Auf welche Art und Weise beeinflussen Institutionen die ökonomische Effizienz?


Essay, 2004

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

III. Schlussbetrachtung

Um sich der aufgeworfenen Fragestellung „Auf welche Art und Weise wirken sich Institutionen auf die ökonomische Effizienz aus“ hinreichend nähern zu können, bedarf es zunächst einer Definition der zugrunde liegenden Begriffe. So gilt es zum einem, sich über die Begrifflichkeit der Institutionen klar zu werden. Douglass C. North zufolge sind Institutionen „die Spielregeln der Gesellschaft, oder förmlicher ausgedrückt, die von Menschen erdachten Beschränkungen menschlicher Interaktionen“. Nach Rudolf Richter sind Institutionen zudem als „ein System formgebundener (formeller) und formungebundener (informeller) Regeln einschließlich der Vorkehrung zu deren Durchsetzung“ definiert. Institutionen werden demnach in zwei Kategorien differenziert: In formelle und informelle Institutionen. Erstere werden den Wirtschaftsakteuren durch den Staat bzw. die Regierung, andere Wirtschaftssubjekte oder Organisationen oktroyiert bzw. eingefordert (“top-down“- Prozess). Letztere dagegen sind das Resultat eines Konsenses der Beteiligten, der sich aus den individuellen Beiträgen der Einzelnen speist. Man versteht darunter also eine Selbstorganisation (“bottom-up“-Prozess). Überdies kann man Institutionen in fünf Stufen unterteilen: Als erstes sind Konventionen und Übereinkünfte zu nennen, deren Einhaltung nur in Form einer Selbstüberwachung geschieht. Zum zweiten gibt es ethische Regeln, die gleichfalls auf die Selbstüberwachung bauen. Die dritte Stufe bilden Sitten, Gebräuche und Traditionen, deren Beachtung eher durch eine spontane Überwachung Dritter kontrolliert wird. Auf der vierten Stufe stehen formelle und private Regeln, die einer förmlichen Beaufsichtigung unterliegen, und die fünfte stellen die Normen paritätischen Rechts dar, die ein ausgeprägtes Sanktionssystem im Falle einer Nicht-Befolgung aufweisen. Zum anderen gilt es weithin zu klären, was ökonomische Effizienz kennzeichnet. Von ökonomischer Effizienz spricht man, wenn eine bestimmte Ressourcenallokation die Wohlfahrt aller Mitglieder der Gesellschaft maximiert. Forschungsrelevante Bedeutung erhalten Institutionen im Rahmen der Neuen Institutionenökonomik, die die Wirkung von Institutionen auf verschiedene Wirtschaftssubjekte wie beispielsweise Firmen oder Privatpersonen sowie die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt untersucht. Davon verspricht man sich, Rückschlüsse auf das wirtschaftliche Wachstum und den kontinuierlichen ökonomischen Wandel machen zu können. Da Institutionen zwischen der gesellschaftlichen Makroebene und der individuellen Mikroebene angesiedelt sind, ist es Aufgabe des Forschers während der Beschäftigung mit ihnen, einen Brückenschlag zwischen beiden Ebenen herzustellen. Doch bevor man die Wirkung der Institutionen auf die Wohlfahrt der Gesamtwirtschaft betrachten kann, ist eine Untersuchung des generellen Zwecks der Institutionen von Nöten. Dies lässt sich aus der Feststellung folgern, dass Institutionen von Menschen erschaffen wurden, die sich von der Entstehung ebendieser Institutionen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, Wünsche und Interessen versprechen und der Zweck sich somit auf die jeweiligen Entscheidungen des einzelnen Menschen als Wirtschaftsakteur auswirkt. Der Zweck einer Institution, d. h. ihr Ziel, besteht darin, Unsicherheit menschlicher Interaktionen zu reduzieren. Dafür muss mit Regelungen eine stabile - gleichsam nicht zwangsläufig effiziente - Ordnung geschaffen werden, es gilt dabei zumal die Wahlhandlungsmenge der Einzelnen zu begrenzen. Vor allem trachtet der Betroffene aber danach, die Unsicherheit riskanter Transaktionen und der damit verbundenen Kosten, also die Kosten der Marktnutzung (Transaktionskosten), zu verringern. Die genannte Unsicherheit in den menschlichen Interaktionen entsteht indes, wenn die Wirtschaftssubjekte nicht über vollkommene Informationen der Folgen ihrer Handlungen verfügen, sondern vielmehr einer begrenzten Rationalität ausgesetzt sind. Zudem kommt es immer mehr zu Unsicherheit infolge der hohen Komplexität innerhalb einer Interaktion. Um im Sinne einer Verhaltensnorm auf die Gesellschaftsmitglieder maßgebend einzuwirken, müssen Institutionen ein gewisses Maß an Stabilität erreichen. Die Akteure müssen ebenso die neu entstandene Institution mit ihren Regeln und Sanktions- bzw. Belohnungsmöglichkeiten internalisieren. Denn nur durch diesen Prozess der Verinnerlichung werden die Wirtschaftssubjekte die Normen und Regeln der Institution befolgen und ihr individuelles Vorgehen demnach an die Institution anpassen, an die sie durch die Internalisieung gebunden sind. Sie müssen Vertrauen in die Institutionen gewinnen. Die ökonomische Effizienz einer Gesellschaft würde sich durch das stetig zunehmende Maß an Unsicherheit reduzieren, so dass die Schaffung von Institutionen dieser Entwicklung entgegenwirkt. Indem durch die Verminderung der Unsicherheit institutionelle Anreize plaziert werden, verbessert sich die Leistungsfähigkeit (Effizienz) und Funktionsfähigkeit eines Wirtschaftssystems in gleichem Maße. Schließlich lässt sich aussagen: Das Vorhandensein von gesellschaftlichen Institutionen hat eine Zunahme des Vertrauens bei Interaktionen zur Folge, dadurch eine verstärkte Bereitschaft zum Handel und zur Kooperation und daher eine erhöhte ökonomische Effizienz. Mit dem Problem der Unsicherheit geht das Problem der Erhöhung der Transaktionskosten einher. Transaktionen sind die Kosten der Marktnutzung, die bei Informationsbeschaffung, Vertragsverhandlungen, -einhaltung und -überwachung entstehen. Transaktionskosten sind also folglich ein essentielles Element gesamtwirtschaftlicher Tätigkeiten. Die Höhe der Transaktionskosten ergibt sich aus transaktionskostenspezifischen Investitionen, der Unsicherheit bei einem Tauschgeschäft und der Häufigkeit der Marktnutzung .Ein wesentlicher Grund für den stetigen Anstieg der Transaktionskosten im Laufe der letzten Jahrzehnte ist die Entpersönlichung des Tausches, die wesentliche Komplikationen beinhaltet und somit zu einer vergrößerten Unsicherheit führt. Hier können die Institutionen ansetzen und so zu einer Senkung der Unsicherheit führen, die zugleich eine positive Beeinflussung der Transaktionskosten zugunsten der ökonomischen Effizienz mit sich bringt. Denn Kooperation und Betrug innerhalb einer Interaktion verursachen immense Transaktionskosten, die die Institutionen minimieren, indem sie durch ihre simple Existenz den Marktteilnehmern helfen, Kosten einzusparen. Gelingt dies nicht, wird eine Volkswirtschaft bei weiterem Anstieg der Transaktionskosten aufgrund der Kosten-Gewinn-Kalkulation zu einem etwaigen Zeitpunkt keine Produktivität mehr erzeugen. Der Zweck von Institutionen liegt zwar in der Erhöhung der ökonomischen Effizienz und der Wohlfahrt. Gleichwohl werden auch Institutionen entstehen, die die ökonomische Effizienz verringern und zwar dann, wenn die Transaktionskosten so hoch sind, dass die Akteure, deren Kosten-Nutzen-Kalkulation negativ ausfällt, nicht dazu bereit bzw. fähig sind, diejenigen, für die die Entstehung einer Institution im Sinne einer Kosten-Nutzen-Berechnung positiv sein wird, von der Schaffung ebensolcher zu hindern. Demnach drängt sich einem der Schluss auf, dass Institutionen eher dazu geschaffen werden, den Interessen einzelner Wirtschaftsakteure zu dienen, anstatt die ökonomische Effizienz einer Gesellschaft zu steigern. Das Niveau der Transaktionskosten wird durch Institutionen allenthalben sowohl in die negative als auch in die positive Richtung verändert bzw. beeinflusst. Üinstitutionelle Rahmenbedingungen werden Anreize gesetzt, die sich auf die wirtschaftliche Leistungsbereitschaft eines Einzelnen auswirken. Die zentrale Bedeutung der Institutionen liegt folglich darin, dass sie durch Anreize das Wirtschaftswachstum beeinflussen können. So bilden vor allem Eigentumsrechte die Anreizstruktur für wirtschaftliches Handeln, indem sie bestimmen, in welchem Umfang die Kosten und Erträge ökonomischen Verhaltens vom Individuum internalisiert werden. Je mehr die Wirtschaftssubjekte die Institutionen internalisieren, desto mehr Anreize gibt es zur Erbringung von Leistung und ökonomischer Bemühungen. Leistungsbereitschaft hängt vom erwartetem Nutzen ab. Zwei Wege stehen den Akteuren zur Wohlfahrtsmaximierung offen: Zum einen können sie sich in gesamtwirtschaftlichen Tätigkeiten engagieren. Dadurch erschaffen sie zusätzliche Dienstleistungen, deren Erträge versucht werden zu internalisieren. Die Ressourcen verbleiben derweil im Wirtschaftskreislauf und können weiter zum Wirtschaftswachstum beitragen. Zum anderen können die Einzelnen dagegen versuchen, Gewinne auf Kosten anderer einzufahren. Damit kommt es zur Umverteilung der Ressourcen und dementsprechend verbleiben die Ressourcen nicht im Wirtschaftskreislauf wie bei der obigen Option. Vielmehr leidet unter dieser Ressourcenumverteilung das Wirtschaftswachstum. Dieses letztere Verhalten, das auch „rentensuchendes Verhalten“ (“rent-seeking“) genannt wird, erfordert das Einschreiten der Institutionen, um die negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft zu verhindern. Und umso effektiver die institutionellen Vorkehrungen gegen solch rentensuchendes Benehmen vorgehen, desto weniger Anreize haben die Wirtschaftssubjekte, ebendieses „rent-seeking“ zu betreiben. Demzufolge fallen die gesamtwirtschaftlichen Verluste geringer aus. Die Institutionen wirken ökonomisch effizient. Wenn jedoch die gegenwärtigen Institutionen nicht mehr ausreichen, um das rentensuchende Verhalten der Wirtschaftsakteure zu hintertreiben und zu verhindern, wird es notwendig, neue institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die befähigt sind, diesem sich auf die Gesamtwirtschaft negativ auswirkenden Verhalten mit geeigneten Mitteln zu begegnen. Neue Regeln werden folglich hauptsächlich in Bereiche eingeführt, die bisher keinen spezifischen Regelungen jeglicher Art unterlagen. Es vollzieht sich ein instiutioneller Wandel. Jener Wandel findet immer und überall statt. Die Entwicklung einer Volkswirtschaft hängt somit in entscheidendem Maße davon ab, inwiefern eine Gesellschaft in der Lage ist, neue geeignete Institutionen zu installieren und ihre Normen zu internalisieren. Nur bei entsprechender Internalisierung können Institutionen ökonomisch effizient wirken. Schlägt die Verinnerlichung fehl, kann der institutionelle Wandel negative Auswirkungen haben. Am leichtesten empfänglich für einen institutionellen Wandel sind formelle Institutionen, da sie durch eine vorsätzliche Politik seitens einer Staatsgewalt verändert werden können. Ungleich schwerer ist es indessen mit informellen Beschränkungen wie Sitten oder Gebräuche, die in der jeweiligen Gesellschaft meist verhafteter, d. h. mehr internalisiert, sind, als die von oben im „top-down“-Prozess aufgezwungenen formellen Beschränkungen. Informelle Beschränkungen, die meist schon seit längerer Zeit Bestand haben, verhindern daher häufig eine gesamtwirtschaftlich effiziente Umgestaltung der Strukturen. Vor allem aber üben mächtige Organisationen und Interessengruppen, wie zum Beispiel Gewerkschaften, Einfluss auf den institutionellen Wandel aus, um in ihrem Sinne für die Gesamtwirtschaft möglicherweise effiziente Veränderungen zu verhindern. Direkte Einflussfaktoren für den Einfluss der Institutionen auf die ökonomische Effizienz und das Wirtschaftswachstum lassen sich schließlich in zwei grundlegende Typen differenzieren: Institutionen legen auf der einen Seite das Niveau bzw. die Höhe der Transaktionskosten fest und bilden auf der anderen Seite vor allem in Gestalt der Eigentumsrechte ein Anreizsystem heraus, das das wirtschaftliche Verhalten der Individuen mitbestimmt. Und da die Höhe der Transaktionskosten ein bedeutender Faktor für die Leistungsfähigkeit (Effizienz) einer Wirtschaft ist, kommt den Institutionen ein noch entscheidender Part in dieser Hinsicht zu. Eigentumsrechte beeinflussen hingegen die Allokation und Nutzung von Ressourcen und damit gleichsam die wirtschaftliche Effizienz. Zumal fallen die Eigentumsrechte selbst unter die Begrifflichkeit der Institutionen. Insoweit ist die Veränderung der Effizienz aus dem Wandel der institutionellen Vorkehrungen abzuleiten. Zusammenfassend lassen sich mithin folgende Punkte festhalten: Ökonomische Effizienz ist durch Institutionen sowohl im positiven wie im negativen Sinne zu beeinflussen. Die beiden Schlüsselgrößen zur Erklärung der wirtschaftlichen Entwicklung, nämlich die Transaktionskosten und die Eigentumsrechte, hängen von den Institutionen ab. Über diese beiden Faktoren wird die ökonomische Effizienz beeinflusst. Veränderungen dieser Effizienz können nur durch institutionellen Wandel von statten gehen. Die Fähigkeit zum Wandel steht wiederum in Abhängigkeit zu der politischen Kultur einer Gesellschaft und ihrer Befähigung, neue Normen zu internalisieren. Ein geringer Grad an Sicherheit und Vertrauen in den Interaktionen hat eine wachstumshemmende Wirkung, da weniger investiert würde. Es muss eine Institutionen-Internalisierung und Vertrauen in die Institutionen vorliegen, um die Institutionen zu effizienten Gebilden zu machen. Es bedarf einem Sanktionsmechanismus innerhalb der Institutionen, um rent-seeking zu verhindern. Mit Hilfe eines Sanktionssystems wird überdies das leistungsfördernde Anreizsystem verlockender erscheinen und somit wieder die ökonomische Effizienz erhöht werden. Anreize sind daher als Antriebsfeder anzusehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Auf welche Art und Weise beeinflussen Institutionen die ökonomische Effizienz?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
6
Katalognummer
V28734
ISBN (eBook)
9783638304344
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Essay ohne Sekundärliteratur
Schlagworte
Politik Politikwissenschaft Institutionen ökonomische Effizienz Wirtschaftswissenschaft Wirtschaft Politische Theorie Ideengeschichte Analyse und Vergleich Deutschland, Staat
Arbeit zitieren
Claudia Wößner (Autor), 2004, Auf welche Art und Weise beeinflussen Institutionen die ökonomische Effizienz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28734

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Auf welche Art und Weise beeinflussen Institutionen die ökonomische Effizienz?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden