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Frauendarstellungen im Prosawerk Erich Kästners

Title: Frauendarstellungen im Prosawerk Erich Kästners

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Cornelia Peters (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Wenigen Zeitgenossen in Deutschland ist der Name Erich Kästner unbekannt. Seine Epigramme und Bonmots sind von hohem Wiedererkennungswert und zieren auch heute viele Poesiealben. Kästners humoristische Unterhaltungsromane werden noch immer „in manchen Krankenhäusern verordnet wie Zinksalbe und Kamillenumschläge“, während bei seinem Roman Fabian nach eigener Einschätzung des Autors „Bardamen, ja sogar Mediziner noch rot werden“1. Kästners Naturlyrik wie Die Dreizehn Monate begeistert empfindsame Seelen, seinen Kinderbüchern bringen „die Erzieher Anerkennung und die Erzogenen Begeisterung entgegen“2, und mit seinen Kabarett- und Chansontexten konnte er vor allem in der Nachkriegszeit ein breites Publikum erreichen. Ungebrochene Popularität beweist die Anwesenheit Kästnerscher „Gebrauchslyrik“ und Prosa in allen gängigen Lesebüchern. Neuverfilmungen der Kinderbücher in den neunziger Jahren (Das doppelte Lottchen, 1993, Emil und die Detektive, 1998, Pünktchen und Anton, 1999) bescheren den schon recht betagten kleinen Helden eine zeitgemäße Verjüngungskur nebst hohen Besucherzahlen. Die hundertste Wiederkehr seines Geburtstages am 23. Februar 1999 gibt, im sogenannten „Kästnerjahr“, weit verbreitet Anlaß zu Chanson- und Lyrikabenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Erich Kästners Position in Politik und Pädagogik

1.1 Gesellschaft und Schreibmotivation

1.2. Kästners zweigeteilte Welt

1.3 Kästner für Männer?

2. Geschlechtsrollenkategorien in Kästners Prosawerk

2.1 Die Situation von Frauen in der Weimarer Republik

2.2 Bildung und Ausbildung als Sympathie- und Rollenfaktor

2.2.1 Frauen mit Hochschulbildung

2.2.2 Pseudo- und halbgebildete Frauen

2.2.3 Frauen ohne höhere Bildung

2.3 Familienstand als Rollendeterminante

2.3.1 Unverheiratete Frauen - „Ein Los, schlimmer als der Tod“

2.3.2 Eheleute - Ehepartner ?

2.3.3 Ehefrauen wohlsituierter Männer

2.3.4 Witwen und Strohwitwen

2.4 Sexualität und Geschlechterrolle

2.4.1 Die Dame ohne Unterleib

2.4.2 Die sexuell gefallene Frau als Sympton einer dekadenten Gesellschaft

3. Mütter als „soziale Urwesen“

4. Erich Kästner - Moralist mit doppelter Moral?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild im Prosawerk von Erich Kästner und analysiert, wie der Autor weibliche Figuren in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen, Bildung und Familienstand darstellt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Kästners literarische Darstellung geschlechtsspezifische Rollenbilder festigt oder bricht.

  • Analyse der geschlechtsspezifischen Rollenkategorien in Kästners Romanen und Kinderbüchern.
  • Untersuchung des Einflusses von Bildung und sozialem Status auf die Charakterisierung weiblicher Figuren.
  • Kritische Hinterfragung des Kästnerschen Frauenbildes im Kontext der Weimarer Republik.
  • Kontrastierung der idyllischen Kinderbuchwelt mit der zynisch-satirischen Welt der Erwachsenenromane.
  • Reflektion über die Diskrepanz zwischen Kästners Anspruch als Moralist und seinem tatsächlichen Frauenbild.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Frauen mit Hochschulbildung

Obwohl sie in der Gesellschaft der zwanziger Jahre durchaus eine Minderheit darstellten, sind Frauen mit höher Bildung oder abgeschlossenem Hochschulstudium in Kästners Prosawerk stark repräsentiert. Fabians Geliebte Cornelia Battenberg ist promovierte Rechtsreferendarin mit abgeschlossenem Jurastudium, ihre Dissertation befaßte sich mit internationalem Filmrecht. Leda, die Verlobte seines Freundes Labude, ist wissenschaftliche Angestellte an der Hamburger Universität. Im „zweiten Vorwort“ zu Kästners Unterhaltungsroman Drei Männer im Schnee erscheint die Kunsthistorikerin Elfriede, Verlobte von Robert, einem Freund des Erzählers. Eine weitere Figur mit höherer Schulbildung und Berufsausbildung ist Luiselotte Körner, Verlagsangestellte im Doppelten Lottchen. Keine der genannten Frauenfiguren zeigt nach Kästners Darstellung Eignung oder Bestreben, eine nach seiner Ansicht funktionierende Dauerbeziehung aufzubauen.

Die völlig überspannte Kunsthistorikerin Elfriede betrügt Robert in dessen Abwesenheit mit einem Zahnarzt, den sie trotz oder wegen seiner Angewohnheit, ihr Prügel zu verabreichen, heiratet.

Fabians Freund Labude erfährt nach fünfjähriger Beziehung zu seiner Verlobten Leda, daß diese ihn betrügt und daß sie ein Kind abtreiben ließ, dessen Vaterschaft ungeklärt ist. Leda wird als eine schamlose Frau mit lockeren Moralvorstellungen gezeichnet, die nicht fähig oder willens ist, trotz räumlicher Trennung (Hamburg - Berlin) eine Langzeitbeziehung aufrechtzuerhalten. Verbittert konstatiert Labude, Leda habe ihn all die Jahre kaltblütig belogen. Sie liebe ihn nicht und habe ihn nie geliebt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Erich Kästners Position in Politik und Pädagogik: Dieses Kapitel führt in Kästners literarisches Wirken und seine gesellschaftspolitische Motivation ein, wobei insbesondere der Einfluss seiner kleinbürgerlichen Herkunft thematisiert wird.

1.1 Gesellschaft und Schreibmotivation: Hier werden die biografischen Hintergründe des Autors und die Auswirkungen der Industrialisierung auf seine Weltanschauung sowie sein Bestreben, soziale Missstände durch Satire anzuprangern, analysiert.

1.2. Kästners zweigeteilte Welt: Es wird die Differenz zwischen Kästners idealisierter Kinderbuchwelt und der pessimistischen, satirisch geprägten Welt seiner Romane für Erwachsene beleuchtet.

1.3 Kästner für Männer?: Dieses Kapitel untersucht die männliche Dominanz in Kästners Figureninventar und wirft die Frage auf, wie weibliche Figuren in dieses patriarchale Weltbild integriert werden.

2. Geschlechtsrollenkategorien in Kästners Prosawerk: Hier beginnt die detaillierte Untersuchung der Kategorisierung weiblicher Figuren, basierend auf ihrer gesellschaftlichen Stellung und Lebenssituation in der Weimarer Republik.

2.1 Die Situation von Frauen in der Weimarer Republik: Es wird der zeitgeschichtliche Hintergrund der Emanzipationsbewegung und die tatsächliche Lebensrealität von Frauen in den 1920er Jahren dargestellt.

2.2 Bildung und Ausbildung als Sympathie- und Rollenfaktor: Dieses Kapitel analysiert, wie Kästner Frauen anhand ihres Bildungsgrades einstuft und bewertet.

2.2.1 Frauen mit Hochschulbildung: Es zeigt, dass gebildete Frauen bei Kästner meist als negative, beziehungsunfähige Figuren dargestellt werden.

2.2.2 Pseudo- und halbgebildete Frauen: Hier wird kritisiert, wie der Autor durch spöttische Zeichnungen von Lehrerinnen und Erzieherinnen gesellschaftliche Vorurteile reproduziert.

2.2.3 Frauen ohne höhere Bildung: Dieser Abschnitt thematisiert die Darstellung von Hausangestellten, die oft auf Kosten ihres sozialen Status für humoristische Zwecke lächerlich gemacht werden.

2.3 Familienstand als Rollendeterminante: Hier wird analysiert, wie der Familienstand der Frauen deren Charakterisierung und Rolle innerhalb der Kästnerschen Erzählungen bestimmt.

2.3.1 Unverheiratete Frauen - „Ein Los, schlimmer als der Tod“: Es werden die negativen Vorurteile gegenüber ledigen Frauen und deren Darstellung als soziale Außenseiterinnen untersucht.

2.3.2 Eheleute - Ehepartner ?: Dieses Kapitel hinterfragt Kästners deprimierendes Bild der Ehe und zeigt die Machtdynamiken zwischen den Ehepartnern auf.

2.3.3 Ehefrauen wohlsituierter Männer: Es zeigt, dass vergnügungssüchtige Frauen aus der Oberschicht bei Kästner als verantwortungslos und moralisch defizitär gelten.

2.3.4 Witwen und Strohwitwen: Hier wird die negative, teils lüsterne Zeichnung alleinerziehender oder zeitweise allein lebender Frauen in den Romanen analysiert.

2.4 Sexualität und Geschlechterrolle: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Zweigeteiltheit von Kästners Werk und der Darstellung von Sexualität.

2.4.1 Die Dame ohne Unterleib: Es wird aufgezeigt, dass nur sexuell unerfahrene und unterwürfige Frauen als Sympathieträgerinnen gelten.

2.4.2 Die sexuell gefallene Frau als Sympton einer dekadenten Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die negative Darstellung von Frauen, die ihre Sexualität selbstbestimmt ausleben, als Zeichen für den moralischen Verfall der Gesellschaft.

3. Mütter als „soziale Urwesen“: Es wird die Polarität zwischen der idealisierten, aufopferungsvollen Mutter und dem negativen Frauenbild untersucht, das sonst vorherrscht.

4. Erich Kästner - Moralist mit doppelter Moral?: Im Fazit wird Kästners Anspruch, ein Moralist zu sein, kritisch mit seinem Festhalten an patriarchalen, konservativen Rollenbildern konfrontiert.

Schlüsselwörter

Erich Kästner, Frauenbild, Prosawerk, Weimarer Republik, Geschlechterrollen, Patriarchat, Literaturkritik, Fabian, Kinderbücher, Emanzipation, Moral, Satire, Ehe, Bildung, Stereotypisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Frauenbild im Prosawerk von Erich Kästner und analysiert, wie der Autor weibliche Figuren in seinen Romanen und Kinderbüchern darstellt und welche zugrunde liegenden Geschlechterrollen er dabei vermittelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung von Bildung und sozialem Status für die Charakterisierung weiblicher Figuren, die Auswirkungen des Familienstandes auf die Darstellung sowie der Kontrast zwischen Kästners moralischem Anspruch und seinem tatsächlichen Frauenbild.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die geschlechtsspezifischen Darstellungen bei Kästner kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie diese von traditionellen, bürgerlich-konservativen Vorurteilen geprägt sind, obwohl der Autor gleichzeitig Gesellschaftskritik übt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärwerks (Romane und Kinderbücher) unter Einbeziehung sozialgeschichtlicher Fakten und existierender Forschungsliteratur, um die Figurenkonstellationen und Rollenbilder zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Frauenfiguren nach Bildungsgrad und Familienstand sowie die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sexualität und Geschlechterrollen, ergänzt durch eine kritische Betrachtung der Mutterfigur im Werk.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Schlüsselbegriffe wie Erich Kästner, Frauenbild, Geschlechterrollen, Patriarchat, Stereotypisierung, Moral und Weimarer Republik charakterisieren.

Wie bewertet die Autorin Kästners Rolle als Moralist?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Kästner zwar soziale Missstände satirisch anprangert, jedoch in Bezug auf Frauen an einem patriarchalen und repressiven Weltbild festhält, was erhebliche Zweifel an seiner selbstpostulierten moralischen Autorität aufkommen lässt.

Warum werden gebildete Frauen bei Kästner meist negativ dargestellt?

Laut der Analyse stehen Bildung und Emanzipation bei Kästner einer „idealen“ (unterwürfigen) Weiblichkeit im Weg. Höhere Bildung wird von ihm als Hindernis für ein „positives“ (kleinbürgerliches) Frauenbild interpretiert.

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Details

Title
Frauendarstellungen im Prosawerk Erich Kästners
College
University of Koblenz-Landau  (Germanistik)
Course
Hauptseminar Erich Kästner
Grade
1,0
Author
Cornelia Peters (Author)
Publication Year
1999
Pages
31
Catalog Number
V28706
ISBN (eBook)
9783638304108
ISBN (Book)
9783638649902
Language
German
Tags
Frauendarstellungen Prosawerk Erich Kästners Hauptseminar Erich Kästner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cornelia Peters (Author), 1999, Frauendarstellungen im Prosawerk Erich Kästners, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28706
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