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Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften in Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme

Title: Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften in Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 33 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Dirk Fross (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Einleitung

In den letzten Jahrzehnten zeichnen sich in immer mehr Bereichen anthropogene Umweltveränderungen ab, welche sich zunehmend auch auf die menschlichen Lebensgrundlagen auswirken. Ökologische Probleme haben exponentiell zugenommen. Einzelne Komponenten summieren sich zu multifaktoriellen Einflüssen mit unvorhersagbaren Konsequenzen für die Umwelt. In Bezug auf die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften waren soziologische Theorien durch die Beschränkung auf innergesellschaftliche Perspektiven
bis vor einigen Jahren blind ,"... der ökologische Zusammenhang von Natur und Gessellschaft wurde nicht thematisiert..."(1) . Ulrich Beck spricht von ´ökologischer Blindheit´, als Geburtsfehler der Soziologie, welche nur in der Gegenüberstellung zur Natur und der Konzentration auf ´soziale Tatsachen´ ihre disziplinäre Selbständigkeit gegenüber den Naturwissenschaften erreichen
und behaupten konnte.(2)
Die rasch zunehmende Thematisierung ökologischer Zusammenhänge in den
letzten Jahrzehnten kam für die Soziologie somit überraschend, hatte man doch bislang als besondere Gegenstände soziologischer Forschung ´die Gesellschaft´ oder ´Teile der Gesellschaft´ behandelt und ´Natur´ als gesellschaftliche Umwelt anderen Disziplinen überlassen.
[...]
______
1 Luhmann 1996: S. 47.
2 vgl. Beck : S. 69f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Differenz statt Identität

2.1. Beobachtung

2.2. System/Umwelt – Differenz

3. Autopoietische, selbstreferentielle Systeme

3.1. Soziale Systeme

4. Resonanz

5. Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften

5.1. Funktionale Differenzierung

5.1.1. Codes und Programme

5.2. Zu viel und zu wenig Resonanz

5.3. Angstrhetorik und soziale Bewegungen

6. Ökologische Rationalität

7. Schluß

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der ökologischen Selbstgefährdung moderner Gesellschaften unter Anwendung der Systemtheorie von Niklas Luhmann, um zu analysieren, wie gesellschaftliche Funktionssysteme auf Umweltveränderungen reagieren können.

  • Systemtheoretische Grundlagen (Beobachtung, Autopoiesis, System/Umwelt-Differenz)
  • Funktionale Differenzierung der modernen Gesellschaft
  • Mechanismen der Resonanzfähigkeit und ökologische Rationalität
  • Die Rolle von Protestbewegungen und Angstrhetorik

Auszug aus dem Buch

5.1.1 Codes und Programme

Die funktional ausdifferenzierten Teilsysteme der Gesellschaft, Luhmann unterscheidet etwa Wirtschaft, Politik, Recht, Religion, Wissenschaft, Erziehung, u.a. sind, wie alle Sozialsysteme, operativ geschlossene Einheiten. Sie operieren stets aus ihrer jeweiligen funktionsspezifischen Perspektive, die für sie selbst unhintergehbar ist. Für den Vorgang der operativen Schließung reicht die Orientierung an einer gesellschaftlichen Funktion jedoch nicht aus. Hinzu- kommen muß nach Luhmann eine zweite evolutionäre Errungenschaft, nämlich die binäre Codierung der einzelnen Teilsysteme.

Mit dem Begriff des Codes sind beobachtungsleitende Grundunterscheidungen, sogenannte Leitdifferenzen gemeint. Codes sind strikt zweiwertige Unterscheidungen, die über einen positiven und einen negativen Wert verfügen. Für Politik etwa ist entscheidend, ob man Entscheidungsmacht hat oder nicht, für Wissenschaft, ob eine Aussage wahr ist oder nicht, für Wirtschaft, ob man zahlt oder nicht, und für das Recht, ob etwas als rechtmäßig angesehen wird oder nicht. Dritte Werte sind auf dieser Ebene ausgeschlossen.

Entscheidend ist, daß diese Unterscheidungen nicht in den Systemen vorkommen, sondern, daß sie die jeweiligen Teilsysteme als soziale Systeme konstituieren. Die Codierung legt die Ausgangsunterscheidung zugrunde und kanalisiert alle weitere Informationsverarbeitung im jeweiligen Funktionssystem. Nur so kann überhaupt Information erscheinen und einem Funktionssystem zugeordnet werden. Alle weitere Informationsverarbeitung besteht im weiteren in einer Umwandlung von Differenzen in Differenzen, im Wirtschaftssystem ...

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die ökologische Problematik und die soziologische Perspektive auf die "ökologische Blindheit" moderner Gesellschaften.

2. Differenz statt Identität: Darlegung des systemtheoretischen Beobachtungsbegriffs basierend auf Unterscheidungen und der zentralen Differenz zwischen System und Umwelt.

3. Autopoietische, selbstreferentielle Systeme: Erläuterung der autopoietischen Selbstorganisation und der Übertragung dieses Konzepts auf soziale Kommunikationssysteme.

4. Resonanz: Beschreibung, wie Systeme durch ihre spezifische Struktur auf externe Irritationen reagieren können.

5. Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften: Analyse der gesellschaftlichen Struktur, in der funktionale Differenzierung und binäre Codes die Verarbeitung von Umweltinformationen bestimmen.

6. Ökologische Rationalität: Untersuchung der systemeigenen Möglichkeiten zur Kontrolle von Umweltrückwirkungen und der Grenzen einer gesamtgesellschaftlichen Vernunft.

7. Schluß: Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des Luhmannschen Theorieansatzes auf ökologische Krisenphänomene.

Schlüsselwörter

Niklas Luhmann, Systemtheorie, soziale Systeme, ökologische Selbstgefährdung, funktionale Differenzierung, Autopoiesis, Resonanz, Beobachtung zweiter Ordnung, binäre Codes, Systemrationalität, ökologische Kommunikation, soziale Bewegungen, Angstrhetorik, Umweltkrise, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökologische Problematik moderner Gesellschaften durch die theoretische Linse der Systemtheorie von Niklas Luhmann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit befasst sich mit Autopoiesis, funktionaler Differenzierung, Systemrationalität, der Rolle von Codes und Programmen sowie der Kommunikation über ökologische Krisen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Konturen der ökologischen Selbstgefährdung innerhalb einer funktional differenzierten Gesellschaft unter Anwendung systemtheoretischer Konzepte präzise darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systemtheoretische Analyse durchgeführt, die Luhmanns soziologische Begriffe auf die ökologische Problematik anwendet und kritisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Beobachtung zweiter Ordnung, die System-Umwelt-Differenz, die Rolle funktionaler Teilsysteme mit ihren spezifischen Codes und die Reaktion auf Umweltstörungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Systemtheorie, Autopoiesis, ökologische Kommunikation, funktionale Differenzierung und binäre Codierung.

Warum sieht Luhmann ökologische Kommunikation als problematisch an?

Weil das Gesellschaftssystem operativ geschlossen ist und Umweltprobleme nur in seiner internen Kommunikationslogik (z. B. Wirtschaft/Preise, Recht/Gesetze) und nicht in ihrer physischen Dimension verarbeiten kann.

Welche Rolle spielen soziale Bewegungen laut Luhmann in diesem Kontext?

Soziale Bewegungen werden als Protestkommunikation gesehen, die durch die Verwendung von "Angstrhetorik" versuchen, auf die Funktionssysteme einzuwirken, was jedoch aus Luhmanns Sicht oft dysfunktional bleibt.

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Details

Title
Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften in Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme
College
University of Augsburg  (Philosophische Fakultät I)
Grade
1.0
Author
Dirk Fross (Author)
Publication Year
2001
Pages
33
Catalog Number
V2862
ISBN (eBook)
9783638117357
Language
German
Tags
Selbstgefährdung Gesellschaften Niklas Luhmanns Theorie Systeme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dirk Fross (Author), 2001, Die ökologische Selbstgefährdung moderner Gesellschaften in Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2862
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