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Sprachwandeltheorien: das Konzept von Eugenio Coseriu

Title: Sprachwandeltheorien: das Konzept von Eugenio Coseriu

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 30 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ulrich Jacobs (Author)

Speech Science / Linguistics
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Summary Excerpt Details

Die Theorien und Thesen EUGENIO COSERIUS bezüglich seines Konzepts von Sprachwandel
sind auf mehrere Monographien und Aufsätze verteilt. Eine komplette Übersicht über sein
gesamtes Werk existiert nur in Form einer dreibändigen Festschrift. In dieser Arbeit sollen
diese Thesen zusammengetragen werden, um so eine kompakte Übersicht über COSERIUS
Konzept des Sprachwandels zu erstellen.
Zunächst wird im Rahmen dieser Arbeit analysiert werden, we lches Verständnis von
Sprache sich in dem Denken COSERIUS wiederfindet (Teil 2). Es sei angemerkt, daß eine
Darstellung von COSERIUS Sprachkonzept unter vollständiger Ausblendung seines
Verständnisses des Sprachwandels nicht möglich sein wird. Dies liegt aber, wie man sehen
wird, in der Natur des hier besprochenen Modells begründet. Zunächst ist es unerläßlich, in
der gebotenen Kürze auf die geisteswissenschaftlichen, zumeist sprachphilosophischen
Betrachtungen COSERIUS einzugehen (Teil 2.1), um dann seine Modelle Rede-Norm-
System und Norm-System-Typus darzustellen und voneinander abzugrenzen (Teil 2.2). Um
Mißverständnissen vorzubeugen soll auf die Terminologie Rede, Norm, System und Typus
aber in 2.1 noch verzichtet werden.
Darauf aufbauend wird dann dargelegt werden, wie Sprachwandel auf Grundlage des
vorher erarbeiteten Konzepts funktioniert (Teil 3). Zu diesem Zweck soll zunächst
COSERIUS These diskutiert werden, daß es Sprachwandel eigentlich überhaupt nicht gibt,
wie er es selbst im Titel eines Artikels formuliert (Teil 3.1).1 Daraufhin soll COSERIUS
methodischer Ansatz zur Fragestellung nach dem Sprachwandel vorgestellt werden (Teil
3.2), um dann, diesem Ansatz folgend, die Funktionsweise von Sprachwandel aufzudecken
(Teile 3.3-3.5).
In den Schlußbetrachtungen (Teil 4) werden schließlich die Probleme von COSERIUS
Konzept diskutiert. Unter anderem soll hierzu auch auf die Kritik KELLERS an COSERIU
eingegangen werden. Im Rahmen dieser Arbeit kann dies natürlich nur auf einer sehr
oberflächlichen Ebene geschehen.
1 vgl. COSERIU, E. 1988a: «Linguistic change does not exist», in: J. ALBRECHT (Hrsg.), Energeia und Ergon.
Sprachliche Variation – Sprachgeschichte – Sprachtypologie. Studia in honorem Eugenio COSERIU, vol. 1:
Schriften von Eugenio Coseriu (1965 – 1987) , Tübingen:147-57

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansätze zur Klärung des Begriffs „Sprache“

2.1 Ein geisteswissenschaftliches Konzept von Sprache

2.1.1 Sprache als Kulturphänomen

2.1.2 Sprache als Tradition

2.1.3 Sprache als energeia (Energeia)

2.2 Kategorien der Sprache: Rede, Norm, System und Typus

2.2.1 Die Einführung der Norm

2.2.2 Die Hierarchie Rede – Norm – System

2.2.3 Das Konzept des Sprachtypus

2.3.4 Die Hierarchie Norm – System – Typus

3. Der Prozeß des Sprachwandels

3.1 Gibt es Sprachwandel überhaupt ?

3.2 Die Fragestellung nach dem Sprachwandel

3.3 Eine Antwort auf die universale Frage

3.4 Antworten auf die allgemeine Frage

3.4.1 Außersystematische Bedingungen

3.4.2 Innere Bedingungen

3.5 Antworten auf die historischen Fragen

4. Schlußbetrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die auf verschiedene Schriften verteilten Thesen Eugenio Coserius zu seinem Konzept des Sprachwandels zusammenzutragen und eine kompakte Übersicht über dieses theoretische Modell zu erstellen. Dabei wird untersucht, wie Coserius Verständnis von Sprache als Kulturphänomen und seine hierarchischen Kategorisierungen (Rede, Norm, System, Typus) das Fundament für seine Sicht auf sprachliche Veränderungsprozesse bilden.

  • Das geisteswissenschaftliche Sprachkonzept Coserius (Sprache als Energeia und Kulturphänomen).
  • Die Differenzierung und hierarchische Ordnung der Sprachebenen: Rede, Norm, System und Typus.
  • Die dreigliedrige Fragestellung nach dem Sprachwandel (universale, allgemeine und historische Frage).
  • Die Bedingungen für Sprachwandel (außersystematische vs. innersystematische Faktoren).
  • Die Auseinandersetzung mit der Kritik an Coserius Konzept, insbesondere zur Teleologie.

Auszug aus dem Buch

3.4.1 Außersystematische Bedingungen

Wie bei der Diskussion um den Sprachwandel dargestellt, können Bedingungen, die dem Sprachsystem äußerlich sind, keine Rolle bei dem Sprachwandel spielen, da dieser immer innerhalb der drei Ebenen der Sprache (Norm, System und Typus) stattfindet. Insofern sind die außersystematischen Bedingungen als indirekte Bedingungen zu verstehen:

[...], daß diese Faktoren als Bedingungen des Sprechens in Wirklichkeit alle ‚innere‘ Faktoren sind. Die sogenannten ‚äußeren‘ Faktoren (wie die Bevölkerungsvermischung, die Kulturzentren etc.) sind Faktoren zweiten Grades, die die Sprechtätigkeit nicht unmittelbar bestimmen: was sie bestimmen, ist die Gestaltung des Sprachwissens, das seinerseits Bedingung des Sprechens ist.

Die außersystematischen Bedingungen können sehr vielfältig sein und stehen in einem engen Zusammenhang mit der Kulturgeschichte einer Sprechergruppe. COSERIU nennt einige Beispiele dafür:

a) Ein vielfältiges Sprachwissen, das heißt starke soziale oder regionale Unterschiede innerhalb derselben historischen Sprache, schaffen günstige Bedingungen für Sprachwandel.

b) Eine stark vereinheitlichte Sprachnorm (wie zum Beispiel durch ein auf breiter Basis stehendes Bildungssystem) hingegen schafft ungünstigere Bedingung für Sprachwandel.

c) Im allgemeinen können günstige Bedingungen für Sprachwandel bestehen, wenn die Sprechtraditionen in Zeiten des Verfalls kultureller Zentren schwächer werden.

d) Umgekehrt können diese Sprechtraditionen aber auch gerade wegen eines Zusammenbruchs der kulturellen Zentren und einer folgenden Überlagerung durch eine andere Kultur (mit einer anderen Sprache) zum einzigen Identitätsträger werden. Deshalb werden diese streng beachtet und es entstehen allgemein ungünstige Bedingungen für Wandel.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, das verstreute Werk Coserius zu systematisieren und dessen Modell des Sprachwandels darzustellen.

2. Ansätze zur Klärung des Begriffs „Sprache“: In diesem Teil werden die theoretischen Grundlagen Coserius dargelegt, insbesondere das Verständnis von Sprache als Kulturphänomen, Tradition und kreative Tätigkeit (Energeia).

2.1 Ein geisteswissenschaftliches Konzept von Sprache: Hier wird der philosophische Hintergrund diskutiert, der Sprache als finales und kulturell bedingtes Phänomen kennzeichnet.

2.1.1 Sprache als Kulturphänomen: Es wird die Abgrenzung zur Naturwissenschaft vorgenommen und die finale Bedingtheit der Sprache betont.

2.1.2 Sprache als Tradition: Dieses Kapitel erläutert die historische Dimension des Sprachwissens als tradiertes technisches Wissen.

2.1.3 Sprache als energeia (Energeia): Der aristotelische Begriff wird auf die Sprache angewandt, um diese als fortwährenden schöpferischen Prozess zu definieren.

2.2 Kategorien der Sprache: Rede, Norm, System und Typus: Dieser Abschnitt führt die hierarchischen Ebenen ein, die zur Strukturierung der Sprache dienen.

2.2.1 Die Einführung der Norm: Es wird kritisch auf Saussures Dichotomie eingegangen und die Kategorie der Norm als soziale Schnittstelle eingeführt.

2.2.2 Die Hierarchie Rede – Norm – System: Das Kapitel erklärt den Abstraktionsgrad dieser drei Ebenen und ihre wechselseitige Beziehung.

2.2.3 Das Konzept des Sprachtypus: Hier wird der Sprachtypus als oberste Schicht der Sprachtechnik und Träger der funktionalen Kohärenz eingeführt.

2.3.4 Die Hierarchie Norm – System – Typus: Es wird die zweite Hierarchie beleuchtet, die die ökonomischen und strukturellen Möglichkeiten einer Sprache beschreibt.

3. Der Prozeß des Sprachwandels: Hier wird der Kern von Coserius These behandelt, dass „Sprachwandel“ kein äußerer Prozess ist, sondern Teil des Funktionierens der Sprache.

3.1 Gibt es Sprachwandel überhaupt ?: Die Frage wird unter Rückgriff auf Coserius provokante These diskutiert, dass es keinen „Wandel der Sprache“, sondern nur Wandel in der Sprache gibt.

3.2 Die Fragestellung nach dem Sprachwandel: Es werden die drei Ebenen der wissenschaftlichen Fragestellung nach dem Sprachwandel (universale, allgemeine und historische Frage) differenziert.

3.3 Eine Antwort auf die universale Frage: Das Kapitel zieht den Schluss, dass der Wandel ein immanenter Teil des Wesens der Sprache als energetischer Tätigkeit ist.

3.4 Antworten auf die allgemeine Frage: Es werden die Rahmenbedingungen beleuchtet, die einen Wandel begünstigen, ohne jedoch die Ursache zu sein.

3.4.1 Außersystematische Bedingungen: Diskussion über indirekte Faktoren wie Kulturgeschichte oder soziale Strukturen.

3.4.2 Innere Bedingungen: Analyse der innersystematischen Funktionalität und deren Widerstand gegen Veränderungen.

3.5 Antworten auf die historischen Fragen: Darstellung des konkreten Prozesses der Ausdehnung einer Neuerung über den Sprecher bis hin zur Mutation.

4. Schlußbetrachtungen: Zusammenfassende Diskussion der Kritik an Coserius Modell und die Bestätigung der subjektiven Finalität im Sprachwandel.

Schlüsselwörter

Eugenio Coseriu, Sprachwandel, Energeia, Kulturphänomen, Rede, Norm, System, Sprachtypus, Sprachphilosophie, Diachronie, Synchronie, Sprachgeschichte, finale Bedingtheit, Sprachgemeinschaft, Sprachtechnik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit systematisiert das theoretische Modell des Sprachwandels von Eugenio Coseriu, indem sie seine verstreuten Thesen in eine übersichtliche Darstellung bringt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Definition von Sprache als Energeia, die hierarchischen Ebenen der Sprache (Rede, Norm, System, Typus) und die empirische Untersuchung von Sprachwandelprozessen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu verdeutlichen, dass Sprachwandel nach Coseriu kein der Sprache äußerlicher Prozess ist, sondern als stetiges Funktionieren und Wiedererschaffen der Sprache verstanden werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse der Primärquellen von Coseriu und ordnet diese im Kontext der geisteswissenschaftlichen Sprachphilosophie ein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Sprache und die detaillierte Analyse der hierarchischen Ebenen sowie der Bedingungen und Mechanismen von Sprachwandel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Coseriu, Sprachwandel, Energeia, Rede, Norm, System, Typus und finale Bedingtheit.

Wie unterscheidet Coseriu zwischen „System“ und „Norm“?

Die Norm umfasst die verbindlichen, sozial etablierten Realisierungen, während das System das System der Möglichkeiten darstellt, das den Rahmen für potenzielle, aber noch nicht realisierte Sprachformen bildet.

Wie reagiert die Arbeit auf die Kritik von Keller an Coseriu?

Die Arbeit entkräftet die Kritik, indem sie aufzeigt, dass Coseriu keine Teleologie des Sprachwandels postuliert, sondern eine subjektive Finalität im Sprechakt beschreibt, die nicht mit bewusster Absicht gleichzusetzen ist.

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Details

Title
Sprachwandeltheorien: das Konzept von Eugenio Coseriu
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Course
Sprachwandel und Sprachwandeltheorien
Grade
1,3
Author
Ulrich Jacobs (Author)
Publication Year
2000
Pages
30
Catalog Number
V28755
ISBN (eBook)
9783638304467
Language
German
Tags
Sprachwandeltheorien Konzept Eugenio Coseriu Sprachwandel Sprachwandeltheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrich Jacobs (Author), 2000, Sprachwandeltheorien: das Konzept von Eugenio Coseriu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28755
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