Der Rational-Choice-Ansatz


Hausarbeit, 1998

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Einführung in die Theorie des „Rational – Choice“

2. Der „Rational – Choice“ Ansatz nach Hartmut Esser
2.1 Vita und wichtigste Werke
2.2 Hartmut Esser und der „Rational – Choice“ Ansatz

3. Der „Rational – Choice“ Ansatz nach James Samuel Coleman
3.1 Vita und wichtigste Werke
3.2 James S. Coleman und der Rational – Choice“ Ansatz;
Ein Vergleich zu Hartmut Esser

4. Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Einführung in die Theorie des „Rational – Choice“

„Unter diesem Etikett versammeln sich verschiedene Axiome der Mikroökonomie, der Spieltheorie und der Theorie öffentlicher Güter, mit deren Hilfe Ereignisse auf intentionale Handlungen individueller und kollektiver Akteure zurückgeführt werden.“[1]

Der „Rational – Choice“ - Ansatz, auch Wahlhandlungstheorie genannt, entstand in den 80er Jahren, wobei man den Ansatz nicht auf einen Hauptvertreter festlegen, sondern als ein pluralistisch entstandenes Gebilde sehen sollte.

„Rational – Choice“ baut sowohl auf den Utilitarismus, den Behaviorismus und die Lerntheorien, als auch auf die Grundlagen der Ökonomie auf. Es handelt sich also um eine individualistische Theorie, wobei Individualismus in der Soziologie nicht als ideologische oder politische Vorstellung, sondern als methodisches Prinzip verstanden wird. Ziel der Untersuchung ist das Verhalten von Individuen. Es wird davon ausgegangen, daß jeder Sachverhalt auf ein oder mehrere Individuen zurückgeht, so daß nun auch die Untersuchung des Mikrokosmos, und nicht länger nur die des Makrokosmos eine wichtige Rolle spielt.

Immer wiederkehrend im Individualismus ist der Begriff der Nutzenmaximierung: Jeder Mensch verhält sich so, daß er durch möglichst geringen Einsatz (auch „Kosten“ genannt) einen möglichst großen Gewinn (auch „Nutzen“ genannt) erhält. Das gesamte menschliche Verhalten ist durch diese Nutzenmaximierung und Kostenminimierung geprägt.

Im Vergleich zu den vorangegangenen individualistischen Theorien (wie z.B. Behavioris-mus und Utilitarismus) leistet der „Rational - Choice“ - Ansatz einige wesentliche Unterschiede. Der Mensch wird in der Theorie der rationalen Wahl „nicht nur zu einem ausschließlich reagierenden und rational abwägenden Wesen“[2] gemacht. Auch seine ”menschlichen Züge”, seine Erwartungen, Entscheidungen und Einschätzungen werden Gegenstand der Untersuchung. Bislang weniger berücksichtigte Themen wie Solidarität, übereifriges und pflichtbewußtes Verhalten oder Handeln entgegen der objektiven Rationalität gewinnen an Bedeutung.

Allerdings wird der Mensch auch im „Rational - Choice“ - Ansatz als zentral durch Nutzenmaximierung geprägt verstanden.

Im folgenden möchte ich die Wahlhandlungstheorie nach Gesichtspunkten der Vertreter Hartmut Esser und James Samuel Coleman untersuchen, wobei ich die Werke „Alltagshandeln und Verstehen“ (Hartmut Esser 1991) und „Grundlagen der Sozialtheorie, Band 1“ (James S. Coleman 1991/1992) zu Rate gezogen habe.

2. Der „Rational - Choice“ - Ansatz nach Hartmut Esser

2.1 Vita

- geboren: 21. 12. 1943 in Elend bei Wernigerode
- Studium der Soziologie und Volkswirtschaftslehre; Diplom – Examen 1970, Promotion 1974
- Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen (Köln, Aachen, Düsseldorf)
- 1974 – 1979 Wissenschaftlicher Angestellter und Akademischer Rat an der Ruhr – Universität

Bochum

- 1975 Projektleiter des Forschungsvorhabens „Integration ausländischer Arbeitnehmer“
- 1978 Habilitationsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und seitdem Professor an

der Universität Duisburg

- Esser wurde insbesondere durch René König beeinflußt und vertritt einen institutionellen

Individualismus; eigene Forschung erbrachte er zur Eingliederung ausländischer Arbeitnehmer,

soziale Voraussetzungen des technischen Fortschritts, Gemeindeesoziologie, usw.

Wichtige Werke:

- Alltagshandeln und Verstehen, Tübingen 1991
- Soziologie: Allgemeine Grundlagen, Frankfurt/Main 1993
- Hartmut Esser/Klaus Klenovits/Helmut Zehnpfennig: Wissenschaftstheorie, 2 Bände, Stuttgart 1977

2.2 Hartmut Esser und der „Rational - Choice“ - Ansatz

In seinem Buch „Alltagshandeln und Verstehen“ beschäftigt sich der Soziologe Hartmut Esser ausgiebig mit der Theorie der Wahlhandlung, dem „Rational - Choice“ - Ansatz. Ferner vergleicht Esser den „Rational - Choice“ - Ansatz mit der Sozialtheorie von Alfred Schütz.[3] Im weiteren werde ich Essers Verständnis von „Rational - Choice“ wiedergeben.

Esser geht auf vier unterschiedliche Gesichtspunkte des „Rational - Choice“ ein:

„Das Problem der >Tiefenerklärung<, das allgemeine Erklärungsmodell sozialer Prozesse im Rahmen des Rational – Choice – Ansatzes, der handlungstheoretische Kern und die Methode der abnehmenden Abstraktion.“[4]

Das Problem der Tiefenerklärung beschäftigt sich mit der Aufgabe der Soziologie, die verschiedensten Verhaltensweisen in bestimmten sozialen Systemen zu erklären. Diesbezüglich ist es zwar möglich, Soziologie und deren Untersuchungen zu entdecken und zu beschreiben, aber man konnte sie bislang nicht wirklich und stichhaltig beweisen: Eine Behauptung muß für gewöhnlich begründet werden. Menschliches Verhalten bietet aber zu jeder aufgestellten Behauptung so viele verschiedene Varianten, daß quasi keine der Untersuchungen ausreichend fundiert werden kann. Das Problem wird immer in der „>Unvollständigkeit< aller bisher gefundenen empirischen Zusammenhänge von >soziologischen< Variablen“[5] liegen.

Der „Rational - Choice“ - Ansatz bietet jedoch eine Lösung dieses Problems: „Die Grundüberlegung ist nun die, die speziellen sozialen Bedingungen des Handelns“, also einzeln herausgegriffene Beispiele oder Fälle von Verhalten „explizit mit den theoretischen Termen der allgemeinen und [übergeordneten] Theorie [...] über eigene Hypothesen zu verbinden.“[6] Diese Verbindungen zwischen den speziellen und situationsabhängigen Bedingungen und den allgemeingültigen Erklärungen werden Brückenhypothesen genannt.

Brückenhypothesen weisen allerdings keine allgemeine Gesetzmäßigkeit auf,

„sie können verhältnismäßig verbreitet zutreffen oder auch nur in einem Einzelfall. Sie können sich durchaus als falsch erweisen und müßten im Einzelfall dann korrigiert werden [...]. Und sie können [...] durchaus variieren.“[7]

Aber sie ermöglichen der Soziologie, analytisch wissenschaftlich zu arbeiten, da die Erklärungen der zu untersuchenden speziellen Phänomene nicht mehr unter dem Vorwurf der Unvollständigkeit stehen müssen. Durch die Entwicklung der Brückenhypothesen wurde die Voraussetzung geschaffen – ein Verdienst der Wahlhandlungstheorie -, individuelles Verhalten auf allgemeine Theorien des Handelns zu beziehen und somit eine Brücke von der Makro- zur Mikroebene zu schlagen.

[...]


[1] Helmut Wiesenthal 1987, S. 434/444

[2] Anette Treibel 1993, S. 103

[3] Beide Theorien scheinen zunächst im Widerspruch zueinander zu stehen, welchen Esser allerdings durch seinen Beitrag -iderlegen möchte. Alfred Schütz ist zum Beispiel der Meinung, daß die Sozialwissenschaften auf keinen Fall mit den Methoden der Naturwissenschaften erklärt werden dürften. Laut Schütz gibt es keinen Zweifel daran, daß „Rationalität kein Grundzug des Alltagshandelns ist und dies auch nicht sein kann, ebensowenig wie es ein methodologisches Prinzip der Auslegung menschlichen Handelns im Alltagsleben sein kann“. Um den Rahmen meiner Hausarbeit nicht zu sprengen, werde ich es bei dieser knappen Erläuterung des Schütz´schen Standpunktes belassen.

[4] Hartmut Esser 1991, S. 40

[5] Hartmut Esser 1991, S. 40

[6] Ebd., S. 42

[7] Ebd., S. 43

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Rational-Choice-Ansatz
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die soziologischen Theorien der Gegenwart
Note
2,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
19
Katalognummer
V2867
ISBN (eBook)
9783638117388
ISBN (Buch)
9783638901161
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rational-Choice, Hartmut Esser, James Samuel Coleman
Arbeit zitieren
Nadine Wickert (Autor), 1998, Der Rational-Choice-Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2867

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