopien unserer Unterlagen)
- Reiseadapter
- magnetisches Brettspiel
- Buch
- Reiseführer
- Tagebuch
- Abwehrspray (nie genutzt)
- kleines Vorhängeschloss
- Plastiksack (als Isomatte, Pausenmatte, Radtaschentransport im Flugzeug)
- Moskitospray
- Moskitonetz (in Thailand gekauft)
- Kaffeedose, Blechdose (für Tee, Gewürze...)

Gesundheit

- Tigerbalm – Muskelkater
- Hansa Med Soft – Pflaster
- Imodium Akut – Durchfall
- Talcid – Magen
- Dulcolax – Verstopfung
- Bacillol AF – Desinfektion (Gegenstände)
- Octenisept – Wund-Desinfektion
- Aspirin – Schmerzen
- Mobilat – Prellungen
- Bepanthen – Wunden
- Vertigoheel – Kreislauf
- Micropur – Wasserreiniger
- Fenistil Gel – Mückenstiche/Sonnenbrand
- Hansaplast – Tape
- Malarone – Malaria
- Fieberthermometer
- Sonnencreme

Deutschland

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Es geht los – Start in Stuttgart

Nach den letzten Goodbyes starteten wir am 06. Dezember 2011 von Stuttgart nach Buxtehude. Eine genaue Route hatten wir uns nicht überlegt. Das einzige was ziemlich sicher war: Jeder von uns fuhr mit rund 20 kg Gepäck, 17 kg Fahrrad und jeder Menge Optimismus.

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Startschuss in Stuttgart-Möhringen

In Stuttgart-Möhringen schwangen wir uns also auf die Räder. Wir mussten uns erst einmal an das Fahrgefühl eines voll beladenen Fahrrads gewöhnen. Mein erster Gedanke bei der Abfahrt war: Ich darf jetzt bloß nicht umfallen und muss heil um die erste Kurve kommen!

In der Innenstadt fing es an zu regnen und auf der Höhe von Ludwigsburg an zu schneien. Nach 96 km – und nicht wie gedacht nur 60 km – kamen wir total kaputt, aber zufrieden in Heilbronn bei einem befreundeten Pärchen an, das uns schon im Voraus Asyl für unsere erste Nacht angeboten hatte.

Vielleicht dachten wir schon hier: „Was ‘ne blöde Idee“, aber keiner von uns wollte sich wohl die Blöße geben, dies auch laut auszusprechen. Immerhin, wir wussten bereits zu diesem Zeitpunkt, dass unsere Regensachen wirklich dicht hielten. Regen, Schnee, Hagel und Wind wollten uns auf unserer Startschusstour einfach nicht in Ruhe lassen. So lernten wir schnell, was es heißt, bei wirklich bescheidenem Wetter zu fahren. Es konnte ja nur besser werden.

Am nächsten Morgen begleitete uns unser Freund Manne aus Heilbronn den halben Tag. Neben dem starken Gegenwind platschte uns der Regen wieder stundenlang auf die Helme.

Ohne Regen ging es weiter über Zuzenhausen bis nach Heidelberg, wo wir noch eine Nacht bei unserer Freundin Freda verbrachten. Der fünfte Tag fing am Morgen im Hotel Hüttl in Worms ganz lustig an: Die Putzfrau des Hotels kam freundlich in den kleinen Frühstücksraum und fragte uns, ob Sie das Zimmer schon aufräumen dürfe. Die Besitzerin des Hotels rief dann nur von hinten: „Nein, die haben doch keine Zeit. Die wollen doch nach Indien.“ Über den Satz müssen wir heute noch grinsen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

An manchen Tagen, hier bei Düsseldorf, gab uns Rückenwind ordentlichen Schub von hinten

Am Tag machten wir keine langen Pausen. Beim Fahren spürt man die Kälte nicht, aber sobald man eine Weile steht, fangen die Füße und Finger recht schnell an, auszukühlen.

Da es früh morgens noch zu kalt und teilweise die Straßen noch gefroren waren, gönnten wir uns meist ein langes Frühstück. Wir schmierten uns ein Brötchen für unterwegs oder ernährten uns zwischendurch von Keksen und Schokolade. Da es im Dezember schon sehr früh dunkel wird, suchten wir uns meistens schon gegen 16 Uhr eine Unterkunft für die Nacht und genossen nach einer heißen Dusche die allgegenwärtigen Weihnachtsmärkte bei einer Tasse Glühwein.

Langsam gewöhnt sich der Körper ans Fahren

Die Deutschland-Tour entlang Neckar und Rhein, durch den Ruhrpott und das Flachland Niedersachsens war zwar kalt, aber sehr schön und für uns eine gute Eingewöhnung. Uns fiel dabei auf, dass das Fahren auf deutschen Radwegen schön und super ausgeschildert ist, nur effektiv von A nach B kommt man so nicht. Radwege führen gewollt im Zickzack durch Deutschland. Um abzukürzen, sind wir von den Radwegen auch auf normale Straßen und Wege ausgewichen. So sparten wir uns einige Kilometer und schonten unsere Muskeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deutsche Radwege und ihre Schilder

So gewöhnten wir uns also immer mehr an die Strecke und die Bedingungen des täglichen Fahrradfahrens. Die Muskeln stellten sich auf die Anstrengungen ein und der Muskelkater ließ immer weiter nach. Auch die Beziehung zu unseren treuen Drahteseln veränderte sich und wir tauften sie auf die Namen Martina und Hermann.

Und merkwürdigerweise vergaßen wir auf den schönen Radstrecken durch Deutschland doch immer wieder das schlechte Wetter!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Regen im Überfluss! Hier eine „kleine“ Pfütze kurz nach Rotenburg. Katja testete die Wassertiefe

Weihnachten und Abschied von Deutschland

Wegen Kälte und Zeitmangel fuhren wir die Strecke von Essen nach Bremen mit dem Zug und kamen nach insgesamt 14 Radeltagen in Buxtehude an. Wir genossen die gemütlichen Tage über Weihnachten und Silvester im Kreis der Familie, bevor es dann über den großen Teich nach Amerika ging.

Am 03. Januar 2012 ging es dann mit dem Flugzeug nach New York. Unsere Fahrräder mussten wir am Flughafen auseinanderbauen. Air Berlin sieht keine Radboxen für den Transport von Fahrrädern vor, allerdings müssen Lenker, Pedale und Sattel ummontiert werden. Kurz darauf bemerkten wir beim Check-In, dass Mathias unser Multitool noch in der Tasche hatte. Das durften wir natürlich nicht in das Flugzeug mitnehmen und mussten es schweren Herzens zurücklassen. Jetzt hieß es: Goodbye Germany.

Unsere Route in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ankunft in New York City

Wir kamen mit leichtem Schlafmangel in New York City an. Am Grenzübergang hieß es jetzt, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wir wollten schließlich nicht nur die üblichen drei Monate Touristenvisum bekommen. In der Botschaft hatte man uns gesagt: „Den Papierkram haben wir in der Tasche, doch das letzte Wort hat der Mann am Grenzschalter.“ Es lief in etwa so ab (frei übersetzt natürlich):

„Was möchten Sie in den USA?“ – „Wir möchten unseren Urlaub hier verbringen.“

„Und für wie lange?“ – „Fünf Monate bitte.“

„Warum so lange?“ – „Wir möchten durch das Land reisen … mit dem Fahrrad.“

(Mit schmunzelnden Blick:) „Okay, ich gebe euch 6 Monate.“

So einfach hatten wir uns das nicht vorgestellt, auch die Taschen und Fahrräder waren ohne Schaden angekommen. Das Zusammenbauen der Fahrräder gestaltete sich jedoch ein ganz klein wenig kompliziert. Unser Multitool lag ja noch in Hamburg am Flughafen. Niemand im ganzen Flughafen hatte einen Inbusschlüssel für uns. Oder niemand hat uns verstanden. Den Blicken nach zu urteilen eher Letzteres. Uns blieb nichts anderes übrig, als die Fahrräder ohne Werkzeug zusammenzubauen. Man muss sich jetzt vorstellen, dass das Fahrrad sich bei Lenkversuchen zwar am Lenker selbst bewegt, aber unten am Rad Stillstand angesagt war. Der Sattel war natürlich auch noch nicht wieder dran. Wenn es einmal kompliziert wird, dann gleich richtig. Letztendlich konnten wir die Fahrräder einigermaßen fahrtüchtig machen und hofften, so zumindest bis zum Hotel zu kommen.

Nun sollte es also vom JFK Flughafen nach Queens gehen. Da wir eingeplant hatten, dass wir mitten in der Nacht in den USA landen würden, hatten wir schon im Voraus ein Hotel in Flughafennähe gebucht. Nach einigem Herumfragen und ratlosen Blicken hatten wir verstanden, dass aus dem New Yorker Flughafen nur die Interstate herausführt. Mit der Metro ging es deshalb zwei Stationen Richtung Queens und dann weiter auf den wackeligen Rädern Richtung Hotel.

Leicht orientierungslos suchten wir unser Hotel. Es ging durch dunkle Gassen, in denen kaum eine Menschenseele zu sehen war. Verdammt kalt war es auch. Von irgendwo kam uns ein breitschultriger Amerikaner entgegen. Da wir wie die meisten Deutschen wahrscheinlich eher zu den misstrauischen Personen der Bevölkerung gehören, wandten wir unsere Blicke erst einmal eingeschüchtert ab. Wie sich herausstellte, wollte der nette Amerikaner uns aber nur seine Hilfe anbieten und lotste uns in Richtung Hotel. Ohne ihn würden wir unser Hotel wahrscheinlich immer noch suchen. Im Hotel angekommen, freuten wir uns auf das Bett und unseren ersten Tag in den Staaten.

Entlang der East Coast

Wir waren also gut in New York City angekommen und auch die Fahrräder waren durch das Werkzeug des Hotelhausmeisters wieder fest zusammengebaut. Ziemlich schnell wurde uns klar: Dies ist ein Autoland und wer hier läuft oder mit dem Fahrrad fährt, kann nicht ganz dicht sein. Wir waren dabei anscheinend so komisch, dass wir schon wieder nett schienen und so begegneten uns alle Amis freundlich und immer sehr hilfsbereit.

Nach unserer ersten kleinen Fahrradtour vom Flughafen über Queens nach Manhattan, zu unserem Hostel, waren wir schon ziemlich gut darauf vorbereitet, was in diesem Riesenland so auf uns zukommen würde.

In NYC gab es so einiges zu tun. Wir trafen Katjas Cousine Jessi und waren zusammen in dieser glitzernden, schimmernden, blinkenden Stadt beim Shoppen. Zu schade, dass alles irgendwie in die Radtaschen passen musste und dann auch noch geschleppt werden sollte. Wir hatten beide um die 22 kg zu schleppen, was gerade noch okay war.

Wir machten eine Bustour durch die City und sahen so alles, was ein Tourist sehen sollte. Wir waren auf der Brooklyn Bridge, auf Ellis Island und natürlich bei der Statue of Liberty, am Times Square, auf dem Rockefeller Center, im Central Park und an vielen weiteren Orten. Wie gesagt: In NYC gibt es einiges zu sehen!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wir vor der beeindruckenden Manhattan Skyline

Nach einigen Tagen New York fuhren wir mit dem Bus für eine Nacht zu Baracks Weißem Haus nach Washington DC. Leider hatte er wohl viel zu tun und deshalb haben wir uns alleine in der Stadt umgeschaut.

Unser kleiner Drei-Tages-Trip nach Buffalo und zu den Niagarafällen war etwas verschneit, ist aber trotzdem wunderschön ausgefallen. Es gibt nur wenige Menschen, die von sich sagen können, dass sie die Wasserfälle ganz für sich alleine hatten! Über die Rainbow Bridge ging es kurz nach Kanada rüber. Hier konnten wir die Niagara Falls sehr schön sehen und abends strahlten sie durch Scheinwerfer beleuchtet in bunten Farben.

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Die Niagarafälle im Schneegestöber – ganz für uns allein!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allein mit dem Fernglasmann. Bissel windig wars …

Zurück in New York City gönnten wir uns noch ein paar entspannte Tage und am 16. Januar ging es los Richtung Norden.

Auf dem Greenway Bicycle Path ging es nördlich am Hudson River entlang hinaus aus der Großstadt. Es war schön zu fahren, auch wenn wir uns erst einmal wieder an die Ausmaße unserer dick bepackten Räder gewöhnen mussten. Gleich am ersten Tag habe ich mich in der Breite meines Rades etwas verschätzt und blieb zwischen einer Hecke und einem Laternenmast stecken.

Am Ende des Greenway Bicycle Path mussten wir leider feststellen, dass manche sogenannten Fahrradwege in den USA wohl eher unseren deutschen Autobahnen entsprechen. Man kann definitiv sagen, wir als verwöhnte deutsche Biker mussten uns erst einmal an diese neuen Bedingungen gewöhnen. Von Tag zu Tag wurden die Strecke und die Bedingungen aber besser.

Bis Albany hatten wir zwei tolle Warmshower- und Couchsurfing-Abende bei netten Leuten, die uns sehr herzlich aufgenommen haben. Abends beim gegenseitigen Austausch konnten wir sehr viele Reise- und Radtipps für unsere weitere Reise mitnehmen.

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Die Washington Bridge – gut geeignet für eine Pause mit Meditation oder Lockerungsübungen

Auf dem Weg Richtung Albany zeigte sich das Wetter mal wieder von allen Seiten und die Radtaschen, die uns bis jetzt immer treu durch Wind und Wetter begleitet hatten, mussten kleine Verluste hinnehmen. Das ganze Herumgerüttel war wohl für einige Halterungen zu viel und wir mussten sie auf dem Weg zurücklassen (man könnte auch sagen, sie haben sich klammheimlich aus dem Staub gemacht).

Für Mathias gab es am 18. Januar zum Geburtstag einen echten amerikanischen Kuchen in Rosa und eine Portion Steak Trockenfleischsnack.

Am 19. Januar kamen wir nach insgesamt 313 km in Albany an und nahmen den Nachtzug nach Chicago, das uns verschneit begrüßte.

Amerika war toll, uns ging es gut, auch wenn wir auf dem Fahrrad als die absoluten Freaks galten. Ach ja, ich habe mich auch absolut in die Donuts hier verliebt. Die sind größer als meine Hand, einfach fantastisch! Und durch das Fahrradfahren sind sie gleich wieder abtrainiert!

Nach drei Tagen Sightseeing in Chicago, bitterkaltem Wetter und Großstadtleben im Tiefschnee, nahmen wir Abschied von allen kennengelernten Amerikanern und Reisenden und traten den Weg auf der Route 66 an. Go west!

Unsere Route an der East Coast

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Wir starten durch auf der Route 66

Wir waren also unterwegs auf der Route 66. Am Mittwoch, den 25. Januar, ging es von Chicago aus los und dann fuhren wir immer weiter Richtung Westen. Auch wenn jeder Tag ungefähr gleich ablief, war doch jeder Tag anders ereignisreich und somit unvergesslich.

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Der Beginn der legendären Route 66 in Chicago

Meistens kamen wir nach einem Hotelfrühstück oder einem „selfmade“ Frühstück gegen zehn Uhr in die Gänge und somit auf das Bike. Hier sollte das geniale „American Breakfast“ der großen Hotels und Motelketten erwähnt werden. Meistens gibt es eine große Auswahl aus Brötchen, Donuts, Muffins, Cornflakes, Pancakes und Waffeln. Dazu Eier und Speck sowie alles mögliche andere, das man sich vorstellen kann. Hauptsache es ist fettig und kalorienreich. Für uns als Radreisende war es aber genau das Richtige. Wir waren gestärkt bis zum Nachmittag und kamen gut mit Snacks über den Tag bis zum Abendessen. Und bei den vielen Radkilometern schlägt so ein Frühstück auch sicher nicht auf die Hüften.

Wir fuhren täglich zwischen 50 und 100 km und kamen nachmittags oder abends irgendwo an, je nach dem, was wir uns unterwegs anschauten und was es zu sehen gab. Wenn möglich suchten wir uns noch vor Einbruch der Dunkelheit ein Motel. Unsere Räder durften wir meistens mit ins Zimmer nehmen, was uns das tägliche Auf- und Abladen der Radtaschen ersparte. Dann ging es erst einmal unter die Dusche, um Hände und Füße aufzutauen. Abends gab es etwas Ordentliches zu Essen, wenn möglich mit einem wohlverdienten Feierabendbier oder einem heißen Tee. Zum Abendprogramm gehörten außerdem der Wetterbericht und das Studieren der Landkarte.

Morgens konnte es dann erst wieder spät losgehen, da die Kälte auch hier in Amerika morgens noch deutlich zu spüren war und die Route 66 zu Beginn des Tages noch glatt und gefroren war.

Unterwegs sahen wir viele Getreidesilos, Farmen, viele wunderschöne leere Wiesen und Felder und viele Route-66-typische Roadsigns und Zapfsäulen, die an alte Zeiten erinnern. Fast durchgehend gibt es an der Route 66 Schilder, Bilder oder Figuren zu bestaunen, die der Straße ihr typisches Flair geben. Auf dem Fahrrad hatten wir genügend Zeit, die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen und anzuhalten, so oft wir wollten. Besonders die riesigen Giants, 6 bis 10m hohe Figuren am Wegesrand, waren lustig anzuschauen und uns immer ein Bild wert.

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Der Gemini Giant am Rande der Route 66

Das Buch „EZ 66 Guide For Travelers“ von Jerry McClanahan beschreibt die Strecke und ihre Sehenswürdigkeiten detailliert. Ohne das Buch wären wir wahrscheinlich an so manchen „Signs“ vorbeigefahren.

Auch die kleinen Museen und Ausstellungen über die historische Straße waren eine willkommene Abwechslung und kleine Radpause für uns auf unserem Weg entlang der Route 66.

In Pontiac im Route 66 Hall of Fame Museum wurden wir tatsächlich von der Zeitung interviewt! Als wir mit den wuchtigen Rädern durch die Museumstür kamen, müssen wir wohl ein faszinierendes Bild für die ältere Dame am Museumsschalter abgegeben haben. Wir erzählten ihr kurz, dass wir die Route 66 mit dem Fahrrad fuhren und sie war, wie wir im Nachhinein erfuhren, so begeistert, dass sie ohne unser Wissen die lokale Zeitung anrief. Diese stand auch schon 20 Minuten später in der Tür und die Bewohner der kleinen Stadt Pontiac konnten schon am nächsten Tag unsere Geschichte in der Zeitung lesen.

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Das Route 66 Museum in Pontiac – der Ort, an dem wir berühmt wurden!

Gefahren und Bier in Missouri

Während in Illinois der Wind aus der Richtung „Allzeit beschissen“ kam, begrüßte uns Missouri feierlich windstill, aber mit unzähligen Steigungen.

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Missouris Berg- und Talfahrten, die einem Radfahrer viel abverlangen

Das Wetter war hier sehr wechselhaft. Während wir zwischenzeitlich auch schon 18 Grad gehabt hatten, mussten wir nun des Öfteren wieder unsere Regenjacke auspacken.

Manche Tage auf unserem Weg entlang der Route 66 fuhren wir auf endlosen geraden Strecken und die Landschaft veränderte sich wenig. Ein Wasserturm in der Ferne kündigte dann immer die nächste Stadt an und so kämpften wir uns an manchen Tagen von Wasserturm zu Wasserturm. Wir lernten auch mit langweiligeren Tagen umzugehen, an denen jeder seinen Gedanken nachhing.

Unterwegs begegneten wir zahlreichen Kühen und Pferden, die uns immer wieder verdutzt nachschauten. Adrenalinkicks verursachten uns die täglichen Hundeangriffe. Sie schienen unsere Räder nicht ganz so toll zu finden. Während Mathias es noch irgendwie schaffte, die Tiere während dem Fahren zu verscheuchen, war ich nur damit beschäftigt, nicht vom Rad zu fallen, wenn ich voller Panik durch die Schlaglöcher bretterte, als wäre ich auf einer Buckelpiste unterwegs. So ein Köter erreicht laut unserem Tacho gern mal 30 km/h. Wir waren zum Glück immer schneller.

Von einigen Amerikanern haben wir Tipps bekommen, wie wir die Hunde am Besten abwehren können. Mit Wasser abspritzen oder Schreien führte nur teilweise zum Erfolg. Schon vielversprechender war der Tipp, sich kleine Steine in die Lenkertasche zu laden und beim Angriff als Munition zu verwenden (zumindest wenn man besser zielen kann als Katja). Ich habe auf diese Weise eine blutrünstige Kampfdogge mit einem Steinkopfschuss in die Flucht geschlagen. Mit mir sollte man sich besser nicht anlegen! Naja, vielleicht war der Hund auch drei Nummern kleiner, aber wer kennt sich schon mit Hunderassen aus? Es war auf jeden Fall ein Triumph, von dem ich noch meinen Kindern erzählen werde.

Andere Tiere sehen wir eigentlich nur platt auf der Straße und dann teilweise nur noch schwer zu erkennen, aber harmlos!

Von der Stadt Saint Louis, die tatsächlich Partnerstadt von Stuttgart ist, waren wir eher enttäuscht und froh, als wir uns nach zwei Tagen wieder von ihr verabschiedeten. Zwar verbrachten wir dort einen lustigen radelfreien Tag, aber vielleicht lag das auch an der Budweiser Brauereitour, die wir morgens um 11 Uhr gemacht haben. Zwei Gläser Freibier waren inklusive!

Am Sonntag darauf sahen wir uns dann den Super Bowl an – ganz amerikanisch in einem netten Pub mit Pizza und Chicken Wings. Am 7. Februar fast pünktlich zum Zwei-Monate-Unterwegs-Jubiläum hatten wir genau 2.000 km zurückgelegt.

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Ab hier schossen wir alle 1.000 km ein Bild vom Tacho

Am nächsten Tag machte dann prompt der erste Reifen schlapp, aber für jemanden, der das Reifenwechseln in einem professionell geleiteten Kurs gelernt hat, war es kein Problem, ihn auszutauschen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 208 Seiten

Details

Titel
Mit dem Fahrrad um die Welt: USA, Australien und Südostasien
Autoren
Seiten
208
Erscheinungsform
Originalausgabe
Preis (eBook)
5,99 EUR
ISBN (PDF)
9783656862901
ISBN (ePUB)
9783656862437
ISBN (MOBI)
9783656862437
Preis (Buch)
25,90 EUR
ISBN (Buch)
9783656882343
Sprache
Deutsch

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