Im Folgenden finden Sie psychologische Essais der letzten fünfzehn Jahre. Psychologie – unsere wunderbare Wissenschaft der Seele, ein genaueres Hinschauen zu dem, was greifbar ist, um das Ungreifbare zu erforschen. Psychologie, in der Fragen und Erkenntnisbegehren Spielräume aufzeigen und Perspektiven schaffen können – weil ich sie für so wichtig halte, hat dieser Aufsatz der ganzen Sammlung ihren Namen gegeben.
Und so beginne ich auch:
• Aufsätze zur Methodik der Psychologie;
• Aufsätze zur Kreativität, wesentlich aus Anwenderperspektive – Kreativität als Spiel, Disziplin, Methode;
• Aufsätze zu Psychologie und Religion – angefangen mit einem Aufsatz über den Zusammenhang von Kreativität und Religion, gefolgt von einem Aufsatz zu Ritualen heute;
• Aufsätze zu Fragen der Architekturpsychologie – eher philosophisch-abstrakte Ansätze hin zu einer der ältesten Fragen der Menschheit: Wer schafft den Müll weg?;
• schließlich Aufsätze zu allgemeinen gesellschaftlichen Fragen: Zuerst DER gesellschaftlichen Frage überhaupt: Dem Konzept Golf, über Fragen von transgenerationellen Traumata, bis hin zu einer Erörterung der Bedeutung sozialen Kapitals und der Frage, wie alte Menschen zu aktivieren sind.
Die Impulse zu diesen Aufsätzen waren sehr unterschiedlich, fast immer standen Gespräche am Anfang, eine geteilte Faszination, eine Neugierde, die im Dialog mit anderen zum tieferen Erkenntnisbegehren reifen konnte. In manchen dieser Aufsätzen spiele ich eine Art sozialpsychologisches Street Ball mit Ihnen – Ziel ist, so viel wie möglich komplizierte Wörter in einem Satz unterzubringen – könnte man meinen. Aber das hat einen Grund: Bei sehr sensiblen Themen war es mir ein Anliegen, möglichst genau zu denken – der Aufsatz zu transgenerationellen Traumata gehört für mich dazu. Bei anderen Aufsätzen verzichte ich mehr oder minder auf das Denken innerhalb unseres Klettergerüstes von Verweisen und Fußnoten, es ist eine Art Denken am leeren Tisch, einen Ansatz, den ich sehr liebe. Und genau darum geht es mir: Aus Zuneigung zum Menschen weiter zu denken.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
AUFSÄTZE ZUR METHODIK DER PSYCHOLOGIE
Erkenntnisgewinn: Auf der Suche nach der richtigen Methode
Fragen – Spielräume
Die Skater vom Kölner Dom: Fehlerbewältigung am praktischen Beispiel
AUFSÄTZE ZUR KREATIVITÄT
Psychologische Grundlagen der Kreativität
Der kreative Impuls: Umgang mit Blockaden
Visionsarbeit: Techniken der Versprachlichung
Kreative Verstörungen: Wie Kreativität auf die Gesellschaft wirkt
AUFSÄTZE ZU PSYCHOLOGIE UND RELIGION
Kreativität und Gottglaube
Rituale heute
AUFSÄTZE ZUR ARCHITEKTURPSYCHOLOGIE
Der getaktete Mensch: Über die Rolle der Psychologie in der Architektur
Vom Mythos des unfertigen Raumes
Das Modell: Gullivers Reise in die Welt der Architektur
Auf der Suche nach dem vollkommenen Maß
Der soziale Raum
Über die Versuchung des mathematischen und ästhetischen Raumes
Planungsprozesse von Mehrgenerationenhäusern
Patensysteme in Mehrgenerationenhäusern
Räume für Kinder: Wichtige architekturpsychologische Qualitäten
AUFSÄTZE ZU GESELLSCHAFTLICHEN FRAGEN
Das Konzept Golf: Eine Zivilisationskritik
Silent Talk: Zuhören als kommunikative Ressource
Transgenerationelle Traumata – transgenerationelle Ressourcen
Soziales Kapital: Ressourcen in Wirtschaftskrisen
Gärten für Gerontologie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Sammlung psychologischer Aufsätze zielt darauf ab, die Schnittstellen zwischen angewandter Psychologie und verschiedenen Lebensbereichen wie Architektur, Kreativität, Religion und gesellschaftlichen Strukturen zu beleuchten, um Erkenntnisräume für eine praxisorientierte Lebensgestaltung zu öffnen.
- Psychologische Methodik und ihre Anwendung in der Praxis
- Kreativitätsförderung und Überwindung von Blockaden
- Wechselwirkung zwischen Architektur und menschlichem Erleben
- Rolle von sozialen Netzwerken und Ritualen in der modernen Gesellschaft
- Transgenerationale Dynamiken und deren therapeutisches Potenzial
Auszug aus dem Buch
DIE SKATER VOM KÖLNER DOM: FEHLERBEWÄLTIGUNG AM PRAKTISCHEN BEISPIEL
Fehlerbewältigung, der produktive Umgang damit ist ein hässliches Dauerthema. Es ist schwierig, über den Splitter im Auge des Nachbarn zu debattieren, während man selbst schwer an seinem Balken trägt. Wie kann produktive Fehlerbewältigung aussehen?
Vertuschte Fehler
Es gibt so viele, dumme Fehler. Fehler passieren uns ständig, jeden Tag, und sie zu verschleiern, führt manchmal zu Katastrophen. Vertuschte Fehler vertuschen Lernmöglichkeiten. Vertuschte Fehler vertuschen Ängste und machen Angst. Vertuschte Fehler führen zu weiteren vertuschten Fehlern. Vertuschte Fehler verhindern, Fehler zu überwinden.
Vielleicht kommt eines Tages der Tag, an dem wir perfekt werden, ohne unsere Fehler zu überwinden. Ich glaube nicht, dass das so passieren wird, auch wenn ich mich danach sehne, in einer Welt zu leben, wo ich und andere weniger Fehler machen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die psychologischen Essays der letzten 15 Jahre und erläutert den konzeptionellen Ansatz der Autorin, durch einen "Street-Ball-Index" den Schwierigkeitsgrad der Aufsätze zu kennzeichnen.
AUFSÄTZE ZUR METHODIK DER PSYCHOLOGIE: Diese Kapitel befassen sich mit den Grundstrategien des Erkenntnisgewinns, der Rolle von Fragen als Freiheitsraum und der produktiven Fehlerbewältigung am Beispiel von Skatern auf der Kölner Domplatte.
AUFSÄTZE ZUR KREATIVITÄT: Hier werden psychologische Grundlagen der Kreativität, der Umgang mit Blockaden sowie Techniken der Visionsarbeit und die gesellschaftlichen Auswirkungen kreativer Prozesse untersucht.
AUFSÄTZE ZU PSYCHOLOGIE UND RELIGION: Diese Aufsätze beleuchten die Impulse, die ein Gottglaube für das kreative Schaffen bieten kann, und diskutieren die heutige Bedeutung von Ritualen in der Postmoderne.
AUFSÄTZE ZUR ARCHITEKTURPSYCHOLOGIE: Der Fokus liegt auf der Rolle der Psychologie bei der Gestaltung von Räumen, der Kritik an starren Maßkonzepten und der Bedeutung von Partizipationsmodellen für eine vitale Architektur.
AUFSÄTZE ZU GESELLSCHAFTLICHEN FRAGEN: Die letzten Kapitel behandeln kritisch-psychologische Analysen von gesellschaftlichen Phänomenen wie Golf als Symbol, die Bedeutung des Zuhörens, transgenerationelle Traumata und soziales Kapital in Zeiten von Wirtschaftskrisen sowie Konzepte für die Gerontologie.
Schlüsselwörter
Angewandte Psychologie, Architekturpsychologie, Kreativität, Fehlerbewältigung, Erkenntnisstrategien, Soziales Kapital, Transgenerationelle Traumata, Lebenswelten, Raumwahrnehmung, Partizipation, Resilienz, Gerontologie, Ritual, Kommunikation, Methodenportfolio.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Es handelt sich um eine Sammlung von Aufsätzen zur angewandten Psychologie, die über einen Zeitraum von 15 Jahren entstanden sind und unterschiedliche Lebensbereiche miteinander verknüpfen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit deckt Themen wie Architekturpsychologie, Kreativitätsforschung, Religion, gesellschaftliche Dynamiken und methodische Grundlagen psychologischen Arbeitens ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, psychologische Erkenntnisse aus verschiedenen Nischen zusammenzuführen, um neue Perspektiven für die Praxis und das Aushalten von Ambivalenzen in einer unfertigen Welt zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin plädiert für ein Methodenportfolio, das neben rational-analytischen Ansätzen insbesondere subjektive Theorien, qualitative Fallbeispiele und den interdisziplinären Diskurs einbezieht.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aufsatzgruppen, die von spezifischen psychologischen Methoden über die Bedeutung von Kreativität und Architektur bis hin zu soziokulturellen Analysen reichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind neben der Architekturpsychologie vor allem "Spielräume", "Fehlerbewältigung", "Transgenerationelle Ressourcen" und die "Verknüpfung von Materie und Transzendenz".
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Street-Ball" und "Akademischem Diskurs"?
Der "Street-Ball-Index" fungiert als unscharfe Kategorisierung, die den Lesern helfen soll, den Schwierigkeitsgrad und die analytische Tiefe der jeweiligen Aufsätze schnell einzuschätzen.
Welche Rolle spielt die Architekturpsychologie in dem Werk?
Sie dient als Anwendungsfeld, um zu zeigen, wie psychologische Erkenntnisse über den Menschen als Ganzes dazu beitragen können, soziale Räume menschlicher, funktionaler und lebendiger zu gestalten.
Was ist die Kernbotschaft zum Thema "Transgenerationelle Dynamiken"?
Die Autorin argumentiert, dass neben transgenerationalen Traumata auch "transgenerationelle Ressourcen" existieren, die bei bewusster Aktivierung eine enorme therapeutische und persönliche Chance bieten.
Welcher Ansatz wird bezüglich "Gärten für Gerontologie" verfolgt?
Hier wird aufgezeigt, wie durch kleine gärtnerische Aufgaben und Patenschaften in Pflegeheimen älteren Menschen Sinn, Verantwortung und Lebensqualität zurückgegeben werden kann.
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- Dr. phil. Kathrin Kiss-Elder (Author), 2013, Perspektiven. Aufsätze zur angewandten Psychologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287000