Die Rolle der Ernährungsmedizin in der Prophylaxe des Schlaganfalls

Richtig essen und trinken zur Vorbeugung des Schlaganfalls. Diätetik gegen den Schlaganfall (Insult)


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2014
10 Seiten

Leseprobe

Die Rolle der Ernährungsmedizin in der Prophylaxe des Schlaganfalls

Von Dr. h.c. (AM) Sven-David Müller, MSc.

Der Schlaganfall ist weltweit die zweithäufigste Todesursache (1). In Deutschland erleiden rund 150.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall und es kommt zu zusätzlich 15.000 Rezidiven. Der Ernährungsmedizin und der Ernährungstherapie kommt eine große Bedeutung in der Prophylaxe zu. Diese widerspiegelt sich kaum in den medizinischen Leitlinien (u. a. 3 und 4). Ernährungsmedizin und Diätetik haben in der Schulmedizin in Deutschland insgesamt eine untergeordnete Bedeutung. Die Pharmakotherapie spielt auch hier eine übertriebene Rolle. In jedem Falle lassen sich verschiedene der Risikofaktoren für einen Insult sind ernährungs(mit)bedingt. Dazu gehören insbesondere (2)

Hypertonie,

Diabetes mellitus Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen.

Eine unbehandelte oder unzureichend eingestellte Hypertonie stellt einen extremen Risikofaktor für einen Insult dar. Das gilt auch für das metabolische Syndrom mit pathologischer Glukosetoleranz oder Diabetes mellitus vom Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen - insbesondere eine Dyslipidämie mit niedrigem HDL-Spiegel und erhöhtem LDL-Spiegel. Auch die Hypertriglyzeridämie ist als Risikofaktor anzusehen. Nach Angaben des Robert Koch Institutes leiden 29,9 Prozent der Frauen und 33,3 Prozent der Männer unter einer Erhöhung des Blutdrucks. Besonders häufig leiden ältere Menschen an Bluthochdruck. Die Forscher des Robert Koch Institutes haben bei mehr als 75 Prozent der über 70 Jahre alten Menschen erhöhte Blutdruckwerte diagnostiziert. Die Hypertonie ist gefährlich, denn sie verursacht mehr als 50 Prozent der Schlaganfälle (8).

Bedrohlicher Bluthochdruck

Unter Hypertonie wird ein ständig erhöhter Blutdruck (verifiziert mithilfe einer 24-Stunden- Blutdruckmessung) von systolisch über 140 mm Hg und diastolisch über 90 mm Hg verstanden. Es gibt den primären Bluthochdruck mit unbekannter Ursache, der etwa 80 bis 90 Prozent aller Fälle ausmacht, und den sekundären Bluthochdruck, der durch andere Erkrankungen hervorgerufen werden kann.1

An der Volkskrankheit Bluthochdruck leiden in Deutschland fast ein Viertel der Bevölkerung. Mit zunehmendem Alter steigt allerdings die Anzahl der Betroffenen. Übergewicht und Adipositas (BMI > 30) mit androider Fettverteilung, überreicher Kochsalzkonsum und Fehlernährung mit reichlich gesättigten Fettsäuren und unzureichender Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren (insbesondere Omega-3-Fettsäuren) werden wie niedrige Kalium- und Magnesiumzufuhr als Risikofaktor angesehen. Die Zufuhr gesättigter Fettsäuren liegt in Deutschland weit oberhalb der Empfehlungen und die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren weit unterhalb der Empfehlungen (5). Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Bevölkerung dazu anzuhalten, weniger tierische Fette in Form von fettem Fleisch (insbesondere Rindfleisch - CAVE: Transfettsäuren), fette Milchprodukte (CAVE: Transfettsäuren) sowie Butter (enthält bis zu 11 mal so viele Transfettsäuren wie Margarine) aufzunehmen und statt dessen pflanzliche Fette aus Nüssen (insbesondere Walnüsse - Argininreich) oder in Form von hochwertigen Pflanzenölen (insbesondere Raps-, Lein- und Walnussöl mit einem optimalen Fettsäuremuster) und Margarine (insbesondere Omega-3- Fettsäure-reiche Diätmargarine, die praktisch Transfettsäurefrei ist). Formen und Ursachen der Hypertonie (u. a.):

- Renale Hypertonie
- Endokrine Hypertonie, besonders bei Erkrankungen wie Hyperaldosteronismus, CushingSyndrom, Hyperparathyreoidismus (= Überfunktion der Nebenschilddrüsen), Akromegalie, Phäochromozytom, reninbildenen Tumoren, Hyperthyreose (= Überfunktion der Schilddrüse)
- Bestimmte Medikamente, beispielsweise bestimmte orale Kontrazeptiva
- Ernährung, beispielsweise durch den in Lakritze enthaltenen Stoff Glycyrrhicinsäure, salzreiche Ernährungsweise, hohe Aufnahme gesättigter Fettsäuren oder Alkoholabusus
- Kardiovaskuläre Erkrankungen wie beispielsweise Aortensklerose
- Schwangerschaft
- Neurogen bedingter Hypertonie, beispielsweise bei Hirntumoren2
- Unbekannte Ursachen

Therapie der Hypertonie

Vor der Therapie der Hypertonie steht die Prophylaxe der Hypertonie. Diese besteht insbesondere in einer bedarfsgerechten Ernährungsweise zur Vermeidung oder Behandlung von Übergewicht und Adipositas, eine Verminderung der Zufuhr gesättigter Fettsäuren und Salz sowie erhöhte Zufuhr von Kalium, Magnesium, Arginin und Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Makrele, Hering, bestimmte Algen sowie Raps-, Lein- und Walnussöl und Diätmargarine). Ziel der Therapie ist eine Blutdrucksenkung, eine Verringerung oder Aufhebung von Risikofaktoren (beispielsweise Diabetes mellitus Typ 2, Übergewicht/Adipositas, Rauchen, Alkohol) sowie die Behandlung von entstandenen Organschäden.3

- Primärer Bluthochdruck: Behandlung mit Medikamenten zur Senkung des erhöhten Blutdrucks (Antihypertensiva) wie ß-Blocker, Diuretika, Kalziumantagonisten, ACE- Hemmern und α1-Blocker.4 Außerdem sollte der Kochsalzverzehr reduziert werden. Insbesondere kochsalzempfindliche Hypertoniker reagieren auf eine hohe Salzzufuhr mit einer Blutdrucksteigerung. Bei Übergewicht sollte eine Reduktion erfolgen. Zudem sollten Stress auslösende Faktoren beseitigt werden und Entspannungstechniken eingesetzt werden. Auch Ausdauersportarten, wie Radfahren, joggen, schwimmen, Nordic Walking oder Inline fahren, wirken sich senkend auf den Blutdruck aus und sollten täglich für mindestens 30 Minuten betrieben werden. Mit einer Ernährungsumstellung wie unter Ernährungstherapie beschrieben, lässt sich ebenfalls der Blutdruck senken.

- Sekundärer Bluthochdruck: Das wichtigste ist die Behandlung der Grunderkrankung.5

Ernährungstherapie zur Blutdrucknormalisierung

Die Ernährungsmedizin und Diätetik bieten vielfältige Möglichkeiten, die zu einer Blutdrucksenkung führen. Studien, die eine blutdrucksenkung hervorrufen, gibt es insbesondere für eine Obst-Gemüse-reiche Ernährungsweisen, Austausch von gesättigten durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Arginin-Supplementation, Omega-3-Fettsäure- Supplementation sowie DASH-Diet (9). Die DASH-Diet reichnet sich durch eine deutliche Reduktion der Fettzufuhr aus. Aber gerade im Lipidbereich bahnt sich ein Paradigmenwechsel an. Weltweit galt über Jahrzehnte, dass die Fettzufuhr im Bereich von maximal 30 Energieprozent liegen sollte. Überzeugende Studien haben aber dazu geführt, dass sogar in der Ernährungstherapie des Diabetes mellitus (11) und von Übergewicht und Adipositas (10) auch sogenannte Low-Carb-Diäten einen Stellenwert haben. Dieser ist den klassischen kalorienreduzierten Mischkostformen, die eher fettarm sind, gleichgestellt. Für die Blutdrucknormalisierung, die einen wichtigen Prophylaxefaktor für den Insult darstellt gelten folgende Ernährungsfaktoren als besonders wichtig:

- Reduktion des Übergewichtes durch eine verminderte Energiezufuhr. Besonders die androide Fettverteilung erhöht das Risiko von Bluthochdruck. Optimal ist ein BMI zwischen 20 und 27.6
- Besteht eine hohe Kochsalzzufuhr von über 6 bis 7 g NaCl pro Tag, so sollte eine natriumreduzierte Kost mit unter 5 bis 6 g Kochsalz täglich angesetzt werden. Weist der Patient eine Kochsalzsensibilität auf oder nimmt er Antihypertonika ein, so muss die natriumreduzierte Kost kontinuierlich beibehalten werden. Die Medikamente können bei einer natriumreduzierten Kost besser wirken. Die empfohlene Natriumreduktion kann mit dem Meiden von stark gesalzenen Produkten wie beispielsweise gesalzenes Gebäck oder Fleisch- und Wurstwaren und der Verwendung von frischen Kräutern, Zwiebeln, Paprika usw. anstatt Kochsalz erreicht werden.

[...]


1 Pschyrembel, 1997, S. 721

2 Pschyrembel, 1997, S. 721

3 Springer Medizin Lexikon, 2004, S. 979

4 Springer Medizin Lexikon, 2004, S. 979

5 Pschyrembel, 1997, S. 721

6 Kasper, 2004, S. 256

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Ernährungsmedizin in der Prophylaxe des Schlaganfalls
Untertitel
Richtig essen und trinken zur Vorbeugung des Schlaganfalls. Diätetik gegen den Schlaganfall (Insult)
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V287276
ISBN (eBook)
9783656874867
ISBN (Buch)
9783656874874
Dateigröße
881 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährung, Diät, Diätetik, Sven-David Müller, Schlaganfall, Arginin, L-Arginin
Arbeit zitieren
Sven-David Müller (Autor), 2014, Die Rolle der Ernährungsmedizin in der Prophylaxe des Schlaganfalls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287276

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