Anwendungsfelder schulpsychologischer Beratung


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Die Arbeit als Schulpsychologe
1.1 Entwicklung des Berufszweiges
1.2 Organisationsformen der Schulpsychologie
1.3 Kennzeichen schulpsychologischer Arbeit

2 Arbeitsbereiche der Schulpsychologie
2.1 Die Methodik schulpsychologischer Arbeit
2.2 Ebenen der Beratung
2.2.1 Beratung auf individueller Ebene
2.2.2 Beratung von Gruppen
2.2.3 Beratung im System
2.3 Grenzen der Beratung

Fazit

Quellen

Vorwort

Die vorliegende Arbeit umfasst eine Semesterarbeit zum Thema Beratung im Bereich der Schule (systemische Beratung) im Seminar „Beratung bei Erziehungsschwierigkeiten“ bei Frau Dr. Andreé an der Universität Erfurt.

Ziel der Arbeit ist es, Einblick in die Anwendungsfelder der Schulpsychologie zu geben. Dabei werden zunächst die Aufgaben des Schulpsychologen anhand ihrer Entstehung und Entwicklung kurz vorgestellt und darüber hinaus werden die Arbeitsbereiche des Schulpsychologen anhand eines Berichts belegt und bestimmte Beratungsanlässe beispielhaft aufgezählt. Zudem werden die Methodik und die Ebenen von Beratung dokumentiert und damit Möglichkeiten und Grenzen der Beratung beleuchtet. In diesem Zusammenhang werden auch die Probleme bei der Zusammenarbeit mit Schule und Beratungslehrern verdeutlicht.

1 Die Arbeit als Schulpsychologe

„Schulpsychologen sollen eingreifen, wenn ein Schüler in der Schule Probleme hat oder macht, wenn sein Verhalten nicht den Vorstellungen der Lehrer entspricht und wenn die Lernergebnisse hinter dem zurückbleiben, was nach Ansicht von Schule und Eltern möglich wäre. Als „Fälle“ für die Schulpsychologie wurden 1973 konkret genannt: „Verhaltensgestörte“, „Konzentrationsgestörte“, „Legastheniker“ und „Zappelphilippe“. Die Schulpsychologin sollte die Ursachen für die Störungen diagnostizieren und die Kinder therapieren. Dabei sollte sie auch das Verhalten und die Einstellung der Eltern ändern, weil darin nach Ansicht vieler Lehrer die Ursache lag, dass sie mit ihren schulischen Maßnahmen scheitern mussten.“[1]

Leider zeichnet sich bis heute ein unvollkommenes Bild von Schulpsychologie ab. Tatsächlich sollen Schulpsychologen Pädagogen dann unterstützen, wenn es Schwierigkeiten gibt, die diese nicht mehr verantworten können. Wobei dazu immer die Einsicht gehört, dass ein in der Schule gezeigtes Verhalten immer auch im Zusammenhang mit den spezifischen schulischen Bedingungen steht und Schulpsychologen kaum ohne Mitwirkung der Lehrkräfte helfen können. Aber leider sehen Lehrkräfte nur selten die Eltern als Verursacher von Problemen und noch weniger gestehen sie sich ein, dass auch sie ihre Kompetenz erweitern müssen, um mit einem Problem professionell umgehen zu können.

Befragt man Pädagogen, wann sie einen Schulpsychologen um Hilfe bitten würden, zeichnet sich kaum das breite Spektrum konkreter Arbeitsfelder ab, das die Schulpsychologie entwickelt hat um die Schule als System zu verbessern. Doch das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass es bisher nicht wirklich gelungen ist, die Arbeitsfelder des Schulpsychologen hinlänglich bekannt zu machen.

1.1 Entwicklung des Berufszweiges

Die Anfänge der Schulpsychologie sind am Ende des 19. Jahrhunderts zu finden. Jedoch ist die Schulpsychologie keine eigenständige Disziplin, wie etwa die Entwicklungspsychologie, sondern ein Arbeitsgebiet von Psychologen im Kontext Schule, in dem das Wissen aus allen Bereichen der Psychologie angewandt wird.[2]

Der erste psychologische Dienst wurde 1913 Cecil Burt in London gegründet. In Deutschland war es William Stern, der 1911 auf dem „Ersten Deutschen Kongress für Jugendbildung und Jugendkunst“ in Dresden die Anstellung von Schulpsychologen forderte, indem er vorschlug, „die Schule bei der Erfüllung ihres Bildungsauftrags durch Psychologen unterstützen zu lassen“[3]. Er war es auch, der den Lehrer Hans Lämmermann für seine schulpsychologische Tätigkeit ausbildete, welcher 1922 als Erster in Deutschland seine Arbeit als Schulpsychologe aufnahm. Zu seiner Zeit gab es in Mannheim einen Schulversuch, das Förderklassensystem, in dem Schüler nach ihrer Begabung gruppiert und gefördert werden sollten. Lämmermann sollte dabei die Eignung von Kindern für unterschiedlich hohe Anforderungsniveaus des Unterrichts diagnostizieren. Somit wurde Diagnostik als Basis für Schullaufbahnberatung der erste Aufgabenbereich von Schulpsychologie.

Bis zum zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland allerdings außer ein paar Erziehungsberatungsstellen keine weitere Entwicklung der Schulpsychologie. Erst nach dem Krieg nahm die Aufmerksamkeit aufgrund vieler durch den Krieg verwahrloster Kinder und unregelmäßiger Schulbesuche wieder zu. Damit Kinder nicht durch Eltern oder Lehrherrn vom Besuch der Schule abgehalten werden konnten, wurde die „Hamburger Schülerhilfe“ gegründet. Sie sollte sich vorwiegend um problematische Einzelfälle kümmern, was sich zur zweiten Basis der Schulpsychologie entwickelte: der Einzelfallhilfe.

In den 50er Jahren war dann ein weiterer Aufschwung der schulpsychologischen Arbeit zu verzeichnen, als die hessische Kultusministerin forderte, die Schulpsychologie stärker in den Dienst der Schulpädagogik zu stellen. Daraus entstand eine andere Konzeption der schulpsychologischen Arbeit. „Schularbeit als Ganzes“ ebnete den Weg der Schulpsychologie als Systemberatung, welche nunmehr die dritte Basis der Schulpsychologie darstellt.

In den alten Bundesländern gab es seit der Kultusministerkonferenz 1973 im Anschluss an den Beschluss „Beratung in Schule und Hochschule“ einen breiten Ausbau der Schulpsychologie, in deren Entwicklung vor allem die Einzelfallhilfe im Vordergrund stand, da der Aufgabenbereich der Systemberatung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gut genug etabliert war.

In den neuen Bundesländern gibt es seit 1973 Schulpsychologen, die seinerzeit, als Mitglieder des „Pädagogischen Kreiskabinetts“, im Wesentlichen die Beratung und Fortbildung von Lehrern, Erziehern, Kindergärtnerinnen und Leitern von Fortbildungseinrichtungen zur Aufgabe hatten.

Heute gibt es in allen neuen Bundesländern schulpsychologische Dienste, die jedoch weit überfordert sind. Auf einen Schulpsychologen kommen etwa 15.000 Schüler[4]. In den meisten europäischen Ländern ist diese Beratungsdichte weitaus höher als in Deutschland. In Belgien, zum Beispiel, ist ein Schulpsychologe für 1.500 Schüler zuständig und ein französischer Schulpsychologe betreut etwa 2.000 Schüler[5], unterdessen die Versorgung mit Schulpsychologen in Skandinavischen Ländern qualitativ und quantitativ am Besten ist.[6] Allerdings wird schulische Beratung von Lehrern und Eltern gleichermaßen immer stärker gefordert.

1.2 Organisationsformen der Schulpsychologie

Es gibt in allen Bundesländern Schulpsychologen, wenn auch leider viel zu selten. Das ist auch schon das Einzige, was auf Schulpsychologie in Deutschland zutrifft. Denn die Kultushoheit der einzelnen Bundesländer hat unterschiedliche Organisationen der Schulpsychologie zur Folge.

Beispiel: Die Hessische Schulpsychologie

Laut §66 Abs. 2 Schulverwaltungsgesetz gehört der Schulpsychologische Dienst dem staatlichen Schulamt an und ist somit Teil der Schulaufsichtsbehörde. Zwar üben Schulaufsicht aus, aber neben Beurteilung und Kontrolle wird auch die Beratung als zentrale Vollzugsform der Schulaufsicht angesehen. Nach der Geschäftsordnung für das staatliche Schulamt führen Schulpsychologen die Geschäfte ihres Zuständigkeitsbereiches selbständig. Die Geschäftsordnung nennt drei allgemeine Aufgaben für den Schulpsychologischen Dienst:

- Beratung und Unterstützung der Aufsichtsbeamten in Angelegenheiten mit schulpsychologischem Bezug
- Betreuung bestimmter zugewiesener Schulen
- Erledigung besonderer schulpsychologischer Aufgaben auch in Schulen, für die im Übrigen andere Schulpsychologen zuständig sind

Die Zuweisung der Schulen kann unterschiedlich geregelt sein. Entweder schulformbezogen, nach Aufsichtsbezirken oder unter regionalen Gesichtspunkten. Besondere schulpsychologische Aufgabenfelder werden als Schwerpunktthemen direkt im Bereich eines staatlichen Schulamts bearbeitet, zum Beispiel Suchtprävention und Drogenfragen.[7]

[...]


[1] Vgl. Richter, Sigrun in „Schulpsychologie konkret – Einführung in Handlungsfelder und Methoden“ S.1

[2] Vgl. Berg, Detlef in „Schulpsychologie konkret – Einführung in Handlungsfelder und Methoden“ S.5

[3] Vgl. Berg, Detlef auf http://plaz.uni-paderborn.de/Lehrerbildung/PLAN/plan.php?id=sw0143

[4] Vgl. Berg, Detlef in „Schulpsychologie konkret – Einführung in Handlungsfelder und Methoden“ S.7

[5] Vgl. Hanckel, Christoph in „Schulpsychologie konkret – Einführung in Handlungsfelder und Methoden“ S.28

[6] Vgl. Berg, Detlef auf http://plaz.uni-paderborn.de/Lehrerbildung/PLAN/plan.php?id=sw0143

[7] Vgl. Stark, Günter und Franz, Falko in „Schule und Beratung“ S. 3 – 4

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Anwendungsfelder schulpsychologischer Beratung
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Beratung bei Erziehungsschwierigkeiten
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V28670
ISBN (eBook)
9783638303828
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anwendungsfelder, Beratung, Erziehungsschwierigkeiten
Arbeit zitieren
Ilka Stieglitz (Autor), 2004, Anwendungsfelder schulpsychologischer Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28670

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