Zu Bergers und Luckmanns "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit"


Exzerpt, 1999
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Lebensläufe der Autoren
1.1 Vita von Peter Berger
1.2 Vita von Thomas Luckmann
1.3 Einleitung

2. Die Grundlagen der Alltagswirklichkeit
2.1 Interaktion. Vis-à-Vis-Situationen und andere Wechselbeziehungen
2.2 Zeichensysteme, Sprache und Wissen in der Alltagswirklicheit

3. Der Mensch in der Gesellschaft
3.1 Das Schaffen von Ordnung und Stabilität durch Institutionalisierung
3.2 Erinnerung und Tradition
3.3 Rollen
3.4 Verschiedene Formen von
Institutionalisierung

4. Persönliche Meinung

5. Literaturverzeichnis

1.1. Vita von Thomas Luckmann

- geboren: 1927 in Jugoslawien[1]
- Studium der Philosophie, Germanistik, Romanistik, Vergleichenden

Sprachwissenschaften und Psychologie an der New School for Social

Research (New York) und an den Universitäten Wien und Innsbruck.

- Forschungstätigkeit: 1953 bis 1965 Interviewer, Forschungsassistent,

Ko – Direktor, und Berater bei verschiedenen Forschungsprojekten im

Bereich von Religion, Sprache, Gemeindestudien und Jugendkriminalität

- Lehrtätigkeit: ab 1955 Teaching Assistent in New York ; 1956 – 60

Department of Anthropology and Sociology, N.Y.; 1960 – 65 Assistant

später Associate Prof. am Department of Sociology, N.Y.; 1965 – 70

Professor für Soziologie an der Universität Frankfurt; seit 1970 Professor

für Soziologie an der Universität Konstanz; mehrere Gastprofessuren

Wichtige Werke:

- (mit P. Berger) Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt/Main 1980
- Soziologie der Sprache. In: René König (Hg.): Handbuch der empirischen Sozialforschung, Band 13, 1979
- Lebenswelt und Gesellschaft. Grundstrulturen und geschichtliche

Wandlungen, 1980

...

1.2. Vita von Peter Berger

- geboren: 1929 in Wien[2]
- Studium der Theologie, Philosophie und Soziologie an der New School

for Social Research

- promovierte und lehrte daselbst an der Graduate Faculty
- später Professor der Soziologie an der Rutgers Universität
- lehrt heute an der Boston University

Wichtige Werke:

- (mit T. Luckmann) Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt/Main 1980
- The sacred Anopy, 1967

...

1.3. Einleitung

In ihrem Werk “Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie” beschäftigen sich die Autoren Berger und Luckmann mit dem alltäglichen Leben und der alltäglichen Wirklichkeit. Von Bedeutung sind für sie allerdings weniger theoretische Spezialfälle der Alltagswirklichkeit, sondern vielmehr die ”Erklärung jener Wirklichkeit, die dem Verstand des gesellschaftlichen Normalverbrauchers zugänglich ist.”[3] Sie wollen die Konstruktion der Wirklichkeit begreiflich machen.

Alltagswirklichkeit ist nicht statisch, sondern verändert sich fortlaufend. Da „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ bereits 1966 geschrieben wurde, ist es also wenig verwunderlich, daß die Darstellung der damaligen Wirklichkeit nicht immer der unseren entspricht. So empfand ich einige der Beispiele Bergers und Luckmanns als recht veraltet. Um mir selbst den Text klarer zu machen, habe ich versucht, eigene Beispiele zu finden, die ich auch in dieser Arbeit verwendet habe.

2. Die Grundlagen der Alltagswirklichkeit

Bevor Berger und Luckmann zur Analyse der Wirklichkeit kommen, wollen sie die Grundlagen des Alltags ergründen. Sie gehen nicht davon aus, daß die Alltagswelt bereits gegeben ist, sondern von jedem Akteur der Gesellschaft geprägt wird. Von Interesse sind daher weder genetische noch kausale Erklärungen, sondern ”der allem Bewußtsein gemeinsame intentionale Charakter.”[4] Das heißt, daß alles Handeln und somit auch der Alltag aus den Wünschen, Intentionen und Vorstellungen der Akteure resultieren.

Jeder Mensch empfindet subjektiv und lebt sozusagen in seiner eigenen kleinen Wirklichkeit. Die Welt besteht also aus vielen verschiedenen Wirklichkeiten. Unter ihnen nimmt die Wirklichkeit der Alltagswelt eine besondere Stellung ein, sie gilt als ”Wirklichkeit par excellence.”[5]

Der Mensch wird in die Alltagswelt hineingeboren, sie ist bereits vor seiner Geburt konstruiert. Aus diesem Grund wird sie als selbstverständlich wahrgenommen, und doch beeinflußt sie unser Bewußtsein stärker als jede andere Form von Wirklichkeit. Am wichtigsten sind hier zweifelsohne die Dinge der Alltagswelt, die mir am nächsten stehen, also ”die Welt, in der ich mich betätige, deren Wirklichkeit ich modifizieren kann, die Welt, in der ich arbeite.”[6]

Jeder Mensch erlebt die Alltagswelt zwar anders und sie wird quasi zu seiner persönlichen Alltagswelt. Aber dennoch steht außer Frage, daß die Alltagswelt für jeden anderen Menschen einen ebenso wichtigen Stellenwert besitzt wie für mich persönlich.

Obwohl also jeder Akteur die Alltagswelt aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, ist klar, daß alle Akteure nach einem bestimmten gemeinsamen Schema leben. ”Meine natürlichen Einstellungen zu dieser Welt [entsprechen] der natürlichen Einstellung anderer zu ihr.”[7] Das Wissen über die gemeinsame Ansicht der Alltagswelt entsteht durch Interaktion der Akteure, nämlich indem sie miteinander korrespondieren.

Im Allgemeinen nimmt jeder Mensch die Alltagswirklichkeit als wirklich an. Es ist uns zwar möglich, diese Wirklichkeit anzuzweifeln, doch könnten wir nicht existieren, wenn wir jede kleinste Routinehandlung hinterfragen würden. Routine vereinfacht das menschliche Leben, aber das Aufbrechen der Kontinuität läßt Probleme entstehen. Wenn ein Problem auftritt, versucht der Akteur, dieses mit altbewährten Methoden aus der Alltagswirklichkeit zu lösen. Erst wenn diese Methoden nicht zur Lösung führen, betritt der Akteur sozusagen eine neue Wirklichkeit.

Es gibt bestimmte Bereiche, zum Beispiel Theater, Kunst oder Religion, die von der Alltagswelt ablenken und in eine neue Wirklichkeit führen. Dennoch bleibt die Alltagswelt doch immer die wichtigste Wirklichkeit. Das liegt schon alleine daran, daß wir andere Wirklichkeiten nur mit den Worten der Alltagswelt beschreiben können,

”das heißt, ich »versetze« nicht – alltägliche Erfahrungen »zurück«

in die oberste Wirklichkeit: die der Alltagswelt.”[8]

Zudem funktioniert die Alltagswelt im Gegensatz zu anderen Wirklichkeiten nach einer Standardzeit, was sie natürlich auch gegenüber den anderen Realitäten auszeichnet. Zeit regelt die gesamte Existenz sowohl der Gesellschaft als auch der Individuen. Im Grunde genommen, erschafft die Alltagswelt einen Schnittpunkt der Zeiten aller Wirklichkeiten, so daß eine Standardzeit gebildet wird, nach der sich alle Menschen richten können.

[...]


[1] Internationales Soziologenlexikon 1984, S. 510 – 512

[2] Ebd., S. 65/66

[3] P.L. Berger/ T. Luckmann 1980, S. 21

[4] Ebd., S.23

[5] Ebd., S. 24

[6] Ebd., S. 25

[7] Ebd., S. 26

[8] Ebd., S. 29

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Zu Bergers und Luckmanns "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Soziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
21
Katalognummer
V2871
ISBN (eBook)
9783638117401
ISBN (Buch)
9783638696531
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Wissenssoziologie, Peter Berger, Thomas Luckmann
Arbeit zitieren
Nadine Wickert (Autor), 1999, Zu Bergers und Luckmanns "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2871

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