„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Dieser Satz erscheint als Einleitung für eine wissenschaftliche Hausarbeit zunächst einmal befremdlich. Tatsächlich handelt es sich um ein Zitat, das Anfang letzten Jahres in Deutschland eine Debatte ungeahnten Ausmaßes ausgelöst hat. Die Rede ist von der sogenannten „Sexismus-Debatte“, entfacht durch den Stern-Artikel „Der Herrenwitz“ der Journalistin Laura Himmelreich, in dem es ursprünglich darum ging, den damaligen Spitzenkandidaten der FDP Rainer Brüderle anlässlich der Bundestagswahl zu porträtieren. Plötzlich waren jedoch alle Augen auf diese eine Aussage des Politikers gerichtet und niemand interessierte sich mehr für das Porträt. Stattdessen folgten wochenlange Diskussionen in Fernseh-Talkshows, im Radio und Online-Plattformen, wobei besonders der Hashtag #aufschrei auf Twitter großes Aufsehen erregte und sogar mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.
Angesichts der Tatsache, dass es Sexismus schon immer gibt, ein recht später Aufschrei. Haben wir uns einfach schon zu sehr daran gewöhnt, uns blöde Sprüche auf Kosten von Geschlechterdifferenzen anhören zu müssen? Ist es uns egal oder trauen wir uns nur schlichtweg nicht, uns zu wehren? Fragen über Fragen, von denen viele im Rahmen der Forschung beantwortet werden konnten. Insbesondere Sexismus ist ein sehr interessantes, aber auch umfangreiches Gebiet, sodass das Hauptaugenmerk der folgenden Hausarbeit auf dem konkreten Thema „Sexismus in der Sprache“ liegt. Dabei soll es nicht um Beschimpfungen oder wenig durchdachte Äußerungen wie die von Rainer Brüderle gehen. Vielmehr besteht das Ziel darin, sprachlichen Sexismus auf einer strukturellen Ebene zu betrachten, wobei vor allem das weibliche Geschlecht als „Empfänger(in)“ dieser Form der Diskriminierung im Vordergrund steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen des Begriffs „Sexismus“
3. Sexismus in der Sprache
3.1. Begriffsdefinition und Erscheinungsformen
3.2. Bereiche sexistischer Sprachverwendung
3.3. Feministische Sprachpolitik
4. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht sprachlichen Sexismus auf einer strukturellen Ebene, um das Bewusstsein für die subtile Diskriminierung des weiblichen Geschlechts im täglichen Sprachgebrauch zu schärfen und die Auswirkungen sowie Lösungsansätze der feministischen Sprachpolitik zu analysieren.
- Definition und kontextuelle Einordnung des Begriffs Sexismus
- Strukturelle sprachliche Gewalt durch das Generische Maskulinum
- Geschlechtsrollenstereotypen in Grammatiken und Lehrwerken
- Feministische Sprachpolitik und Strategien zur Gleichbehandlung
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriffsdefinition und Erscheinungsformen
Nachdem nun einige wenige Definitionen des Begriffs Sexismus betrachtet wurden, soll im Folgenden der Fokus auf einer ganz bestimmten und nach wie vor sehr aktuellen Erscheinungsform des Sexismus liegen, nämlich dem Sexismus in der Sprache. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet dieser eine Art der Sprachverwendung, die Frauen in einem bestimmten Kontext oder einer bestimmten Situation permanent degradiert (vgl. Szekeres 2005: 27).
Genauer gesagt liegt Sexismus in der Sprache dann vor, „wenn Frauen und ihre Leistungen ignoriert werden, wenn Frauen in stereotypen Rollen beschrieben werden, wenn sie herabsetzend behandelt werden, oder wenn sie in Abhängigkeit von und zu Männern beschrieben werden“ (Hellinger et al. 1989: 1). Einige Forscher sehen zudem einen engen Zusammenhang zwischen sexistischem Sprachgebrauch und sprachlicher Gewalt, denn da es sich bei Geschlechterverhältnissen auch immer um Machtverhältnisse handelt, sei sprachlicher Sexismus eine Form von Gewalt durch Sprache (vgl. Szekeres 2005: 27). Die deutsche Sprachwissenschaftlerin Senta Trömel-Plötz, die die feministische Linguistik mitbegründet hat, spricht in diesem Kontext sogar über die sprachliche Vergewaltigung der Frau (Trömel-Plötz 1984).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der "Sexismus-Debatte" in Deutschland und führt in die Thematik der strukturellen Diskriminierung von Frauen in der Sprache ein.
2. Definitionen des Begriffs „Sexismus“: Dieses Kapitel stellt verschiedene wissenschaftliche und allgemeine Definitionen von Sexismus vor, um ein Verständnis für die betroffenen Personengruppen zu schaffen.
3. Sexismus in der Sprache: Hier werden Erscheinungsformen und Bereiche sexistischer Sprachverwendung sowie Ansätze der feministischen Sprachpolitik detailliert untersucht.
4. Abschließende Bemerkungen: Der Schlussteil reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und diskutiert kritisch die Wirksamkeit aktueller sprachpolitischer Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Sexismus, Sprache, Sprachwissenschaft, Geschlechterrollen, Generisches Maskulinum, Diskriminierung, feministische Sprachpolitik, Stereotypen, Machtverhältnisse, Sprachgebrauch, Gender, Sprachsystem, Gleichbehandlung, Identität, Soziale Rollenbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Sexismus innerhalb der deutschen Sprache und untersucht, wie sprachliche Strukturen zur Diskriminierung von Frauen beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Generische Maskulinum, Geschlechterstereotypen in Literatur und Medien sowie die historische und aktuelle Entwicklung der feministischen Sprachpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, sprachlichen Sexismus nicht nur als individuelle Beleidigung, sondern als strukturelles Phänomen zu begreifen und Ansätze zu seiner Überwindung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender sprachwissenschaftlicher Definitionen, Richtlinien und Fallbeispiele aus verschiedenen Publikationsformen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Sexismus, ordnet verschiedene Formen sprachlicher Gewalt ein und bewertet Strategien zur Förderung einer geschlechtergerechten Sprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sexismus, Sprachsystem, Gender, Diskriminierung und feministische Sprachpolitik definiert.
Warum ist die österreichische Bundeshymne ein relevantes Beispiel?
Sie dient als konkreter Beleg dafür, wie durch eine gezielte Modifikation des Wortlauts ("großer Töchter und Söhne") eine inklusivere Sprache auf staatlicher Ebene umgesetzt wurde.
Wie bewertet die Autorin das "Generische Femininum"?
Die Autorin betrachtet die künstliche Einführung des Generischen Femininums skeptisch, da sie eine Stärkung der weiblichen Identität primär durch die Selbstbehauptung der Person und nicht durch formale Sprachänderungen erreicht sieht.
- Arbeit zitieren
- Madeleine Jansen (Autor:in), 2014, Sexismus in der Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286801