Sexismus in der Sprache


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen des Begriffs „Sexismus“

3. Sexismus in der Sprache
3.1. Begriffsdefinition und Erscheinungsformen
3.2. Bereiche sexistischer Sprachverwendung
3.3. Feministische Sprachpolitik

4. Abschließende Bemerkungen

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Dieser Satz erscheint als Einleitung für eine wissenschaftliche Hausarbeit zunächst einmal befremdlich. Tatsächlich handelt es sich um ein Zitat, das Anfang letzten Jahres in Deutschland eine Debatte ungeahnten Ausmaßes ausgelöst hat. Die Rede ist von der sogenannten „Sexismus-Debatte“, entfacht durch den Stern-Artikel „Der Herrenwitz“1 der Journalistin Laura Himmelreich, in dem es ursprünglich darum ging, den damaligen Spitzenkandidaten der FDP Rainer Brüderle anlässlich der Bundestagswahl zu porträtieren. Plötzlich waren jedoch alle Augen auf diese eine Aussage des Politikers gerichtet und niemand interessierte sich mehr für das Porträt. Stattdessen folgten wochenlange Diskussionen in Fernseh-Talkshows, im Radio und Online-Plattformen, wobei besonders der Hashtag #aufschrei auf Twitter großes Aufsehen erregte und sogar mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.

Angesichts der Tatsache, dass es Sexismus schon immer gibt, ein recht später Aufschrei. Haben wir uns einfach schon zu sehr daran gewöhnt, uns blöde Sprüche auf Kosten von Geschlechterdifferenzen anhören zu müssen? Ist es uns egal oder trauen wir uns nur schlichtweg nicht, uns zu wehren? Fragen über Fragen, von denen viele im Rahmen der Forschung beantwortet werden konnten. Insbesondere Sexismus ist ein sehr interessantes, aber auch umfangreiches Gebiet, sodass das Hauptaugenmerk der folgenden Hausarbeit auf dem konkreten Thema „Sexismus in der Sprache“ liegt. Dabei soll es nicht um Beschimpfungen oder wenig durchdachte Äußerungen wie die von Rainer Brüderle gehen. Vielmehr besteht das Ziel darin, sprachlichen Sexismus auf einer strukturellen Ebene zu betrachten, wobei vor allem das weibliche Geschlecht als „Empfänger(in)“ dieser Form der Diskriminierung im Vordergrund steht.

2. Definitionen des Begriffs „Sexismus“

In einem ersten Schritt sollen zunächst einmal verschiedene Definitionen des Begriffs „Sexismus“ vorgestellt werden, die verdeutlichen, was im Allgemeinen darunter verstanden wird und wer im Besonderen davon betroffen ist. Im aktuellen Duden (erschienen 2013) ist die Rede von „(Diskriminierung aufgrund der) Vorstellung, dass eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei“, wobei in der Online-Version – möglicherweise als Folge der Sexismus-Debatte und durch die Möglichkeit zur ständigen Aktualisierung – sogar noch hinzugefügt wird: „und die (daher für gerechtfertigt gehaltene) Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts“ (Duden Online).

Eine weitere Definition von Sexismus stammt aus dem Online-Lexikon Wikipedia, in dem dieser bezeichnet wird als „die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung […]. Unter dem Begriff werden Geschlechterstereotype, Affekte und Verhaltensweisen gefasst, die einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern zur Folge haben oder darauf hinwirken. […] Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass Sexismus auch Männer […] betreffen kann“ (Wikipedia Online-Lexikon, Art. „Sexismus“).

Obwohl es sich – wie der Duden nahelegt – bei den Opfern von Sexismus in den meisten Fällen um Frauen handelt, entspricht die letztgenannte Definition eher dem Wandel der Zeit, da eingeräumt wird, dass auch Männer betroffen sein können, wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß.

Definitionen, die zwar auf Geschlechterdifferenzen verweisen, aber weder Frauen noch Männer explizit als Opfer von Sexismus nennen, sind feministischer Natur. So heißt es beispielsweise bei Stoll (1973, zit. in Schenk 1979: 129) über Sexismus: „definiert die diskriminierenden Ideologien und Praktiken einer Gesellschaft, die sich in dem Spielraum niederschlagen, der einem Individuum zur Selbstverwirklichung gestattet wird, wobei das Geschlecht die Basis für selektive Auswahl oder Zurückweisung ist.“ Im Handbuch zur rechtlichen Bekämpfung von Diskriminierung aus dem Jahre 2003 wird Sexismus wie folgt definiert: „Der Begriff Sexismus beschreibt eine Ideologie oder ein Verhalten, das sich auf Stereotypen von sozialen Rollenbildern bezieht und sich auf geschlechtsspezifische Unterschiede stützt“ (Makkonen 2003: 21). Wie bereits erwähnt, werden in den beiden letzten Definitionen weder Frauen noch Männer explizit als Opfer genannt, jedoch wird schnell klar, liest man „zwischen den Zeilen“, dass Begriffe wie „Selbstverwirklichung“ oder „soziale Rollenbilder“ innerhalb unserer Gesellschaft noch immer zu Ungunsten der Frauen ausgelegt werden können.

3. Sexismus in der Sprache

3.1. Begriffsdefinition und Erscheinungsformen

Nachdem nun einige wenige Definitionen des Begriffs Sexismus betrachtet wurden, soll im Folgenden der Fokus auf einer ganz bestimmten und nach wie vor sehr aktuellen Erscheinungsform des Sexismus liegen, nämlich dem Sexismus in der Sprache. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet dieser eine Art der Sprachverwendung, die Frauen in einem bestimmten Kontext oder einer bestimmten Situation permanent degradiert (vgl. Szekeres 2005: 27).

Genauer gesagt liegt Sexismus in der Sprache dann vor, „wenn Frauen und ihre Leistungen ignoriert werden, wenn Frauen in stereotypen Rollen beschrieben werden, wenn sie herabsetzend behandelt werden, oder wenn sie in Abhängigkeit von und zu Männern beschrieben werden“ (Hellinger et al. 1989: 1).

Einige Forscher sehen zudem einen engen Zusammenhang zwischen sexistischem Sprachgebrauch und sprachlicher Gewalt, denn da es sich bei Geschlechterverhältnissen auch immer um Machtverhältnisse handelt, sei sprachlicher Sexismus eine Form von Gewalt durch Sprache (vgl. Szekeres 2005: 27). Die deutsche Sprachwissenschaftlerin Senta Trömel-Plötz, die die feministische Linguistik mitbegründet hat, spricht in diesem Kontext sogar über die sprachliche Vergewaltigung der Frau (Trömel-Plötz 1984).

Nach Samel (2000) liegt sprachliche, also sexistische Gewalt, in den folgenden interaktionalen Fällen vor:

a) Personale Gewalt ist gemeint, wenn z.B. Männer Frauen in privaten oder öffentlichen Bereichen der Kommunikation nicht ausreden lassen, ihnen das Wort abschneiden und wenn die Gesprächsthemen ausschließlich von Männern bestimmt werden.
b) Psychische Gewalt liegt z.B. vor, wenn Frauen von Männern mittels Sprache beleidigt, beschimpft, degradiert, lächerlich gemacht oder ganz ignoriert werden.
c) Sublime sprachliche Gewalt meint, dass auf sprachlicher Ebene oftmals nur für den Mann Partei ergriffen wird, die Prävalenz des Mannes in Redewendungen und mit anderen sprachlichen Mitteln deklariert wird, und in formelhaften Wendungen in den meisten Fällen zuerst die Männer genannt werden.
d) Strukturelle sprachliche Gewalt zeigt sich in Eigenschaften unseres Sprachsystems. Dies betrifft beispielsweise die Verwendung des Generischen Maskulinums, auf das im Folgenden noch näher eingegangen wird, oder die Tatsache, dass in der maskulinen Form der Berufsbezeichnungen die Frauen subsumiert sind, also z.B., wenn die sprachlich weibliche Form von Titeln von der männlichen abgeleitet ist.
e) Sexistische Gewalt liegt schließlich dann vor, wenn in einer Sprache die Mittel der in a) bis d) genannten Formen von Gewalt bewusst bevorzugt und ausgeübt werden, mit dem Ziel, gesellschaftliche geschlechtliche Machtverhältnisse und soziale Geschlechterhierarchie zu legitimieren und aufrechtzuerhalten (vgl. Szekeres 2005: 28; Sames 2000: 130ff.).

In den folgenden Ausführungen soll das Hauptaugenmerk auf der strukturellen sprachlichen Gewalt liegen, also auf „sprachliche[n] Strukturen, die im Verdacht stehen, sexistische Strukturen zu perpetuieren“ (Schuhen 2013: 9).

Das Beispiel schlechthin ist das sogenannte Generische Maskulinum. Dies wird verwendet, wenn gemischt geschlechtliche Gruppen bezeichnet werden sollen, wobei häufig kritisiert wird, dass ein Wort wie „Student“, das sowohl Männer als auch Frauen umfasst, Frauen unsichtbar mache und zu stark männlich konnotiert sei, als dass es neutral sein könne, weswegen an den Universitäten heutzutage nur noch von „Studierenden“ die Rede ist2 (vgl. Samel 2000: 64; Schuhen 2013: 9f.).

Um Diskriminierung zu vermeiden, werden heute außerdem sowohl in der geschriebenen als auch in der gesprochenen Sprache die männliche UND die weibliche Form benutzt (z.B. sehr geehrte Leserinnen und Leser). Dies ist allerdings nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern funktioniert in vielen Fällen lediglich auf Schriftebene, so z.B. durch das „Binnen-I“ (z.B. KollegInnen, LeserInnen, MitarbeiterInnen) oder durch Gender-Gapping (z.B. Kolleg_innen, Leser_innen, Mitarbeiter_innen) (vgl. Schuhen 2013: 11).

Der Einfachheit halber und nicht zuletzt, um ein Zeichen zu setzen, verwenden die Universitäten Leipzig und Potsdam seit letztem Jahr fortan nur noch die weibliche Form in ihren Schriftsätzen, betitelt als das „Generische Femininum“. So ist in der neuen Verfassung der Universität Leipzig nur noch von „Professorinnen“ die Rede, die (männlichen) Professoren sind mitgemeint. Dass die Reaktionen auf diese doch sehr mutige Neuerung nicht durchweg positiv waren, ist verständlich (vgl. Kühne 2013: 1).

3.2. Bereiche sexistischer Sprachverwendung

Sexismus auf sprachlicher Ebene kommt nicht allein durch die Verwendung des Generischen Maskulinums zum Ausdruck wie er oben kurz angesprochen wurde, sondern auch in bestimmten Wörtern oder den Nebenbedeutungen, die durch diese mitvermittelt werden.

Samel (2000: 134ff.) kritisiert diesbezüglich vor allem den offensichtlichen Sexismus durch Geschlechtsrollenstereotypen wie er in Grammatiken, Wörter- und Schulbüchern auftritt, sowie Sexismus auf den Ebenen von Lexik und Phraseologie.

Was Grammatiken und Wörterbücher betrifft, lässt sich zunächst feststellen, dass es in den letzten Jahren zu einer enormen Verbesserung hinsichtlich der Diskriminierung von Frauen gekommen ist. Waren in den traditionelleren Wörterbüchern unter dem Stichwort „Frau“ lediglich Beispiele wie „Ehefrau“ oder „Putzfrau“ zu finden, stößt man heute auf die „Polizistin“ oder die „Geschäftsfrau“ (vgl. Epple 2000: 744).

Ein besonders schockierendes Beispiel stammt aus einer älteren Grammatik, in der beim Stichwort „werden“ ein Beispiel die deutsche Passivbildung verdeutlichen sollte. Bei allen unendlich denkbaren Möglichkeiten wurde in der Erstausgabe ausgerechnet das Beispiel „Sie ist vergewaltigt worden“ ausgewählt, dies wurde in späteren Ausgaben schließlich von einer Bearbeiterin in „Sie ist befördert worden“ geändert (vgl. Epple 2000: 741).

Aus eigener Erfahrung als Fremdsprachenlehrerin in der Erwachsenenbildung kann ich sagen, dass diese Veränderungen größtenteils auch in die Lehrbücher Einzug gehalten haben. In zahlreichen aktuelleren Werken wurde zum einen ein großer Fortschritt in Richtung Multikulturalität gemacht, was man sehr gut an den in den Geschichten auftauchenden Personen bzw. deren Namen erkennen kann, zum anderen tauchen Frauen auf, die Meetings leiten oder Männer, die das Kochen für sich entdeckt haben. In älteren Lehrwerken wäre dies undenkbar gewesen, denn dort waren es stets die Frauen, die am Herd standen und sich um die Kinder kümmerten, während die Männer einen anspruchsvollen Beruf als Arzt oder Anwalt ausübten und die traditionelle Rolle des Ernährers innehatten.

[...]


1 Online unter http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-portraet-ueber-rainer-bruederle-der-herrenwitz-1964668.html

2 Zu diesem Thema existiert ein sehr lesenswerter ironisch-humorvoller Artikel mit dem Titel „Es gibt keine Studenten mehr!“ von Martin Ebel, zu finden unter: http://www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Sexismus in der Sprache
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Männer, Frauen, Politik, Demokratie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V286801
ISBN (eBook)
9783656871019
ISBN (Buch)
9783656871026
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexismus, sprache
Arbeit zitieren
Madeleine Jansen (Autor), 2014, Sexismus in der Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286801

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