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Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung

Title: Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung

Presentation (Elaboration) , 2004 , 42 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Bernd Kammermeier (Author)

Social Work
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Den Anlass dieses Referats brauchte ich nicht lange zu suchen. Ich habe im Oktober 2003 mit einer Gruppe von Studenten aus unserem Fachbereich Sozialwesen und unserem Professor Dr. jur. Hubertus Lauer an einem Studentenaustausch mit der Gallaudet University in Washington teilgenommen. Um diese Erlebnisse und Eindrücke bestmöglich zu verarbeiten, schien mir und letztendlich natürlich auch meinen Prüfern, ein Referat als angebracht. Der Umgang mit dem Thema Gehörlosigkeit und den Folgen dieser Einschränkung war für mich zum damaligen Zeitpunkt praktisch unbekannt. Dies mag sich bestimmt für die meisten von uns genauso darstellen. Genau an diesem Punkt aber möchte ich anknüpfen. Gehörlosigkeit ist ein Thema, was gerade in der Sozialarbeit einen unheimlich hohen Stellenwert haben müsste. Die Problemlagen und Ängste dieser Menschen sind praktisch auf Sozialarbeit gemünzt. Sei es bei der schulischen und beruflichen Ausbildung, beim Umgang mit Ämtern oder auch nur beim Einkaufen. Gehörlose Menschen müssen einen Weg in die Gesellschaft finden können, wenn sie das wollen. Wir müssen sie dabei unterstützen, dass ist unsere Aufgabe als Sozialarbeiter.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was hat das mit Amerika und unserem Austausch zu tun? In Amerika haben wir gelernt, wie ein möglicher Umgang mit Gehörlosigkeit weitestgehend ohne öffentliche Diskriminierung stattfinden kann. Sei es beim Fernsehen, dass zu 90 Prozent untertitelt ist, beim Bahn fahren mit speziellen Leuchtsignalen, beim Eintreffen der Bahn oder bei dem Buchfestival auf der „Mall“, bei dem bei jeder Rede auch ein Gebärdensprachdolmetscher übersetzt. Gehörlose könne am öffentlichen Leben teilnehmen, wenn Sie das wollen. Sie haben die Möglichkeit in einer hörenden Welt zu bestehen. Ich bin der Meinung, dass dies in Deutschland nicht in diesem Maße der Fall ist. Es ist wohl in den vergangenen Jahren viel passiert, die Gebärdensprache, die Sprache der Gehörlosen wurde anerkannt. Ich finde aber, gerade an uns allen kann es liegen, dass noch mehr getan wird. Es benötigt sicher mancher Diskussion, was man als sinnvoll und gut ansehen und was man als Unsinn abtun kann. Amerika ist nicht Deutschland und nicht alles was man in Deutschland in Sachen Gehörlosenpädagogik unternommen hat ist schlecht. Allein durch Informationen lassen sich Vorurteile abbauen und Grenzen einreisen. Genau das ist es auch, was ich mit diesem Referat erreichen möchte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biografie: Mein Leben als Gehörloser

3 Durch Verständnis zur Verständigung - Wege in die Gemeinschaft

4 Was ist Gehörlosigkeit?

4.1 Die Gehörlosigkeit: Eine Kommunikationsstörung

4.2 Der Versuch einer Begriffsbestimmung

4.3 Die Hörschädigung in der medizinischen Sichtweise

4.3.1 Die Schallleitungsschwerhörigkeit

4.3.2 Die Innenohrschwerhörigkeit

4.3.3 Die zentrale Schwer- und Fehlhörigkeit

4.4 Die Beurteilung des Schweregrades der Schädigung

4.4.1 Der Grad des Hörverlustes

4.4.2 Der Zeitpunkt der Schädigung

4.4.3 Die Sozialisationsbedingungen

4.4.3.1 Der Zeitpunkt des Erkennens der Hörschädigung

4.4.3.2 Die Förderkonzepte

4.4.3.3 Die technische Versorgung

4.4.3.4 Selbstbild: Kulturelle Minderheit contra Behinderung

4.4.4 Die intellektuellen Kompensationsmöglichkeiten des Einzelnen

4.5 Was ist Gehörlosigkeit – eine Zusammenfassung

5 Das Leben mit Gehörlosigkeit: „Folgen, Probleme, Perspektiven“

5.1 Die Laut- und Schriftsprache in der Kommunikation gehörloser Menschen

5.2 Die Gebärdensprache: Sprache der Gehörlosen

5.3 Der Alltag gehörloser Menschen

5.4 Die Perspektiven gehörloser Menschen in einer hörenden Welt

5.5 Das Cochlea Implant

5.5.1 Das Cochlea Implant: Die ideale Hörhilfe für spät ertaubte Menschen

5.5.2 Die Gehörlosenkultur und das Cochlea Implant

6 Der Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Lebensrealität gehörloser Menschen in einer primär hörenden Gesellschaft. Das zentrale Ziel ist es, durch eine fundierte Auseinandersetzung mit den medizinischen, pädagogischen und sozialen Aspekten der Gehörlosigkeit ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und die Identität gehörloser Menschen zu schaffen, um Barrieren abzubauen und die Teilhabe zu fördern.

  • Die Auswirkungen von Gehörlosigkeit als Kommunikationsstörung und soziale Barriere.
  • Die Bedeutung der Gebärdensprache als identitätsstiftendes Merkmal einer kulturellen Minderheit.
  • Die Herausforderungen und Belastungen im Alltag und der Kommunikation mit Hörenden.
  • Die kontrovers diskutierte Rolle technischer Hilfsmittel wie des Cochlea Implants aus medizinischer und soziokultureller Sicht.
  • Die Rolle der Sozialarbeit bei der Unterstützung gehörloser Menschen in einer hörenden Welt.

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Gehörlosigkeit: Eine Kommunikationsstörung

Eine Hörbehinderung ist weder mit technischen Hilfsmitteln noch mit einer noch so guten Sprachförderung aus der Welt zu schaffen, auch wenn es von außen betrachtet so aussieht. Keiner der Guthörenden kann ermessen, welches Ausmaß an Konzentration, Willenskraft und Belastbarkeit Menschen mit einer Hörschädigung im Gespräch mit Guthörenden brauchen, um aus zerstückelten Worten, verzerrten Tönen und unvollständigen Satzteilen das Richtige zu verstehen. Hinzu kommen oft Unsicherheit und Angst vor Missverständnissen, die Angst, anderen durch häufiges Nachfragen auf die Nerven zugehen oder als dumm dazustehen.

Kommunikation ist für hörgeschädigte Menschen sehr störanfällig. Spricht die PartnerIn nicht deutlich und zugewandt, fällt das Licht ungünstig und ist damit das Mundablesen erschwert oder sprechen mehrere gleichzeitig, so ist der Kontakt unterbrochen. Zudem sind gut hörende Menschen kaum in der Lage, sich ein Leben ohne Gehör vorzustellen und sich in das Erleben hörgeschädigter Menschen hineinzuversetzen. Da deren Situation gut hörenden Menschen ungleich fremdartiger erscheint als beispielsweise die Erlebniswelt blinder Menschen, vergessen sie leider nur allzu schnell, die Erfordernisse in der Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen zu beachten. Umso wichtiger ist es, schon hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu vermitteln, wie sie selbstbewusst, jedoch in angemessener Form, immer wieder auf ihre speziellen kommunikativen Bedürfnisse und sicherlich auch Rechte hinweisen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit motiviert sich aus einem Studentenaustausch mit der Gallaudet University und betont die Notwendigkeit, Gehörlosigkeit als wichtiges Thema in der Sozialarbeit zu verankern, um Diskriminierung abzubauen.

2 Biografie: Mein Leben als Gehörloser: Ein persönlicher Bericht schildert die täglichen Herausforderungen der oralen Erziehung, den Kampf um Akzeptanz im Berufsleben und die Bedeutung der Gebärdensprache für die eigene Identität.

3 Durch Verständnis zur Verständigung - Wege in die Gemeinschaft: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeit, eine unsichtbare Behinderung wie die Gehörlosigkeit nachzuvollziehen, und fordert verständnisvolle Mitmenschen sowie den Abbau von Barrieren.

4 Was ist Gehörlosigkeit?: Es erfolgt eine multiperspektivische Definition von Gehörlosigkeit unter Berücksichtigung medizinischer, pädagogischer und audiologischer Aspekte sowie der Einflussfaktoren wie Zeitpunkt der Schädigung und Sozialisationsbedingungen.

5 Das Leben mit Gehörlosigkeit: „Folgen, Probleme, Perspektiven“: Dieses umfangreiche Kapitel beleuchtet das Leben in zwei Welten, die Probleme der Laut- und Schriftsprache, die kulturelle Bedeutung der Gebärdensprache sowie die komplexe Diskussion um das Cochlea Implant.

6 Der Schluss: Der Autor resümiert, dass ein selbstbestimmtes Leben gehörloser Menschen durch Chancengleichheit in der Bildung und die Anerkennung beider Sprachmodi in einer Gemeinschaft erreicht werden kann.

Schlüsselwörter

Gehörlosigkeit, Hörschädigung, Gebärdensprache, Lautsprache, Kommunikation, Cochlea Implant, Sozialarbeit, Inklusion, Identität, Behinderung, Teilhabe, Sprachentwicklung, Gehörlosenkultur, Barrierefreiheit, soziale Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation gehörloser Menschen, den daraus resultierenden sozialen Problemen und den Wegen, wie eine bessere Verständigung und Teilhabe in einer hörenden Welt erreicht werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den Schwerpunkten zählen die Definition und Klassifizierung von Gehörlosigkeit, die kommunikativen Herausforderungen, die Bedeutung der Gebärdensprache und die kritische Auseinandersetzung mit dem Cochlea Implant.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und für die Lebenswelt gehörloser Menschen zu sensibilisieren, damit Sozialarbeiter und die Gesellschaft diese besser unterstützen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung des Themas, die auf Fachliteratur, pädagogischen Diskursen sowie biografischen Erfahrungen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Definition der Gehörlosigkeit, die Erläuterung des Alltags gehörloser Menschen, eine Diskussion über Sprachmodi und die Chancen sowie Risiken technischer Lösungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Gehörlosigkeit, Gebärdensprache, Inklusion, Kommunikation, Cochlea Implant, Teilhabe und soziale Identität.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Cochlea Implants?

Der Autor erkennt den technischen Fortschritt an, warnt jedoch vor unrealistischen Erwartungen der Angehörigen und vor einer aggressiven Bewerbung, die Gehörlosigkeit als etwas auszulöschendes Defizit stigmatisieren könnte.

Warum ist die Unterscheidung zwischen medizinischer Sicht und kultureller Identität wichtig?

Weil Gehörlose sich häufig nicht primär als behindert, sondern als Teil einer kulturellen Minderheit mit einer eigenen Sprache (Gebärdensprache) verstehen, was für die pädagogische Herangehensweise entscheidend ist.

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Details

Title
Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung
College
Leuphana Universität Lüneburg
Grade
1,5
Author
Bernd Kammermeier (Author)
Publication Year
2004
Pages
42
Catalog Number
V28669
ISBN (eBook)
9783638303811
ISBN (Book)
9783638687126
Language
German
Tags
Leben Gehör Wege Verständigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernd Kammermeier (Author), 2004, Leben ohne Gehör - Wege zur Verständigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28669
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