Diese Hausarbeit befasst sich mit den hypothetischen Vorteilen der Legasthenie und damit, welche positiven aber auch negativen Folgen sich aus dieser Betrachtungsweise für viele Betroffene aber auch Angehörige ergeben. Im Einzelnen wird ein Überblick über die allgemeine Definition und die Verbreitung von Legasthenie gegeben.
Anschließend werde einige internationale Studien sowie Institute vorgestellt, die den Zusammenhang zwischen Legasthenie und bestimmten Fähigkeiten erforschen. Im Fokus stehen zudem einzelne Personen, die sich mit den Vorteilen der Legasthenie beschäftigt und diese zum Teil im Einzelnen analysiert haben. Später wird darauf eingegangen, ob und warum Legastheniker in einigen Berufsfeldern bzw. Bevölkerungsgruppen besonders häufig anzutreffen sind.
Inhaltsverzeichnis
Gibt es den legasthenen Vorteil? Warum es sich lohnt, Legasthenie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten
Was ist Legasthenie und inwiefern unterscheidet sich die Legasthenie von anderen Formen der Lese-Rechtschreibschwäche?
Anteil von Legasthenikern an der Bevölkerung
Welche Stärken werden im legasthenen Gehirn vermutet?
M- Strengths- Material Reasoning (Eide u. Eide, 2004:47-75) Räumliches Denken
I- Strengths- Interconnected Reasoning (Eide u. Eide, 2004:79-108) Gekoppeltes Denken
N- Strengths- Narrative Reasoning (Eide u. Eide, 2012:111-136) Erzählendes Denken
D- Strengths- Dynamic Reasoning (Eide u. Eide, 2004:139-167) Dynamisches Denken
Aktueller Stand der Forschung
Sind Legastheniker in einigen Berufsfeldern besonders stark vertreten?
Kompetenzzentren an US-amerikanischen Universitäten
Die veränderte Wahrnehmung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hypothese, dass Legasthenie neben den bekannten Beeinträchtigungen auch spezifische kognitive Stärken und Talente hervorbringen kann, und diskutiert die Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtungsweise im Bildungssystem, um Chancengleichheit für Betroffene zu fördern.
- Wissenschaftliche Definition und Verbreitung von Legasthenie
- Kognitive Besonderheiten und hypothetische Vorteile (MIND-Stärken)
- Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Legasthenie und Kreativität
- Berufliche Repräsentation von Legasthenikern und Ausgleichsstrategien
- Kritische Reflexion der Stigmatisierung und Bildungsbenachteiligung
Auszug aus dem Buch
Welche Stärken werden im legasthenen Gehirn vermutet?
Laut Brock Eide (The dyslexic Advantage) fiel bereits W. Ringle Morgen, einer der Ersten, der 1896 Legasthenie untersuchte, ein Zusammenhang zwischen Legasthenie und besonderen Fähigkeiten, wie beispielsweise eine besonderes gute räumliche Wahrnehmung auf. (siehe The Diane Rehm Show, 15.2.2012/11:15:32)
1925 äußerte Samuel Orton ebenfalls, ein US-amerikanischer Arzt und Pionier im Bereich der Lernbehinderungen, dass es einen Zusammenhang zwischen Legasthenie und einer überdurchschnittlich guten visuell-räumlichen Wahrnehmung geben könnte (siehe von Károlyi und Winner 2004). Norman Geschwind beschreibt 1982 „räumliche Fähigkeiten“, die er an Legasthenikern oft beobachtet habe. Diese machten sich besonders in nonverbalen Kompetenzbereichen wie der Kunst und der Architektur bemerkbar. Geschwind nennt dies die „Pathologie der Überlegenheit“. Damit meint er, dass Legasthenie ein natürliches Phänomen unter Menschen ist, welches manche Individuen mit Talenten in gewissen Gebieten und andere wiederum mit Talenten in anderen Gebieten ausstattet. (siehe West 2009:15)
Thomas G. West wiederum, Autor des Buches In the Mind’s Eye: Creative Visual Thinkers, Gifted Dyslexics, and the rise of Visual Technologie von 1997, beschreibt die Schwierigkeit beim Erlernen von Lesen und Schreiben als Kompromisse, die das legasthene Gehirn eingeht, um auf anderen Gebieten optimale Leistung erbringen zu können. So äußert er auch die Vermutung, dass die Individuen nicht trotz, sondern vielleicht grade wegen ihrer Legasthenie in gewissen Gebieten überragende Leistungen erbringen können. (siehe West 2009:19)
Zusammenfassung der Kapitel
Gibt es den legasthenen Vorteil? Warum es sich lohnt, Legasthenie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Einleitung und Definition des Paradoxons der Legasthenie bei gleichzeitig durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz.
Was ist Legasthenie und inwiefern unterscheidet sich die Legasthenie von anderen Formen der Lese-Rechtschreibschwäche?: Erläuterung der neurologischen Grundlagen und Abgrenzung der Legasthenie als dauerhafte, veranlagte Beeinträchtigung.
Anteil von Legasthenikern an der Bevölkerung: Analyse der Prävalenzzahlen, die zwischen fünf und zehn Prozent liegen, und der Schwierigkeit einer exakten statistischen Erfassung.
Welche Stärken werden im legasthenen Gehirn vermutet?: Vorstellung theoretischer Ansätze über besondere Fähigkeiten wie räumliches und dynamisches Denken sowie die von Eide und Eide beschriebenen MIND-Stärken.
Aktueller Stand der Forschung: Zusammenfassung empirischer Studien zur visuellen Wahrnehmung und Kreativität bei legasthenen Personen.
Sind Legastheniker in einigen Berufsfeldern besonders stark vertreten?: Diskussion über die überdurchschnittliche Präsenz von Legasthenikern in künstlerischen und unternehmerischen Berufsfeldern.
Kompetenzzentren an US-amerikanischen Universitäten: Vorstellung der Arbeit renommierter Institute wie dem Yale Center for Dyslexia and Creativity.
Die veränderte Wahrnehmung: Reflexion über die neurobiologischen Unterschiede und wie diese die Interaktion mit der Umwelt beeinflussen.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Thesen und Appell an ein gerechteres Bildungssystem unter Einbeziehung der Potenziale legasthener Menschen.
Schlüsselwörter
Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche, neurobiologische Unterschiede, visuell-räumliche Wahrnehmung, Kreativität, Talent, Informationsverarbeitung, MIND-Stärken, Bildungssystem, Chancengleichheit, Ausgleichsstrategien, Kompetenzzentren, Arbeitswelt, Inklusion, Begabung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Legasthenie jenseits einer rein defizitorientierten Sichtweise und untersucht, ob die neurologischen Besonderheiten der Betroffenen auch mit spezifischen Stärken einhergehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition der Legasthenie, die neurologische Informationsverarbeitung, das Potenzial für Kreativität und überdurchschnittliche Leistungen sowie die bildungspolitische und berufliche Situation von Legasthenikern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den „legasthenen Vorteil“ wissenschaftlich zu beleuchten und für eine differenziertere Wahrnehmung zu plädieren, die Stärken anerkennt und gleichzeitig die Notwendigkeit von Chancengleichheit betont.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die verschiedene internationale Studien, neurowissenschaftliche Untersuchungen und theoretische Modelle zum Thema Legasthenie auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die wissenschaftlichen Thesen zu den besonderen kognitiven Stärken, stellt Forschungsergebnisse zu visuellen und kreativen Leistungen vor und untersucht die berufliche Repräsentation von Legasthenikern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Legasthenie, kognitive Stärken, visuell-räumliche Wahrnehmung, Kreativität, Chancengleichheit und neurologische Informationsverarbeitung.
Was sind die sogenannten MIND-Stärken?
Dabei handelt es sich um vier Fähigkeitsgruppen (Material Reasoning, Interconnected Reasoning, Narrative Reasoning, Dynamic Reasoning), die laut Eide und Eide bei vielen Legasthenikern überdurchschnittlich ausgeprägt sind.
Wie gehen Betroffene oft mit ihren Defiziten um?
Viele entwickeln sogenannte Ausgleichsstrategien (Kompensationsstrategien), wie beispielsweise das Delegieren von Aufgaben oder das Nutzen visueller Denkweisen, um in der Schule oder im Beruf erfolgreich zu sein.
Warum wird eine Änderung der Sichtweise gefordert?
Die Autorin argumentiert, dass eine rein negative Definition der Legasthenie als Lernbehinderung zu Stigmatisierung führt und Potenziale der Betroffenen sowie ihre Chancengleichheit im Bildungssystem massiv einschränkt.
Welche Rolle spielen US-amerikanische Universitäten?
An Institutionen wie Yale und Harvard wird intensiv an der Verbindung zwischen Legasthenie, Kreativität und naturwissenschaftlicher Begabung geforscht, was die internationale wissenschaftliche Debatte stark vorantreibt.
- Arbeit zitieren
- Anna Jens (Autor:in), 2014, Gibt es den legasthenen Vorteil? Warum es sich lohnt, Legasthenie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286967