Ein Konflikt – vier verschiedene Erzählungen? Eine Kritische Diskursanalyse der Online-Berichterstattung von Al Jazeera, BBC, CNN und Russia Today in der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014


Masterarbeit, 2014
157 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Ausgangssituation und politische Positionen in der Ukraine-Krise
2.1 Länder mit Hauptsitz der Untersuchungsmedien ohne direkte Beteiligung am Konflikt:Großbritannien, USA, Katar
2.2 Konfliktparteien: Russland und die Ukraine

3. Nachrichtenunternehmen
3.1 Nachrichten und der Kampf ums Weltbild
3.2 Gründe für die Auswahl der Medien
3.3 Profile der Untersuchungsmedien
3.3.1 Der panarabische Nachrichtensender Al Jazeera
3.3.2 Die British Broadcasting Corporation
3.3.3 Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN
3.3.4 Der russische Nachrichtensender Russia Today

4. Theoretische Grundlagen
4.1 Begriffsdefinitionen
4.1.1 Diskurs
4.1.2 Ideologie
4.1.3 Weitere Begriffe in der Diskursforschung
4.2 Wandel im Verständnis von Sprache im Zuge der linguistischen Wende
4.3 Kritische Diskursanalyse
4.4 DerZusammenhang von Sprachmerkmalen und Ideologie
4.4.1 Lexik
4.4.2 Transitivität
4.4.3 Repräsentation sozialer Akteure
4.4.4 Modalität
4.4.5 Adjektive und Adverben
4.4.6 Zitierstrukturen
4.4.7 Agenda-Setting und Framing
4.4.8 Zeitform
4.5 Kritik an der Kritischen Diskursanalyse
4.6 Reaktion aufdie Kritik - Elektronische Korpuslinguistik
4.6.1 Kollokationen
4.6.2 Referenzkorpora
4.6.3 Concordance Plot
4.6.4 Schlagwort- und Frequenz-Analysen
4.6.5 Konkordanz

5. Methodische Umsetzung
5.1 Auswahl der Nachrichtenartikel und Zusammenstellung der Textkorpora
5.2 Textanalyse
5.2.1 Betrachtung von Überschriften
5.2.2 Feinanalyse des Fließtextes
5.2.2.1 Lexik
5.2.2.2 Konstruktion von Eigen- und Fremdgruppen
5.2.2.3 Adjektive und Adverbien
5.2.2.4 Kontextualisierung von Zitaten
5.2.2.5 Unbestimmtheit von Bewohnern der Krim und Ukraine
5.2.2.6 Transititivät
5.2.2.7 Zitate
5.2.2.8 Themensetzung

6. Ergebnisse und Interpretation
6.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Al Jazeera, BBC und CNN
6.2 Russia Today
6.3 Probleme und Grenzen der Untersuchung

7. Fazit

IV Literatur

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Medienprofile von AI Jazeera, BBC, CNN und Russia Today

Abb. 2: Verhältnis von Ideologie und Diskurs

Abb. 3: Ideologisches Quadrat nach Van Dijk

Abb. 4: Eigen- und Fremdgruppen am Beispiel der Berichterstattung der britischen Wochenzeitung Guardian Weekly während des Irak-Kriegs 1991

Abb. 5: Syntaktische Transformation nach Fowler

Abb. 6: Beispielnutzungen des Concordance Plot von AntConc

Abb. 7: Beispielnutzung des Konkordanz-Werkzeugs von AntConc

Abb. 8: Analyseansatz dieser Arbeit von sprachlicher Mikro- zu Makroebene

Abb. 9: Insgesamt veröffentlichte Nachrichtenartikel im Untersuchungszeitraum nachUntersuchungsplattform

Abb. 10: Vorden Referendumsbegriff gestellte Adjektive bei Russia Today

Abb. 11: Vorden Referendumsbegriffgestellte Adjektive bei Al Jazeera, BBC und CNN

Abb. 12: Direkte Zitate in absoluten Zahlen nach Nachrichtenplattform

Abb. 13: Direkte Zitate mit drei Wörtern oder weniger

Abb. 14: Indirekte Zitate in absoluten Zahlen nach Nachrichtenplattform

Abb. 15: Anteil an personalisierten Zitaten nach Nachrichtenplattform

Abb. 16: Themenüberblicknach Untersuchungsplattform

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Diskursrelevante Einzelbegriffe

Tab. 2: Eigen- und Fremdgruppen bei CNN

Tab. 3: Eigen- und Fremdgruppen bei der BBC

Tab. 4: Eigen- und Fremdgruppen bei Russia Today

Tab. 5: Fremdgruppen bei Al Jazeera

Ill Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Reichweite großer Medienunternehmen die sich im Zuge der technologischen Globalisierung eingestellt hat, ist beispiellos in der Geschichte der Menschheit. 24h- Nachrichtensender sind weltweit und rund um die Uhr zu empfangen, sodass Breen (2000: 161) bereits im Jahr 2000 sagt: „In einer Welt, in der Kommunikation unmittelbar und der Lebensrhythmus schon im Vergleich zu 25 Jahren vorher drastisch beschleunigt ist, sind Nachrichtenkonsumenten dazu gezwungen, sich für ihr Verständnis der Welt in der sie leben auf die Massenmedien zu verlassen“. Dieses Tempo wurde während der vergangenen 14 Jahre mit der Etablierung von Internet und schließlich Smartphones, die den Abruf von Nachrichten für viele Menschen weltweit, augenblicklich und standortunabhängig ermöglichen, noch einmal deutlich gesteigert (Barkho 2012: 2).

Die englisch-sprachigen TV-Programme der Nachrichtengiganten Al Jazeera, der BBC, CNN und Russia Today sind auf ein internationales Publikum ausgerichtet und in weiten Teilen der Welt zu empfangen. Die zugehörigen Internetpräsenzen sind ebenfalls tägliche Anlaufstelle für viele Millionen Menschen (Alexa Internet 2013a: o.S.; Alexa Internet 2013b: o.S.; Alexa Internet 2013c: o.S.; Alexa Internet 2013d: o.S.), deren Bewertung von Ereignissen durch die entsprechende Nachrichtenberichterstattung geprägt wird. Diese Abschlussarbeit soll den Vergleich der vier englischsprachigen Webseiten der Nachrichtenanbieter im Hinblick auf die Berichterstattung in der Ukraine-Krise behandeln. Der Konflikt in der Ukraine spaltet die Weltgemeinschaft und bietet sich als aktueller Konflikt in Europa, sich gegenüber stehender Positionen und einer enormen Aufmerksamkeit der Massenmedien und damit ausreichend auswertbaren Daten für eine solche vergleichende Untersuchung an.

Medial konstruierte Abbildungen der Realität sind zu einer Bühne für Konfliktgegner geworden, auf der um Sympathien und Solidarität gekämpft wird. Dabei kann Realität immer nur in Ausschnitten dargestellt werden. Mit der physischen Distanz zur Konfliktregion vergrößert sich auch die Abhängigkeit des Zuschauers von diesen medial gefilterten Informationen. Nachrichten sind daher von besonderer Relevanz, da sie eine prägende Funktion einnehmen und instrumentalisiert werden können (Bundeszentrale für politische Bildung 2002: 6).

Die Krise in der Ukraine wird damit auch zu einem Medienkrieg, der über Sympathien entscheidet. Der Journalismus steht darin vor der Herausforderung einer neutralen Darstellung, da die Korrespondenten und Korrespondentinnen vor Ort häufig auf Informationen von einer der beiden Konfliktparteien zurück greifen müssen und schlechten Zugang zu unabhängigen Berichten haben. Damit besteht immer die Gefahr auf Propagandakampagnen hereinzufallen und die Sichtweise einer Partei in der medialen Darstellung zu übernehmen (Götz 2009a: o.S.).

„Bei der Entstehung und Verbreitung geopolitischer Leit- bzw. Weltbilder spielen sprachliche Konstruktionen und kartographische Repräsentationen eine Schlüsselrolle, angefangen von den Reden der Politiker bis zu den vielfältigen Darstellungen in den Medien“ (Reuber und Wolkersdorfer 2003: 7). In einem Wechselspiel stellen massenmediale Texte zum einen gesellschaftliche Verhältnisse dar, während sie sie gleichzeitig reproduzieren und verändern. „Sprache schafft sozusagen Tatsachen, und Tatsachen strukturieren Sprache“ (Woller 2014: 48f.). Die grundlegende Annahme dieser Arbeit ist folglich, dass Sprache Konflikt­perspektiven erschafft, die in medial vermittelten Konflikten Sympathien und Antipathien fördert.

Aus der Sicht der Kritischen Diskursanalyse, die in dieser Arbeit Anwendung findet, formen Diskurse Gesellschaft und Kultur und werden wechselseitig von ihnen geformt. Schlussfolgernd wird davon ausgegangen, dass bei der Berichterstattung in der Ukraine­Krise je nach Gesellschaftsumfeld und Kulturkreis andere Diskurse vorherrschen (Kandil 2009: 32).

Völlige Neutralität kann kein journalistisches Medium anbieten. Es geht daher nicht darum, die Präsenz von Ideologien in der Nachrichtenberichterstattung aufzuzeigen - diese sind immer vorhanden - , sondern darum zu erkennen, welche Ideologien vertreten werden (Kandil 2009: S. 75). Die fundamentale Fragestellung der Arbeit lautet daher: Welche Ideologien lassen sich auf den englisch-sprachigen Nachrichtenportalen von Al Jazeera, BBC, CNN und Russia in der Berichterstattung der Ukraine-Krise ausmachen? Für eine gezielte Beantwortung dieser Frage werden folgende Hypothesen aufgestellt:

[H1] Al Jazeera, die BBC und CNN legen über Wortwahl und Grammatik ein Annexionsverhalten Russlands unter Beteiligung des russischen Militärs auf der Krim und eine Illegitimität eines Krim-Referendums nahe.

[H2]AI Jazeera, die BBC und CNN betten übermäßig Aussagen und Sprecherpositionen ein, die dem Verhalten pro-russischer Demonstranten, sowie russischen und krimischen Autoritäten kritisch gegenüber stehen. Stimmen und Verhaltensweisen pro-ukrainischer Demonstranten und der ukrainischen Regierung werden in ein positives Licht gerückt.

[H3] Russia Today legt über Wortwahl und Grammatik die Notwendigkeit einer Volksabstimmung auf der Krim, aufgrund von Illegitimität der Ukrainer Regierung und Bedrohung russischer Ethnien, nahe.

[H4] Russia Today bettet übermäßig Aussagen und Sprecherpositionen ein, die dem Verhalten pro-ukrainischer Demonstranten, sowie ukrainischen Autoritäten kritisch gegenüber stehen. Stimmen und Verhaltensweisen pro-russischer Demonstranten und der russischen Regierung werden in ein positives Licht gerückt.

Hodge (in Barkho 2010a: 2; Barkho 2010b: 129) unterscheidet grundsätzlich drei mögliche Ansatzpunkte, über die Wissenschaft die Weltanschauungen von Journalisten und Herausgebern von Nachrichtenmedien herausarbeiten kann. Erstens können Interviews mit den Verfassern und Verantwortlichen geführt werden, in denen um Erklärungen für die Vorgehensweise und Einsicht in redaktionelle Leitlinien gebeten wird, falls diese nicht bereits verfügbar sind. Die zweite Möglichkeit ist das Verfolgen des Arbeitsprozesses in einer Redaktion von der Idee und Bearbeitung bis hin zum Ausgangsprodukt, dass dem Lesepublikum später vorliegt. Drittens schlägt er die Betrachtung des Endproduktes und die eingehende Untersuchung der Sprache vor. Wie viele kritische Diskursanalysten und er selbst, betrachtet auch diese Abschlussarbeit aus forschungspragmatischen Gründen alleine die Sprache der Nachrichtenartikel, um das Vorhandensein von Ideologien aufzuzeigen und darzustellen, in welcher sprachlichen Form diese in Erscheinung treten. Um die qualitativen Ansätze der Kritischen Diskursanalyse zu unterstützen, wird auf eine elektronische Korpuslinguistik zurück gegriffen, die sich in vergangenen Arbeiten als sehr sinnvoll erwiesen hat. Dadurch erhebt die Arbeit empirische Daten und betrachtet gleichermaßen detailliert die sprachliche Mikro- und Makroebene.

Während umgangssprachlich Ideologien mit großen und komplexen Strömungen wie dem Sozialismus oder Kommunismus verhaftet werden, kann die Bezeichnung auch für wenige, grundlegende Vorstellungen gelten. Dem Ideologie-Begriff ist im Grundsatz keine Zuschreibung des Negativen oder Falschen anzuhaften (Van Dijk 1995a: 139ff.). Die Arbeit möchte daher im Hinblick auf die Konfliktparteien sowie der Medienunternehmen eine neutrale Stellung einnehmen. Sie dient nicht der Enthüllung von medialer Manipulation oder

Propaganda und eine Bewertung der Berichterstattung in besser oder schlechter wird nicht vorgenommen. Viel mehr soll die Arbeit plattformspezifische Perspektiven auf den Konflikt deutlich machen.

Da diese Arbeit den Abschluss eines humangeographischen Studiums bildet, werden die Erläuterungen weitestgehend allgemein verständlich formuliert, so dass sie für Leser und Leserinnen ohne sprachwissenschaftlichen Hintergrund nachvollziehbar sind.

1.1 Forschungsstand

Nachrichtenanalysen haben eine lange Tradition in den Publizistik- und Kommunikations­wissenschaften und wurden erstmals in den 1920er Jahren durchgeführt, nachdem der Begriff der Massenmedien definiert worden war und die Zeitung als erstes Medium regelmäßig eine breite Masse an Menschen informieren konnte (Bösch 2011: 9f.). Bereits damals war es ein zentraler Forschungsaspekt herauszufinden, welche Informationen Rezipienten in den Nachrichten über die Welt erhalten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in der Forschung ein Schwerpunkt auf „systemexterne Vergleiche“, d.h. Vergleiche von Medien aus unterschiedlichen Ländern, gelegt, da die internationale Berichterstattung als wichtiger Informationsbote für die Verständigung in der Welt begriffen wurde. Während Nachrichten­sendungen im Radio kaum international vergleichend untersucht wurden, gab es mit der wachsenden Bedeutung des Fernsehens bald eine Vielzahl an Forschungsarbeiten für TV- Nachrichten. Das Internet sorgte zusätzlich für eine massive Verbreitung von Texten, während der Bildschirm vorher hauptsächlich visuellen Darstellungsformen diente (Conboy 2007: 25f.). Inzwischen erfährt daher auch die Berichterstattung im Internet zunehmend Aufmerksamkeit in der Wissenschaft (Wilke et al. 2012: 303f.; Wilke 2008: 237f.).

Es gibt bereits eine Reihe an Kritischen Diskursanalysen, die sich mit Konflikten und insbesondere mit dem Israelisch-Palästinensischen Konflikt auseinandersetzen (vgl. Almeida 2011; Bartel et al. 2008; Chen 2013; Kandil 2009; Seo 2013). Mit der Anwendung einer KDA in seinem Werk News from the BBC, CNN and Al-Jazeera: How the Three Broadcasters Cover the Middle East von 2010 und diversen Fachaufsätzen1 war Leon Barkho für die vorliegende Arbeit ein besonders einflussreicher Impulsgeber. Er kann weitestgehend belegen, dass die Online-Berichterstattung globaler Nachrichtensender im Nahostkonflikt ideologisch geprägt ist. Er nimmt allerdings keine korpuslinguistische Unterstützung in Anspruch und führt nur wenige Beispiele an, die seine Thesen untermauern.

Aufgrund der Aktualität der Ukraine-Krise wurden bisher keine Diskursanalysen in diesem Zusammenhang veröffentlicht. Zudem wurde Russia Today bei bisherigen Untersuchungen nicht untersucht, obwohl der Nachrichtenanbieter nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren zu einem der Sender mit den größten Zuschauer- und Leserzuwächsen herangewachsen ist (Russia Today 2014a: o.S.). Die vorliegende Arbeit unterscheidet sich neben der inhaltlichen Thematik von vergangenen Veröffentlichungen darin, dass sie wiederholt geforderte Ansätze der Korpuslinguistik in die Analyse integriert, um eine bessere empirische Basis zu schaffen. Weiterhin konzentriert sie sich auf ein 16-tägiges Zeitfenster der Ukraine-Krise und untersucht dieses ausgiebig, anstatt Verallgemeinerungen über die Berichterstattung über mehrere Jahre anzustellen, wie in anderen Arbeiten teilweise geschehen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Kapitel 2 beschreibt die grundlegenden politischen Positionen der Konfliktparteien und der Länder, in denen sich die Untersuchungssender befinden. Diese Ausführung erscheint notwendig insbesondere für ein Verständnis des Konflikts zum Zeitpunkt im März 2014. Außerdem konnten vergangene Untersuchungen eine Korrelation zwischen Regierungs­haltung und Nachrichtenberichterstattung bestätigen (siehe Kapitel 2). In Kapitel 3 wird der mediale Einfluss auf mentale Weltbilder diskutiert, die vier ausgewählten Medien­unternehmen Al Jazeera, BBC, CNN und RT porträtiert und ihre Bedeutung in globalem Maßstab besprochen. Kapitel 4 führt grundsätzliche Begriffe ein, die für diese Arbeit zentral sind und stellt die veränderte Wahrnehmung von Sprache seit der sogenannten Linguistischen Wende dar. Darüber wird deutlich, wieso Sprachanalysen der Nachrichtenberichterstattung sinnvoll zur Herausarbeitung von Ideologien sind. Weiterhin werden in diesem Kapitel die Kategorien festgelegt, nach denen die Sprache analysiert wird, sowie die Methoden der Kritischen Diskursanalyse und elektronischer Korpuslinguistik erläutert. Kapitel 5 umfasst daran anschließend die praktische Umsetzung. Die Unterkapitel beginnen mit mikroanalystischen Betrachtungen auf Wortebene und gehen über die Satzebene zu makroanalystischen Analysen über. In Kapitel 6 werden schließlich die Ergebnisse für eine endgültige Interpretation zusammengeführt, bevor in einem abschließenden Kapitel 7 eine Bewertung und ein Fazit der Arbeit gezogen wird.

2. Ausgangssituation und politische Positionen in der Ukraine-Krise

Die Krim-Halbinsel wurde 1954 durch den damaligen Regierungschef der Sowjetunion Nikita Chruschtschow in einem symbolischen Schritt von Russland an die Ukraine übergeben. Der russischen Schwarzmeerflotte wurde die Erlaubnis erteilt auch weiterhin im Hafen von Sewastopol stationiert zu bleiben. Ein Großteil der Bevölkerung, die hauptsächlich zu 59% aus Russen, zu 23% aus Ukrainern und zu 12% aus Krimtataren zusammengesetzt ist, hielt auch nach 1991 enge Beziehungen zu Russland (McMahon 2014).

Die Ukraine kämpft seit der Auflösung der Sowjetunion 1991 mit inneren Spannungen bei Abwesenheit starker politischer Institutionen, die notwendige ökonomische Reformen umsetzen könnten. Während die westliche und zentrale Ukraine eine engere Bindung an Europa anstrebt, orientiert sich der Süden und Osten des Landes mit hohen Bevölkerungs­anteilen ethnischer Russen und russischsprachiger Ukrainer in Richtung Russland. 2010 gewann Wiktor Janukowytsch die nationalen Präsidentschaftswahlen und verhandelte mit der Europäischen Union über ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen, welches er Ende 2013 unterzeichnen wollte, diese Absicht aber kurzfristig überraschend aufgab. In Kiev kam es in Folge dessen zu umfangreichen pro-europäischen Demonstrationen, die unter der Bezeichnung des Euromaidan zu einer Protestbewegung anwuchsen. Drei Monate nach Beginn der Proteste, die sich zwischenzeitlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen ausgeweitet hatten und etwa 90 Todesopfer forderten, wurde Präsident Janukowytsch gestürzt. Damit vertieften sich die Spannungen zwischen den westlichen und südöstlichen Regionen der Ukraine weiter. Russland erklärte daraufhin, russische Bevölkerungsanteile bei Bedarf vor Übergriffen zu schützen und sprach seine Unterstützung für die freie Wahl der lokalen Bevölkerung auf Unabhängigkeit in einer Volksabstimmung aus (McMahon 2014: o.S.).

Eine Reihe bisheriger Studien konnte belegen, dass die politische Haltung nationaler Regierungen häufig in der Nachrichtenberichterstattung von Zeitungen und Webseiten wiedergefunden werden kann und dort nationale Interessen unterstützt werden (Chen 2013: 21f.; Seo 2013: 774f.). Da diese Arbeit ein ähnliches Ergebnis für den Ukraine-Diskurs der Online-Nachrichten erwartet, werden in diesem Kapitel in einem Kurzüberblick die grund­legenden Haltungen der Konfliktgegner und die Auffassungen der Länder vorgestellt, in denen die Untersuchungsmedien ihren Hauptsitz haben.

2.1 Länder mit Hauptsitz der Untersuchungsmedien ohne direkte Beteiligung am Konflikt: Großbritannien, USA, Katar

Großbritannien bewegt sich in der Beurteilung der Ukraine-Krise auf einer Linie mit anderen westlichen Nationen wie Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika und verurteilt das russische Verhalten scharf (Sky News 2014: o.S.). Es verhängte Sanktionen gegen eine Auswahl an Politikern, stimmte für den Ausschluss Russlands aus der G8- Staatengemeinschaft im Einklang mit den weiteren Mitgliedern und boykottierte die Winter­Paralympics in Sotschi im März 2014 (Agence France-Presse 2014: o.S.). Dennoch ist es wie andere europäische Staaten etwas zurückhaltender mit harten Sanktionen, da es große Gaslieferungen aus Russlands erhält.

Nach Ansicht der USA betreibt Vladimir Putin eine aggressive Expansionspolitik. Das Referendum auf der Krim ist nach Ansicht der US-amerikanischen Regierung nach internationalem Recht illegitim, da eine Abstimmung innerhalb des gesamten souveränen Staates der Ukraine abgehalten werden müsste - die Krim wird demnach annektiert. US- Präsident Barack Obama wirft Russland eine „Verletzung der ukrainischen Souveränität [und] das Brechen internationalen Rechts“ vor und fordert einen sofortigen Rückzug aller russischer Truppen auf der Halbinsel (DeYoung 2014: o.S.). Außenminister John Kerry bezeichnete Russlands vorgehen ebenso als Invasion und einen „unglaublichen Akt der Aggressivität“ (Dunham 2014: o.S.).

Katar hält sich in der gesamten Ukraine-Krise weitestgehend zurück und ist lediglich als alternativer Anbieter von Gas auf dem europäischen Energiemarkt im Gespräch (Kabalan 2014: o.S.). Kritische Aussagen der Regierung sind nicht auffindbar.

2.2 Konfliktparteien: Russland und die Ukraine

Russland versteht in der Ukraine lebende ethnische Russen nach der Absetzung des ukrainischen Präsidenten Viktor Yanukovych durch radikale Neo-Nazis und Faschisten gefährdet (Stürmer 2014: o.S.) und wirft dem Westen vor, sich mit „ukrainischen Neonazis“ (RIA Novosti 2014: o.S.) verbündet zu haben. Das Referendum, das die Krim nach internationalem Recht legitim in die Russische Föderation überführe, behebt nach Ansicht Gorbatschows einen „historischen Fehler“ (Russia Today 2014b: o.S.). Die Regierung unter Putin beteuert, die pro-russischen Milizen in der Ukraine agierten unabhängig und stehen nicht unter der Kontrolle des Kreml. Die russische Politik strebe danach, den Konflikt zu deeskalieren (N-TV 2014: o.S.).

Der ukrainische Premierminister Arsenij Jazenjuk spricht im Konflikt um die Krim von einer Annexion und einem „internationalen Verbrechen“ (Balmforth 2014: o.S.) Russlands. Für ihn „war, ist und wird die Krim Teil der Ukraine sein“ (Euronews 2014: o.S.).

3. Nachrichtenunternehmen

Die Voraussetzungen für eine mediale Globalisierung und damit für 24h-Nachrichtensender wurden durch die technische Entwicklung von Unterwasserkabelnetzwerken ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in Europa, die weltweite Vernetzung von Nachrichten- und Presse­agenturen und die weitere Entwicklung von Übertragungsanlagen für elektromagnetische Wellen hauptsächlich durch die Industrienationen der nördlichen Hemisphäre geschaffen. Dadurch stellte sich eine globale Medienhierarchie heraus, in der transnationale Medienunternehmen bis heute Wortführer sind und die Auswahl der Nachrichten dominieren. Allerdings konnten sich durch satellitenunterstützte Übertragungsmöglichkeiten, die Entwicklung von digitalen Kameras, tragbarer Schnitttechnik und damit einer unmittelbaren Übermittlung von Bildern beispielsweise auch arabische Nachrichtenkanäle im globalen Informationssektor etablieren. Die Verbreitung von Informationen wurde dadurch insgesamt weiter beschleunigt (Kutz 2014: 275).

Diese transnationalen „Prestige- oder Leitmedien“ werden in besonderem Maße von politischen, wirtschaftlichen und journalistischen Eliten konsumiert, setzen die Themen­agenda und beeinflussen neben den großen Nachrichtenagenturen weitere Medien durch ihre Nachrichtenauswahl. Dazu laufen diese Sender weltweit in Nachrichtenredaktionen und werden von diplomatischen Diensten und internationalen Organisationen konsumiert (Kutz 2014: 101).

Durch das Internet erreichte die Nachrichtenvermittlung ab den 1990er Jahren eine immer höhere Geschwindigkeit (Rhomberg 2010: 40ff.). Heute verzichten zunehmend mehr Menschen auf Printmedien und TV-Nachrichten und wechseln zu Online-Angeboten, um über tägliche Geschehnisse informiert zu werden (Kutz 2014: 88) Nach aktuellen Erhebungen sind innerhalb der Online-Angebote die Webseiten von Radio- und TV-Sendern mit 49% noch vor allen anderen Angeboten im Internet wie Online-Ausgaben von Zeitungen und Magazinen (42%) die ersten Anlaufstationen für Informationen über das aktuelle Tagesgeschehen (Statista 2014a: o.S.). Aufgrund dieser aktuellen Entwicklungen und immer höherer Publikumsreichweiten im Internet bietet sich die Analyse von Nachrichten-Webseiten an.

Die untersuchten Medienunternehmen erscheinen sich auf den ersten Blick überaus ähnlich zu sein, doch bei näherer Betrachtung gibt es bedeutende Abweichungen in der jeweiligen Herangehensweise, Sprache, Strategie und Sendungskonzeption (Barkho 2010a: 2ff.).

3.1 Nachrichten und der Kampf ums Weltbild

Nachrichten haben weitreichenden Einfluss auf die Meinungsbildung in der Gesellschaft. Da große Nachrichtenunternehmen wirtschaftlichen oder politischen Eliten unterstehen, werden deren dominierende Ansichten über die Berichterstattung weitergetragen und dadurch vervielfältigt. Die jeweiligen sprachlichen Eigenschaften in den Nachrichten erzählen dabei auch etwas über eine nationale Identität, die „unsere Beziehung mit der gegenwärtigen Welt aus einem nationalen Standpunkt“ formt (Conboy 2007: 24f.).

Nachrichtenberichterstattung kann nach Untersuchungen einer Vielzahl verschiedener Autoren generell nicht objektiv sein. Dem Mantra ernsthafter Journalisten der wahrhaft objektiven Erzählung ohne jeglicher Beeinflussung durch menschliche Beobachtung, das unter dem Leitsatz „Tell it as it is!“ zusammen gefasst werden kann, entgegnen Kritiker mit der Umformulierung „It is as you tell it!“. Sprache beschreibt demzufolge nicht die Welt, sondern erschafft sie erst (Barkho 2010: 15f.). Wie auch in der Mediengeographie heute allgemein übereinstimmt wird, ist Realität in den Medien lediglich eine konstruierte Repräsentation. Die Berichterstattung zu einem Ereignis ist in ihrer Produktion je nach Nachrichtenmedium ideologisch beeinflusst, um ein bestimmtes Zielpublikum anzusprechen. Politische Ideologien sind in der Sprache der Nachrichtenberichterstattung als feste Bestandteile eingeflochten (Kuo 2007: 281ff.).

Eine Analyse der Darstellung des Ukraine-Konflikts auf den ausgewählten Nachrichten­portalen ist daher angebracht, da sie vielen Menschen als tägliches Informationsangebot dienen und durch diese Kontinuität davon auszugehen ist, dass sie die Interpretation des Konflikts prägen (Bundeszentrale für politische Bildung 2002: 19). So verwundert es auch kaum, dass in immer mehr Ländern und häufig unter dem Einfluss von Regierungen Nachrichtensender gegründet und per Satellit und Kabelbetreiber global verbreitet werden, um bewusst eigene Perspektiven zu präsentieren (Meckel 2006). Die Sender werben in vielen Fällen offen damit, andere Standpunkte als westliche Vertreter einzunehmen. Al Jazeera wurde bewusst als Gegenstück zu CNN gegründet (Painter 2008: Iff.; Sakr 2007: 106; Ustad Figenschou 2014: 98ff.) und Russia Today gibt an, eine „alternative Perspektive auf große globale Events“ anzubieten und ein „internationales Publikum mit der russischen Sichtweise“ versorgen zu wollen (Russia Today 2014c: o.S.). Einem internationalen Publikum das nationale Verständnis näher zu bringen, dürfte ebenso auf die Sender France 24 aus Frankreich, Al-Alam News Network aus dem Iran, China's CCTV News, oder Israels 2013 gegründetem i24 News zutreffen.

Es könnte angenommen werden, dass die Auswirkung auf Rezipienten einer einzelnen Nachrichtenseite nur eingeschränkt ist, da der Zugang zu anderen Berichterstattungen und damit Diskursen in einer multimedialen Allgegenwärtigkeit neben dem Internet auch über die Tageszeitung, das Radio oder Fernsehen zur Vermittlungen einer Pluralität an Meinungen möglich ist. Allerdings sind Menschen nach Fowler (in Kuo 2007: 297) „anfällig, nicht von der Pluralität verschiedener Stimmen zu lernen. Durch das Lesen einer einzelnen Zeitung oder das Betrachten der Nachrichten auf einem Kanal, entwickeln die meisten Menschen deswegen wahrscheinlich beschränkte oder normative Standpunkte gegenüber den Medien“, was „nur zu Selbstgefälligkeit und Intoleranz führen“ könne.

3.2 Gründe für die Auswahl der Medien

Die Wahl der Untersuchungsmedien erfolgte unter diversen Aspekten. Ein erstes Auswahlkriterium war eine führende Position im Markt der internationalen Nachrichten­berichterstattung und hohe Zuschauerzahlen bzw. Aufrufe der Internetplattformen. Unter dem Gesichtspunkt einer Betrachtung auf ideologische Implikationen fiel die Wahl auf vier Vertreter aus verschiedenen Weltregionen und Kulturräumen, so dass nach der Alltags­erfahrung unterschiedliche Haltungen zur Ukraine-Krise zu erwarten sind. Dazu sollten die Untersuchungsmedien journalistisch eine ähnliche Qualität bieten. Ein Vergleich zwischen der Qualitäts- oder „Elitepresse“ mit der Boulevardpresse im Hinblick auf einen internationalen Konflikt wäre wenig sinnvoll, da die Herangehensweisen grundsätzlich abweichen und einen Vergleich wenig fruchtbar erscheinen lassen. Zum einen kann bei einem solchen Vergleich nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob Unterschiede nicht alleine durch die verschiedenen Medienarten zu Stande kommen (Potthoff 2011: 387). Zum anderen hat sich in vergangenen Untersuchungen gezeigt, dass Boulevardmedien häufig „keine systematische Auslandsberichterstattung betreiben“ (Hafez 2002: 32). Eine gewisse Seriosität der Medien war daher ebenso Teil des Auswahlprozesses. In einer internationalen Umfrage in 10 Ländern wurde der BBC in Großbritannien mit 32%, CNN und Fox News in den USA mit jeweils 11% und Al Jazeera in Ägypten mit 55% das größte Vertrauen von allen Sendern ausgesprochen (Friginal und Hardy 2014: o.S.; Kandil 2009: 41). Zudem sollte eine Untersuchung für einen direkten Vergleich monolingual erfolgen, wodurch die Wahl einheitlich aufdie englisch-sprachigen Webseiten der Nachrichtenanbieter fiel.

Die Online-Berichterstattung bot sich gegenüber den TV-Nachrichten der Sender für eine Auseinandersetzung an, da durch das flüchtige Medium Fernsehen nicht vollumfassend auf vergangene Berichte zugegriffen werden konnte und das Internet immer stärker beim

Nachrichtenkonsum an Bedeutung gewinnt. Nach einer US-amerikanischen Umfrage sehen fast die Hälfte aller Befragten das Internet als primäre Nachrichtenquelle und für 86% sind Webseiten wichtigere Nachrichtenlieferanten als traditionelle Nachrichtenkanäle (Kandil 2009: 41f.).

Medien, die auf ein nationales Publikum abzielen, hätten sich für eine Untersuchung der Ukraine-Krise weniger angeboten, da nur wenige Sender wie die deutsche ARD über umfassende Korrespondentennetze im Ausland verfügen und sie insbesondere über ihr Internetangebot viel weniger Menschen erreichen. Kleine Medienunternehmen greifen für die Auslandsberichterstattung meist auf das Material der drei marktführenden Nachrichten­agenturen Associated Press, Agence France Presse und Reuters zurück. Nur für globale Sender wie die BBC und CNN lohnen sich eigene Korrespondentennetzwerke finanziell (Kutz 2014: 99).

3.3 Profile der Untersuchungsmedien

Über lange Zeit prägten westliche Medien das globale Nachrichtenangebot (Seib 2005: o.S.). Nach dem großen Erfolg von CNN in den 1980er Jahren gründeten sich zunehmend mehr 24h-Nachrichtensender mit Ausrichtung auf ein internationales Publikum - häufig unter staatlicher Kontrolle oder Subvention (Painter 2008: Iff.). Dabei stehen selten wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, da einflussreiche Massenmedien ein mächtiges Werkzeug der Meinungsbildung mit Blick auf nationale Interessen sein können. Al Jazeera wurde etwa durch den Emir von Katar bewusst als Gegenpol zum US-amerikanischen Cable News Network (CNN) aufgebaut. So verwundert es nicht, dass sich solche Sender immer wieder gegenüber Vorwürfen der Parteilichkeit konfrontiert sehen (siehe Kapitel 3.3.1 und Kapitel 3.3.4). Eine Gegenüberstellung von etablierten Nachrichtenanbietern und gegen-hegemonial ausgerichteten Nachrichtenangeboten scheint unter diesem Gesichtspunkt interessant.

Als Untersuchungsmedien wurden mit dem US-amerikanischen CNN und der British Broadcast Corporation (BBC) zwei Berichterstatter westlichen Ursprungs, sowie Al Jazeera und Russia Today gewählt. Alle vier können als etabliert und weltweit führende Nachrichtenanbieter gelten, obwohl nach wie vor deutliche Unterschiede in den Zuschauer- und Leserreichweiten bestehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2 3 4

Abb. 1: Medienprofile von AI Jazeera, BBC, CNN und Russia Today Quelle5: nach Linder 2010: 180 (eigene Darstellung); Russia Today 2014c

Die Zielgruppen der Unternehmen sind insgesamt identisch. Während CNN seine Zuschauer als global citizens bezeichnet und die BBC von Internationalists spricht, möchte Al Jazeera grundsätzlich jeden erreichen, der das arabische Programm aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht verstehen kann. Nach einer Studie, die das Mediennutzungs­verhalten von Europäern betrachtet, sind die Zuschauer der 24h-Nachrichtensender unter anderem aufgrund der Sprachbarriere des Englischen hauptsächlich „Meinungsführer, Eliten aus den Bereichen Politik und Wirtschaft aber auch internationale Journalisten“. Dies ist von besonderer Bedeutung, da sie ihre Meinungen weitertragen und Journalisten die Nachrichtensender potenziell als Quelle nutzen (Linder 2010: 178f.). So zählten die BBC und CNN 2013 in der deutschen Medienlandschaft zu den meistzitierten Medien überhaupt und liegen nach der Anzahl an Zitaten noch vor nationalen Medien wie Handelsblatt, Spiegel Online, Die Zeit oder dem Stem (Statista 2014b: o.S.).

Nachfolgend werden die vier ausgewählten Untersuchungsmedien porträtiert und damit der mediale Kontext gegeben, in dem die darauffolgend analysierten Texte entstanden sind.

3.3.1 Der panarabische Nachrichtensender AI Jazeera

Traditionell stehen nationale und transnationale Massenmedien in der arabischen Welt in enger Verbindung zu den jeweiligen nationalen Staatseliten und wurden daher in der Vergangenheit immer wieder für Propagandazwecke eingesetzt. Aufgrund von hohen Raten an Analphabeten dienen die audio-visuellen Medien neben der Informationsverbreitung auch derVerfestigung kultureller und sozialer Normen (Linder 2010: 164; Thomass 2013: 294).

Al Jazeera (arab.: sj^j^Jf) ist der erste arabische Satellitennachrichtensender der Region und wurde 1996 durch den regierenden Emir Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani in Katar gegründet, der den Sender zu Beginn mit einer einmaligen Zahlung von 500 Millionen katarischer Rijal (umgerechnet etwa 110 Millionen Euro) finanzierte. Am 1. November 1996 nahm der Sender in Doha seinen Betrieb auf und betonte, staatlich unabhängig berichten zu wollen. Aufgrund ihrer Erfahrung wurden viele ehemalige Korrespondenten von der BBC übernommen, nachdem der BBC-Ableger Arabic TV den Betrieb in Katar einige Monate vorher angesichts von Zensurforderungen einstellte. Die Berichterstattung von Al Jazeera über Politik, Gesellschaft und Kultur war ungewöhnlich offen und zensurfrei. Durch relativ objektive Nachrichten, die Darstellung verschiedener Positionen, Diskussionsrunden und Live-Berichten konnte der Sender als Alternative zu zensierten, staatlichen Medien das Vertrauen der Zuschauer im Nahen Osten gewinnen. Nach Olivia Qusaibaty (in Linder 2010: 170) ist er zudem eine Alternative zu pro-westlichen Sendeanstalten, indem er ein ,,pan- arabisches Verständnis der aktuellen Geschehnisse für ein arabisches Publikum“ reflektiert (Linder 2010: 166ff.; Thomass 2013: 310f.).

Dennoch sollte der Sender von Beginn an auch als politisches Instrument dienen, um den internationalen Einfluss des kleinen Landes zu erweitern. Seit den Protesten des Arabischen Frühlings 2011 kritisieren Journalisten des Senders eine zunehmende Einflussnahme auf ihre Berichterstattung durch das Emirat. So stützte es etwa die außenpolitischen Interessen Katars durch einseitige Berichte zugunsten libyscher Rebellen und der syrischen Opposition, während Proteste in Bahrain kaum abgedeckt wurden (Samuel-Azran 2010: 31; Thomass 2013: 294).

International bekannt wurde der Sender durch seine Berichterstattung während des Krieges in Afghanistan, der auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 in New York folgte. Im Gegensatz zu anderen internationalen Sendern hatte Al Jazeera bereits seit 1998 Niederlassungen in Kabul und Kandahar eingerichtet, und besaß somit nach Ausbruch des Krieges ein weitgehendes Bildmonopol auf Militäroperationen in den von Taliban kontrollierten Regionen vor Ort. Während westliche Medien aus einer Sichtweise der Alliierten berichteten, zeigte Al Jazeera Bilder von zerstörten Gebäuden, führte Interviews mit Anwohnern und sprach mit Osama bin Laden. Dadurch fand der Sender weltweit Beachtung, und wurde dabei gleichermaßen gelobt wie kritisiert. Die US-Regierung bezeichnete den Sender etwa als „antiamerikanisch“ und „Sprachrohr der Terroristen“ (Linder 2010: 167f.).

Seit 15. November 2006 existiert der englischsprachige Ableger AI Jazeera English, der angesichts des großen Erfolgs der arabischen Version gegründet wurde. Es handelt sich damit um den ersten Nachrichtensender aus dem Nahen Osten, der auf Englisch sendet. 2010 war als Ziel auf der zugehörigen Webseite angegeben, den Informationsfluss westlicher Medien umkehren zu wollen, „von den Entwicklungsländern zurück in den Westen und von der südlichen in die nördliche Hemisphäre“ (in Samuel-Azran 2010: 101). Zielpublika sind Entwicklungsländer, die eine Alternative zu den etablierten westlichen Sendern suchen, sowie Menschen in Industrienationen, denen Al Jazeera nur aus zweiter Hand bekannt ist. Zudem sollen arabische Emigranten in zweiter und dritter Generation erreicht werden, die keine ausreichenden Arabischkenntnisse mehr besitzen (Linder 2010: 170; Samuel-Azran 2010: 101).

Zum 20. August 2013 ging mit AI Jazeera America ein weiterer Ableger des Muttersenders auf Sendung mit simultaner Einrichtung einer passenden Internetplattform, die inhaltlich auf die Interessen der US-Bevölkerung zugeschnitten ist und ein Konkurrenzangebot zu nationalen Sendeanstalten bieten möchte (Al Jazeera America 2014).

3.3.2 Die British Broadcasting Corporation

Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die im Oktober 1922 vorerst als regierungsunabhängiger Radiosender in London gegründet wurde und heute als weltgrößte Sendeanstalt gilt (Linder 2010: 177). Fünf Jahre nach ihrer Gründung wurde sie zu einer staatlichen Einrichtung, die sich seitdem über eine Rundfunkgebühr finanziert. Die Ausweitung auf das Fernsehen erfolgte 1946 (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik 2014: o.S.). Die BBC unterhält 58 internationale Büros, 250 Korrespondenten und ist in 295 Mio. Haushalten zu empfangen (Kutz 2014: 101).

1994 versuchte die BBC mit dem Arabic World Television Service einen regionalen Ableger in Saudi-Arabien zu etablieren, der jedoch nach einem halben Jahr aufgrund von Kritik an der saudischen Regierung geschlossen werden musste. Die ehemaligen Mitarbeiter wechselten daraufhin teilweise zu Al Jazeera (siehe Kapitel 3.3.1). Der 24h-Nachrichten- sender BBC World sendet seit Januar 1995 in Europa, Asien und dem Nahen Osten und ist heute in über 200 Ländern zu empfangen. Wöchentlich sehen so über 74 Millionen Menschen das Nachrichtenprogramm der BBC im TV. BBC World finanziert sich zwar nicht über die Gebühren des Muttersenders, wird aber anderweitig durch die britische Regierung bezuschusst und hat weitere Einnahmen durch Werbung und Sponsorengelder (Linder 2010: 177f.).

Im März 2008 ging mit BBC Arabic Television erneut ein Ableger mit regionaler Zielgruppe auf Sendung. Während die britische Regierung finanzielle Zuschüsse an die BBC 2011 kürzte und ein Teil des BBC World-Programms eingestellt werden musste, wurde dem arabischen Ableger im Juni desselben Jahres mehr Geld zugesagt, um dessen „wertvolle Arbeit in der Region“ fortzusetzen, wie der britische Außenminister William Hague formulierte. Die Entscheidung ist dabei in engem Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling zu sehen (British Broadcasting Company 2011: o.S.).

Unter den vier untersuchten Nachrichtenmedien ist die BBC möglicherweise die Organisation, die sich in der Vergangenheit am meisten mit der Rolle von Sprache im Hinblick auf Konflikte beschäftigt hat. So veröffentlichte sie im Oktober 2006 einen Leitfaden mit Empfehlungen zur englischen Terminologie und der Präsentation von Fakten im Israelisch-Palästinensischen Konflikt, an dem sich die Journalisten des Hauses orientieren sollten. Die vollständige Fassung des Papiers liegt allerdings unter Verschluss und ist für die Öffentlichkeit nicht einsehbar. Dies war das erste Mal in der Geschichte der BBC, dass ein Wörterverzeichnis für die Berichterstattung über einen laufenden Konflikt erarbeitet wurde, was sprachliche Kontroversen und dadurch notwendige Sensibilisierungen deutlich werden lässt. In einem Interview erwähnten BBC-Redakteure zudem die andauernde Diskussion über die Wortwahl in der Redaktion und die Schwierigkeit, um „die komplexeste und berichtenswerteste Region der Welt“ darzustellen. Hierbei wird deutlich, dass das Vokabular nicht unbewusst, sondern überlegt eingesetzt wird. Der Redakteur Jon Williams bestätigt dies mit seiner Aussage, „die Auswahl von Wörtern „ist unglaublich wichtig für die BBC““, während sein Kollege Jerry Hillman einräumt, „dass Sprache maßgeblich ist und Sprache mehr als reine Worte sind“. Gleichzeitig werden in dem angesprochenen Leitfaden kaum Vorgaben zum Gebrauch von Syntax gegeben, so dass abgesehen vom Vokabular keine

Vorschläge gemacht werden (Barkho 2010b: 130ff.).

Im besonderen Hinblick auf die Berichterstattung im Internet will die BBC in ihren Artikeln „in den ersten vier Absätzen „ein ausgewogenes Bild der gesamten Story geben“ damit der Online-Text an die verschiedenen Plattformen anpasst sein kann“. Der darunter folgende Text ist als ergänzend zu verstehen (Barkho 2010b: 138).

3.3.3 Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN

Das Cable News Network (CNN) wurde als erster reiner Nachrichtensender der Welt am 1. Juni 1980 in Atlanta gegründet. In den Anfangsjahren konzentrierte man sich hauptsächlich aufdas heimische Publikum in den USA und konnte daherim Ausland nur wenige Zuschauer gewinnen. Dies änderte sich 1985 mit der Gründung von CNN International, der weltweiten Ereignissen Platz einräumte. Für das neuartige Konzept eines 24-Stunden-Nachrichten- senders wurden neue Formen der Berichterstattung entworfen, die ähnliche Nachrichten­stationen bis heute prägen. So wurden die Breaking News, der fact-journalism und unlimitierte Live-Berichte eingeführt, die zu Markenzeichen des Programms wurden. Der Sender ist unabhängig von staatlicher Förderung und finanziert sich durch Werbeeinnahmen und Abonnements (Linder 2010: 175f.). CNN hat weltweit 42 Büros, 150 Korrespondenten und kann in 220 Mio. Haushalten empfangen werden (Kutz 2014: 101).

Während Al Jazeera im Afghanistan-Krieg global stark an Wahrnehmung gewann, wurde CNN im Zuge des ersten Irak-Krieges ab Januar 1991 weltweit bekannt und durch seine Bedeutung vom damaligen UNO-Generalsekretär Boutros-Ghali als „16. Mitglied im Sicherheitsrat“ bezeichnet (Meckel 2006: o.S.).

Nach dem ersten Golfkrieg, sprachen Wissenschaftler von einem sogenannten CNN-Effekt, der später in ähnlicher Weise für Al Jazeera zu gelten schien. Die Theorie um diese Auffassung nimmt an, dass internationale Nachrichtensender Aufmerksamkeiten auf bestimmte Probleme lenken und einen so großen öffentlichen Handlungsdruck aufbauen können, dass sie politische Entscheidungen in ihrem Handeln beeinflussen können. Bilder aus einem Konfliktgebiet könnten demnach dazu führen, dass Regierungen sich etwa zu einer militärischen Intervention entscheiden, zu der sie sich ohne die Medienbericht­erstattung nicht entschlossen hätten (Rhomberg 2010: 44; Hafez 2005: 76f.). Diese These ist umstritten und muss relativiert werden. Der mediale Einfluss auf außenpolitische Entscheidungen ist zwar weitgehend belegt, kann allerdings nur unter weiteren

Voraussetzungen eintreffen. Dazu zählen „ein politisches Entscheidungsvakuum, eine medial vermittelte Krise und ein Konsens über die Bewertung der politischen Situation“ (Kutz 2014: 64f.).

Nach eigener Aussage ist CNN der „Marktführer für globale Nachrichten“. Dabei ist die Bezeichnung globale Nachrichten irreführend, da der Sender sein TV-Programm je nach Ausstrahlungsregion anpasst und im Internet neben einer internationalen Edition - die in dieser Arbeit betrachtet wird - eine spanische und arabische Plattform anbietet (Rhomberg 2010: 42).

3.3.4 Der russische Nachrichtensender Russia Today

Russia Today wurde 2005 gegründet und erreicht nach eigenen Angaben theoretisch über 644 Millionen Menschen weltweit. Der Sender möchte nach eigenen Angaben eine „alternative Perspektive auf große, globale Ereignisse [geben] und [das] internationale Publikum mit der russischen Sichtweise vertraut machen“. Ein zugehöriger YouTube-Kanal war weltweit das erste Nachrichtenangebot auf der Plattform mit einer Milliarde Videoaufrufe (Russia Today 2014c: o.S.). In den Vereinigten Staaten ist Russia Today hinter der BBC der ausländische Nachrichtensender mit den meisten Zuschauern und einem etwa 6,5 Mal größeren Publikum als Al Jazeera English.

Das Jahresbudget hat sich seit der Gründung auf 250 Mio. Euro verzehnfacht und entstammt vollständig aus dem Staatshaushalt. Damit unterhält der Sender weltweit 22 Büros bei über 2000 Mitarbeitern. Daneben fördert der Sender gezielt Multiplikationseffekte in anderen Medien, indem er eine Auswahl seiner Berichte und Informationen in vier verschiedenen Sprachen kostenlos zur Verfügung stellt. Nach eigenen Angaben integrieren weltweit 16.000 Sender dieses Material in ihr Programm. Zusätzlich bietet die eigens in Berlin gegründete Agentur Ruptly Videos aktueller Ereignisse zu deutlich günstigeren Preisen als Reuters und Associated Press an. Auf dieses Angebot greifen kleine Sender mit geringem Budget, sowie zu Sparmaßnahmen gezwungene große europäische und US-amerikanische Unternehmen zurück (Reporter ohne Grenzen 2013: 32ff.).

Während der Sender in seinen Anfangsjahren hauptsächlich darauf abzielte, positive Nachrichten über Russland zu senden, gibt es heute ein deutlich vielfältigeres Programm. Damit will man ein breiteres Publikum ansprechen und sich nach Aussage der Chefredaktion vom „medialen Mainstream der anglo-amerikanisch dominierten Angebote unterscheiden“ (Reporter ohne Grenzen 2013: 33).

Russia Today wurde in der Tagespresse als „effizientestes Instrument der russischen Außenpolitik“ (Lehming 2013: o.S.), „wichtigstes Instrument im Kampf um die öffentliche Meinung“ (Reporter ohne Grenzen 2013: 32), „Anti-CNN“ (Bidder 2013: o.S.) und von der Chefredakteurin des Senders als „Verteidigungsministerium des Kreml, als eine Waffe wie jede andere auch“ (Reporter ohne Grenzen 2013: 35) bezeichnet, was sowohl seine Bedeutung wie die Kontroverse dahinter erahnen lässt.

In der Vergangenheit wurde der Sender immer wieder mit Propaganda-Vorwürfen konfrontiert (SPIEGEL Online 2014a: o.S.). So sollen nach Aussage von deutschen Medien auch während der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014 unter dem Einfluss der russischen Regierung gezielt Berichte manipuliert und Falschinformationen verbreitet worden sein (Die Welt 2014: o.S.; Focus 2014: o.S.; Schareika 2014: o.S.; SPIEGEL Online 2014b: o.S.). US- Außenminister John Kerry nannte Russia Today daher ein „Propaganda-Megafon“ Putins, dessen „Phantasien“ es fördere und Fakten manipuliere (SPIEGEL Online 2014c: o.S.).

Wie die BBC und CNN positioniert sich der russische Sender mit dem arabisch-sprachigen Ableger Rusiya Al-Yaum (arab.: fj^Jt I^jj) RTAmerica und dem spanisch-sprachigen RT Actualidad multilingual (Lehming 2013; Reporter ohne Grenzen 2013: 35).

4. Theoretische Grundlagen

Die Grundlagen der Diskurstheorie, in welche die KDA eingebettet ist, basieren auf den Theorien und Methoden des Strukturalismus um den schweizerischen Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure. Als einer der Ersten widersprach er den bis dahin bestehenden Annahmen, Sprache könne externe Realität objektiv beschreiben. Sprache ist bedeutungs­produzierend und „Denken ist seiner Ansicht nach untrennbar mit Sprache verbunden und ohne sprachlichen Ausdruck nur eine „gestaltlose und unbestimmte Masse““. Er argumentiert, dass die sprachliche Verbindung zwischen Signifikat und Signifikant ausschließlich auf Konventionen zurück zu führen sei, die in unterschiedlichen Sprachen voneinander abweichen. Als Beispiel kann das deutsche Wort Heimat angeführt werden, dessen Konzept etwa vom Englischen home abweicht (Glasze und Mattissek 2009: 20ff.).

Vor der weiteren Besprechung der KDA werden in diesem Kapitel die für diese Arbeit zentralen Begrifflichkeiten von Diskurs und Ideologie besprochen und der Wandel im Verständnis von Sprache innerhalb der linguistischen Wende erläutert.

4.1 Begriffsdefinitionen

Nachfolgend soll das Verständnis von zentralen Begriffen verdeutlicht werden, die in der KDA grundlegend sind.

4.1.1 Diskurs

Der Diskursbegriff ist je nach Sprachursprung mit verschiedenen Interpretationen belegt. In der englischen Alltagssprache beschreibt er ein Gespräch oder eine Unterhaltung; in den romanischen Sprachen eine „gelehrte Rede, einen Vortrag, eine Abhandlung, Predigt, Vorlesung“; im Deutschen Alltag benennt man „damit ein öffentlich diskutiertes Thema (z.B. Hochschulreformdiskurs), eine spezifische Argumentationskette (z.B. der neoliberale Diskurs) oder die Position/Äußerung eines Politikers, eines Verbandssprechers oder ähnlichen. (z.B. der Gewerkschaftsdiskurs) in einer aktuellen Debatte“ (Keller 2008: 97).

Der Begriff des Diskurses wird auch in den Sozialwissenschaften unterschiedlich begriffen (Fairclough und Wodak 2009: 6; Fairclough et al. 2011: 357). Dennoch gibt es eine Definition, die in der Literatur um die in dieser Arbeit angewendeten KDA immer wieder anzutreffen ist:

„KDA sieht Diskurs - den Gebrauch von Sprache im Sprechen und Schreiben - als eine Form von „sozialer Praxis“. Diskurs als soziale Praxis zu beschreiben impliziert eine dialektische Beziehung zwischen einem bestimmten diskursiven Ereignis und der/n Situation(en), Institution(en) und sozialer/n Struktur(en), die sie einfassen: Das diskursive Ereignis ist durch sie geformt, formt sie aber auch. Das heißt, Diskurs ist sozial gestaltend wie auch sozial bedingt - er begründet Situationen, Objekte des Wissens und die sozialen Identitäten von und Beziehungen zwischen Menschen und Gruppen von Menschen. Er gestaltet sowohl im Sinne dass er hilft den sozialen Status quo zu erhalten und zu reproduzieren und im Sinne dass er dazu beiträgt in zu transformieren. Da Diskurs sozial so folgenschwer ist, führt er zu wichtigen Erteilungen der Macht. Diskursive Praktiken haben möglicherweise große ideologische Effekte - das heißt, sie können dabei unterstützen, unausgeglichene Machtbeziehungen zu produzieren und zu reproduzieren, (zum Beispiel) soziale Klassen, Frauen und Männer und ethnische/ kulturelle Mehrheiten und Minderheiten durch die Art wie sie Dinge repräsentieren und Menschen positionieren“ (Fairclough et al. in Van Dijk 2011: 357f.; Chiluwa 2011: 30f.; Fairclough und Wodak in Keller 2011: 29; Fairclough und Wodak in Fairclough und Wodak 2009: 6; Fairclough und Wodak in Wodak 2007: 186).

Das Verständnis von Diskurs als reflektierende wie konstituierende soziale Praxis wird auch von anderen prominenten Vertretern der KDA geteilt (Carvalho 2010: 11; Bluhm et al. 2000: 4). Obwohl sich Diskursanalysen aufdie Untersuchung von Sprache konzentrieren, sollte bei einem Verständnis als soziale Praxis auch der institutionelle und soziale Entstehungskontext berücksichtigt werden, in dem er entstanden ist (University of Strathclyde 2014: o.S.).

Durch eine fortlaufende Wiederkehr der Produktion und Reproduktion der sozialen Praktiken in Form von Sprache etablieren sich die Diskurse und Machtzuweisungen, bis sie sich bis hin zu einer gewissen Gesetzlichkeit manifestieren und dauerhaft etablieren (Belina und Dzudzek 2009: 131). „Diskurs ist eine Praxis die die Welt nicht nur repräsentiert, sondern die Welt anzeigt, die Welt in ihrer Bedeutung konstituiert und konstruiert (Keller 2011: 29). In diesem Sinne beeinflussen die Medien als Institutionen Diskurse und werden ebenso von Diskursen beeinflusst (Mayr 2008: 1). Allerdings begreifen Individuen „ihre Position als gesunden Menschenverstand statt einer bestimmten Konstruktion der Realität“ (Locke 2004: 32f.).

Bei der Untersuchung von Massenmedien ist von einem öffentlichen Diskurs die Rede (Keller 2011: 71). Mediale Texte können generell und geschriebene Artikel implizit als Diskurse im oben genannten Sinne gelten. Diese Arbeit orientiert sich an diesem Verständnis eines sozio-semiotischen Prozesses von öffentlichen Diskursen, die einerseits gesell­schaftliche Organisation von Macht reflektieren und diese andererseits reproduzieren. Die

Anwendung einer KDA hat damit grundsätzlich das Ziel, diese in diskursiven Praktiken kodierten Ideologien - im Sinne von Werten und Überzeugungen - zu entschlüsseln (FerencIk 2004: o.S.). Sie versucht herauszufinden, welche sprachlichen Strukturen, Strategien und Eigenschaften von Bedeutung in der Reproduktion von sozialer Macht sind (Van Dijk 1993: 249f.).

Für die Auswahl an Untersuchungsartikeln wird zudem der Diskursbegriff von Busse und Teubert (in Jung 2001: 34) als sinnvoll erachtet. Demnach ist Diskurs „im forschungs­praktischen Sinn [definiert] als die Menge aller Texte, die

1. sich mit einem als Forschungsgegenstand gewählten Thema, Gegenstand, Wissenskomplex oder Konzept befassen
2. untereinander semantische Beziehungen aufweisen und/oder in einem gemeinsamen Aussage-, Kommunikations-, Funktions- und Zweckzusammenhang stehen
3. den als Forschungsprogramm vorgegebenen Eingrenzungen in Hinblick auf bestimmte Parameter wie Zeitraum/Zeitschnitte, Areal, Gesellschaftsausschnitt, Kommunikationsbereich oder Texttypik genügen
4. durch explizite oder implizite, text- oder kontextsemantisch erschließbare Verweisungen aufeinander Bezug nehmen bzw. einen intertextuellen Zusammenhang bilden.“

Davon wird die tatsächlich analysierte Teilmenge aus der Gesamtmenge aller verfügbaren Texte unterschieden.

4.1.2 Ideologie

Ideologien definieren sich als „Systeme, die die Grundlage der sozio-politischen Wahrnehmung von Gruppen sind. Ideologien organisieren somit soziale Gruppeneigen­schaften von schematisch organisierten allgemeinen Meinungen über relevante soziale Angelegenheiten“ (Van Dijk 1995a: 138). Dadurch ist anzunehmen, dass Ideologien Strukturen von Eigen- und Fremdgruppen zeigen und sowohl bei Gruppen in Positionen der Macht, wie oppositionellen Gruppen zu finden sind. Einzelne Akteure einer Gruppe können durchaus in Einzelheiten ihrer Auffassungen abweichen. Grundlegend werden der Eigengruppe (Freunde/Unterstützer/verbündete Länder die eine Ideologie teilen) positive Attribute zugesprochen, während die Fremdgruppe negativ beschrieben wird. Während umgangssprachlich Ideologien mit großen und komplexen Strömungen wie dem Sozialismus oder Kommunismus verhaftet werden, kann die Bezeichnung auch für wenige, grundlegende Vorstellungen gelten. Dem Ideologie-Begriff ist im Grundsatz keine Zuschreibung des Negativen oder Falschen anzuhaften (Van Dijk 1995a: 139ff.). Die Arbeit möchte ebenfalls im Hinblick auf die Konfliktparteien sowie der Medienunternehmen ausdrücklich eine neutrale Stellung einnehmen. Eine Bewertung der Berichterstattung in besser oder schlechter wird nicht vorgenommen.

Althusser definiert Ideologie als „die imaginäre Beziehung von Individuen zu den realen Bedingungen des Lebens“. James Gee versteht Ideologie als „soziale Theorie, die Generalisierungen (Glauben, Behauptungen) über die Art der Verteilung von Gütern in der Gesellschaft beinhaltet“ (in Locke 2004: 33f.). Der Wahrheitsgehalt einer Ideologie wird über die Anzahl an Anhängern bestimmt. Wird eine breite Basis für die Unterdrückung aufgrund eines Aspektes in der Gesellschaft und mit Anhängern in allen sozialen Schichten erreicht, kann von einer Hegemonie gesprochen werden. Diskurse mit wenigen Anhängern werden hingegen marginalisiert (Locke 2004: 33ff.). Durch weitreichende Akzeptanz in der Gesellschaft entsteht der Eindruck von „Alternativlosigkeit und Natürlichkeit der herr­schenden Ordnung“ (Woller 2014: 53).

In der Diskursforschung, inklusive der KDA, wird generell die Ansicht vertreten, dass Ideologien immer Teil von Diskursen sind, obwohl diese nicht unbedingt in ihrem ganzen Umfang sichtbar gemacht werden können, da sie vor allem in seriösen Nachrichtentexten nicht eindeutig dargestellt sind. Trotzdem sind „Ideologische Standpunkte [...] möglicher­weise die am fundamentalsten prägenden Einflüsse von einem Text“. Diese „subtilen Mechanismen und Mittel“ herauszuarbeiten gilt als besondere Herausforderung. Es empfiehlt sich daher, andere Darstellungen derselben Realität in weiteren Nachrichtenmedien zu einem Vergleich heranzuziehen. Dadurch wird etwa deutlicher, welche Fakten anwesend, und welche abwesend sind. Beide Elemente sind von gleicher Bedeutung, denn „Stille kann so performativ sein wie Diskurs“. Ein autoren- und medienübergreifender Vergleich hilft dem Analysten außerdem, ein umfassenderes Verständnis für Vorkommnisse zu entwickeln und Vorfälle mit allen verfügbaren Informationen zu rekonstruieren. Dadurch erhält er eine vollständigere Nachvollziehbarkeit, als über eine einzelne Darstellung möglich wäre (Carvalho 2010: 19f.).

Letzten Endes dienen Ideologien dazu, „Macht und Dominanz zu legitimieren oder sich [diesen] zu widersetzen“ - die Machthabenden und der Widerstand benötigen in diesem Sinne Ideologien in gleichem Maße als soziale Koordinationsfunktion und als Polarisierung zur Abgrenzung von gegenüberstehenden Gruppen (Chiluwa2011: 13f.).

Sprachlich werden Ideologien nicht nur in nominalen Bezeichnungen und der Zuschreibung von Eigenschaften (Adjektiven) sichtbar, sondern die Verbindung von Akteuren zu „Handlungen, Objekten, Orten oder Ereignissen“ (Van Dijk 1995a: 143f.). Eine Abbildung nach Woller (siehe Abb. 2) stellt die Beziehung zwischen Diskurs und Ideologie dar und macht deutlich, „warum es überhaupt einen Sinn ergibt, Sprache systematisch zu analysieren“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verhältnis von Ideologie und Diskurs Quelle: Woller 2014: 52 (eigene Darstellung)

Eng verwoben mit dem Begriff der Ideologie ist im Hinblick auf die Medien die Propaganda, die im Duden (2014a: o.S.) als „systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o.ä. Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen“ festlegt ist.

4.1.3 Weitere Begriffe in der Diskursforschung

Die Definition der folgenden Begriffe nach Keller (2011: 234) wird als sinnvoll gesehen, da diese im Methodenteil dieser Arbeit häufig Anwendung finden und sich in der Literatur der Diskursanalyse etabliert haben.

Adressat/Publikum: der- bzw. diejenigen, an die sich ein Diskurs richtet oder von denen er rezipiert wird Akteur(e): individuelle oder kollektive Produzenten der Aussagen; diejenigen, die unter Rückgriff auf spezifische Regeln oder Ressourcen durch ihre Praktiken einen Diskurs (re)produzieren und transformieren

Aussage: Der typisierbare und typische Gehalt einer konkreten Äußerung bzw. einzelner darin enthaltener Sprachsequenzen, der sich in zahlreichen verstreuten Aussagen rekonstruieren läst.

4.2 Wandel im Verständnis von Sprache im Zuge der linguistischen Wende

Im Zuge der linguistischen Wende - auch „sprachkritische Wende“ (Brömmelsiek 2009: 39) oder „linguistic turn“ genannt (Glasze und Mattissek 2009: 20) - , in Rahmen derer auch die Bewegung von kritischen Linguisten und später die Kritische Diskursanalyse entstand, sensibilisierte man sich für die „Zentralität der Sprache für alle Aspekte des menschlichen Verhaltens und sozialer Interaktion“ (Conboy 2007: 25f.). In der Humangeographie und anderen deutschsprachigen Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften kam es mit dem linguistic turn und cultural turn ebenso zu einer Hinwendung zum Strukturalismus, Post­strukturalismus und Pragmatismus und einem Einfluss auf diskursanalytische Ansätze (Glasze und Mattissek 2009: 20). Die poststrukturalistische Denkweise der Französischen Schule entstand unter dem Einfluss der linguistischen Wende und beschäftigt sich damit, wer etwas mit welcher Bedeutung auflädt (Nünning 2004: 371).

Die linguistische Wende im 20. Jahrhundert sorgte für einen Wahrnehmungswandel von Sprache, so dass sie nicht mehr als Mittel zur Darstellung von Realität, sondern selbst als realitätserzeugend begriffen wurde, indem sie Umwelt erst bewusst werden lässt und den darin vorkommenden Objekten Sinn zuschreibt. In diesem Verständnis ist jede Form menschlicher Gedanken und Wahrnehmung durch Sprache strukturiert - die Auffassung von „Realität, die der Sprache vorausgeht und sie formt wurde zu [einem Verständnis von] Sprache, die der Realität vorausgeht und sie formt“. Infolgedessen wurde Sprache verstärkt zum wissenschaftlichen Untersuchungsobjekt. Als Schlussfolgerung auf dieses neue Verständnis folgt die Erkenntnis, dass sprachlich formulierte Erkenntnisse durch das Individuum geprägt und „fließend, bedingt, provisorisch und perspektivisch“ sind (Coyle in

University of Strathclyde 2014: o.S.; Locke 2004: 11; Brömmelsiek 2009: 39).

Diese subjektive Wahrnehmung trifft auch auf den Journalismus zu. Kein Journalist ist in der Lage, einen Vorgang sprachlich vollkommen objektiv und neutral wiederzugeben. Journalismus kann daher als argumentatives Genre verortet werden mit „Meinungs­äußerungen, die in eine Argumentation eingebettet sind, die sie als Schlussfolgerungen mehr oder weniger vertretbar, vernünftig, gerechtfertigt oder rechtmäßig macht“ (Van Dijk in Richardson 2007: 64f.). Nachrichtenanbieter haben damit „beträchtlichen Einfluss auf die Prägung unserer alltäglichen Erfahrung der Welt und wie wir sie [...] klassifizieren“. Dabei spielt die Sprache eine Schlüsselrolle, da die Welt und Verhaltensweisen durch sie vermittelt werden. Institutionelle Umstände sorgen dafür, dass die vertretenen Weltanschauungen durch die Interessen von Eliten geprägt sind (Mayr 2008: 1ff.).

4.3 Kritische Diskursanalyse

Die diskurstheoretischen Grundlagen dieser Arbeit orientieren sich am Ansatz der KDA. Dieser wird verwendet, da er Sprache als das zentrale Element versteht, über welches Ideologien (in journalistischen Texten) entschlüsselt und offengelegt werden können (Barkho 2010b: 127).

Mit ihrem Verständnis von Diskurs als sozialen Akt (siehe Kapitel 4.1.1) versteht KDA den Menschen als sozialisiertes Subjekt, dessen Sprache durch das soziale, kulturelle und ideologische Umfeld konstruiert ist. Die Möglichkeit einer ideologisch neutralen Sprache wird infolgedessen als nicht möglich angesehen (Haratyan 2011: 261; Clarence-Fincham 2001: 24; Bluhm et al. 2000: 4). Auch die Diskursforschung „produziert nicht Wahrheit, sondern Aussageereignisse, die selbst Teil eines (hier: sozialwissenschaftlichen) Diskurses sind“ (Keller 2011:65).

Die KDA findet ihren Ursprung in der Linguistik und wird regelmäßig in den Sozialwissen­schaften genutzt. Die Europäer Teun van Dijk, Norman Fairclough und Ruth Wodak wenden die KDA seit dem Ende der achtziger Jahre an und zählen zu den prominentesten Vertretern der Theorie (Keller 2011: 27; Carvalho 2010: 11; Weninger 2008: o.S.). In den darauf folgenden Jahren wurden die Theorien und Methoden weiter entwickelt, so dass die KDA heute als „etablierte akademische Disziplin“ (Billig in Wodak und Meyer 2009: 4) gelten kann. Dennoch distanzierten sich einige der ursprünglichen Vertreter von ihr (Wodak und Meyer 2009: 3f.).

[...]


1 vgl. Barkho, L. (2009): Reporting Israel/Palestine. Ethnographic insights into the verbal and visual rhetoric of BBC journalism. In: Journalism Studies. Vol. 10 (3): 594-622.; Barkho, L. (2011): The Discursive and Social Paradigm of Al Jazeera English in Comparison and Parallel with the BBC. In: Communication Studies. Vol. 62 (1): 23-40.; Barkho, L. (2008). The discursive and social power of news discourse: The case of Aljazeera in comparison and parallel with the BBC and CNN. In: Studies in Language and Capitalism. Vol. 1 (3). S. 111-159.

2 Daten von http://www.wolframalpha.com (12.02.2014)

3 Daten von http://www.sitetrail.com (12.02.2014)

4 Daten von alexa.com (12.02.2014)

5 Bilderquelle dervier Senderlogos: http://logos.wikia.com (19.10.2014)

Ende der Leseprobe aus 157 Seiten

Details

Titel
Ein Konflikt – vier verschiedene Erzählungen? Eine Kritische Diskursanalyse der Online-Berichterstattung von Al Jazeera, BBC, CNN und Russia Today in der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
157
Katalognummer
V286218
ISBN (eBook)
9783656864813
ISBN (Buch)
9783656864820
Dateigröße
1959 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Kritische Diskursanalyse der Online-Berichterstattung von Al Jazeera, BBC, CNN und Russia Today in der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014
Schlagworte
online-berichterstattung, jazeera, russia, today, ukraine-krise, frühjahr, eine, kritische, diskursanalyse, konflikt, erzählungen
Arbeit zitieren
Fabian Weber (Autor), 2014, Ein Konflikt – vier verschiedene Erzählungen? Eine Kritische Diskursanalyse der Online-Berichterstattung von Al Jazeera, BBC, CNN und Russia Today in der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286218

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