Perspektiven. Aufsätze zur angewandten Psychologie


Fachbuch, 2013

102 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

AUFSÄTZE ZUR METHODIK DER SOZIALWISSENSCHAFTEN
ERKENNTNISGEWINN: AUF DER SUCHE NACH DER RICHTIGEN METHODE
FRAGEN: SPIELRÄUME
Die Skater vom Kölner Dom: Fehlerbewältigung am praktischen Beispiel

AUFSÄTZE ZUR KREATIVITÄT
Psychologische Grundlagen der Kreativität
Der kreative Impuls: Umgang mit Blockaden
Visionsarbeit: Techniken der Versprachlichung
Kreative Verstörungen: wie Kreativität auf die Gesellschaft wirkt

Aufsätze zu Psychologie und Religion
Kreativität und Gottglaube
Rituale heute: Versprechen - anderswo

Aufsätze zur Architekturpsychologie
Der getaktete Mensch: Über die Rolle der Psychologie in der Architektur
Vom Mythos des unfertigen Raumes
Das Modell: Gullivers Reise in die Welt der Architektur
Auf der Suche nach dem vollkommenen MaSS
Der soziale Raum
über die Versuchung des mathematischen und ästhetischen Raumes
PlanungsprozessE von Mehrgenerationenhäusern
Patensysteme in Mehrgenerationenhäusern
Räume für Kinder: Wichtige architekturpsychologische Qualitäten

AUFSÄTZE ZU gesellschaftlichen Fragen
Das Konzept Golf: eine Zivilisationskritik
Silent talk: Zuhören als kommunikative Ressource
Transgenerationelle Traumata – transgenerationelle Ressourcen
Soziales Kapital: Kollektive Strategien gegen die Wirtschaftskrise
Gärten für Gerontologie

Street-Ball-Index (ich erläutere das am Ende dieses Kapitels):

Im Folgenden finden Sie psychologische Essais der letzten 15 Jahre. Psychologie – unsere wunderbare Wissenschaft der Seele, ein genaueres Hinschauen zu dem, was greifbar ist, um das Ungreifbare zu erforschen. Psychologie, in der Fragen und Erkenntnisbegehren Spielräume aufzeigen und Perspektiven schaffen können – weil ich sie für so wichtig halte, hat dieser Aufsatz der ganzen Sammlung ihren Namen gegeben.

Und so beginne ich auch:

Aufsätze zur Methodik der Psychologie;

Aufsätze zur Kreativität, wesentlich aus Anwenderperspektive – Kreativität als Spiel, Disziplin, Methode;

Aufsätze zu Psychologie und Religion – angefangen mit einem Aufsatz über den Zusammenhang von Kreativität und Religion, gefolgt von einem Aufsatz zu Ritualen heute;

Aufsätze zu Fragen der Architekturpsychologie – eher philosophisch-abstrakte Ansätze hin zu einer der ältesten Fragen der Menschheit: Wer schafft den Müll weg?;

schließlich Aufsätze zu allgemeinen gesellschaftlichen Fragen: Zuerst DER gesellschaftlichen Frage überhaupt: Dem Konzept Golf, über Fragen von transgenerationellen Traumata, bis hin zu einer Erörterung der Bedeutung sozialen Kapitals und der Frage, wie alte Menschen zu aktivieren sind.

Die Impulse zu diesen Aufsätzen waren sehr unterschiedlich, fast immer standen Gespräche am Anfang, eine geteilte Faszination, eine Neugierde, die im Dialog mit anderen zum tieferen Erkenntnisbegehren reifen konnte. In manchen dieser Aufsätzen spiele ich eine Art sozialpsychologisches Street Ball mit Ihnen – Ziel ist, so viel wie möglich komplizierte Wörter in einem Satz unterzubringen – könnte man meinen. Aber das hat einen Grund: Bei sehr sensiblen Themen war es mir ein Anliegen, möglichst genau zu denken – der Aufsatz zu transgenerationellen Traumata gehört für mich dazu. Bei anderen Aufsätzen verzichte ich mehr oder minder auf das Denken innerhalb unseres Klettergerüstes von Verweisen und Fußnoten, es ist eine Art Denken am leeren Tisch, einen Ansatz, den ich sehr liebe. Und genau darum geht es mir: Aus Zuneigung zum Menschen weiter zu denken.

Zur größeren Leserfreundlichkeit habe ich den Artikeln stets eine Zusammenfassung in einem Satz vorangestellt – auch wenn der Artikel nur eine Seite umfasst.

Dazu habe ich eine kleine unscharfe Kategorisierung zur Bestimmung des Schwierigkeitsgrads des Aufsatzes erfunden:

von einem Street Ball Punkt für einfache, vor dem Schlafengehen oder in der überfüllten U-Bahn leicht zu lesende Aufsätze

über Aufsätze mittlerer Street Ball-Qualität, die zwar nicht höllenkompliziert, aber auch primär nicht wahnsinnig genussvoll zu lesen sind

bis hin zu den Aufsätzen, die bei sehr wachem Zustand zu lesen sind, am besten begleitet von einer Tasse Ihres Lieblingsaufputschgetränks.

Viel Spaß!

Kathrin Kiss-Elder, Juni 2013

AUFSÄTZE ZUR METHODIK DER SOZIALWISSENSCHAFTEN

ERKENNTNISGEWINN: AUF DER SUCHE NACH DER RICHTIGEN METHODE

Street-Ball-Index:

Zusammenfassung in einem Satz: Der Artikel bietet einen Einstieg in verschiedene Erkenntnisstrategien psychologischer Methodik – verständlich und aus der Perspektive der Anwendbarkeit und des zugrundeliegenden Menschenbildes erklärt.

Zahlen. Figuren. Etablierte Erkenntnisstrategien

„Immer, ob ich das Wirkliche im Ganzen oder als die einzelne Tatsache ergreifen will, - am Ende ist das Wirkliche die unerreichbare Grenze der methodischen Forschung.“

Karl Jaspers, 1956, 58

Nach welchen Orientierungsregeln komme ich zu welchen Erkenntnissen? In der Grundfrage nach dem „richtigen“ Weg zu Erkenntnis kann man zwei Strategien isolieren (s.a. zur Lippe in Maturana, 1994, 11):

Erkenntnis durch Abstraktion - Versuch objektiver Erkenntnis

(Rationalität, Quantifizierung, Idealisierung – s.a. Waldenfels, 1985, 28)

Erkenntnis durch Konkretion - Versuch „lebender“ Erkenntnis

(qualitative, fallbezogene Methodik unter Einbezug von Fallstudien und Erfahrungsberichten, subjektiven Theorien, qualitativer Hermeneutik, Dichtung)

Zwischen diesen beiden Strategien toben bekanntlich arge Rechtfertigungskämpfe, die schon Diderot (1713 - 1784), selbst Autodidakt, wunderschön karikierte (s.a. Diderot, 1920, 28ff) . Was an tatsächlicher Erkenntnis bleibt und durch welche Prozesse diese tatsächlich erzeugt wird, bleibt im Kreuzfeuer von Macht- und Rechtfertigungskämpfen für den Normalsterblichen meist im Dunkel.

Novalis sanfte und doch in ihrem Sinn so herausfordernde Worte von dem Streit zwischen den „Zahlen und Figuren“ und den „wahren Weltgeschichten“ (Novalis, 1978, 395) sind immer noch aktuell.

Wissen dient der Auflösung von Inkonsistenzen.

Es dient der Steuerung von Bewährtem.

Und es zielt auf die Erschließung neuer Möglichkeiten.

Wie kommen unsere Ergebnisse zustande?

Wie entsteht und funktioniert Wissen?

Welche Überprüfungsnormen setzen wir ein und lassen wir zu?

Wo verbergen sich möglicherweise Denkverbote?

Wissen muss bestimmten Kriterien genügen, um Qualität zu „haben“ - aber diese Qualitäten sind flexibel und verschiebbar.

Wissenschaft:

Eine Welt ohne Bilder?

Ohne Gedichte, ohne Poesie?

Ohne Träume, ohne Gefühle?

Ohne Visionen, ohne eigene Vergangenheit?

Materie ohne Transzendenz? Transzendenz.

Vielleicht ist es Zeit, sich darauf zu besinnen, dass unsere Theorien nichts weiter sind, als Arten, die Welt zu sehen (s.a. Isaacs, 1999, 73) , nicht mehr, nichts weniger. Sie können an ihrer Sorgfalt und ihrem Einfallsreichtum, ihrer Trendbezogenheit oder ihrer Weite beurteilt werden. Aber sie werden sich immer an der Knautschzone zwischen Immanenz und Transzendenz reiben:

Wissenschaft zwischen Immanenz und Transzendenz

Der Streit der Zahlen und Figuren symbolisiert sich auch in den Fehden zwischen Natur- und Geisteswissenschaft. Abstraktes oder praktisches Denken - poetisches oder konkretes Wort - reden oder singen - was ist die rechte Art, die Welt zu erkennen - und wo beginnt das, was der Sozialwissenschaftler Isaacs die „Pathologien des Denkens“ genannt hat?

Zwei Erlebnisse aus meiner eigenen Geschichte sind mir hier prägnant: Einmal die Werbung eines Trierer Psychologie-Professors, man könne hier in der Psychologie den Dr. rer nat machen. Dann die Worte eines Bochumer Psychologie-Professors, man wäre hier doch naturwissenschaftlich orientiert.

Die Psychologie - eine Naturwissenschaft?

Was kann die Psychologie leisten, was einer Naturwissenschaft nahe käme? Vorerst gefragt - und diese Frage ist so alt wie gefährlich: Was ist eine Naturwissenschaft?

Die Naturwissenschaft zeichnet sich durch eine gewisse Vergleichbarkeit aus. Diese ist eine Voraussetzung für eine effektive Normierung von Meß- und vor allem Interventionsinstrumenten. Wäre das Herz eines jeden Menschen anders gebaut, würde etwa niemand daran denken, einen Herzkatheter zu bauen. Es wäre zu risikoreich.

Diese Vergleichbarkeit ist objektiv, reliabel, also zuverlässig, und gültig - damit erfüllt sie alle statistischen Gütekriterien - der Traum jedes Testpsychologen. In der Intervention, wenn es um die Frage von Ursachenforschung geht, fehlen allerdings auch den Naturwissenschaftlern oft Beweise. Hier geht es gerade darum, wenn man sich nicht um punktuelle Erkenntnis und punktuelle Intervention bemüht, sondern komplexere Zusammenhänge zu fassen sucht. Ziehen wir uns aus irgendeinem Grunde nicht mehr in die Welt unserer „sauberen kleinen Untersuchungen“ zurück, geraten beide Wissenschaften in den Nebel.

Auch Naturwissenschaftler begnügen sich bei komplexeren Sachverhalten mit dem üblichen Beweis-Suggorat der quantitativ orientierten Geisteswissenschaften: Nämlich dem Versuch, statistische Wahrscheinlichkeiten als Ersatz für Beweise zu nehmen - was in der Populärstatistik ja dann auch gelingt. X klappt unter der Bedingung Y, also stimmt es.

Ein ernsthafter, neugieriger Methodiker allerdings kann damit nicht zufrieden sein: Denn dass X klappt, kann viele Ursachen haben, die nicht unbedingt auf Y zurückzuführen sind. Wir müssen also mit intermittierenden „Stör“variablen rechnen, auch wenn unser Versuch vielleicht ganz gut aussah. Vielleicht ist es eben doch eher die hübsche Krankenschwester, die den Patienten auf den Damm brachte, und nicht etwa das Mittel.

Aber nicht nur das: Auch dass Versuche gescheitert sind, kann an Gründen liegen, die sogar in unserem um Objektivität bemühten Untersucher, wenn auch verborgen, liegen - etwa in seiner unterschwelligen Ablehnung des Experimentes.

Das sind eigentlich statistische Dönekens, die jedem bekannt sind. Dies also nur um es noch einmal präsent zu machen.

Schließlich: Wenn X geht - vielleicht geht dann Z (+8) aber besser? Wir wissen es nicht. Und in diesem Punkt behält die naturwissenschaftliche Erkenntnis jene schmerzliche Ambivalenz und jene demütigende Offenheit, die uns oft genug in den Geisteswissenschaften aufstößt.

Nochmal zu den Vergleichbarkeiten: Die Naturwissenschaften, das skizzierte ich vorhin, leben von Vergleichbarkeiten. Es macht ihr System durchschaubar und steuerbar. Im einfachsten angefangen, ist es doch stets eine beruhigende Gewissheit, dass 1 + 1 2 ist. Unser ganzer kaufmännischer Wagemut beruht darauf. Nur: Gerade Kaufleute wissen sehr genau, dass 1 + 1 oft eben nicht 2 ist, sondern 3 oder auch einmal 0,1 - je nach Marktsituation, indem jener „Mehrwert“ eigentlich entstand. Solche Prozesse sind Teil der Marktdynamik, und sicher auch ein Grund dafür, dass diesen Bereich noch Spinner und Visionäre besiedeln - Künstler, auf eine Art. Offenheit und Ambivalenz gehört hier zum Geschäft und gerade die Öffnung hin zu unterschiedlichsten Realitätsarrangements erlaubt einen Zugriff auf Zielgruppen und damit Märkte.

Strukturell geschieht folgendes: Da die naturwissenschaftlichen Konzepte etwa der Finanzmathematik nicht ausreichen, wird die Struktur ergänzt und angereichert durch geisteswissenschaftliche Konzepte. Das ist effektiv und wird deshalb nicht groß in Zweifel gezogen. Es macht eine Zusammenarbeit von Banker und Philosoph neben dem üblichen netten Mäntelchen auch im Sinne der Ziele eines Wirtschaftlers sinnvoll.

Wo immer es weg von der Materie um Transzendenzgeschehen geht, ist also die Geisteswissenschaft gefragt, d.h. bei jedem Mehr- oder Minderwert, der durch das Interagieren materieller Konstellationen nicht erklär- nicht steuerbar oder in seinen zentralen Eigenschaften nicht beschreibbar ist.

„Dinge“ mögen materiell fassbar sein - wie die Farbe Rot. Etwa in Form eines neuronalen Musters oder errechenbaren Beliebtheitsskalen einer Farbe. Aber das materielle Korrelat ist nicht das Wesentliche. Es sagt nichts oder nichts Signifikantes über die Qualitäten des Materiellen - hier der Farbe Rot - aus. Die Beliebtheitsskale erklärt mir vielleicht, post festum, warum im Moment so viele rote Autos gekauft werden. Aber warum die Farbe beliebt ist, wann sich das ändern wird und wie ich das steuern kann - diese Frage wird dadurch nicht beantwortet.

Dann also ist die Geisteswissenschaft gefragt. Wir werden keine Beweise bringen können - aber Näherungen, Hinweise. Wir können hinweisen auf die Bedeutung des Nichtmateriellen und versuchen, diese Qualitäten in Sprache zu fassen - also Begriffe erzeugen oder verdichten.

Auch wenn es sich das Transzendente wiederum im Materiellen realisieren wird - in der konkret materiellen Gestaltung eines Raumes oder der Erfindung eines Motors - unsere Chance als Psychologen ist das Aushalten von Ambivalenz, von der Relativität und Anzweifelbarkeit unserer Welt - und jener Offenheit ins Fremde hin, die zwar Verunsicherung bedeutet, aber auch: Hoffnung.

Versuch über eine unfertige Welt: Erkenntnis zwischen rationaler und emotionaler Intelligenz

„Le cœur a ses raisons que la raison ne connait point.“

Blaise Pascal in Guntern, 1996, 39

Rationalität gibt uns Sicherheit. Die Zahlen und Figuren geben uns Orientierung. Wir benützen sie, um unsere Erkenntnisse zu objektivieren, zu „härten“ und nicht zuletzt vergleichbar und übersetzbar zu machen - anschlussfähig zu anderen .

Wir versuchen uns dem Chaos vieler miteinander vernetzter Faktoren durch hysterische Methodengläubigkeit zu schützen, wir ziehen uns ängstlich und böse in die enge Welt unserer „sauberen kleinen Untersuchungen“ zurück, wie es Jerome Bruner einmal gehässig genannt hat (s.a. Bruner, 1997, 15). Doch dabei spalten wir Wirklichkeit - und machen sie im Ergebnis immer weniger begehbar, immer weniger steuerbar.

Immer wieder stoßen wir darauf, „dass trotz allen Bemühens um rationale Durchdringung der Ursachen und Modalitäten unserer individuellen und gesellschaftlichen Existenz eine ganze Welt existiert, die sich dem begrifflichen Zugang entzieht, die uns aber ebenso nachhaltig prägt [...].“ (Pieper, 1987, 16, s.a. Gidion, 1984, 278 )

Rein rationales Denken ist deshalb dem aktuellen Stand der Wissenschaften - darum geht es, nicht um rein emotionale Animositäten - nicht mehr angemessen, wie Gründler betont, da es „wesentliche Aspekte des Menschseins ausklammert.“ (Gründler, 1997b, 106) und dabei der Überblick, das Verständnis für das Gesamtbild verloren geht (s.a. Fuller, 1969/1998) - gerade wenn es dabei um den Versuch des Verständnisses humaner Belange geht. Ein gewissermaßen anthropozentrisches Vorgehen war deshalb Leitideal bei der Wahl der Erkenntnisstrategien und der Entwicklung der Methode.

Im Extrem heißt das: Es gibt nicht so etwas wie wirkliche „Rohdaten“. Wie es Dana Crowley Jack ausführt: „ [...] even the collection of data requires a framework for understanding and ordering reality.“ (Jack, 1991, 22)

Die sogenannte wissenschaftliche Korrektheit (oder das, was sich als wissenschaftlich korrekt gibt), degeneriert zu einer unreflektiert devoten Unterwerfung unter wissenschaftlich nicht unbedingt zu rechtfertigende Procedere der Erkenntnisgewinnung, die das Beschreiten wirklich neuer Wege kaum möglich macht. Jene gut trainierte „Objektivitätsdisziplin“ lähmt da, anstatt uns jene Flügel zu verleihen, die wir brauchen für neue Räume (s.a. Bachelard, 1957/1987, 162, Salz, 1921, 23ff).

Wir sehen zu viel und erleben zu wenig. Immer noch.

Rationalität oder Scheinrationalität? Über den Mythos sauberen Denkens

„Man ist aus den Irrgängen der Subjektivität auf die zielgerechte Straße des Objektivismus gelangt. Doch wie dort eine Pseudo-Subjektivität, da es an der elementaren Kraft des Personseins fehlte, so besteht hier eine Pseudo-Objektivismus, da man nicht einer Welt, sondern einer weltlosen Parteiung eingefügt ist.“

Martin Buber, 1962, 186ff

Die Haltung, die die westliche Naturwissenschaft einnimmt, ist dabei nicht so eindeutig „wissenschaftlich“, nicht so unwidersprochen, wie man vielleicht denkt. „Reine Rationalität“, wie sie die Wissenschaftstradition fordert, ist keineswegs unbedingt rational. Wie Heidegger es formuliert: „Die Irrmeinung, das Rationale und die Rationalisierung (Entzauberung) der Welt seien selbst etwas Rationales, bleibt der Frage nach der Herkunft der Ratio ausgesetzt.“ (Heidegger, 1983, 152) Und die Journalistin Gründler: „es [gibt] kein abstraktes Denken ohne Gefühl [...]. Wissenschaftliche Erkenntnis, die nicht auf einem Sockel von Gefühlen ruht, ist also eine Fiktion - wenn auch ein schwer zu erschütternder Glaubenssatz der westlichen Kultur.“ (Gründler, 1997b, 107)

In unsere Beobachtungen, in die Konstruktion unserer Messinstrumente mischen sich Bilder von der Welt, Annahmen, Wünsche, Werte. Sie werden von Menschen gebaut, die leben. „Ich glaube, jeder Mensch objektiviert seine Erfahrungen wieder anders.“ (Nishi in Guntern, 1996, 249) Ich glaube, niemand würde diese Aussage ernstlich in Zweifel ziehen. Doch mit dieser Tatsache, vor der wir unser methodisches Gepäck eigentlich nur niederlegen und wegrennen können, gilt es umzugehen.

Wir fühlen während wir denken. Wir sind während wir denken. Rein rationales Denken ist deshalb fehlerträchtig, „weil es nur aus gegebenen Prämissen rigoros, das heißt ohne Fehler zu machen, ableiten kann, was in diesen Prämissen bereits versteckt enthalten ist.“ (Guntern, 1996, 233) Wir sind keine rein rationalen, objektiven Erkenntniswerkzeuge.

Subjektivität mit zu berücksichtigen sollte so Teil unserer sinnvollen „Sterilitätsbemühungen“ sein - erst wenn wir unsere Subjektivität erkennen, können wir objektiver werden – das ist etwa Medizinern seit langem eigentlich bekannt.. Um mit Van Gerkan einen Architekten zu zitieren: „Für Subjektivität einzutreten, ist nicht populär, weil gemeinhin geglaubt wird, sie schließe Objektivität aus. Das ist jedoch keineswegs der Fall, im Gegenteil - erst der bewertende Vergleich alternativer subjektiver Lösungen erlaubt es, politische und gesellschaftliche Entscheidungen auf eine objektive Basis zu gründen.“ (von Gerkan, 1982, 159)138

Ziel ist meines Erachtens deshalb, sich dieser Subjektivität nicht auszuliefern, sondern sie methodisch einzubeziehen, den Erkenntnisprozess steuern und die daraus folgenden Strategien effektiver machen, damit sie eben nicht am „Faktor X“ scheitern.

Wissenschaft und Erlebnis: Selbst-Erfahrung, Raum-Erfahrung

„Die Wurzel aller Wissenschaft liegt im Erlebnis.“

Arthur Salz, 1921, 53

Dass Rationalität allein nicht fruchtbar wird, auch nicht im Dienste „objektiver Erkenntnis“, solche Gedanken werden von Dichtern wie Denkern, Wissenschaftlern und Dilettanten geäußert – Physikern wie Heißenberg (s.a. Heißenberg in Hartkemeyer & Hartkemeyer, 1998, 70) oder Binnig (s.a.. Binnig, 1989, 198), Dichtern wie Hoeg (s.a. Hoeg, 1997, 508) oder Hölderlin (s.a. Hölderlin, 1947, 95) oder Philosophen wie Waldenfels (s.a. Waldenfels, 1985, 32).

Jerome Bruner etwa, ein Psychologe, meint: „Auch die stärkste kausale Erklärung der menschlichen Existenz kann keinen plausiblen Sinn ergeben, wenn sie nicht im Lichte der symbolischen Welt interpretiert wird, die die menschliche Kultur konstituiert.“ (Bruner, 1997, 145 141) „Genaugenommen kann man“, so erläutert Høeg es, „nur die Existenz des selbst Erfahrenen als sicher betrachten.“ (Høeg, 1992, 66142)

Um Lebens-Welten zu erfassen, greift Rationalität zu kurz. Zeit, wieder stärker Erfahrungen als Grundlage des Verstehens zu nutzen um, wie es der Architekt Kohlhoff ausdrückte, zu einer „Resensibilisierung der Profession (Hohlhoff in Kloos, 1993, 91) zu kommen. „ Es ist notwendig, unsere Sinne zu entwickeln, die eine Brücke bilden zu den Gegebenheiten und den Gefühlen.“ so fordert auch der Architekt Day (ders., 1996, 53). Doch wie?

Subjektive Theorien und Berichte über Lebenswelten, Interviews, autobiografische Zeugnisse wie Beobachtungen haben in meiner Methodik einen großen Raum, um nach dem aufreibenden Gezerre zwischen unseren dichotomisierten, gespaltenen Erkenntnisphilosophien den Ausgleich suchen Herz und Verstand, Leidenschaft und Vernunft, den Zahlen und den Geschichten. Schon der Philosoph Bachelard klagt: „Was könnten die Philosophen doch lernen, wenn sie die Dichter läsen!“ (Bachelard, 1957 / 1987, 208) Wir brauchen Träume vom Arbeiten, Imaginationen eines wirklich gelebten Lebens.

Wichtige Erkenntnisquelle werden so Quellen zu Erfahrungen, Gespräche mit Laien und Professionellen. So wird aus einer hierarchischen Methode eine heterarchische Methode mit lebhaftem Diskurs mit den beteiligten Lebenswelten.

Zweifelsohne und völlig unwidersprochen: Rationalität und ihre Werkzeuge brauchen wir. Bei dem Versuch, Lebens-Welten zu begreifen und fruchtbar zu machen, in einer „Dimension diesseits von Subjekt und Objekt“ (Waldenfels, 1985, 56) sind sie jedoch stets ungenügend, wo es um den lebendigen, sterblichen Menschen mit seinen lebendigen Bedingungen geht. Ökonometrisches Denken hilft bei einer so ärgerlich schillernden, so ärgerlich flüchtigen, so ärgerlich wichtigen Sache wie schöpferischer Arbeitsleistung nur bedingt weiter.

Und: Steht die Theorie immer auch auf konkreter Erfahrung, Gefühlen, Erlebnissen, enthalten lebendige Erfahrungen andererseits immer auch, wie ja auch schon Levi-Strauss zeigte, a-posteriori Theorien.

So darf die einfließende Emotionalität darf nicht allein stehen, sondern muss bereichert und hinterfragt werden durch die klassischen Instrumente der Wissenschaft wie Systematisierung und Analyse, den Diskurs, wie Salz schon 1921 in seinem klugen Buch treffend kritisierte. Und zwar nicht nur innerhalb der sogenannten „science community“ sondern gerade auch im Dialog nach außen: „Gefordert ist damit ein Aushalten von Differenzen, eine Toleranz für Ambiguitäten und gleichzeitig ein Widerstand gegen Einheitszwänge.“ (Waldenfels, 1985, 32)

Wissenschaftliche Strategie - Zusammenfassung

„Wer nur auf eine einzige Methode setzt, arbeitet unseriös.“

Jürgen Hauschildt

Lebens-Welten verwandeln sich mittels der vielen relevanten Variablen multifaktoriell in eine Art methodischen Irrgarten. Es gibt bewährte Strategien dagegen - Operationalisierung von Kernbegriffen, Auswahl einiger prominenter Indikatoren, Überprüfung der Hypothesen. Wir brauchen beides: Die geschulte Rationalität der Experten und das erfahrungsgeschulte Empfinden der Nutzer. Objektivität bedeutet damit, Menschen als mit der materiellen Welt Agierenden und sie Bildenden bewusst einzubeziehen. Hier, an der Schnittstelle zwischen materieller und transzendentaler Welt, beginnt meine Wissenschaft.

Und sie beginnt vor allem mit Fragen: Denn eine der wichtigsten Leistungen der Psychologie ist für mich immer noch, Fragen aufzuwerfen. Sie beginnt mit gepflegter Ungewissheit, die Lust machen kann, das Ungewisse zu erkunden. Oft versuchen wir, Fragen und Unsicherheiten mit Daten zu beantworten. Doch Daten beantworten nicht unbedingt Fragen - das ist ein altes Missverständnis. Sie bringen oft nur Fragen zum Schweigen.

Auch der Versuch, alles Unbeantwortbare in unsere geliebte „Black Box“ zu stecken, erscheint mir nicht der richtige Weg.

So konstruiere ich neue konzeptuelle Apparate im Sinne eines Methodenportfolios zwischen den Disziplinen. Dazu ist es auch nötig, in guter alter Wissenschaftstradition sich auf das alte Babuschka-Spiel von Begriffsdefinitionen einzulassen und nicht nur das Konkrete zu hinterfragen, sondern auch gängige Begriffe, Konzepte und Werte kritisch zu betrachten, zu präzisieren und zu operationalisieren.

So können wir vielleicht verhindern dass Erkenntnisgewinn „mehr der Totengräber der Leidenschaft und ihr Grabgesang“ (Salz, 1921, 64) ist und andererseits Leidenschaft und Idealismus nicht die wichtigen Instrumente der sachlichen Reflektion, der Objektivierung ersticken.

Literatur (Auswahl)

Beck, U., Beck-Gernsheim, E., (Hg.) (1994), Riskante Freiheiten, Frankfurt / Main: Suhrkamp.

Binnig, G., (1989), Aus dem Nichts, München: Piper.

Boff, L., (1976), Kleine Sakramentenlehre, Düsseldorf: Patmos.

Boff, L., (1998), Die Stunde des Adlers. Wie der Mensch das Fliegen lernt, Düsseldorf: Patmos.

Bruner, J., (1997), Sinn, Kultur und Identität, Heidelberg: Auer.

Buber, M., (1962), Das dialogische Prinzip, Gerlingen: Lambert Schneider.

Buckminster Fuller, R., (1969 / 1998), Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde und andere Schriften, Dresden: Verlag der Kunst.

Dhority, L. F., Hartkemeyer, J.F. und M., (1998), Miteinander denken: Das Geheimnis des Dialogs, Stuttgart: Klett-Cotta.

Eco, U., (1973), Zeichen. Einführung in den Begriff, Frankfurt / Main: Suhrkamp.

Faix, W., Buchwald, C., Wetzler, C.W., (1991), Skill-Management: Qualifikationsplanung für Unternehmen und Mitarbeiter, Wiesbaden: Gabler.

Flusser, V., (1998), Vom Subjekt zum Projekt. Menschwerdung, Frankfurt / Main: Fischer.

Fromm, E., (1941/1983), Die Furcht vor der Freiheit, Stuttgart: DVA.

Gründler, E., (1997), „Vom Informationsfluß zum Know-How-Transfer“, in: ManagerSeminare, Heft 28, 6/97, 106 - 111.

Guntern, G., (Hg.), (1996), Intuition und Kreativität, Zürich: Scalo.

Heidegger, M., (1983), Denkerfahrungen 1910 - 1976, Frankfurt / Main: Vittorio Klostemann.

von Hentig, H., (1998), Kreativität. Hohe Erwartungen an einen schwachen Begriff, München: Hanser.

Høeg, P., (1996), Von der Liebe und ihren Bedingungen in der Nacht des 19. März 1929, Reinbek / Hamburg: Rowohlt.

Høeg, P., (1997), Fräulein Smillas Gespür für Schnee, Reinbek / Hamburg: Rowohlt.

Isaacs, W., (1999), dialogue and the art of thinking together, New York: Doubleday.

Jaworski, J., (1996), Synchronicity. The Inner Path Of Leadership, Berrett-Koehler: San Fransisco.

Maturana, H., (1994), Was ist Erkennen?, München: Piper.

Montaigne, de, M., (1595 / 1998), Essais, Frankfurt / Main: Eichborn.

Obholzer, A., Roberts, V., Z., (Hg), (1994), The Unconscious at Work: Individual and Organizational Stress in the Human Services, London: Routledge.

Ruskin, J., (1843 - 1884), Menschen untereinander: Auszüge aus seinen Schriften, Düsseldorf und Leipzig: Karl Robert Langewiesche.

Salz, A., (1921), Für die Wissenschaft. Gegen die Gebildeten unter ihren Verächtern, München: Drei Masken.

Sennett, R., (1994), Fleisch und Stein: Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation, Berlin: Berlin-Verlag.

Watzlawick, P., (1978/1997), Wie wirklich ist die Wirklichkeit?, München: Piper.

Wever, U., (1992), Unternehmenskultur in der Praxis, Frankfurt / Main:

FRAGEN: SPIELRÄUME

Street-Ball-Index:

Zusammenfassung in einem Satz: Der Artikel erläutert, wie Fragen im Erkenntnisprozess wirken und warum sie zur Gewinnung von Freiheitsgraden nötig sind.

Fragen stehen zu Beginn. Ich frage, also beginne ich.

Wer Fragen übergeht, kommt leicht in die Situation, dass die Antworten nichts nützen, weil man eigentlich keine Ahnung hat, wozu sie den taugen mögen, wie mit feiner Komik schon in Adams hintersinnigem Standardwerk The Hitchhicker‘s Guide To The Galaxy erzählt wird (s.a. Adams, 1952/1986, 121). Die Antwort scheint nicht so wichtig wie die Frage, die Suche nach der Frage wichtiger als die Antwort.

Was für ein wunderbarer Moment ist das: Wenn sich Antworten wieder in Fragen verwandeln! Welch große Freiheit, welch ein Frei-Raum liegt in solch einem „bekennenden Suchen“, wie es Maturana einmal nannte (s.a. Maturana, 1994, 182)!

Fragen erhöhen allerdings die Unsicherheit, sie lösen eine fixe Orientierung auf in Spielräume des Möglichen und Unmöglichen, des Gedachten und des noch nie Gedachten. Gleichzeitig sind sie eine Voraussetzung für Objektivität, in dem sie den Bezugsrahmen größer spannen.

Sie sind Zeichen dafür, dass jede Erkenntnis nur ein Versuch bleiben kann, den Dingen ihre Vielseitigkeit zurückzugeben und den Menschen und der Wissenschaft Türen offen zu halten und anzubieten hin zu neuen Möglichkeits- und Erkenntnisräumen. Sie können Lockmittel sein, sich endlich auf die Suche zu machen nach sich selbst. Sie können locken, die Peripherie dessen zu erkunden, was bisher war: Fragen sind Spielräume.

Die Skater vom Kölner Dom: Fehlerbewältigung am praktischen Beispiel

Street-Ball-Index:

Zusammenfassung in einem Satz: Der Artikel erläutert Fehlerbewältigung am praktischen Beispiel, und motiviert zu einer fehlerfreundlichen Leistungskultur.

Fehlerbewältigung, der produktive Umgang damit ist ein hässliches Dauerthema. Es ist schwierig, über den Splitter im Auge des Nachbarn zu debattieren, während man selbst schwer an seinem Balken trägt. Wie kann produktive Fehlerbewältigung aussehen?

Vertuschte Fehler

Es gibt so viele, dumme Fehler. Fehler passieren uns ständig, jeden Tag, und sie zu verschleiern, führt manchmal zu Katastrophen. Vertuschte Fehler vertuschen Lernmöglichkeiten. Vertuschte Fehler vertuschen Ängste und machen Angst. Vertuschte Fehler führen zu weiteren vertuschten Fehlern. Vertuschte Fehler verhindern, Fehler zu überwinden.

Vielleicht kommt eines Tages der Tag, an dem wir perfekt werden, ohne unsere Fehler zu überwinden. Ich glaube nicht, dass das so passieren wird, auch wenn ich mich danach sehne, in einer Welt zu leben, wo ich und andere weniger Fehler machen.

Reden und Nichts-Tun

Wir vertuschen Fehler, oder wir beschimpfen die, denen wir sie zuschreiben. Kinder können wir ermahnen, Partner anraunzen, Mitarbeiter rügen. Hilft alles nichts, macht nur schlechte Stimmung, und verdirbt oft genug einem selbst die gute Laune, manchmal auch den eigenen Ruf. Das hilft alles nicht weiter. Auch die anderen, unsere Berater und Therapeuten, die reden nur, die tun ja nichts. Dürfen sie ja auch gar nicht. Ist ja nicht ihr Job.

Das Deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung

Kommt nach Köln, auf die Domplatte. Dort ist das informelle deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung: Die Skater vom Dom. Jeden Tag, zu jeder Jahreszeit, nur morgens und bei Regentagen ist das Zentrum schütter besetzt. Die Skater vom Dom sind eine informelle, fluktuierende Gruppe in der keineswegs jeder jeden kennt.

Öffentliche Fehler

Ihre Gemeinsamkeit, ihre Marke, ihr USP: Sie machen öffentlich Fehler. Manche von ihnen stehen ganz sicher auf den Brettern, viele gar nicht so sehr. Sie fahren, machen Drehungen, fahren Figuren, alles Sachen, die sicher irgendwelche geheimen, coolen Namen haben. Na ja, machen. Sie üben noch, die Skater vom Dom. Die Domplatte ist ein recht belebter Platz. Manchmal passieren den Skatern Fehler, dass ich mich weg wenden muss, um nicht vor Lachen zu implodieren. Das wäre ungefähr so, als würde sich ein Adept der Querflöte irgendwo an eine Ecke stellen und aus reiner Freude Musik machen, ohne Klingelkästchen, in den man aus Mitleid oder Achtung etwas hineinwerfen kann. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur an die Möglichkeit denke, mich auf diese Art zu blamieren.

Die Skater von der Domplatte haben einen Mut im Leib, der größte Bewunderung abverlangt. Sie üben, oft auf einem Niveau, das ich freundlich als Liebhaberniveau bezeichnen würde, und machen einen Fehler nach dem anderen. Losfahren, Fehler machen, stoppen, losfahren, Fehler machen. Bis es klappt oder zumindest etwas besser klappt. Blaue Flecke natürlich inklusive.

Die Gruppe

Das machen Jungen, die gerade der Grundschule entwachsen sind, wie erwachsene Männer. Es ist eine Gemeinschaft der Lernenden auf sehr unterschiedlichen Lernniveaus. Hüfthängende Jeans sind in der Überzahl, aber deutlich nicht Pflicht. Manche Bretter sehen teuer aus, andere ziemlich billig. Jeder darf mitmachen. Und keiner wird ausgelacht.

Tun

Das erfordert Übung. Das erfordert ständiges Tun. Das erfordert Mut und eine gewisse gütige Gelassenheit eigenen und anderen Schwächen gegenüber. Die Skater können nicht unbedingt mit ihren Brettern umgehen, mit ihren Fehlern aber schon. Sie werden weit damit kommen, da bin ich mir sicher. Es kommt mir sehr männlich vor. Sehr sexy.

Die Domplatte, das Deutsche Zentrum für produktive Fehlerbewältigung. Hast Du das Skateboard? Lass uns los gehen.

AUFSÄTZE ZUR KREATIVITÄT

Psychologische Grundlagen der Kreativität

Street-Ball-Index:

Zusammenfassung in einem Satz: Der Artikel klärt Grundlagen der Kreativität, um kreative Prozesse besser aufbauen und steuern zu können.

Menschliche Kreativität ist förderbar - darin sind sich Forscher einig. Und: Kreativität ist auch im Berufsalltag eine immer stärker gefragte Fähigkeit, die zudem auch dazu dienen kann, dass Menschen Herausforderungen und Probleme "sportlicher", lustvoller angehen und mit den eigenen Kräften schonender umgehen.

Ziel von kreativem Denken

Kreativität dient der besseren Lösung von Probleme („um die Ecke denken“). Ob es darum geht, Räume funktionaler zu gestalten, oder funktionalere Räume zu bauen, in einem Personalgespräch einen etwas unzugänglichen Mitarbeiter zu motivieren, oder neue Absatzmärkte zu erschließen. Kreativität dient auch dazu, die eigenen Ressourcen mit der Umwelt passender zu machen, sie besser zu nützen und dadurch im Ende mehr Lebensqualität zu erreichen.

Kreativität im System

Kreativität findet oft nicht im System statt, sondern außerhalb des Systems. Gerade dieser Sprung kennzeichnet Kreativität, das Eigenschöpferische einer Leistung. Natürlich beruhen diese Lösungen teilweise auf Kenntnissen, die innerhalb des Systems erworben wurden, Die Qualität kreativer Lösungen hat oft etwas überraschendes, das aus bisherigen Denksystemen aussteigt oder ausbricht, hin zu Lösungen, die nur gefunden werden können, wenn man sich außerhalb des Systems bewegt. Solche Lösungen haben dadurch etwas teilweise „sprunghaftes“ (eben durch den Sprung außerhalb des Systems), intuitives, schnell-denkerisches. Dabei ist Kreativität nicht unbedingt die schnellere Lösung, da bis zur Lösung längere Reifezeiten durchstanden werden müssen.

Das Menschenbild

Kreativität referiert auf ein ressourcenbezogenes, kompetenzorientiertes Menschenbild. Der Mensch wird an sich als an sich kompetent wahrgenommen. Das beruht auf Fakten: Wir alle haben Fähigkeiten, nur in sehr unterschiedlichem Maße Zugang zu diesen. Zudem ist erwiesen, dass Menschen tatsächlich lebenslang lernen können – sie können sich also ihr Leben lang tatsächlich verändern und wachsen.

Menschen, die ihre Fähigkeiten schöpferischer Leistung und Problemlösung ausbauen wollen, können dies also prinzipiell. Ein wesentlicher Bestandteil der Förderung der Kreativität ist dabei offenbar bewusstes Reizmanagement:

Kreativität fördern: Beispiele

Kreativität durch Reizarmut fördern

[...]

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Perspektiven. Aufsätze zur angewandten Psychologie
Autor
Jahr
2013
Seiten
102
Katalognummer
V287000
ISBN (eBook)
9783656903765
ISBN (Buch)
9783656903772
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perspektiven, aufsätze, psychologie
Arbeit zitieren
Dr. phil. Kathrin Kiss-Elder (Autor), 2013, Perspektiven. Aufsätze zur angewandten Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287000

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