Tradition, Familie und Ausbildung im Film "Las mujeres de verdad tienen curvas"


Seminararbeit, 2010

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

I. Der Film
1.1. Kurzüberblick
1.2. Inhaltsangabe
1.3. Intention der Macher

II. Hispanoamerikanische Familienwerte und Tradition
2.1. Das Konzept der familia
2.2. Familienrollen
2.3. Darstellung der familia in dem Film

III. Der Einfluss der amerikanischen Kultur auf die hispanoamerikanischen familia

IV. Ausbildung als „an upward struggle“
4.1. Die Kluft zwischen hohen Erwartungen und Realität
4.2. Unterrepräsentanz in der Hochschulbildung und Erklärungsfaktore dafür
4.3. Das Thema Ausbildung im Film

Fazit

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Die Hispanoamerikaner bilden die größte Minderheit in den Vereinigten Staaten von Amerika – 2009 belief sich ihre Zahl auf 47.4 Millionen, was 15.8% der gesamten US-Bevölkerung ausmachte. Aus demographischer Sicht werden sie als die jüngste ethnische Gruppe innerhalb des Landes eingeschätzt, da jedes vierte neugeborene Baby und jedes fünfte Schulkind in den USA hispanoamerikanischer Herkunft ist. Auch ihr Anteil an jugendlichen Amerikanern weist beträchtliche Zahlen auf und historisch gesehen hat bisher keine andere ethnische Minderheit in den Vereinigten Staaten solch ein Populationswachstum erreicht.[1]

Im Englischen haben sich die Begriffe „Hispanics“ und „Latinos“[2] als geläufige Bezeichnungen für die Allgemeinheit der Hispanoamerikaner eingebürgert, wobei es zu beachten ist, dass es sich dabei um eine sehr heterogene Personengruppe handelt. Während etwa zwei Drittel der Einwanderer mexikanische Wurzeln haben, stammt ein Drittel aus den restlichen Spanisch sprechenden Ländern Mittel- und Südamerikas, wobei die Puertoricaner, die Kubaner und die Dominikaner den größten Anteil daran haben.[3] Demzufolge haben viele der US-Hispanoamerikaner, trotz des gemeinsamen Gebrauchs der Spanischen Sprache in ihren Heimatländern, nicht dieselben kulturellen Hintergründe, Bräuche und Traditionen.

Ein anderer Aspekt, der zu der Diversität dieser ethnischen Minderheit in den USA beiträgt, sind die Generationsunterschiede innerhalb der Personengruppe. Im Allgemeinen kann zwischen gebürtigen und im Ausland geborenen US-Hispanoamerikanern unterschieden werden. Zu der ersten Gruppe gehören die Kinder (zweite Generation) und die Enkelkinder (dritte Generation) der hispanoamerikanischen Zuwanderer der ersten Generation und zu der zweiten alle legalen und illegalen Immigranten.[4]

Anhand soziodemographischer Studien könnte festgestellt werden, dass 2009 zwei Drittel der jungen Hispanoamerikaner im Alter von 16 bis 25 Jahren der zweiten, dritten und höheren Generation angehörten. Diese bedeutende Zahl an jungen und heranwachsenden US-Hispanoamerikanern wird als ein soziodemographisches Phänomen betrachtet, das sicherlich das zukünftige Gesicht der gesamten amerikanischen Gesellschaft beeinflussen und verändern wird.[5]

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich an erster Stelle mit den jungen Hispanoamerikanern in den USA, die oft unter dem Einfluss von zwei unterschiedlichen Kulturen aufwachsen und an dieser Schnittstelle ihren eigenen Lebensweg finden müssen. In diesem Zusammenhang werden zunächst wichtige Fragen wie Traditionen, Familienkonzepte und Rollen innerhalb der hispanoamerikanischen Kulturkreise nachgegangen. In einem zweiten Schritt wird der Einfluss der amerikanischen Kultur auf das Wertsystem der familia thematisiert, wobei auch allgemeine Fragen wie Generations- und Kulturunterschiede, sowie Grad der Assimilation und der Anpassung an das Aufnahmeland angesprochen werden. Anschließend wird auf das Problemthema Ausbildung und die Schwierigkeiten, die die jungen Hispanoamerikaner auf dem Weg dahin begegnen, näher eingegangen.

Neben der zahlreichen Studien über dieses Thema wird in dieser Arbeit auch der Film “Las mujeres de verdad tienen curvas” herangezogen. Der letztere setzt sich mit dem Konflikt zwischen Mutter und Tochter bzw. alten und modernen Wertvorstellungen in einer mexikanisch-amerikanischen Familie auseinander, wobei das Thema Ausbildung einerseits als Mittel für die persönliche Selbstverwirklichung und anderseits als der Weg in die Moderne dargestellt wird.

I. Der Film

1.1. Kurzüberblick

“Las mujeres de verdad tienen curvas” ist eine US-amerikanische Filmproduktion aus dem Jahr 2002 gehört zu den Genres Kömodie/Drama. Regisseurin des Filmes ist die Kolumbianerin Patricia Cardoso und das Drehbuch schrieben George LaVoo und Josefina López. Diese Produktion ist eine Adaptation des Theaterstücks “Las mujeres de verdad tienen curvas”, das von der Drehbuchautorin Josefina López stammte. Der Film und seine Darsteller gewannen zahlreichen Auszeichnungen, worunter vor allem den Publikumspreis des Sundance Film Festivals zu erwähnen ist.[6]

1.2. Inhaltsangabe

Die in den USA geborene Ana García wohnt bei ihren aus Mexiko zugewanderten Eltern in dem Viertel Boyle Heights in East Los Angeles. Sie macht ihren Schulabschluss auf dem Highschool in Beverly Hills und jobbt nebenbei in einem Imbiss. Ihr Lehrer Mr. Guzman ermutigt sie dazu, sich für ein Stipendium an der Columbia University of New York zu bewerben. Anna ist zunächst skeptisch, da sie weiß, dass ihre Mutter einen anderen Plan für sie bereithält, schreibt aber trotzdem heimlich ihre Bewerbung.

Als brave Tochter wird von ihr allerdings erwartet in der Schneiderei ihrer Schwester Estela Vollzeit zu arbeiten, abzunehmen, kochen zu lernen und einen netten mexikanischen Mann zu heiraten. Ana träumt von einer anderen Zukunft, fängt dennoch, im Familienbetrieb an. Dort fällt ihr zunächst schwer sich anzupassen und bald wird ihr klar, wie hart ihre Schwester und Mutter arbeiten müssen, um etwas Geld zu verdienen. Ana lernt langsam die Arbeit ihrer Schwester zu schätzen und bittet ihren Vater um Hilfe, als Estela in finanziellen Schwierigkeiten gerät. Mit der Zeit, beginnen auch die anderen Mitarbeiterinnen in der Schneiderei, Pancha und Rosali, Ana zu akzeptieren.

Anas erster Freund ist ihr Mitschüler Jimmy, mit dem sie sich mit der Hilfe ihres Großvaters heimlich trifft. Er ist allerdings ein Angloamerikaner, den ihre Eltern nicht akzeptieren würden. Sie beendet die Beziehung nach der ersten gemeinsamen Nacht, denn sie will realistisch bleiben: ihre Wege trennen sich, da Jimmy zum Studium fortgehen wird und eine Fernbeziehung zu schwierig wäre.

Anna wird schließlich an der Columbia University angenommen und bekommt zusätzlich ein volles Stipendium. Ihr Lehrer Mr. Guzman versucht Anas Eltern von der Chance, die ihre Tochter bekommt, zu überzeugen und hat zunächst keinen Erfolg: ihre Mutter ist dagegen, da die Interessen der Familie Priorität haben. Letztendlich gibt Annas Vater gegen die Wille seiner Frau sein Einverständnis. Ana geht daraufhin zum studieren nach New York, jedoch ohne einen Abschied oder gar den Segen von ihrer Mutter.

1.3. Intention der Macher

Kennzeichnend für das Theaterstück „Las mujeres de verdad tienen curvas“ ist, dass es auf einem Lebensabschnitt der Autorin Josefina López basiert und nahezu alle Charaktere Anlehnungen an reale Personen sind. Josefina López stammt selbst aus Boyle Heights und ihre Intention war diese Nachbarschaft aus einem positiven Blickwinkel vorzustellen. Demzufolge wird in dem Film die dort herrschende Armut nicht gezeigt. Vielmehr ist East Los Angeles als multikulturelle Stadtregion mit ihrem eigenen Charme dargestellt.

Des Weiteren wird in dem Stück auf die harte Arbeit, die hispanoamerikanische Frauen in den USA verrichten, aufmerksam gemacht, wobei sie nicht als Opfer dargestellt werden sollten, sondern in einer humorvollen Weise. Mit ihren fülligen Figuren sind sie sehr realitätsnah und jede Frau aus dem breiten hispanoamerikanischen Publikum in den USA sollte sich mit ihnen identifizieren können.[7]

II. Hispanoamerikanische Familienwerte und Tradition

2.1. Das Konzept der familia

In den hispanoamerikanischen Kulturkreisen ist die Familie im Allgemeinen die wichtigste soziale Einheit und der Kernpunkt ihrer Identität. Unter familia versteht man allerdings nicht nur die Gesamtheit von Eltern und Kindern, sondern eher die Zusammengehörigkeit eines größeren Verwandtschaftskreises. Familienbeziehungen unter Blutsverwandten spielen sehr wichtige Rolle in ihrem Leben und die Familienmitglieder werden nicht als einzelne Individuen, sondern als ein Teil des Ganzen angesehen - es besteht die moralische Verpflichtung den anderen Angehörigen gegenüber, sie bei finanziellen, gesundheitlichen Problemen, sowie Arbeitslosigkeit oder anderen Krisensituationen zu unterstützen.[8]

Die Auffassung der hispanoamerikanischen familia geht allerdings über das Konzept der Großfamilie hinaus und beinhaltet auch andere traditionellen Institutionen wie familismo (Familismus), parentesco (Verwandtschaft) , compadrazgo (Patenschaft) , confianza (Vertrauen) und Familienideologie.[9]

Das Konzept des Familismus verweist auf die Familie als Leitform einer Sozialstruktur, in der die Interessen der Sippe den Wünschen und Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder übergeordnet werden. Diese sehr traditionelle Ansicht über familiäre Strukturen beruht auf Werte wie Loyalität, Vertrauen und kooperatives Verhalten innerhalb der familia. [10] Das Konzept besteht aus vier Hauptelementen - demographischer, struktureller, normativer und behavioristischer Familismus. Der erste Begriff bezieht sich auf Makrocharakteristiken wie Familiengröße und mit dem zweiten Element werden das Vorkommen und die Verbreitung der multigenerationellen Haushalte erfasst. Die normative Komponente des Konzeptes beschäftigt sich mit der Frage, wie hoch die Solidarität und die Einheit der Familie geschätzt werden, während der behavioristische Familismus auf die Wechselbeziehungen zwischen Familie und verwandtschaftlichen Netzwerken verweist.[11]

[...]


[1] Vgl. Pew Hispanic Center (2009), Between Two Worlds: How Young Latinos Come of Age in America. Washington, D.C, S.1,13.

http://pewhispanic.org/files/reports/117.pdf

[2] In der US-amerikanischen Literatur werden diese zwei Bezeichnungen in austauschbarer Weise verwendet.

[3] Vgl. US Census Bureau (2007), The American Community – Hispanics: 2004. American Community Survey Reports, S.2.

http://www.census.gov/prod/2007pubs/acs-03.pdf

[4] Vgl. Between Two Worlds: How Young Latinos Come of Age in America, S. 1, 2.

[5] Vgl. ebda, S.1, 6.

[6] Vgl. Real Women Have Curves:

http://www.imdb.com/title/tt0296166/

[7] Diese Informationen stammen aus den Audiokommentaren auf der DVD.

[8] Vgl. Clutter, Ann W., Zubieta, Ana Claudia (2009), Understanding the Latino Culture, in: Ohio State University Fact Sheet. Family and Consumer Sciences. Columbus: Ohio State University, S. 1.

http://ohioline.osu.edu/hyg-fact/5000/ pdf/5237.pdf

[9] Vgl. Alvarez Jr., Robert R. (1994), Changing Patterns of Family and Ideology among Latino Cultures in The United States, in: Weaver, Thomas (Hg.), Handbook of Hispanic Cultures in the United States: Anthropology. Houston: Arte Público Press S. 149.

[10] Vgl. Familism - The Antecedents Of Familism, The New Social Order Of The Revolution, Familism After World War II.

http://family.jrank.org/pages/485/Familism.html

[11] Vgl. Baca Zinn, Maxine (1994), Mexican-Heritage Families in The United States, in: Padilla, Félix (Hg.), Handbook of Hispanic Cultures in the United States: Sociology. Houston: Arte Público Press, S.167-168.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Tradition, Familie und Ausbildung im Film "Las mujeres de verdad tienen curvas"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Romanisches Seminar)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V286635
ISBN (eBook)
9783656868460
ISBN (Buch)
9783656868477
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tradition, familie, ausbildung, film
Arbeit zitieren
Valentina Slaveva (Autor), 2010, Tradition, Familie und Ausbildung im Film "Las mujeres de verdad tienen curvas", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286635

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