In der Forschungsarbeit wird ein Überblick über Stand und Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland bis heute gegeben und das Konzept Factory Outlet Center dargestellt. Danach werden die Gründe und Ziele des Gesetzgebers für das restriktive Planungsrecht erörtert. Die rechtlichen Grundlagen und entsprechenden Instrumentarien zur Steuerung des Einzelhandels werden kritisch betrachtet.
Es sollen Herausforderungen und Auswirkungen aufgezeigt werden, die sich durch die Handhabung des deutschen Planungsrechts für die Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsbetriebe und Factory Outlet Center ergeben. Die Herausforderungen werden anhand der Beispiele IKEA-HOMEPARK Projekt Wuppertal und FOC Ingolstadt-Village erarbeitet. Zur weiteren Einordnung der Auswirkungen werden Experteninterviews hinzugezogen. Zuletzt wird ein Überblick über eine mögliche zukünftige Entwicklung im Bereich großflächiger Einzelhandel und Factory Outlet Center in Deutschland gegeben.
Deutschland stellt im Vergleich zum europäischen Ausland eine Besonderheit im Umgang mit der Zulassung großflächiger Einzelhandelsprojekte dar. Das restriktive Planungsrecht zur Sicherung der Belebbarkeit der Innenstädte ist in diesem Umfang konkurrenzlos. Die generell schon hohen Anforderungen im deutschen Planungsrecht zur Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsbetriebe außerhalb der Innenstadt, werden durch die Handlungsspielräume, die sich aus dem deutschen Planungsrecht für Kommunen, Regionen und Länder ergeben, noch ergänzt.
Dabei stehen nicht nur die Interessen der großflächigen Einzelhandelsunternehmen den jeweiligen Kommunen gegenüber. Auch die ablehnende Haltung des innerstädtischen Einzelhandels, der Kaufkraftabflüsse befürchtet und der Nachbargemeinden, die negative Auswirkungen auf die eigene Versorgungsstruktur befürchten wirken auf die Kommunen ein. Die höheren Verwaltungsbehörden, wie Landes- und Bezirksregierung, können ebenfalls noch ihr Veto einlegen. Bei der Anzahl von genehmigten und entwickelten Factory Outlet Centern hinkt Deutschland den europäischen Nachbarn Großbritannien, Italien, Frankreich oder Spanien deutlich hinterher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitung
1.2 Darstellung der Forschungsfrage
1.3 Ableitung der Forschungsfrage
2. Die Steuerung von Einzelhandelsansiedlungen und Factory Outlet Centern (FOC) in Deutschland
2.1 Entwicklung des deutschen Einzelhandels
2.2 Entstehung des FOC-Konzeptes
2.3 Erfordernisse der Steuerung
2.4 Ziele der Steuerung
2.5 Instrumentarien
2.5.1 Bundesebene
2.5.2 Landes- und Regionalebene
2.5.3 Kommunale Ebene
2.6 Kritische Betrachtung der Steuerung
3. Herausforderungen und Auswirkungen für den großflächigen Einzelhandel und für Factory Outlet Center in Deutschland
3.1 Restriktionen der deutschen Raumordnung für den großflächigen Einzelhandel und Factory Outlet Center und daraus resultierende Herausforderungen
3.1.1 Beispiel Ingolstadt Village
3.1.2 Beispiel IKEA-HOMEPARK Projekt Wuppertal
3.2 Auswirkungen der Restriktionen für den deutschen Einzelhandel
3.2.1 Pro Restriktionen:
3.2.2 Contra Restriktionen:
3.3 Zukunftsausblick für den großflächigen Einzelhandel und für Betreiber von Factory Outlet Centern in Deutschland
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen und Probleme des großflächigen Einzelhandels in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung planungsrechtlicher Anforderungen, mit einem Fokus auf Factory Outlet Center (FOC). Ziel ist es zu klären, welche Vor- und Nachteile die Zulassung solcher Projekte für die Stadtentwicklung mit sich bringt und ob die restriktive Haltung der Kommunen tatsächlich Innenstädte schützt oder deren Entwicklung eher behindert.
- Planungsrechtliche Instrumente zur Steuerung von Einzelhandelsansiedlungen
- Entwicklung und Besonderheiten von Factory Outlet Centern (FOC)
- Herausforderungen für großflächige Einzelhandelsprojekte anhand konkreter Fallbeispiele
- Wirtschaftliche Auswirkungen von Restriktionen auf den deutschen Einzelhandel
- Perspektiven für die zukünftige Stadtentwicklung im Kontext von E-Commerce und großflächigen Formaten
Auszug aus dem Buch
3.1 Restriktionen der deutschen Raumordnung für den großflächigen Einzelhandel und Factory Outlet Center und daraus resultierende Herausforderungen
Punkt 3.1 fokussiert sich dabei auf die Herausforderungen für die Betreiber von FOCs (3.1.1) und einem großflächigen Einzelhandelsunternehmen (3.1.2) bei einer geplanten Ansiedlung in Deutschland anhand zweier Beispiele. Die Beispiele liegen in Ingolstadt, Bayern und Wuppertal, NRW.
3.1.1 Beispiel Ingolstadt Village
1994 erstellte die Stadt Ingolstadt einen Bebauungsplan, der ein Gebiet von 57 ha umfasst und in welchem ein Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel (siehe 2.5) von 8,1 ha ausgewiesen wurde. Zur Sicherung der Innenstadt ist die Einzelhandelsverkaufsfläche auf 40.000 m² festgesetzt worden. Ende 1997 waren 4 ha an die Value Retail GmbH verkauft und ein Vorbescheid zum Neubau eines FOCs mit 25.000 m² Verkaufsfläche erteilt. Obwohl damit der Bau eines FOCs ermöglicht wurde, begann sich bereits Anfang 1998 die Komplexität der Anforderungen an die deutsche Raumordnung abzuzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die restriktive planungsrechtliche Situation in Deutschland bei der Ansiedlung großflächiger Einzelhandelsprojekte ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Vor- und Nachteilen für die Stadtentwicklung.
2. Die Steuerung von Einzelhandelsansiedlungen und Factory Outlet Centern (FOC) in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die planungsrechtlichen Instrumentarien und Ziele, mit denen Bund, Länder und Kommunen Einzelhandelsentwicklungen steuern und das FOC-Konzept regulieren.
3. Herausforderungen und Auswirkungen für den großflächigen Einzelhandel und für Factory Outlet Center in Deutschland: Es werden die Schwierigkeiten bei der Ansiedlung anhand von Fallbeispielen analysiert sowie die Auswirkungen auf den restlichen Einzelhandel und die Stadtentwicklung unter Einbeziehung von Expertenmeinungen diskutiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, zeigt die Diskrepanz zwischen planungsrechtlichen Zielen und den Anforderungen moderner Einzelhandelskonzepte auf und plädiert für eine flexiblere, einzelfallbasierte Steuerung unter Einbeziehung neuer Marktentwicklungen wie dem Online-Handel.
Schlüsselwörter
Einzelhandel, Factory Outlet Center, FOC, Raumordnung, Planungsrecht, Baugesetzbuch, BauNVO, Stadtentwicklung, Innenstadt, Einzelhandelssteuerung, Ansiedlung, Standortwahl, Online-Handel, Konsumverhalten, Standortfaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die planungsrechtliche Steuerung von großflächigen Einzelhandelsansiedlungen in Deutschland und deren komplexe Wechselwirkungen mit der städtebaulichen Entwicklung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen der deutschen Raumplanung, die Konzepte großflächiger Formate wie Factory Outlet Center sowie deren Auswirkungen auf Innenstädte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der Zulassung von großflächigen Einzelhandelsprojekten für die Stadtentwicklung zu bewerten und zu hinterfragen, ob restriktive Maßnahmen zielführend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen sowie eine empirische Untersuchung durch Experteninterviews mit Vertretern aus der Praxis (Handel, Beratung, Stadtplanung).
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Instrumente der Raumordnung, die Herausforderungen bei der Ansiedlung anhand der Beispiele Ingolstadt und Wuppertal sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Restriktionen durch Experten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf Begriffe wie Einzelhandelssteuerung, FOC, BauNVO, Innenstadtschutz und Standortentwicklung.
Warum ist das Planungsrecht bei Factory Outlet Centern in Deutschland besonders komplex?
Das Planungsrecht ist durch das Ziel der Belebbarkeit der Innenstädte geprägt. FOCs werden oft als Konkurrenz zu bestehenden Innenstädten gesehen, weshalb ihre Ansiedlung meist auf hohe rechtliche Hürden stößt.
Welche Rolle spielt der Online-Handel in der Argumentation?
Der Online-Handel wird von vielen Marktteilnehmern als die eigentliche, unterschätzte Konkurrenz für die Innenstädte wahrgenommen, während das Planungsrecht bisher primär den stationären großflächigen Handel restringiert.
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- Tim von Söhnen (Author), 2014, Factory Outlet Center. Großflächiger Einzelhandel und planungsrechtliche Anforderungen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286505