Das Wahlparadoxon in Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Herausarbeitung der Fragestellung

2. Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie

3. Eine Erklärung des Wahlparadoxons

4. Anthony Downs Lösungsansatz des Wahlparadoxons

5. Eine Weiterführung des Downsschen Lösungsansatz

6. Kritische Betrachtung der Lösungsansätze.

7. Fazit und Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Herausarbeitung der Fragestellung

Bei der Bundestagswahl 2013 zum 18. Deutschen Bundestag waren in der Bundesrepublik knapp 62 Millionen Bürger wahlberechtigt.1 Die Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten lag jedoch nur bei 71,5%. Zwar ist dieser Wert der Wahlbeteiligung international gemessen immer noch sehr hoch, dennoch stellte sich offensichtlich für viele Wähler die Frage, wieso sie überhaupt zur Wahl gehen sollten. Viele halten die Abgabe Ihrer Stimme für unnötig, mit der Begründung, eine einzelne Stimme spiele im Gesamtergebnis sowieso keine Rolle. Rational gesehen, könnte man somit am Tag der Wahl auch einfach einer anderen Beschäftigung nachgehen. Dennoch zeigt die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung in Deutschland, dass die Wahl einen wichtigen Stellenwert für die Menschen einnimmt. Das Prinzip, dass der Wahlbeteiligungs- Problematik zugrunde liegt, ist das Wahlparadoxon. In seiner Anwendung des Rational Choice Prinzips wurde dies von Anthony Downs 1957 in seinem Werk „An Economic Theorie of Democracy“ erkannt und bearbeitet. Heute, knapp 60 Jahre später, stellt sich die Frage nach der Aktualität dieses Prinzips und der zugrundeliegenden Thematik. Da die Wahlbeteiligung in den letzten 20 Jahren in Deutschland langsam aber sicher zurückgegangen ist2, bietet sich eine Prüfung seiner Theorie im Bezug auf das Wahlparadoxon an. Es stellt sich also die Frage, inwieweit sich das Wahlparadoxon mit Anthony Downs ökonomischer Theorie der Demokratie erklären lässt.

Um dieser Frage nachzugehen, werde ich zuerst einmal die wesentlichen Inhalte von Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie erläutern, was entscheidend ist, um das Wahlparadoxon zu verstehen. Dazu werde ich die Ansicht des rationalen Wählers, sowie die der rationalen Partei seines Modells genauer erläutern. Daraufhin werde ich im zweiten Schritt genauer auf das Wahlparadoxon selbst eingehen, um dann im Anschluss Downs Lösungsansatz zu ebendiesem kritisch betrachten zu können. Zum Schluss dieser Analyse werde ich einen Ausblick auf den aktuellen Stand der Forschungen, sowie die Weiterentwicklungen seines Modells geben, um schlussendlich herauszufinden, ob das Wahlparadoxon auflösbar ist.

2. Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie

Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie ist eine Anwendung der Rational Choice Theorie auf die Politikwissenschaft. Sie untersucht, wie sich die Akteure des politischen Bereichs verhalten, wenn man sie wie Anbieter und Nachfrager auf einem Markt der politischen Möglichkeiten behandelt.3 Downs geht in seiner Theorie von einem rationalen Verhalten der politischen Akteuere aus. Jeder Akteur hat gewisse Präferenzen und Ziele. Den Begriff rational bezieht Downs dabei jedoch nicht auf die Ziele, sondern immer auf die Mittel, die ein Handlungsträger zum Erreichen dieser Ziele nutzt.4. Downs beschreibt den rational handelnden Menschen wie folgt: „(…) die ökonomische Definition bezieht sich einzig und allein auf einen Menschen, der sich seinen Zielen auf einem Wege nähert, auf dem er nach bestem Wissen für jede Einheit des Wertertrags den kleinstmöglichen Aufwand an knappen Mitteln einsetzt.“5 Vereinfacht gesagt verhält sich ein Akteur dann rational, wenn er den Weg mit dem größten Nutzen beim minimalsten Aufwand wählt. Rationale Verhaltensweisen eines Akteurs erklärt Downs nach Kenneth J. Arrow hier wörtlich übernommen wie folgt:

1. Wenn er vor eine Reihe von Alternativen gestellt wird, ist er stets imstande, eine Entscheidung zu treffen
2. Er ordnet alle Alternativen, denen er gegenübersteht, nach seinen Präferenzen so, dass jede im Hinblick auf jede andere entweder vorgezogen wird oder indifferent oder weniger wünschenswert ist.
3. Seine Präferenzordnung ist transitiv.
4. Er wählt aus den möglichen Alternativen stets jene aus, die in seiner Präferenzordnung den höchsten Rang einnimmt.
5. Er trifft, wenn er vor den gleichen Alternativen steht, immer die gleiche Entscheidung.6

Weiterhin spricht Downs in seiner Theorie vom sogenannten Eigennutzenaxiom. Dieses schreibt dem rationale Verhalten der Akteure eigennützige Absichten zu. Die Akteure verfolgen demnach immer ihre eigenen Interessen und ziehen diese auch den Interessen anderer vor.7 Downs Anliegen mit seinem Modell liegt in der Analyse des Prozesses der Demokratie. Demokratie wird „unter Ausschluss inhaltlicher Zielvorstellungen rein formal als ein bestimmtes Verfahren definiert, mit dessen Hilfe die Regierung rekrutiert wird.“8 Downs betrachtet in seinem Modell also nur den Prozess der Regierungsbildung, also der politischen Wahlen. Regierungsinhalte und auch Parteiprogramme sind hierbei zwar Bestandteil des Prozesses, werden aber nur als Mittel zum Zweck angesehen. Nach Downs sind demokratische Wahlen also nur durch das Verhalten zweier Akteure im politischen Raum bestimmt: Den politischen Parteien sowie den Wählern. Da in diesem Modell alle Akteure rational handeln, ist das einzige Ziel der Parteien, die Regierung zu übernehmen, um sich die Vorteile zu sichern, die die politischen Ämter mit sich bringen. Diese sind für den einzelnen beispielsweise Macht, Einkommen oder Pensionsansprüche. Wahlprogramme und politische Inhalte werden einzig und allein formuliert, um die Wahl zu gewinnen. Somit ist das Programm der Parteien nur darauf ausgerichtet, die Chancen auf den Wahlsieg zu maximieren. 9 Die Wähler hingegen, entscheiden sich in diesem Modell immer für das Programm, bei dem sie persönlich das größte Nutzeneinkommen erlangen. Aufgrund von Wahlkampf Aussagen bilden Wähler Erwartungen über die tatsächliche Politik, die die entsprechende Partei als Regierung umsetzen wird. Sie entscheiden sich dann immer für die Politik, die ihren persönlichen Interessen am ehesten gerecht wird.10

3. Eine Erklärung des Wahlparadoxons

Downs versucht in seinem Modell nicht nur den Prozess der Wahl zu beschreiben. Vielmehr untersucht er in seiner Theorie, aus welchem Grund jemand überhaupt an der Wahl teilnimmt, oder eben auch nicht. Im Rational Choice Ansatz ist jede Aktion eines Akteurs mit Kosten für diesen verbunden. So entstehen auch für den Wähler Kosten für die Teilnahme an einer Wahl.11 Diese bestehen für den Wähler beispielsweise in der Informationsbeschaffung. Denn um die Partei zu wählen, die seine eigenen Interessen am besten vertritt, muss er sich Informationen über die Programme der verschiedenen Parteien und deren Einfluss auf sein Nutzeneinkommen besorgen.12 Ein weiteres Beispiel für solche Kosten sind die sogenannten Opportunitätskosten. Dies sind die Kosten, die dem Wähler durch entgangene Möglichkeiten entstehen, wie die Ausübung seines Hobbys am Wahltag. Der Wähler handelt dann rational, wenn sein zu erwartendes Nutzeneinkommen die Kosten, die die Wahl von ihm abverlangen, übersteigt. Um den erwarteten Nutzen seiner Teilnahme zu ermitteln, muss er seinen Stimmwert diskontieren.13 Das bedeutet, der Wähler multipliziert sein ermitteltes Parteidifferential mit der Wahrscheinlichkeit, dass seine eine Stimme die Wahl entscheidet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Wähler die Wahl mit seiner Stimme zu Gunsten seiner präferierten Partei entscheidet, geht jedoch gegen Null. Grund dafür ist der Aufbau westlicher Demokratien mit mehreren Millionen Stimmberechtigten. Daraus ist für den Wähler abzuleiten, dass der Wert seiner Stimme und somit sein Nutzen aus der Wahl gegen Null geht. „… der Stimmzettel des Einzelnen (ist) nur ein Tropfen im Ozean.“14 Das Wahlparadoxon besteht also zu einem Teil darin, dass es für einen rationalen Wähler irrational ist, wählen zu gehen.

[...]


1 http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_13/ergebnisse/ bundesergebnisse/

2 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2274/umfrage/entwicklung-der- wahlbeteiligung-bei-bundestagswahlen-seit-1949/

3 vgl. Brodocz, André; Schaal, Gary S., 2009: Politische Theorien der Gegenwart II - Eine Einführung.Opladen&Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich. S. 498

4 vgl. Downs, Anthony, 1968: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen: Mohr, S.5

5 vgl. ebd., 1968: S. 5

6 Arrow, Kenneth J.,1951: Social Choice and Individual Values, New York: John Wiley&Sons Inc. Kapitel 1&2, in: Downs Anthony, 1968: S. 6

7 vgl. Downs, 1968: S.26

8 Brodocz, 2009: S.505

9 vgl., ebd., 2009: S.505

10 vgl. ebd., 2009 S.505 - 506

11 vgl. Brodocz, 2009: S. 512

12 vgl., ebd, 2009: S. 513

13 vgl. Downs, 1968: S: 239

14 Downs, 1968: S. 238

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Wahlparadoxon in Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für politische Theorie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V287107
ISBN (eBook)
9783656873686
ISBN (Buch)
9783656873693
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahlparadoxon, anthony, downs, theorie, demokratie
Arbeit zitieren
Lukas Metzler (Autor), 2014, Das Wahlparadoxon in Anthony Downs Theorie der ökonomischen Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287107

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