Eigenkapitalausstattungen von mittelständischen und großen Unternehmen im Vergleich


Seminararbeit, 2013

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeption und Theorie zur Kapitalausstattung
2.1 Eigenkapitalbegriff und Funktionen des Eigenkapitals
2.2 Bilanzierung des Eigenkapitals
2.3 Kapitalstrukturtheorien und Hypothesenbildung
2.3.1 Modigliani-Miller-Theorem
2.3.2 Statische Trade-Off-Theorie
2.3.3 Pecking-Order-Theorie

3 Empirische Analyse von Kapitalstrukturdeterminanten
3.1 Konzeption der Untersuchung
3.2 Deskriptive Analyse und Ergebnisdarstellung
3.3 Panelregression und Ergebnisdarstellung

4 Implikationen aus der empirischen Analyse
4.1 Rückschlüsse auf die Gültigkeit der Pecking-Order-Theorie
4.2 Rückschlüsse auf unterschiedliche Eigenkapitalquoten von Mittelstand und Großunternehmen

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang 1: Übersicht der Sample-Auswahl

Anhang 2: Erstellung des Untersuchungssamples

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Deskriptive Analyse für den Mittelstand

Tabelle 2: Deskriptive Analyse für Großunternehmen

Tabelle 3: Regression für den Mittelstand

Tabelle 4: Regression für Großunternehmen

Symbolverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Wahl der Kapitalstruktur stellt im Finanzmanagement von Unternehmen eine herausragende und entscheidende Rolle dar.1 Das Finanzierungsverhalten und die dadurch beeinflusste Größe der Eigenkapitalausstattungen von deutschen Unternehmen werden in der Öffentlichkeit stets kontrovers diskutiert. Formulierungen wie zu niedrige Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen oder erschwerte Bedingungen für den Mittelstand im Vergleich zu Großunternehmen, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren2, sind ebenfalls häufig in (Fach)Artikeln und Pressemitteilungen vorzufinden. Die pauschale Forderung seitens der Öffentlichkeit nach einer adäquaten Eigenkapitalausstattung kann nicht zwingend aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht theoretisch abgeleitet werden.3 In dieser kontrovers geführten Debatte um die Eigenkapitalausstattungen deutscher Unternehmen können ausgewählte Aspekte der Kapitalstrukturtheorien einen wichtigen Beitrag liefern.

Ziel dieser vorliegenden Arbeit ist es, auf Grundlage einer empirischen Determinantenforschung zu prüfen, ob die Gültigkeit der Pecking-Order-Theorie (POT), bezogen auf den Mittelstand und die Großunternehmen, aus der Analyse heraus bewiesen werden kann. Die Rechtfertigung für die Wahl der POT ist die grundlegende Annahme von asymmetrisch verteilten Informationen zwischen (Alt)Gesellschaftern und externen Kapitalgebern4 und das sich daraus resultierende Finanzierungsverhalten der jeweiligen Unternehmen.5 Es wird vermutet, dass bei mittelständischen Unternehmen diese Informationsasymmetrien besonders ausge-prägt sein könnten mit entsprechenden Folgen für die Eigenkapitalausstattung. Bei Groß-unternehmen wird hingegen vermutet, dass sie grundsätzlich transparenter sind und daher leichter Zugang zum Kapitalmarkt finden.

Im nächsten Kapitel werden Funktionen und Bilanzierungsaspekte des Eigenkapitals genauer beleuchtet. Ferner werden die gängigsten Theorien zur Kapitalstruktur vorgestellt. Hier liegt der Schwerpunkt auf der POT. Kapitel drei beinhaltet die Wahl und Begründung der Unternehmen sowie deren Determinanten. Es folgt eine Darstellung der wichtigsten Daten mit einer anschließenden Regressionsanalyse. Schließlich werden die Ergebnisse kompakt zusammengefasst. Im Anschluss werden Rückschlüsse auf die Aussagekraft der POT basierend auf der vorangegangenen Analyse gezogen. Das fünfte Kapitel schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung ab.

2 Konzeption und Theorie zur Kapitalausstattung

2.1 Eigenkapitalbegriff und Funktionen des Eigenkapitals

Soll die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen analysiert werden, muss zunächst geklärt werden, was unter Eigenkapital zu verstehen ist. Nach Coenenberg/Haller/Schultze (2012) beinhaltet das Eigenkapital die von den Eigentümern ohne zeitliche Befristung bereitgestellten Mittel für das Unternehmen. Diese Mittel werden durch Zufluss von außen oder innen dem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Bilanzielles Eigenkapital wird als Saldo aus Vermögen und Schulden verstanden, es stellt demnach eine Residualgröße dar. Diese Residualgröße entspricht der Definition aus dem Rahmenkonzept (RK) des International Accounting Standards Board (IASB).6 Im Gegensatz zum IFRS (International Accounting Standards Board) ist handelsbilanzrechtlich keine explizite Definition des Begriffs Eigenkapital vorzufinden. Im Handelsgesetzbuch (HGB) ist in der Vorschrift zur Gliederung der Bilanz auf der Passivseite gemäß § 266 Abs. 3 HGB das Eigenkapital lediglich aufgeführt.

Neben der Begriffsbestimmung hat das Eigenkapital als ein Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit Funktionen zu erfüllen. Die Finanzierungsfunktion, auch Einsatz- oder Arbeitsfunktion genannt7, ist eine zentrale Funktion des Eigenkapitals. Die Bedeutsamkeit der Finanzierungsfunktion wird beispielsweise durch die teils gesetzlichen Mindestvorschriften für Gründungskapital deutlich. Demnach müssen Aktiengesellschaften gemäß § 7 AktG ein Grundkapital von 50.000 Euro aufbringen. Das Eigenkapital in einem Unternehmen bildet die Basis der unternehmerischen Tätigkeit. Es schafft die Grundlage, über Wirtschaftsgüter zu verfügen und diese im Wirtschaftsprozess einzusetzen.

Darüber hinaus wird dem Eigenkapital eine Haftungsfunktion zugerechnet.8 Bezüglich der Haftung sind fundamentale Unterschiede zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften vorzufinden. Eigentümer einer Personengesellschaft haften mit ihrem gesamten Vermögen.9 Bei Unternehmen mit beschränkter Haftung wird die Haftung der Eigentümer bei fortdauernden Residualgewinnansprüchen auf die Höhe seiner Einlage beschränkt.10

Bei größeren Unternehmen sind die Eigentümer, die Aktionäre bei Kapitalgesellschaften, nicht mit den Managern gleichzusetzen.11 Die Manager, eingestellt durch den Aufsichtsrat, die das Unternehmen leiten, haben nicht die gleichen Interessen12 und Informationen13 wie die Eigentümer. Ferner sind diese Manager durch thesaurierte Gewinne in der Lage, das Eigenkapital zu erhöhen, was sie wiederum unabhängiger gegenüber externen Kapitalgebern macht.14

Zusätzlich dient die Risikofunktion des Eigenkapitals aus Unternehmenssicht dazu, auftretende Risiken zu minimieren, um letztlich den Fortgang des Unternehmens zu sichern.15 Die Fähigkeit potentielle Verluste aufzufangen ist für den Werdegang des Unternehmens unver-zichtbar. Das Eigenkapital bzw. die Eigenkapitalausstattung16 kann für das Unternehmen eine Repräsentationsfunktion darstellen, da grundsätzlich hohe Eigenkapitalquoten den potentiellen Adressen den Eindruck einer soliden Finanzierungspolitik vermitteln können.17

Bei der nachfolgenden empirischen Analyse ist zu berücksichtigen, dass die Informationen über die Eigenkapitalausstattungen aus Bilanzen entnommen werden. Dementsprechend wird das Eigenkapital in der Beschreibung als bilanzrechtliche Größe gemessen. Deshalb wird im folgenden Kapitel auf die bilanzielle Darstellung einzugehen sein.

2.2 Bilanzierung des Eigenkapitals

Der Gläubigerschutz und die Anspruchsbemessungsfunktion sind in vielen kontinentaleuropäischen Ländern ein zentrales Ziel der Rechnungslegung.18 Sowohl in der deutschen Handels- als auch in der Steuerbilanz wird der Ausweis von Bilanzpositionen maßgebend von Bewertungsprinzipien, wie dem Vorsichtsprinzip und deren Konkretisierungen in Form des Realisationsprinzips und Imparitätsprinzips, determiniert.19 Dem Vorsichtsprinzip wird oft die Vorstellung des vorsichtigen Kaufmanns zugrunde gelegt, der sich vor sich selbst und vor anderen nicht wohlhabender rechnet als er tatsächlich ist, sondern in Zweifelsfällen eher ärmer.20 Demnach bestätigt Leffson (1987), dass bedingt durch das Vorsichtsprinzip die Möglichkeit der Bildung und Auflösung von stillen Reserven existiert. Dies ergibt sich durch zulässige Unterbewertung von Aktiva und Überbewertung von Passiva.21 Als eine Residualgröße ist das Eigenkapital somit in seiner Größe durch den Ansatz und die Bewertung der übrigen Bilanzposten über die indirekte Ermittlung des Eigenkapitals bestimmt.22 Durch die Ausübung von Ansatz- und Bewertungswahlrechten kann die Größe des Eigenkapitals beeinflusst werden.23

Ist die Informationsfunktion das zentrale Postulat der Rechnungslegung, liegt das Haupt-augenmerk auf die Bereitstellung entscheidungsnützlicher Informationen.24 Die Zielsetzung von Abschlüssen der Rechnungslegung nach IFRS gemäß RK 12 ist es, „Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie Veränderungen in der Vermögens- und Finanzlage eines Unternehmens zu geben, die für einen weiten Adressatenkreis bei dessen wirtschaftlichen Entscheidungen nützlich sind“.25

Der Abschluss von rechtlich selbständigen Unternehmen, der Einzelabschluss, ist Grundlage der Ausschüttungsbemessung.26 Der Konzernabschluss, als die Summe der Einzelbilanzen der zu einem Konzern gehörigen Unternehmen27, dient in beiden Rechnungslegungskreisen ausschließlich der Bereitstellung von entscheidungsnützlichen Informationen.28

Je nach Rechtsform kann die Gliederung des Eigenkapitals eine unterschiedliche Gestalt annehmen. Im Folgenden wird auf die Bilanzierung bei Kapitalgesellschaften nach deutschem Recht eingegangen. Gemäß der Bilanzierungsvorschrift aus § 266 HGB beinhaltet das Eigenkapital folgende Positionen: Gezeichnetes Kapital (§ 272 Abs. 1 HGB), Kapitalrücklagen (§ 272 Abs. 2 HGB), Gewinnrücklagen (§ 272 Abs. 3 und 4 HGB) und das Jahresergebnis (§ 268 Abs. 1 HGB).

Das gezeichnete Kapital dient der Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten der Gesellschaft gegenüber den Gläubigern und kann rechtsformspezifisch angepasst werden: Grundkapital für die Aktiengesellschaft (§ 6 AktG) oder Stammkapital für die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (§ 5 GmbHG).

Die in der Bilanz dargestellten offenen Rücklagen werden in Kapital- und Gewinnrücklagen aufgeteilt und vermitteln dem Bilanzleser die Information, ob Kapital aus dem erwirtschafteten Gewinn (Gewinnrücklage) oder aus Einzahlungen der Gesellschafter (Kapitalrücklage) stammt.29

Beiträge, die der Gesellschaft nicht aus dem erwirtschafteten Gewinn zugeführt werden, sondern von außen der Gesellschaft zukommen, werden als Kapitalrücklagen bezeichnet.30 Nach § 272 Abs. 3 HGB sind Gewinnrücklagen alle sonstigen Beiträge, die aus Ergebnissen der Gesellschaft gebildet wurden. Dabei kann es sich um Ergebnisse des laufenden Jahres oder aus früheren Geschäftsjahren handeln. Demnach sind Gewinnrücklagen im Gegensatz zu Kapitalrücklagen aus betriebswirtschaftlicher Sicht dem Bereich der Selbstfinanzierung zuzuordnen.31

Das Jahresergebnis, als ein weiterer Bestandteil des Eigenkapitals, kann voll oder teilweise ausgeschüttet werden und der nicht-ausgeschüttete Teil wird thesauriert. Drei unterschiedliche Wahlrechte bzw. Möglichkeiten des Ausweises des Ergebnisses in der Bilanz sind gemäß § 268 Abs. 1 HGB grundsätzlich möglich.

Im folgenden Kapitel wird auf ausgewählte Aspekte der Kapitalstrukturtheorien mit einer Überprüfung der Zweckmäßigkeit der Theorien für die nachgehende Forschung eingegangen. Basierend auf der POT werden Hypothesen abgeleitet, die im Rahmen einer empirischen Analyse (Panelregression) im dritten Kapitel überprüft werden sollen.

2.3 Kapitalstrukturtheorien und Hypothesenbildung

2.3.1 Modigliani-Miller-Theorem

Ausgangspunkt der modernen Kapitalstrukturtheorie sind die bahnbrechenden Studien von Modigliani/Miller (1958).32 Modigliani/Miller (1958) legen bei ihrem Forschungsansatz einen vollkommenen Markt33 und einige weitere restriktive Annahmen zugrunde. Zu diesen Bedingungen gehören bspw. fehlende Transaktionskosten, alle Marktteilnehmer haben freien Zugang zum Kapitalmarkt oder das Nicht-Vorliegen von asymmetrisch verteilten Informationen. Unter der Annahme dieser und weiterer Bedingungen zeigen sie, dass rational handelnde Kapitalgeber indifferent zwischen der Vergabe von Eigen- oder Fremdkapital sind, weil identische Überschüsse aus Dividenden oder Zinszahlungen an die Investoren fließen.34 In ihren Untersuchungen kommen sie zu dem Resultat, dass der Wert des Unternehmens unabhängig vom Verschuldungsgrad ist.35

In einer Modellerweiterung gelangen Modigliani/Miller (1963) zu dem Ergebnis, dass Fremdfinanzierungsaufwendungen von der steuerlichen Bemessungsgrundlage abzugsfähig sind, und daher bevorzugen Unternehmen in dieser Situation Fremdfinanzierung gegenüber der Eigenkapitalfinanzierung, da dies zu einer Reduzierung der Kapitalkosten führt.36

Die genannten Annahmen des vollkommenen Marktes sind nicht konsistent mit der zuvor formulierten Forschungsfrage. Daher lassen sich aus dem Modigliani-Miller-Theorem (MMT) für die vorliegende Seminararbeit keine zutreffenden Hypothesen ableiten.

2.3.2 Statische Trade-Off-Theorie

Der aus dem Modigliani-Miller-Theorem abgeleitete Anreiz zur Verschuldung wird durch einen weiteren Faktor in der Statischen Trade-Off-Theorie (STT) relativiert, und daher werden neben dem Faktor Steuern ferner Insolvenzkosten in einem imperfekten Markt als Einflussgröße diskutiert.37 Die Insolvenzkosten stellen ein Gegenpool zum Faktor Steuern dar.

Die Trade-Off-Theorie geht davon aus, dass durch Kombination von Steuern und Konkurskosten eine optimale Kapitalstruktur erreicht werden kann, bei der der Unternehmenswert maximiert und zeitgleich die gewichteten Kapitalkosten minimiert werden.38 Die Trade-Off-Theorie führt im Ergebnis zu einer moderaten Fremdfinanzierung.39

Obwohl die Trade-Off-Theorie geeignet ist, Teilaspekte der Kapitalstruktur zu erklären40, ist sie für diese Arbeit nicht zweckmäßig, da eine z.T. mangelnde Quantifizierbarkeit der Insolvenzkosten vorliegt. Ferner ist zwar der Einfluss der Konkurskosten, sofern ermittelbar, ein entscheidender Faktor für die Wahl der Kapitalstruktur, aber die Vermutung, dass die Fremdkapital- bzw. Eigenkapitalquote durch den Steuervorteil der Fremdfinanzierung determiniert ist, wirkt wenig plausibel, sofern nicht weitere Einflussgrößen parallel in Betracht kommen. Der Hauptgrund für das Ablehnen dieser Theorie ist die Nicht-Thematisierung von asymmetrischen Informationen als zentrale Grundlage der STT.

2.3.3 Pecking-Order-Theorie

In derselben Studie, in der Myers (1984) den Einfluss von Insolvenzkosten beschreibt und analysiert, stellt er die POT als ein alternatives Modell zur Erklärung der Kapitalstruktur auf. Die Theorie untersucht, basierend auf dem Vorhandensein von asymmetrischen Infor-mationen, das Finanzierungsverhalten von Unternehmen, welches sich in einer Präferenz-ordnung äußert.41

Nach der POT ist die Innenfinanzierung, die sich aus Bilanzgewinn, Abschreibungen und Rückstellungen zusammensetzt, das Finanzierungsmittel, auf das zuerst zurückgegriffen wird.42 Danach folgt die Außenfinanzierung durch Fremdkapital.43 An dritter Stelle erfolgt die hybride Finanzierung und als Ultima Ratio wird die Außenfinanzierung durch Eigenkapital gewählt.44

Die Gründe für die Hackordnung liegen in der grundlegenden Annahme von asymmetrisch verteilten Informationen.45 Einen Beitrag zu dieser Thematik liefern Myers/Majluf (1984). Sie beschreiben einen Zustand, in dem die potentiellen Investoren nicht den realen Barwert von Investitionen eines Unternehmens kennen. Wenn ein Unternehmen das letzte Mittel aus der Hackordnung wählt, eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung einer Investition, sind die möglichen Investoren nicht fähig, gute von schlechten Investitionen zu unterscheiden. Da das Management gemäß der POT im Sinne der Altaktionäre handelt, wird es erst dann Eigenkapital emittieren, wenn die Aktien nicht unterbewertet sind. Dies hat zur Folge, dass die emittierten Aktien nach Ankündigung einer Emission unterbewertet veräußert werden, da die Entscheidung des Managements zur Außenfinanzierung durch Eigenkapital den potentiellen Investoren ein negatives Signal vermittelt.46 Es wird bei den Investoren der Eindruck von überbewerteten Aktien erweckt.47 Manager können negative Signalwirkung ausschließen, indem sie auf interne Finanzierungsmittel zurückgreifen. Bei internen Mitteln liegen keine Informationsasymmetrien vor und werden daher gemäß der Hackordnung stets bevorzugt.

Die Auswahl der zu validierenden Theorie muss einer Plausibilitätsprüfung bestehen, bei der hinterfragt wird, ob zwischen den zu untersuchenden Unternehmen und der Theorie ein sinnvoller Zusammenhang besteht. Sowohl das MMT als auch die STT konnten dieser Prüfung auf Grund ihrer Annahmen nicht standhalten und wurden daher für die Hypothesengenerierung nicht berücksichtigt. Der informationsökonomische Ansatz der POT eignet sich für die vorliegende Analyse in besonderer Form, da der Mittelstand im Vergleich zu Großunternehmen eine vergleichsweise geringe Transparenz aufweist.48 So ist auf unvollkommenen Märkten die Verfügbarkeit von notwendigen Informationen für externe Kapitalgeber mit Kosten verbunden. Da bei mittelständischen Unternehmen im Gegensatz zu Großunternehmen mit geringerem Finanzvolumen zu rechnen ist, schlagen die Kosten für die Beschaffung der Informationen stärker ins Gewicht als bei größeren Unternehmen mit höheren Finanzierungsvolumina und höherer Transparenz.

[...]


1 Vgl. stellvertretend Drobetz/Pensa/Wöhle (2004), S. 254.

2 Vgl. Ahrweiler/Börner/Grichnik (2003), S. 15.

3 Vgl. Bofinger (1990), S. 264.

4 Vgl. Harris/Raviv (1991), S. 306.

5 Vgl. Donaldson (1961), S. 67.

6 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2012), S. 319; zur Definition von Eigenkapital, RK.49(c).

7 Vgl. Vormbaum (1995), S. 35.

8 Vgl. Küting/Dürr (2005), S. 1529.

9 Vgl. Brähler (2013), S. 4.

10 Vgl. Huuk (2013), S. 17; Brähler (2013), S. 4.

11 Vgl. Galbraith (1968), S. 14.

12 Vgl. McCormick (2006), S. 98-100.

13 Vgl. Dunn (2001), S. 161.

14 Vgl. Berle/Means (1968), S. vii-xvi; Dugger (1992), S. 204.

15 Vgl. Ebeling (1988), S. 88.

16 Eigenkapitalquote und Eigenkapitalausstattung werden in der Arbeit als synonym behandelt.

17 Vgl. Raettig (1974), S. 50.

18 Vgl. Leuz/Wüstemann (2004), S. 232.

19 Vgl. Pelka/Niemann (2013), Kapitel A Rz. 854 W.

20 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2012), S. 40.

21 Vgl. Leffson (1987), S. 84-85.

22 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2012), S. 319.

23 Vgl. Kirsch (2007), S. 106.

24 Vgl. Huuk (2013), S. 22.

25 IASB RK 12, Stand: 2001.

26 Vgl. Küting/Keßler/Seel (2010), S. 99.

27 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2012), S. 5.

28 Vgl. Huuk (2013), S. 24.

29 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2012), S. 334-335.

30 Vgl. Ellrott/Budde (2010), § 272 HGB, Rn. 160; Pellens et al. (2011), S. 510.

31 Vgl. Brönner et al. (2011), S. 353.

32 Vgl. z.B. Swoboda (1994), S. 92; Bolton/Dewatripont (2005), S. 112 und Perridon/Steiner/Rathgeber (2012), S. 532.

33 Vgl. zu den Eigenschaften eines vollkommenen Marktes: Swoboda (1994), S. 92-93.

34 Vgl. Modigliani/Miller (1958), S. 265-269.

35 Vgl. Modigliani/Miller (1958), S. 268-270; Bailey (2008), S. 457.

36 Vgl. Modigliani/Miller (1963), S. 433-434.

37 Vgl. Kraus/Litzenberger (1973), S. 911-912.

38 Vgl. Myers (1984), S. 577; Drobetz/Pensa/Wöhle (2004), S. 258.

39 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2008), S. 515-516.

40 Vgl. z.B. Fama/French (2002), S. 6.

41 Vgl. Myers (1984), S. 581-582.

42 Vgl. Sánchez-Vidal/Martín-Ugedo (2005), S. 342.

43 Vgl. Shyam-Sunder/Myers (1999), S. 224.

44 Vgl. Myers (1984), S. 581; Shyam-Sunder/Myers (1999), S. 224.

45 Vgl. zur Informationsasymmetrie: Akerlof (1970), S. 489.

46 Vgl. Myers/Majluf (1984), S. 187-221.

47 Vgl. Masulis/Korwar (1986), S. 116-117.

48 Vgl. z.B. Kokalj/Paffenholz/Moog (2003), S. 3.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Eigenkapitalausstattungen von mittelständischen und großen Unternehmen im Vergleich
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V286346
ISBN (eBook)
9783656866176
ISBN (Buch)
9783656866183
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eigenkapital, Eigenkapitalausstattung, mittelständische Unternehmen, Großunternehmen
Arbeit zitieren
Fabian Diering (Autor:in), 2013, Eigenkapitalausstattungen von mittelständischen und großen Unternehmen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286346

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