Medienkritik im dystopischen Science-Fiction Roman "Fahrenheit 451"

Im Hinblick auf die deutsche Gesellschaft im 21. Jahrhundert


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Literaturtheoretische Grundlagen
1.1 Was ist Science-Fiction?
1.2 Warum ist Fahrenheit 451 eine Dystopie?

2. Literaturanalyse: Medienkritik in Fahrenheit

3. Didaktische Reflexion

Fazit

Bibliographie

Einleitung

„Fahrenheit 451 basiert bestimmt auf Technologie und was wir uns mit dem Fernsehen antun.“ (Bradbury, 1966 – übersetzt von Adrian Müller), sagt der Autor selbst über sein Buch und leitet damit schon seine Kritik an modernen Massenmedien ein. Daher lässt sich vermuten, dass der Text sowie dessen Umsetzung in einen Film an vielen Stellen eben diese Kritik erkennen lässt. Somit lässt sich das literaturwissenschaftliche Vorgehen dieser Arbeit als Hermeneutik deklarieren. Es geht hierbei darum, eine möglichst plausible, intersubjektive Textinterpretation zu schaffen. (Vgl. Spörl, 2004: 162ff.) Aufgrund dessen werden im Hauptteil zunächst die zur Untersuchung notwendigen Begrifflichkeiten definiert und anschließend die darauf aufbauende Textanalyse betrieben. Die Zitate aus dem Buch beziehen sich auf die bibliografisch ergänzte, 2004 erschienene englisch-sprachige Reclam-Ausgabe des Originaltextes von 1953, um möglichst nah an dem selbigen arbeiten zu können.

Um gleichfalls der Relevanz des gewählten Forschungsschwerpunktes für den Deutschunterricht im 21. Jahrhundert und der dafür notwendigen didaktischen Reflexion Rechnung zu tragen, wird an angemessenen Stellen der Text mit der heutigen Technik und deren Verbreitung verglichen. Dies ist für Schulunterricht von besonderer Wichtigkeit, da die Herstellung eines aktuellen Bezugs während des Literaturunterrichts den Schülerinnen und Schülern einen möglichen Zugang zum kritischen Diskurs über ein Thema ermöglicht. (Vgl. Kerres, 2012:423f.) Sowohl das Buch Fahrenheit 451 als Bestandteil des Sprachunterrichts, als auch Massenmedien als wichtiger Faktor vieler Gesellschaften sind zwar globale Themen, jedoch beschränkt sich der betrachtete geografische Raum dieser Arbeit auf Deutschland, um dem vorgegebenen Umfang und ihrem Erstellungsort gerecht zu werden.

Obwohl in Deutschland zur Erscheinung des Buches Anfang der 1950er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland erst sehr wenige Fernsehanstalten und Sendungen gab (Vgl. Redlich, 2014), zeigt Fahrenheit 451 in seinem fiktionalen Staat deutliche Auswirkungen des übermäßigen Konsums von Massenmedien. Heutzutage verfügen 98 % aller deutschen Haushalte über ein TV-Gerät, die von 96 % der deutschen auch täglich genutzt werden (Vgl. BDVW e.V., 2014). Unter diesem Gesichtspunkt stimmt die heutige Medienverfügbarkeit mit der des Romans überein. In Fahrenheit 451 besitzt jeder Haushalt bis zu vier TV-Wände, was man an Mildreds Äußerung auf Seite 29 erkennt. Sie kann es nämlich kaum abwarten, ein viertes TV-Gerät in die Wand installieren zu lassen, damit das Entertainment-Erlebnis noch besser wird (Vgl. Bradbury, 2004:29). Ebenso zeigt Montags Frau eine für die Gesellschaft im Buch prototypische Einstellung gegenüber Medien, dargestellt beispielweise in ihrem Gebrauch von Kopfhörern zur Berieselung mit Musik zum Einschlafen, welche auch in der Filmadaption übernommen wurde. Heutzutage sind Smartphones, Mp3-Player und ähnliche Geräte zur Kommunikation oder zum Hören von Musik aus dem Alltag gar nicht mehr weg zu denken. So lassen sich auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln häufig und nicht ausschließlich nur noch jüngere Leute mit Headsets oder In-Ear-Kopfhörern beobachten. Somit kann sich eine kritische Auseinandersetzung mit der dystopischen Science-Fiction Welt von Fahrenheit 451 positiv auf die Wahrnehmung der modernen Medien auswirken und dazu anregen, den eigenen Medienkonsum zu hinterfragen.

1. Literaturtheoretische Grundlagen

1.1 Was ist Science-Fiction?

Science Fiction ist eine spezielle Form der utopischen bzw. zukunftsfantastischen Erzählprosa und ihre audiovisuelle Umsetzung, die sich mit naturwissenschaftlich-technischen Themen auseinandersetzt. Diese Form der fiktionalen Erzählprosa entwirft eine Gegenwart, die von der Realität in mindestens einem zentralen Wert abweicht. Solche Unterschiede können u.a. technischer, naturwissenschaftlicher, medizinischer oder sozialer Natur sein. (Vgl. Braungart et al. (eds.), 2007:412f.) In Fahrenheit 451 treffen gleich mehrere Punkte dieser Definition zu, wie im Folgenden erläutert wird.

1.2 Warum ist Fahrenheit 451 eine Dystopie?

Die Dystopie oder Anti-Utopie ist eine im 20. Jahrhundert häufig auftretende Form fiktionaler Erzählung, die eine Gegenposition zur literarischen Utopie entwickelt, also eine „ins Negative verkehrte ortlose Welt“ darstellt (geändert - Abraham, 2012:125). Im 18. Jahrhundert hat Johann Heinrich Zedler festgestellt, dass die Utopie eine Möglichkeit bietet, an bestehenden Systemen der Monarchie, Aristokratie oder Demokratie Kritik zu üben. (Vgl. Biesterfeld, 1982:2) Somit entsteht eine thematische Parallele zum dystopischen Roman des 20. Jahrhunderts, wobei die Darstellung der kritischen Denkanstöße eben den Unterschied darstellt. Durch die einschneidenden destruktiven Erfahrungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, beispielsweise des ersten Weltkrieges, der Entwicklung der Kapitalwirtschaft oder der Entdeckung der Manipulierbarkeit des Menschen – etwa durch Pawlow’s Modell der Konditionierung – entstand in der Gesellschaft eine pessimistische Grundhaltung gegenüber dem Fortschritt. (Vgl. Zech, 1995:12 f.) Die Kritik der Dystopie im Vergleich zur Utopie ist somit plakativer und dadurch deutlicher vom Leser wahrnehmbar. Horst W. Drescher bezeichnet diese Vorgehensweise der Dystopie als eine „Demaskierung der destruktiven Kräfte einer sich ständig perfektionierenden Technik“ und „Kritik an der zunehmend materialistischen Ausrichtung menschlicher Lebensbereiche“ (Drescher, 2009) Zwei Faktoren, die auch auf Bradbury’s Fahrenheit 451 zutreffen.

Neben der Gesellschaftskritik bietet die Utopie als „Schlaraffenland“ mit ihren fantastischen Welten voller Schönheit, Freude und Zufriedenheit ein Entkommen aus dem Elend des menschlichen Lebens. (Vgl. Biesterfeld, 1982:2) In der Flucht aus der Realität liegt auch eine kommunikationswissenschaftliche Funktion der Medien. Die Eskapismus-Theorie beschäftigt sich seit ihrer Entstehung mit diesem Motiv, welches beim Konsum aller Medienformen von Radio, Fernsehen, Internet und auch Büchern einen zentralen Aspekt darstellt, der sowohl positiv wie negativ ausgelegt werden kann. (Vgl. Schweiger, 2007:112 ff.) Im Folgenden wird anhand aussagekräftiger Textpassagen analysiert, welchen Blickwinkel auf die Medien Bradbury in seinem Roman Fahrenheit 451 einnimmt.

2. Literaturanalyse: Medienkritik in Fahrenheit 451

Das Hauptthema, welches in Bradburys Roman Fahrenheit 451 dargestellt wird, ist die Zerstörung von Sprache und Literatur. Am offensichtlichsten wird dies erkennbar in der Buchverbrennung als Symbol für den Niedergang der Kultur. (Vgl. Zech, 1994:33f.) Durchgeführt wird die Suche und Verbrennung der Bücher durch Feuerwehrmänner, worin im Hinblick auf die Tätigkeit dieser Berufsgruppe in der realen Welt, nämlich Feuer zu löschen, eine gewisse Ironie entsteht. In einer zentralen Passage des Romans erläutert Feuerwehrhauptmann Beatty die Geschichte seiner Profession wie folgt:

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Medienkritik im dystopischen Science-Fiction Roman "Fahrenheit 451"
Untertitel
Im Hinblick auf die deutsche Gesellschaft im 21. Jahrhundert
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V287284
ISBN (eBook)
9783656876694
ISBN (Buch)
9783656876700
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Germanisik, Deutsch, Literatur, Literaturwissenschaft, Medien, Medienkritik, Fahrenheit 451, Ray Bradbury
Arbeit zitieren
Adrian Müller (Autor), 2014, Medienkritik im dystopischen Science-Fiction Roman "Fahrenheit 451", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287284

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