Der Lobpreis im Epheserbrief (1, 3-14). Ein Beispiel für einen christlichen Hymnus?


Essay, 2013

8 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Einleitung

Bei dem Epheserbrief handelt es sich vermutlich um einen Brief des Paulus an die Ge­meinde in Ephesos. Ob der Brief wirklich von Paulus selbst aus der Gefangenschaft in Rom geschrieben worden ist, ist in der historisch-kritischen Exegese umstritten. Durch die sprachlichen und inhaltlichen Abweichungen ist die Verfasserschaft des Paulus eher zu verneinen. Lindemann nennt ihn sogar die „überarbeitete Neufassung des Kolosser­brief‘, dessen Verfasser ebenfalls unbekannt ist, aber wohl der gleiche wie beim Ephe­serbrief ist.[1] Eine These, die von Michael Gese ebenfalls aufgezeigt worden ist, wäre, dass der Brief von einem Schüler des Paulus geschrieben worden ist. So wäre die starke Anlehnung an Paulus Texte und Glaubensfragen zu erklären. Zudem kommt die Tatsa­che, dass es in der Antike üblich war, dass Schüler in gewisser Hinsicht versuchten zu imitieren, um so ihrer Ehrerbietung Ausdruck zu verleihen. Der Entstehungszeitraum ist also nachpaulinisch und lässt sich auf 80-90 n. Chr. datieren.[2]

Inhaltlich ist der Epheserbrief in zwei Teile aufgespalten, die wiederum Untergliede­rungen beinhalten .Von 1,1-3,20 ist der erste Teil des Briefes abzutrennen, der die Be­grüßung, den Lobpreis Gottes und die Überleitung zum eigentlichen Thema, das die Vergangenheit und Gegenwart der „Heidenchristen“[3] gegenüberstellt. Der zweite Teil des Briefes (4,1-6,23f) thematisiert in erster Linie Mahnungen, die sich in verschiedene Richtungen ausbreiten. Zunächst soll die Einheit der Kirche gewahrt werden, dann er Hinweis, dass die Kirche die bestehende Ordnung Jesus Christus beinhaltet und zuletzt konkrete Anweisungen an die Pflichten der christlichen Gemeinde.

Bei der gewählten Perikope handelt es sich um den Lobpreis Gottes 1, 3-14, der in den ersten Abschnitt des Briefes einzuordnen ist. Um diese Perikope angemessen zu analy­sieren, habe ich mich für die Gattungsanalyse mit anschließender Bestimmung des „Sitz im Leben“ entschieden. Ob es sich bei der Perikope um einen Hymnus handelt wird zu ermitteln sein, da man aufgrund der Syntax, Inhalt und der theologischen Interpretation zunächst davon ausgehen und ob es eventuell auch möglich ist, diese Perikope als „Christushymnus“ zu bezeichnen.

Anwendung einer exegetischen Methode

Innerhalb dieses Briefes lässt sich die gewählte Perikope (1,3-14) formal, syntaktisch und auch inhaltlich abtrennen. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Gattung in einer Gattung.

Nach der typischen Eingangsformel des Paulus für seine Briefe, die der typischen Be­grüßung in römischen Briefen nachempfunden ist, beginnt die Perikope, die den Lob­preis Gottes für die Erlösung Jesu Christi beinhaltet (3-14). Der neue Abschnitt, also der Lobpreis Gottes beginnt mit den Worten: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!“, der sich deutlich von der Eingangsformel abhebt durch die An­rede Gottes und die Aufforderung an die Gemeinde, hierbei handelt es sich um eine an das Alte Testament angelegte Eulogie, die den Gottesdank umfasst, der er den Redner aus der Not erlöst hat. Das Ende der Perikope ist bei dem Vers 14 zu setzen, da in Vers 15 ein Subjektwechsel vorliegt, in dem der Autor beginnt von seinen eigenen Erfahrun­gen zu berichten. Eine formale Unterscheidung ist vor allem festzustellen, wenn man sich auf den griechischen Text vom Nestle/Aland bezieht. Der Lobpreis ist ganz klar abgegrenzt vom Rest des Briefes durch seine Darstellung im Gedichtstil, der scheinbar in keiner Verbindung zur umgrenzenden prosaischen Schrift steht.[4] Syntaktisch könnte diese Perikope auch ohne den Rest des Textes stehen und würde dennoch seinen Sinn nicht verfehlen. Es scheint, als wäre er nachträglich eingefügt worden.

Der Hymnus im Allgemeinen ist ein gesungenes Gebet, das entweder im griechischen oder römischen Sinn einen der vielen Götter lobt, oder im christlichen Kontext ein Lob­preis für Gott ist. Im alten Griechenland wurden diese Hymnen zu verschiedenen nicht nur kultischen Angelegenheiten von Knaben- oder Mädchenchören gesungen.[5] Ob dies auch für die christlichen Hymnen zutrifft, ist nicht sicher zusagen. Die paganen Hymnen weisen strukturell meist die gleiche Form auf wie Gebete: Sie beginnt mit der Anrufung der Gottheiten, dem ein begründender oder erzählender Teil, anschließend ein argumen­tierender mit Preisungen und zuletzt steht die Bitte oder ein Dank. Diese Hymnen sind meist in Versform dargestellt und werden von einem durchgehenden Metrum und poeti­schen Sprachstil getragen.[6]

Auch der christliche Hymnus übernimmt teilweise den inneren Aufbau der paganen Hymnen, setzt aber auch eigene Akzente hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung. Der typische christliche Hymnus besteht aber auch aus einer Vielzahl ihm eigentümlicher Elemente, die mit der Reihung von Attributen Gottes beginnen. Es folgt eine Beschrei­bung der Herkunft des Gelobten aus Gott, was vor allem einen Rückbezug zur Herrlich­keit Gottes nimmt. Von diesem Gelobten werden nun die Werke aufgezählt, doch dieses Merkmal ist nicht nur allein typisch für den Hymnus. Sprachlich lässt sich der Hymnus aufgrund typischer Ausdrücke wie „(denn) nur aus dir, (denn) nicht ohne dich, allein (du bzw. er) und alles“ festlegen. Weitere thematische Felder, die benutzt werden sind, dass der Gelobte als Anführer, Anfang und Erster bezeichnet wird und die Schöpfer­macht/Weltherrschaft erwähnt werden. Semantische Felder, die analysiert werden kön­nen, beziehen sich in erster Linie auf: „Retten und Retter, Licht, Geben, Erlösen und Befreien.[7] Weiterhin werden meist einige Passagen refrainartig wiederholt, was einen starken Rückbezug zum liedhaften Ursprung des Hymnus aufzeigt. Stimmen all diese oder auch nur einige Merkmale mit der ausgewählten Perikope (Eph 1, 3-14) überein?

Zu Anfang der Perikope sollte eine Aufzählung der Attribute Gottes stehen, die also mehr als nur ein Attribut nennen. Hier ist Gott lediglich „Vater unseres Herrn Jesus Christus“. Weiterhin sollte die Herkunft des Gelobten beschrieben werden, wäre es ein Christushymnus also Jesus selbst. Vielmehr ist es ein reines Gotteslob, dass Christus vor allem wegen seiner Taten, die den Menschen den direkten Kontakt zu Gott gibt. „Für ihn gehörten wir mit Christus zusammen vor aller Zeit“, „Ihn ließ er streben zu unserer Rettung“[8] weisen auf die Ewigkeit von Gottes Herrschaft hin, der Jesus und sein Volk schon vor aller Zeit erwählt habe soll. Ebenfalls werden typische Wendungen, die das Handeln Gottes beschreiben, z.B. „durch Christus alle Zeiten zu vollenden und al­les, was Im Himmel und auf Erden lebt“. Dadurch wird der ewige Plan Gottes aufge­zeigt, der Christus in seine Herrschaft einschließt. Der Bezug zur Rettung, Erlösung, Befreiung und absoluten Weltherrschaft Gottes ist nicht zu übersehen. Zuletzt kann man eine refrainartige Wiederholung einer Textstelle beobachten. „zum Lob seiner Herrlich- keit“(Vers 6, 12,14) wird nicht nur dreimal genannt, sondern scheint immer einen Sinn-

Zusammenhang abzuschließen.[9] Dieser dreimalige Ausspruch lässt auch auf den emoti­onalen Bezug zu den Adressaten schließen. Da viele der typischen Merkmale auch auf diese Perikope zutreffen, könnte man durchaus von einem christlichen Hymnus spre­chen, der eine gewisse Wirkung auf den Adressaten haben sollte.

[...]


[1] Lindemann, Andreas: Der Epheserbrief, Zürich 1985,S. 11-12.

[2] Gese, Michael: Der Epheserbrief, Neukirchen- Vluyn 2013,S.13-14.

[3] Lindemann, Andreas: Der Epheserbrief, Zürich 1985,S. 15-16.

[4] Novum Testamentum Graece, hg. Von B. u. K. Aland u.a., Stuttgart 282012 (1. Aufl. 1898 hg. Von E. Nestle).

[5] Reiser, Marius: Sprache und literarische Form des Neuen Testaments, Paderborn 2001, S.173.

[6] Reiser, Marius: Sprache und literarische Form des Neuen Testaments, Paderborn 2001, S.173-174.

[7] Berger, Klaus: Formen und Gattungen im NT, Tübingen 2005, S. 299.

[8] Die Bibel. Die Gute Nachricht im heutigen Deutsch, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1982, S.215.

[9] Gese, Michael: Der Epheserbrief, Neukirchen-Vluyn 2013, S. 30-31.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Der Lobpreis im Epheserbrief (1, 3-14). Ein Beispiel für einen christlichen Hymnus?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Evangelische Theologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V286451
ISBN (eBook)
9783656867753
ISBN (Buch)
9783656867760
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perikopenanalyse, Gattungsanalyse, Epheserbrief, Paulus, Exegese, Hymnus, Christentum
Arbeit zitieren
Laura Stöber (Autor:in), 2013, Der Lobpreis im Epheserbrief (1, 3-14). Ein Beispiel für einen christlichen Hymnus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286451

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Lobpreis im Epheserbrief (1, 3-14). Ein Beispiel für einen christlichen Hymnus?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden