Britannia rule the waves. Die Royal Navy als Trägerin des britischen Weltreichs


Seminararbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Überblick: Das britische Weltreich bis 1914

3 Untersuchung: Die Rolle der Royal Navy

4 Schlussbetrachtung

Quellen und Literaturverzeichnis

1 Einführung

„When Britain first at Heav’n’s command

Arose from out the azure main;

This was the charter of the land,

And guardian angels sang this strain;

Rule, Britannia! Britannia rule the waves!

Britons never will be slaves“ 1

So heißt es in dem populären, britisch-patriotischen Lied Rule, Britannia, das als inoffizielle Nationalhymne Großbritanniens gilt und bis heute häufig öffentlich gesungen wird.2 Die auf diese Weise postulierte britische Seeherrschaft und -dominanz lassen vermuten, die Royal Navy habe bis heute eine herausragende Stellung innerhalb der kollektiven Identität3 der Briten. So ist die Royal Navy nationales Markenzeichen, ein Identifikationssymbol. Die kollektive britische Identität ist noch immer geprägt von dem Selbst- und dem Sendungsbewusstsein einer Weltmacht, die einst über weite Strecken der Geschichte das größte Reich der Welt gewesen ist.

Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, worauf sich die Macht und der Einfluss des imperialen britischen Weltreichs gründeten und welche Bedeutung der Royal Navy hierbei zukam. Hierzu soll zunächst ein historischer Überblick über das Entstehen und die Phasen des britischen Weltreiches bis 1914 gegeben werden, woraufhin im Anschluss die Royal Navy, ihre historische Entwicklung und ihre Bedeutung für das britische Weltreich anhand diverser Quellen untersucht werden. Die deutsche Geschichtsliteratur hat in der jüngsten Zeit hinsichtlich der beiden in vorliegender Arbeit grundliegenden Themenkomplexe zwei entscheidende Beiträge hervorgebracht, die auch dieser Arbeit äußerst dienlich waren: Zum einen Peter Wendes Überblick über die Geschichte des britischen Weltreichs4 und zum anderen Julia Angsters Habilitationsschrift über die Royal Navy und ihre Rolle bei der ‚Ordnung der Welt’5. Diese Werke wurden bei der Recherche zu dieser Arbeit ergänzt durch flankierende Sekundärliteratur (Münkler6, Landes7, Schmidt8 ) und zwei englischsprachige Werke9, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Royal Navy und ihrer Bedeutung auseinandersetzen. Gerade durch Angsters Untersuchung und Wendes Überblick ist der gegebene Forschungsstand zum Thema als aktuell zu bezeichnen. Da Originalquellen zur Fragestellung nur schwer beschaffbar sind und ein umfangreicher Recherche- und Untersuchungsaufwand für vorliegende Arbeit kaum zu rechtfertigen ist, wurde hier im Wesentlichen auf die in der Literatur verwendeten Quellen und Verweise zurück gegriffen.

2 Überblick: Das britische Weltreich bis 1914

„There has never been anything so great in the world’s history than the British Empire“10

Nachdem im 15. und 16. Jahrhundert insbesondere Spanien und Portugal als weltgrößte Seemächte die Entdeckungen und Landnahmen jenseits des europäischen Kontinents angeführt hatten, traten Nachzügler schnell auf den Plan. So auch Frankreich, die Niederlande und England. Der englische König Heinrich VII.11 trieb die Entwicklung der englischen Seefahrt und Flotte an, welche die Grundlage für das Agieren Englands gegenüber dem neuen Erzfeind Spanien werden sollte.12 So gab es unter Königin Elizabeth I.13 Bestrebungen, im lukrativen Sklavenhandel14 mit Nordamerika Fuß zu fassen. Dies führte zu einem radikalen Verdrängungskampf, bei dem England mit Freibeutern15 Jagd auf spanische und portugiesische Schiffe und sie aufbrachte, d.h. für die englische Krone erbeutete. Nachdem Francis Drake16 in englischem Auftrag die zweite Weltumsegelung gelungen war (1577-1580) und Walter Raleigh 1583 Neufundland für England in Besitz genommen hatte, schloss der englische König Jakob I.17 Frieden mit Spanien.18 Hieraus ergab sich, dass England davon abrückte, gegen die spanischen Besitztümer vorzugehen und eigenen Kolonien in Nordamerika zu gründen suchte. So entstanden zunächst als wichtige und lukrative Niederlassungen in der Karibik einige Stützpunkte mit Zuckerrohr-Plantagen. Durch den Navigation-Act19 stellte die englische Regierung sicher, dass nur noch englische Schiffe Handel zwischen den englischen Kolonien und dem englischen Mutterland trieben und der kommerzielle Erfolg und die Landnahmen der Engländer in der Karibik weiteten sich aus. Auf dem nordamerikanischen Festland wurde 1607 als erste englische Siedlung Jamestown durch die Virginia Company of London gegründet, welche später zu einer Kronkolonie wurde – es folgten Plymouth, Maryland, Rhode Island, Carolina, Nieuw Amsterdam (New York) und Pennsylvania. Die Hudson’s Bay Company (HBC) erhielt von Charles II. eine Royal Charter, die ein Monopol auf den Pelzhandel im heutigen Kanada enthielt, was zu immer heftigeren Auseinandersetzungen mit Frankreich führte das in angrenzenden Gebieten ebenfalls Pelzhandel betrieb.20 Auf der anderen Seite des Erdballs suchten die Engländer das Monopol Portugals auf den Asien-Handel zu attackieren, um einen eigenen, lukrativen Anteil am Gewürzhandel zu erlangen. Hier festigten sie ihren Einfluss insbesondere in Indien.21

Schließlich festigte England seine Weltmachtstellung – insbesondere gegenüber dem Konkurrenten Frankreich – nach dem Spanischen Erbfolgekrieg und dem Queen Anne’s War, England erhielt mit Neufundland und Gibraltar strategisch wichtige Stützpunkte. Nach dem Siebenjährigen Krieg (French and Indian War) und dem Pariser Frieden endete Frankreichs Einfluss auf dem Nordamerikanischen Kontinent zugunsten Englands, der nun führenden Kolonialmacht.22 Im Jahr des Friedens von Paris nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wird das Ende des ersten englischen Empire verortet. Die Siege über Frankreich und Spanien und die enorme Expansion des ersten Empire schufen Probleme, an denen dieses erste Empire schließlich scheitern musste.23 Mit dem Verlust der dreizehn nordamerikanischen Kolonien ging das Herzstück des Empire verloren, dem trauerten aber nicht alle Engländer nach: Der bedeutende Ökonom Adam Smith24 bereits 1776 in seinem Werk Wohlstand der Nationen darauf verwiesen, dass die Kolonien wirtschaftlich nicht rentabel seien und aufgegeben werden müssten. Darüber hinaus schlug er vor, den Merkantilismus25 zugunsten eines Freihandelssystems26 abzuschaffen.27 Zunächst hielt man an alten Strukturen fest, wandte sich politisch (nicht wirtschaftlich) von Nordamerika ab und konzentrierte das Interesse auf Asien, Afrika und den Pazifikraum. James Cook28 hatte 1770 Australien und Neuseeland entdeckt und für Großbritannien in Besitz genommen, wo rasch Kolonien und Stützpunkte errichtet wurden. In Europa selbst hatte Napoleon ein Reich errichtet, von welchem sich auch die Weltmacht England zunehmend bedroht sah, selbst eine Invasion der englischen Insel war nicht auszuschließen. Durch die erfolgreiche Kontinentalsperre und den entscheidenden Sieg bei Trafalgar 1805 gelang es der Royal Navy, diese drohende Invasion zu verhindern und die französische Flotte de facto zu vernichten. Napoleon konzentrierte sich fortan auf den Landkrieg und wurde 1815 durch eine internationale Koalition besiegt. Aus dem folgenden Wiener Kongress ging England als Profiteur hervor, denn Frankreich musste zahlreiche Inseln (u.a. Malta, Seychellen, Tobago) abtreten, das mit Frankreich verbündete Spanien ebenfalls (u.a. Trinidad). Großbritannien war – wieder – unbestreitbar die führende Weltmacht, das imperiale Jahrhundert29 unter der globalen Dominanz Großbritanniens und seines klassischen Empire war endgültig eingeläutet.30 Britanniens Politik war fortan geprägt von der splendid isolation31 und der Pax Britannica32, kolonialpolitisch konzentrierte man sich zunächst auf die Sicherung des Einflusses auf Indien und die Expansion in Asien. Dieses Great Game um den Einfluss auf Asien führte zu einer Reihe Konfrontationen mit dem Russischen Reich, beispielsweise die anglo-afghanischen Kriege und den Krimkrieg. Später fand die Kolonialisierung und der damit verbundene Imperialismus seinen Höhepunkt im Wettstreit um afrikanische Gebiete, die während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter den europäischen Großmächten aufgeteilt wurden – auch hier ging Großbritannien als Sieger hervor, wenngleich das Reich vom Kap bis Kairo nicht realisiert werden konnte. Die splendid isolation ließ sich allerdings insbesondere durch den rasanten Aufstieg des 1871 gegründete Deutsche Reichs und den damit einhergehenden außenpolitischen Entwicklungen in Europa immer weniger aufrecht erhalten, weshalb am Anfang des 20. Jahrhunderts vermehrt von dieser Politik abgewichen werden musste; z.B. durch neue Bündnisse mit Japan und auch Frankreich und Russland. Der aufziehende Konflikt mit der neuen, aufstrebenden Macht Deutschlands manifestierte sich nicht zuletzt auch in einem bis dahin nicht gekannten maritimen Wettrüsten; Kaiser Wilhelm II. versuchte durch massive Investitionen und Aufrüstungen in der Kaiserlichen Marine das Machtgleichgewicht auf den Weltmeeren zuungunsten Englands zu verändern, woraufhin ind er Folge die ohnehin schon dominante, starke Royal Navy noch weiter aufgerüstet wurde.33

3 Untersuchung: Die Rolle der Royal Navy

Welche Rolle spielte nun die Royal Navy für das britische Weltreich im imperialen Jahrhundert? Englands Gesellschaft ist durch die geografische Insellage der Heimat tief verwurzelt in seefahrerischer Tradition und Verbundenheit zu der See als das die Heimat umschließende Element. Häufig liest man von der Nation von Seefahrern, und Seefahrer seien sie bereits gewesen, bevor sie Engländer wurden: „our Saxon ancestors were seamen before they were Englishmen. Issuing in their ‚keels’ from the countries about the mouths oft he Elbe and the Weser, they were sea-wolves, who captured what they could afloat, and carried fire and sowrd into the countries they invaded and afterwards occupied.“34 Diese kurze Passage aus Leylands The Royal Navy von 1914 gibt den Blick frei auf das Selbstverständnis der Briten und ihrer Marine, wie wir es in dem eingangs zitierten Lied Britanna rule the waves bereits vorfanden. Die Seefahrt und das Beherrschen der See, rule the waves, sind Markenkerne der britischen Identität.

Im Second British Empire35, welches für die vorliegende Arbeit relevant ist, da es in die Zeit des imperialen Jahrhunderts fällt, sind unterschiedliche Machtfaktoren ausschlaggebend. Nicht nur die merkantile Wirtschaft oder die militärische, territoriale Herrschaft sind das wesentliche Fundament der britischen Vormachtstellung, sondern vielmehr werden diese durch „weichere Formen der Machtausübung“36 wie mehr oder weniger liberale Handelsbeziehungen, Finanzströme, Navigations- und Versorgungsstützpunkte sowie Kommunikationsverbindungen ergänzt; allesamt getragen durch ein nahezu globales Netzwerk von Siedlern, Händlern, Diplomaten, Missionaren und Marineoffizieren. Sine qua non für diese Einflussnahme und das Funktionieren dieses Netzwerkes war ungehinderter Zugang zu allen Gegenden der Welt. Die Möglichkeit der Präsenz vor Ort und damit die Möglichkeit der Einflussname erstreckte sich über den eigentlichen Herrschafts- und Territorialbereich hinaus bis hin zur immer weiter fortschreitenden, informellen, globalen Gültigkeit britischer Werte und Normen:37 „Das britische Empire war darin einzigartig, dass sein territorial definierter Kern (das formal empire) von zwei weiteren konzentrischen Kreisen umgeben war: der nicht randscharf begrenzen Sphäre, in welcher Großbritannien informell maßgebenden Einfluß ausüben konnte, sowie den globalen Raum einer britisch geprägten, aber nicht britisch kontrollierten Weltwirtschafts- und Weltrechtsordnung.“38 Naturgemäß war der Zugang zu den Weltmeeren somit der entscheidende Faktor. Geographisch liegen die britischen Inseln dahingehend ideal, dass ihnen der Zugang zu den Weltmeeren nicht abgeschnitten werden kann. Damit war es für England und seine Sicherheit stets entscheidend, eine funktionierende Flotte zu haben. Der Ursprung der Royal Navy lässt sich nicht datieren.39 An der globalen Ausdehnung britischer Macht über die eigenen Territorien, Kolonien und Interessengeibiete hinaus hat die Royal Navy nicht nur mitgewirkt, sondern entscheidenden Anteil gehabt. Als global agierende Regierungsbehörde schuf sie durch ihre Präsenz und Dominanz auf den Weltmeeren die Voraussetzung für eine britische Ordnungspolitik im Sinne des Heimatlandes.40 Diese maritime Dominanz Großbritanniens erfuhr spätestens 1815 völlige Gültigkeit: „Am Ende der napoleonischen Kriege war Großbritannien (.) die einzige europäische Macht, die imstande war, in globalem Maßstab zu agieren.“41 Und zwar mit seiner Flotte, der Royal Navy, die sich nicht mehr durch Frankreich und Spanien bedroht sehen musste; mit dem Verlust ihrer Flotten durch die Niederlage in der Schlacht von Trafalgar verloren Spanien und Frankreich nicht nur wirtschaftlich und militärisch wertvollen Schiffsraum, sondern dadurch auch langfristig den Status als Weltmächte.42 Fortan dominierte die Royal Navy schon zahlenmäßig die Weltmeere: „Nach dem Ende der Kriege gegen das napoleonische Frankreich besaß die britische Marine schließlich ebenso viele Schiffe wie die Seestreitkräfte der übrigen Nationen zusammengenommen. Fortan bildete die maritime Hegemonie die Basis für das britische Weltreich.“43

Die Royal Navy war nun zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur die stärkste Kriegsflotte der Welt sondern auch die größte Regierungsbehörde im britischen Empire und auch die größte industrielle Organisation – als staatliche Institution von globalem Aktionsradius war sie das zentrale Instrument britischer Außen- und Weltpolitik.44 Die Royal Navy stand am Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit und Macht, als “most developed arm of the British empire”45 war sie das Instrument für globale britische Politik.46 England, die kleine Insel am Rande Europas mit 41,5 Millionen Einwohnern, war am Beginn des imperialen Jahrhunderts das unumstrittene Zentrum eines weltumspannenden Reiches, dessen 400 Millionen Untertanen über den gesamten Globus verteilt waren.47 Bedeutsam für dieses Weltreich war aber nicht allein die Dominanz und militärische Stärke der Navy, sondern eine gewisse Wechselwirkung zwischen den wirtschaftlichen Entwicklungen in der sich globalisierenden, industrialisierenden Welt, die immer neue Märkte erschloss und den damit verbundenen logistischen – also auch maritimen – Entwicklungen; „Von herausragender Bedeutung für den Aufstieg des Empire war die naturgemäß enge Wechselwirkung von expandierendem Überseehandel und wachsender Flotte, durch die Großbritannien schließlich zur führenden Seemacht aufstieg.“48 Eine große und gut funktionierende Flotte ist also Grundbedingung für ein maritimes und kommerzielles Empire.49 Zunächst gab es bei der englischen Marine keinen Unterschied zwischen Kriegs- und Handelsschiffen, erst im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde es nötig, Schiffstypen nach unterschiedlichen Aufgaben auszurichten und zu entwickeln. So entstanden Kriegsschiffe, die möglichst viel Feuerkraft in Form von Kanonen mitzuführen hatten, wohingegen die Handelsschiffe auf den Frachtraum ausgelegt waren. Die so immer weiter wachsende Kriegsmarine Royal Navy übernahm nicht nur Kriegs- und Verteidigungsaufgaben, sie diente auch dem Schutz der bedeutsamen Handelsmarine. Am Ende des 18. Jahrhunderts verfügte England insgesamt über 2,5 Millionen Tonnen Schiffsraum, wovon 450.000 Tonnen auf die Kriegsmarine entfielen.50 Die einzelnen Schiffe als kleinste Organisationseinheiten der Royal Navy waren keineswegs nur Transportfahrzeuge und Kampfeinheiten – sie waren Mikrokosmos und Ort ohne Ort51, hier herrschte seemännische Professionalität und ein soziale Gefüge, das mitnichten von der Gewalt und Brutalität der Kommandanten gekennzeichnet war, wie es die überlieferten und weit verbreiteten Meuterei-Anekdoten von der Bounty und anderen glauben machen können. Vielmehr verstand sich die Royal Navy sehr wohl als Institution, die auf die Funktionalität und Zuverlässigkeit ihrer einzelnen Einheiten angewiesen war – durch unmenschlich agierende Kommandanten gerieten Schiffe eher in Gefahr, als dass sie ihren Dienst zuverlässig versehen konnten: Der für seine Grausamkeit bekannte Captain Hervey wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und aus der Navy entlassen.52 Die sogenannten hell-ships,53 auf denen brutale Kapitäne herrschten, gab es in der Royal Navy durchaus, sie waren aber die Ausnahme und durch die britische Admiralität als schädliche, abnormale Fälle definiert.54 Nicht nur personell waren die Schiffe der Royal Navy hervorragend ausgestattet, auch technisch waren die hölzernen Segelschiffe, von dem kleinsten Boot bis hin zum Schlachtschiff, zur Zeit der napoleonischen Kriege völlig ausgereift: „(…) by the time of Trafalgar, the sailing man-of-war, line of battle ship or frigate, had reached ist apogee, an immensely complex machine requiring extraordinary skill to handle it and, of course, a copious vocabulary to speak of ist parts and their function.“55 Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Segelschiffe zunehmend zusätzlich mit Dampfantrieb – zuerst mit Schaufelradantrieb, später mit Schraubenantrieb – ausgestattet sowie der hölzerne Rumpf durch Eisenkonstruktion ersetzt.56 Hier gab es wiederum eine Wechselwirkung – einerseits förderten die technischen Innovationen die Überlegenheit der Royal Navy gegenüber anderen Kriegsmarinen, andererseits führten die neuen Konstruktionen zu einem Nachfragesog in der industrialisierten englischen Wirtschaft mit positiven Effekten. So ist die Royal Navy nicht nur außenpolitisch und außenwirtschaftlich höchst bedeutsam für das Empire, sie hat auch innenpolitisch und innenwirtschaftlich durchaus Gewicht.

[...]


1 Der Text dieses Liedes stammt von James Thomson und David Mallet, verwendet wurde es u.a. in Thomas Augustine Arnes „Alfred“, 1740. Vgl. hierzu auch Herman, S. 233 sowie S. 254.

2 Beispielsweise während der populären Last Night of the proms, dem Abschlusskonzert der jährlichen BBC-Sommerkonzerte, vgl. hierzu http://www.bbc.co.uk/proms

3 Vgl. hierzu Bernhard Giesen, Nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewusstseins in der Neuzeit (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996).

4 Peter Wende, Das Britische Empire: Geschichte Eines Weltreichs, 1. Aufl. (München: Beck, 2012).

5 Julia Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, 2., unveränderte Auflage 2012 (Göttingen: Vandenhoeck Ruprecht, 2012).

6 Herfried Münkler, Der Große Krieg: Die Welt 1914 - 1918, Sonderausg. für die Bundeszentrale für Politische Bildung (Bonn: BpB, 2014).

7 David S. Landes, Wohlstand Und Armut Der Nationen: Warum Die Einen Reich Und Die Anderen Arm Sind, 3. Aufl. (München: Pantheon, 2009).

8 Gustav Schmidt, Der Europäische Imperialismus (München: Oldenbourg, 1985).

9 Arthur Herman, To Rule the Waves, 1. ed., [Nachdr.] (New York, NY: HarperCollins, 2007); John Leyland, The Royal Navy, The Cambridge Manuals of Science and Literature (Cambridge: Univ. Press, 1914).

10 Lord Curzon, Vizekönig von Indien 1898-1905, zit. in. P. Marshall, British Empire, S. 173, zit. n. Wende, Das britische Empire, S. 211.

11 Heinrich VII. (eig. Henry Tudor), 1457-1509, englischer König von 1485 bis 1509, Begründer der Tudor-Dynastie, beendete die sog. Rosenkriege zwischen den Häuser Lancaster und York.

12 England wurde nach der Reformation protestantisch wohingegen Spanien katholisch blieb.

13 Elisabeth I. (eig. Elizabeth Tudor), 1533-1603, englische Königin von 1558-1603, Namensgeberin für das Elisabethanische Zeitalter.

14 Der atlantische Sklavenhandel (als Bestandteil des atlantischen Dreieckshandels) zwischen Europa, Afrika und Amerika entstand im frühen 17. Jahrhundert und endete mit dem Verbot des Sklavenhandels zu Beginn des 19. Jahrhunderts – er gilt als wirtschaftlicher Schlüsselfaktor beim Aufstieg der europäischen Imperialmächte, vgl. Landes, S. 137-139.

15 Freibeuter sind dem heutigen Verständnis nach Piraten, handeln aber im Regierungsauftrag mit einem sogenannten Kaperbrief, der ihnen erlaubt, gegnerische Schiffe auf hoher See aufzubringen und sich deren Fracht gewaltsam anzueignen.

16 Francis Drake: 1540-1596 war englischer Seemann und Navigator, zunächst Freibeuter mit mehreren Kaperfahrten in der Karibik, erste Weltumsegelung von 1577-1580, Kampf und Sieg gegen die spanische Armada 1588 als Vizeadmiral, gilt als bedeutender Wegbereiter der britischen Seedominanz.

17 Jakob I. (eig. James VI. and I.), 1566-1625, war Sohn von Maria Stuart und von 1567 an König von Schottland sowie ab 1603 König von England.

18 Vgl. Wende, Das Britische Empire, S. 23.

19 Die Navigationsgesetze (engl. Navigation Acts) dienten der Regulierung des englischen Seehandels und seiner Wirkung auf die englische Wirtschaft mit dem Ziel, die gesamte Wareneinfuhr nur auf englischen Schiffen zuzulassen. Vgl. hierzu Wende, Das Britische Empire, S. 80-92.

20 Vgl. Wende, Das Britische Empire, S. 37.

21 Vgl. Schmidt, Der Europäische Imperialismus, S. 60.

22 Vgl. ebenda.

23 Vgl. Wende, S. 103 f.

24 Adam Smith, 1723-1790, schottisch-britischer Ökonom, gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie. Sein bedeutendstes Werk Wohlstand der Nationen liefert bis heute diskutierte Thesen zur Arbeitsteilung, Staatslehre und Marktmechanismen.

25 Merkantilismus bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das durch staatliche Kontrolle und Intervention gekennzeichnet ist und insbesondere das Streben nach Außenhandelsüberschüssen, zu verorten insbesondere in der frühen Neuzeit (Überschüsse wurden häufig durch Ausbeutung von Kolonien oder besiegten Gegnern erzielt und durch protektionistische Maßnahmen – z.B. Navigation Acts - durchgesetzt).

26 Freihandel ist ein liberales Wirtschaftssystem ohne Handelshemmnisse (wie Zölle und sonstige staatliche Eingriffe).

27 Vgl. Wende, Das Britische Empire, S. 129.

28 James Cook, 1728-1779, war britischer Seefahrer und Entdecker, der insbesondere im Südpazifik zahlreiche Entdeckungen machte und wichtige Pionierarbeit leistete (Kartographierung des Pazifischen Ozeans).

29 Die Zeit zwischen 1815 und 1914 wird im Bezug auf Großbritannien häufig als imperiales Jahrhundert bezeichnet (vgl. hierzu Smith, Simon. British Imperialsim 1750-1970, Cambridge 2010), vorliegende Arbeit folgt diesem Terminus.

30 Vgl. Wende, Das Britische Empire, 211–233.

31 Die ‚herrliche Isolation’ hatte zum Ziel, außenpolitisch durch geschickte Diplomatie ein Mächtegleichgewicht aufrecht zu erhalten, welches die Dominanz und den Führungsanspruch Großbritanniens in der Welt zu jederzeit sicherstellen sollte.

32 Die Pax Britannica orientierte sich ideengeschichtlich am antiken Vorbild der Pax Romana und soll das britische Empire und seine Weltgeltung als Leitnation und Leitkultur verkörpern und das politische und militärische Handeln des Empire legitimieren.

33 Vgl. hierzu insbesondere Münkler, Der Große Krieg, S. 82-106; sowie: Wende, Das Britische Empire, S. 234-252; und: Schmidt, Der Europäische Imperialismus, S. 90-113.

34 Leyland, The Royal Navy. S. 3.

35 Auch Zweites Empire, vgl. Abschnitt 1 dieser Arbeit.

36 Vgl. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 9.

37 Vgl. ebenda.

38 Osterhammel, Die Verwandlung der Welt: eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, S. 661 (Hervorhebungen im Original); zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 10.

39 Vgl. Wende, Das Britische Empire., S. 75.

40 Vgl: Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 10 sowie Alfred Thayer Mahan: Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812, Herford 1967, S.222; zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 10.

41 Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 12.

42 Nicholas A. M. Rodger: The Command oft he Ocean. A Naval History of Britain. 1649-1815, London 2004, S. 543, zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 27.

43 Wende, Das Britische Empire, S. 78.

44 Vgl. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 27-28.

45 Bayly: Imperial Meridian: The British Empire and the World 1780-1830, S. 131, zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 59.

46 Vgl. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 59.

47 Vgl. Wende, Das Britische Empire, S. 211.

48 Ebenda, S. 75

49 Vgl. ebenda, S. 78

50 Ebenda, S. 78-79.

51 Foucault: Von anderen Räumen, S. 935, zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 43.

52 Der Commander-in-Chief machte die Admiralität auf Herveys Gefahr aufmerksam: „There is no government in that ship, the men run away with the boats and won’t obey their officers. Something must be done or that ship is lost to the service.” Aus: Baugh: Naval Administration, S. 71, zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 46-47.

53 So wird Fletcher Christian, dem Anführer der vielrezipierten Meuterei auf der Bounty (1789) in diesem Zusammenhang das Zitat „I am in hell“ zugeschrieben; vgl. Herman, S. 293.

54 Vgl. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 47.

55 Patrick O’Brian, Vorwort in: Lavery: Nelson's Navy, Revised and Updated: The Ships, Men, and Organization 1793-1815, S. 7, zit. n. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 58-59

56 Vgl. Angster, Erdbeeren Und Piraten: Die Royal Navy Und Die Ordnung Der Welt 1770–1860, S. 59

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Britannia rule the waves. Die Royal Navy als Trägerin des britischen Weltreichs
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Neuere Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V286281
ISBN (eBook)
9783656865261
ISBN (Buch)
9783656865278
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Royal Navy, British Empire, Imperialismus, Macht, Politik, Marine, 19. Jahrhundert, Britisches Weltreich, Kolonialismus
Arbeit zitieren
Alexander Würth (Autor), 2014, Britannia rule the waves. Die Royal Navy als Trägerin des britischen Weltreichs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286281

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