„When Britain first at Heav’n’s command arose from out the azure main; This was the charter of the land, and guardian angels sang this strain; Rule, Britannia! Britannia rule the waves! Britons never will be slaves“
So heißt es in dem populären, britisch-patriotischen Lied Rule, Britannia, das als inoffizielle Nationalhymne Großbritanniens gilt und bis heute häufig öffentlich gesungen wird. Die auf diese Weise postulierte britische Seeherrschaft und -dominanz lassen vermuten, die Royal Navy habe bis heute eine herausragende Stellung innerhalb der kollektiven Identität der Briten. So ist die Royal Navy nationales Markenzeichen, ein Identifikationssymbol. Die kollektive britische Identität ist noch immer geprägt von dem Selbst- und dem Sendungs-bewusstsein einer Weltmacht, die einst über weite Strecken der Geschichte das größte Reich der Welt gewesen ist.
Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, worauf sich die Macht und der Einfluss des imperialen britischen Weltreichs gründeten und welche Bedeutung der Royal Navy hierbei zukam. Hierzu soll zunächst ein historischer Überblick über das Entstehen und die Phasen des britischen Weltreiches bis 1914 gegeben werden, woraufhin im Anschluss die Royal Navy, ihre historische Entwicklung und ihre Bedeutung für das britische Weltreich anhand diverser Quellen untersucht werden. Die deutsche Geschichtsliteratur hat in der jüngsten Zeit hinsichtlich der beiden in vorliegender Arbeit grundliegenden Themenkomplexe zwei entscheidende Beiträge hervorgebracht, die auch dieser Arbeit äußerst dienlich waren: Zum einen Peter Wendes Überblick über die Geschichte des britischen Weltreichs und zum anderen Julia Angsters Habilitationsschrift über die Royal Navy und ihre Rolle bei der ‚Ordnung der Welt’ . Diese Werke wurden bei der Recherche zu dieser Arbeit ergänzt durch flankierende Sekundärliteratur (Münkler , Landes , Schmidt ) und zwei englischsprachige Werke , die sich auf unterschiedliche Weise mit der Royal Navy und ihrer Bedeutung auseinandersetzen. Gerade durch Angsters Untersuchung und Wendes Überblick ist der gegebene Forschungsstand zum Thema als aktuell zu bezeichnen. Da Originalquellen zur Fragestellung nur schwer beschaffbar sind und ein umfangreicher Recherche- und Untersuchungsaufwand für vorliegende Arbeit kaum zu rechtfertigen ist, wurde hier im Wesentlichen auf die in der Literatur verwendeten Quellen und Verweise zurück gegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Überblick: Das britische Weltreich bis 1914
3 Untersuchung: Die Rolle der Royal Navy
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die machtpolitischen Grundlagen des britischen Weltreichs und analysiert dabei insbesondere die zentrale Bedeutung der Royal Navy als Instrument zur Sicherung der globalen Vormachtstellung im langen 19. Jahrhundert.
- Historische Entwicklung des britischen Weltreichs bis 1914
- Die Royal Navy als nationale Identität und Symbol britischer Macht
- Verflechtung von Welthandel, Flottenpräsenz und globaler Ordnungspolitik
- Technologische Innovationen im Schiffsbau und ihre Auswirkungen auf die maritime Hegemonie
- Die Rolle der Seemacht im Kontext der ersten Globalisierung
Auszug aus dem Buch
3 Untersuchung: Die Rolle der Royal Navy
Welche Rolle spielte nun die Royal Navy für das britische Weltreich im imperialen Jahrhundert? Englands Gesellschaft ist durch die geografische Insellage der Heimat tief verwurzelt in seefahrerischer Tradition und Verbundenheit zu der See als das die Heimat umschließende Element. Häufig liest man von der Nation von Seefahrern, und Seefahrer seien sie bereits gewesen, bevor sie Engländer wurden: „our Saxon ancestors were seamen before they were Englishmen. Issuing in their ‚keels’ from the countries about the mouths oft he Elbe and the Weser, they were sea-wolves, who captured what they could afloat, and carried fire and sowrd into the countries they invaded and afterwards occupied.“ Diese kurze Passage aus Leylands The Royal Navy von 1914 gibt den Blick frei auf das Selbstverständnis der Briten und ihrer Marine, wie wir es in dem eingangs zitierten Lied Britanna rule the waves bereits vorfanden. Die Seefahrt und das Beherrschen der See, rule the waves, sind Markenkerne der britischen Identität.
Im Second British Empire, welches für die vorliegende Arbeit relevant ist, da es in die Zeit des imperialen Jahrhunderts fällt, sind unterschiedliche Machtfaktoren ausschlaggebend. Nicht nur die merkantile Wirtschaft oder die militärische, territoriale Herrschaft sind das wesentliche Fundament der britischen Vormachtstellung, sondern vielmehr werden diese durch „weichere Formen der Machtausübung“ wie mehr oder weniger liberale Handelsbeziehungen, Finanzströme, Navigations- und Versorgungsstützpunkte sowie Kommunikationsverbindungen ergänzt; allesamt getragen durch ein nahezu globales Netzwerk von Siedlern, Händlern, Diplomaten, Missionaren und Marineoffizieren. Sine qua non für diese Einflussnahme und das Funktionieren dieses Netzwerkes war ungehinderter Zugang zu allen Gegenden der Welt. Die Möglichkeit der Präsenz vor Ort und damit die Möglichkeit der Einflussnahme erstreckte sich über den eigentlichen Herrschafts- und Territorialbereich hinaus bis hin zur immer weiter fortschreitenden, informellen, globalen Gültigkeit britischer Werte und Normen: „Das britische Empire war darin einzigartig, dass sein territorial definierter Kern (das formal empire) von zwei weiteren konzentrischen Kreisen umgeben war: der nicht randscharf begrenzen Sphäre, in welcher Großbritannien informell maßgebenden Einfluß ausüben konnte, sowie den globalen Raum einer britisch geprägten, aber nicht britisch kontrollierten Weltwirtschafts- und Weltrechtsordnung.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Royal Navy als Teil der britischen Identität und skizziert das methodische Vorgehen sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Überblick: Das britische Weltreich bis 1914: Dieses Kapitel beschreibt die historische Expansion Englands von den Anfängen im 15. Jahrhundert bis hin zum Aufstieg zur globalen Weltmacht während des imperialen Jahrhunderts.
3 Untersuchung: Die Rolle der Royal Navy: Hier wird die spezifische Funktion der Royal Navy analysiert, die als zentrales Instrument britischer Außenpolitik und als Garant für die globale Ordnung und den Freihandel fungierte.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Royal Navy ein wesentlicher Gestalter des modernen globalen Systems war und das britische Weltreich ohne ihre Stärke nicht in dieser Form existiert hätte.
Schlüsselwörter
Royal Navy, britisches Weltreich, imperiales Jahrhundert, maritime Dominanz, Pax Britannica, Weltmacht, Globalisierung, Seemacht, Freihandel, britische Identität, koloniale Expansion, imperiale Hegemonie, Navigationsgesetze, Schlacht von Trafalgar, Empire
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Royal Navy als zentralem Machtinstrument für den Aufstieg und Erhalt des britischen Weltreichs im langen 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der britischen Seemacht, der Verknüpfung von ökonomischen Interessen mit militärischer Präsenz sowie der kulturellen Bedeutung der Marine für die britische Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Machtgrundlagen des britischen Empire zu identifizieren und zu belegen, dass die Royal Navy hierbei eine entscheidende, strukturgebende Rolle spielte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der aktuelle geschichtswissenschaftliche Standardswerke zum Britischen Empire und zur Geschichte der Royal Navy ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick zur Entstehung des Empires und eine detaillierte Untersuchung der Royal Navy als Institution, die sowohl militärische als auch ordnungspolitische Aufgaben wahrnahm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Royal Navy, imperiales Jahrhundert, Pax Britannica, maritime Dominanz und Weltmachtstellung charakterisiert.
Wie veränderte sich die Rolle der Royal Navy im 19. Jahrhundert?
Sie entwickelte sich von einer reinen Streitmacht hin zur größten Regierungsbehörde und zum Instrument der globalen Ordnungspolitik, das den Welthandel und die Ausbreitung liberaler Rechtsnormen sicherte.
Welchen Einfluss hatte der technologische Fortschritt auf die Royal Navy?
Technische Innovationen, insbesondere der Übergang von Holzschiffen mit Segelantrieb zu eisernen Rümpfen mit Dampfantrieb, förderten einerseits die Überlegenheit der Flotte und schufen andererseits neue wirtschaftliche Impulse.
Welche Bedeutung kommt der "splendid isolation" in diesem Kontext zu?
Die Politik der "herrlichen Isolation" nutzte die durch die Royal Navy gesicherte maritime Dominanz, um durch geschickte Diplomatie ein Mächtegleichgewicht zu wahren, ohne sich in europäische Landkonflikte verstricken zu müssen.
Warum wird die Royal Navy als Mikrokosmos bezeichnet?
Die Schiffe der Navy fungierten als soziale Gefüge, die eine spezifische seemännische Professionalität aufwiesen, welche weit über das oft kolportierte Bild von Gewalt und Brutalität hinausging.
- Quote paper
- Alexander Würth (Author), 2014, Britannia rule the waves. Die Royal Navy als Trägerin des britischen Weltreichs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286281