Deutsche Afrikareisende. Zwischen Wissenschaft und Abenteuer vom 17. - 19. Jahrhundert


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Afrikareisende zwischen Abenteuer und Wissenschaft: vom „Wegbereiter des Imperialismus“ bis hin zum ‚Helden der Wissenschaft‘
2.1 Die Problematik der Definition „Afrikareisender“
2.2 Wissenschaftliche „Afrikareisende“
2.3. Gefährlich leben: Abenteuer „Afrikareise“ oder naturgeschichtliche Jagdreise

3. Der Reisebericht und seine Entwicklung vom 17.-19. Jahrhundert
3. 1 Der Reisebericht als objektive und glaubwürdige Quelle?
3.2. Wissenschaftliche Berichte: Der Beitrag H. Barths zu der deutschen Afrikaforschung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Alle Reisenden bewegen sich zwischen verschiedenen Welten, aber nur die Verfasser von Reiseberichten und Reisebeschreibungen befinden sich, gerade indem sie von ihren Reisen berichten, weder in der einen noch in der anderen Welt, sondern zwischen den Welten.“ [1]

Geht man von Michael Harbsmeiers These aus, in der er den Reisenden als ‚zwischenweltlich‘ bezeichnet, so ist der Reisebericht demnach ein Text, der ebenfalls zwischen zwei Welten steht – genau, wie sein Verfasser.

Die Geschichte des Reiseberichts nimmt bereits im späten Mittelalter ihren Lauf. Michael Harbsmeier teilt die historische Chronologie des Reisberichts in drei Kategorien: Werden in den ersten Reiseberichten, nämlich in Pilger- und Entdeckungsberichten noch vor dem 17. Jahrhundert ‚neue Welten‘ beschrieben, so nimmt man in den Reiseberichten an der Wende zum 17. Jahrhundert nur noch gefährliche ‚Gegenwelten‘ wahr. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist bei Harbsmeier dann nur noch von ‚Außenwelten‘ die Rede, zu denen auch Afrika gehört.[2]

Will man die Geschichte Afrikas untersuchen und hält nach geeignetem Material Ausschau, findet man sich noch immer mit einem spezifischen Problem konfrontiert und zwar mit dem der statisch wirkenden Beschreibungen afrikanischer Gesellschaften. Als ob die Geschichte Afrikas erst mit der Ankunft von europäischen Reisenden, Abenteurern, Forschern und Missionaren begonnen hätte. Das hängt nicht nur mit der langwierigen Sicht der europäischen Akademiker zusammen- afrikanische Gesellschaften hätten gar keine wirkliche Geschichte- sondern auch mit dem, was oft als ‚Quellenproblem‘ bezeichnet wird. Sind nun diese schriftlichen Quellen über Afrika, die der Nachwelt hinterlassen worden sind, abenteuerlich-subjektiver oder wissenschaftlich-sachlicher Natur? Wer waren überhaupt die Verfasser dieser Schriften und welche Rolle spielten sie in der kolonialen Eroberung Afrikas? Kann der deutschen Afrikaforschung- zumindest in ihren Anfängen- eine rein wissenschaftliche Tätigkeit nachgewiesen werden- frei von jeglichem kolonialistischen Gedanken?

Diesen drei grundlegenden Fragen werde ich in der folgenden Arbeit genauer nachgehen, indem ich die ‚Afrikareisenden‘, stützend auf Cornelia Essners These, in zwei soziologische Gruppen, nämlich in Nicht-Akademiker und Akademiker, teile. Weiter beschäftige ich mich mit den Reiseberichten deutscher Afrikareisenden, deren Entstehung, Inhalt und Rezeption, um schließlich herauszuarbeiten, wie Afrika in diesen Reisberichten dargestellt wurde. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Untersuchungen von Michael Harbsmeier, Cornelia Essner und Andreas Mielke.

2. Der Afrikareisende zwischen Abenteuer und Wissenschaft: vom „Wegbereiter des Imperialismus“ bis hin zum ‚Helden der Wissenschaft‘

2.1 Die Problematik der Definition „Afrikareisender“

Im 19. Jahrhundert entstand in Europa ein neuer gesellschaftlicher Kreis, dem die zeit-genössische Bezeichnung „Afrikareisende“ gegeben wurde und der wiederum seinen festen Platz in der Gesellschaft hatte, sodass der Begriff „Afrikareisender“ in der Roman-Literatur des 19. Jahrhunderts als eine weitere Berufsbezeichnung neben den anderen bürgerlichen Berufen reflektiert wird:

„[…]. Und dann ist da ein Priester, Kathedersozialist […] und führt eine Adelige, mit kurzgeschnittenem Haar (die natürlich schriftstellert), zur Quadrille. Und dann bewegen sich da noch ein Afrikareisender, ein Architekt und ein Portraitmaler, […]“ [3]

Auch die biographischen Würdigungen von Afrikareisenden in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) zeugen von einer wahrhaftigen, wenn auch nicht eindeutigen Berufsbezeichnung. Gustav Nachtigall beispielsweise, der eigentlich Arzt war, ist wegen einer Lungenerkrankung auf Anraten des Afrikareisenden Gerhart Rohlfs vom König beauftragt worden, dem König von Bornu Geschenke zu überbringen. Nach einer fünfjährigen Reise, in der er zahlreiche geographische und botanische Entdeckungen gemacht hatte, wurde er in der ADB zum „Afrikareisenden“ gekürt. Dass er eigentlich Arzt vom Beruf war, steht dort an zweiter Stelle.[4]

Afrikareisende waren eine heterogene Gruppe aus Wissenschaftlern, Aristokraten, Militärleuten und Missionaren, die in der heutigen Wissenschaft sehr ambivalent dargestellt wird. So waren sie sowohl „Pioniere der Forschung“, als auch Personen, die mit einer Reise nach Afrika Karrierehoffnungen verbanden.

Der Begriff ‚Afrikareisender‘ hat aber auch eine leicht negative Konnotation. Bei einigen Autoren nämlich wird er im Zusammenhang mit der Kolonialpolitik Deutschlands verwendet. Bei Horst Gründer und Hans-Ulrich Wehler beispielsweise, kommt der deutsche Afrikareisende nur an den Stellen vor, an denen die deutsche Kolonialpropaganda beschrieben wird. So bekommt man den Eindruck, Afrikareisende hätten als „Wegbereiter“ in der imperialistisch-kolonialen Politik Deutschlands fungiert.[5]

Die Problematik der Definition ‚Afrikareisender‘ liegt nun darin, dass sie allmählich, genauer gesagt Ende des 19. Jahrhunderts ausgedehnt wurde. Diese Kritik ist in einem Plädoyer der Berliner Gesellschaft für Anthropologie 1885 zu lesen und richtet sich gegen den

„Gebrauch, ich darf wohl sagen Missbrauch, der in neuester Zeit, zumal in der Presse, mit dem Worte Afrikareisender getrieben wird. Ich meine, früher bezeichnete man damit Männer, die jahrelang zwecks wissenschaftlicher oder handelspolitischer Studien in oder durch den dunklen Kontinent gereist waren […] [M]an wird wohl zugeben, dass jeder Mensch, der einmal in oder nach Afrika gereist ist, noch lange kein Afrikareisender ist. […] Man kann ja kaum noch eine Zeitung aufnehmen, ohne von irgendeinem ‚berühmten Afrikareisenden‘, von dem man sein Leben nichts gehört hat, zu lesen. […] Ich glaube, dass es an der Zeit ist, diesen Missbrauch zu steuern, das sind wir den wahren Afrikareisenden schuldig.“ [6]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass trotz ihrer Heterogenität diese Gesellschaftsgruppe wohl als Berufsbezeichnung gelten kann, da viele von ihnen nach oder gerade durch ihre Reise nach Afrika in ihrer beruflichen Laufbahn belohnt bzw. befördert wurden, wenn auch nicht im Wissenschaftsbetrieb. Das zeigt sich z.B. in der Biographie von Heinrich Barth, mit der wir uns später genauer befassen werden.

2.2 Wissenschaftliche „Afrikareisende“

Basierend auf C. Essners Studie, kann man behaupten, dass die Akademiker den größeren Teil der Afrikareisenden ausmachten. Das kam daher, dass fast die Hälfte der Akademiker, die nach Afrika reisten, sich im Laufe ihres Studiums in Berlin befanden, wo auch die Afrikareisen vorbereitet wurden.[7] Unter den akademischen Afrikareisenden gab es sowohl Promovierte, als auch Studienabbrecher, die in einer Afrikareise vor allem eine lukrative berufliche Chance für sich sahen. Aber vor allem Wissenschaftsdisziplinen, wie Geographie und Naturwissenschaft waren der leittragende Grund vieler Akademiker Afrika zu bereisen und zu erforschen. Um das näher erläutern zu können, möchte ich auf die Biographien von Heinrich Barth und Georg Schweinfurth eingehen, die wohl einen besonderen Stellenwert unter den deutschen Afrikareisenden einnehmen. Denn sie haben die deutsche Afrika-forschung aus geographischer und naturwissenschaftlicher Sicht extrem bereichert, obwohl sie im Hinblick auf die Kolonialpolitik weit unterschiedliche Wege eingeschlagen haben.

Heinrich Barth(1821- 1865) ist als Sohn eines vermögenden Kaufmanns in Hamburg geboren. Im Jahr 1839 studierte er in Berlin klassische Philologie und Altertumskunde, wonach er 1844 mit einer Arbeit über die Handelsbeziehungen des Alten Korinth promovierte. Der Wunsch, Afrika zu bereisen, keimte in ihm durch sein Vorbild Richard Lepsius, der bereits 1846, nach einer, vom preußischen Staat finanzierten, erfolgreichen Ägypten-Expedition, Professor für Ägyptologie in Berlin war. Nach seinem Abschluss beschließt H. Barth seine akademische Laufbahn fortzuführen, indem er eine durch seinen Vater finanzierte Forschungsreise in den Mittelmeerraum unternimmt. Diese Reise wird dann zum Gegenstand seiner Habilitation beim Professor für Geographie Carl Ritter( 1849). Somit kann man behaupten, dass Barth der einzige deutsche Forschungsreisende ist, der noch vor seiner Afrikareise als Geograph, also als Wissenschaftler galt.[8] Dass Barth sich selbst ebenfalls zuallererst als Wissenschaftler sah, kristallisiert sich aus einem Brief an Carl Ritter:

„Nur ein warmes uneigennütziges Interesse an dem zur Erforschung des ach so unbekannten Weltteiles wichtigen Unternehmens einerseits, andererseits aber der Wunsch, nicht lange in der Stellung eines Privatdozenten fortzuvegetieren, haben mein Anerbieten motiviert. […] ich halte bestimmt an meiner wie ich glaube […] nicht übertriebenen, sondern vielmehr höchst bescheidenen Bedingung fest, der bündigen Garantie eines Amtes mit 800 Thalern Gehalt; kann man mir keine Professur zusagen, so läßt es sich vielleicht an eine andere verwandte Stelle knüpfen.“ [9]

[...]


[1] Harbsmeier, Michael, Wilde Völkerkunde. Fremde Welten in Reiseberichten der frühen Neuzeit, Frankfurt am Main/New York 1994, S.22.

[2] Harbsmeier, Michael, Wilde Völkerkunde, S.71-262

[3] Fontane, Theodor, Der Stechlin, in: ders.: Sämtliche Werke, Bd. 8, hg. v. Edgar Gross, München 1959, S.342.

[4] Fiedler, Matthias, Zwischen Abenteuer, Wissenschaft und Kolonialismus: Der deutsche Afrikadiskurs im 18. Und 19. Jahrhundert, Köln 2005, S.88

[5] Fiedler, Matthias, Zwischen Abenteuer, Wissenschaft und Kolonialismus, S.83f.

[6] Essner, Cornelia, Deutsche Afrikareisende im neunzehnten Jahrhundert. Zur Sozialgeschichte des Reisens, Stuttgart 1985, S.9.

[7] Essner, Cornelia, Deutsche Afrikareisende im neunzehnten Jahrhundert. Zur Sozialgeschichte des Reisens, S.61

[8]. Ebd., S 76f.

[9] Ebd., S. 79

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Deutsche Afrikareisende. Zwischen Wissenschaft und Abenteuer vom 17. - 19. Jahrhundert
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für deutsche Philologie)
Veranstaltung
Von Fremdwahrnehmung bis zum Kolonialismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V286972
ISBN (eBook)
9783656873068
ISBN (Buch)
9783656873075
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonialismus, Reisebericht, Kolonialzeitschrift, Afrika
Arbeit zitieren
Tatevik Philipp (Autor), 2013, Deutsche Afrikareisende. Zwischen Wissenschaft und Abenteuer vom 17. - 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286972

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