Bis heute scheint es keine Arbeit über die Frage des Relativismus bei Voltaire zu geben.
Das Interesse an diesem Thema führte zu der vorliegenden Arbeit, die sich mit Voltaires
Relativismus am Beispiel der kurzen Erzählung Micromégas befaßt.
Einleitend erscheint es mir sinnvoll, einige Rahmeninformationen zu Micromégas
zusammenzutragen und dieses Werk in das Gesamtwerk Voltaires einzuordnen. Dies
geschieht in Kapitel 2.
In Kapitel 3 wird eine Frage, die der Titel dieser Arbeit aufwirft, diskutiert: Was verbirgt
sich hinter dem Begriff Relativismus? Da dieser Begriff sehr abstrakt und unscharf
erscheint, muß er zunächst geklärt werden. Hierzu werden Wörterbücher herangezogen, um
den standardisierten Gebrauch des Wortes in der heutigen Sprache zu erfassen. Außerdem
werden Informationen zu der Begriffsgeschichte gesammelt. Auch philosophische
Nachschlagewerke werden befragt.
Auf diese einleitenden Überlegungen folgt in den Kapiteln 4 und 5 der Hauptteil der Arbeit.
Die Gliederung dieses Teils basiert auf den Ergebnissen der Analyse des Begriffs
Relativismus. Dieser Arbeitsschritt zerfällt somit in zwei Teile. Aufgrund der inhaltlichen
Ausrichtung des Micromégas wird der Teil zur Relativität der Erkenntnis (Kapitel 4)
wesentlich umfangreicher als derjenige zu der Relativität der Moral (Kapitel 5) sein.
Die Ergebnisse der Arbeit werden abschließend in Kapitel 6 zusammengetragen.
In der Bibliographie (Kapitel 7) werden die hier benutzten Werke mit ihrem Langtitel
aufgeführt. Die Primärquellen werden in den Fußnoten in folgender Form zitiert:
«VOLTAIRE, Micromégas:» Ansonsten wird in Kurzform zitiert. Textgrundlage für die
Arbeit mit Micromégas ist die folgende Taschenbuchausgabe gesammelter Erzählungen
Voltaires, erschienen bei Garnier-Flammarion:
POMEAU, R. (ed.) 1966: Romans et contes de Voltaire, Paris:131-47
1 ADAMS, D. 2002: Per Anhalter durch die Galaxis, 18Hamburg:172f.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Micromégas, eine philosophische Geschichte
3. Der Terminus Relativismus
3.1 Begriffsgeschichte
3.2 Analyse des Begriffs Relativismus
4. Die Relativität der Erkenntnis
4.1 Voltaires Verständnis von der menschlichen Erkenntnis
4.2 Die Relativität der Erkenntnis in Micromégas
4.2.1 Die Sinne
4.2.2 Der Name des Protagonisten: Petit – grand
4.2.3 Die Perspektive
4.2.4 Der Vergleich
5. Die Relativität der Moral
6. Schlußfolgerungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das philosophische Konzept des Relativismus in Voltaires Erzählung Micromégas, wobei der Schwerpunkt auf der Differenzierung zwischen erkenntnistheoretischem und moralischem Relativismus liegt. Ziel ist es, die Anwendung dieser Konzepte im Werk zu analysieren und deren Einordnung in Voltaires Gesamtphilosophie zu klären.
- Voltaires erkenntnistheoretische Wurzeln und der Einfluss von John Locke
- Die Relativität der Erkenntnis durch Sinne, Perspektive und Vergleich
- Kritik am Anthropozentrismus und die "Umkehr der Reise"
- Die Frage nach der Universalität der Moral bei Voltaire
- Verhältnis zwischen literarischer Erzählung und philosophischer Lehre
Auszug aus dem Buch
4.2.4 Der Vergleich
Eine weitere Methode Voltaires zur Darstellung der Relativität der Erkenntnis ist der Vergleich. Die Relativität und der Vergleich sind zwei sehr eng miteinander verbundene Begriffe. Um diesen Zusammenhang darzustellen, sollen hier zunächst einige grundsätzliche Gedanken zu dem Verhältnis zwischen Vergleich und Relativität formuliert werden.
Die gemeinsame Basis beider liegt darin, daß man zwei Konzepte, Dinge etc. rational miteinander in Verbindung setzt. Eine solche Verbindung steht entweder unter dem Aspekt der die beiden miteinander verbindenden Eigenschaften oder aber unter dem Aspekt der die beiden voneinander trennenden Eigenschaften. Somit konstituiert eine solche Verbindung in jedem Fall einen Vergleich. Aus diesem Vergleich kann sich dann Relativität ergeben, und zwar in dem Sinne, daß eines der beiden Konzepte, Dinge etc. unter Einbeziehung seines Verhältnisses zum anderen gesehen wird. Das „In-Verbindung-Setzen“ konstituiert also zwingend den Vergleich, der wiederum die Relativität konstituiert.
Das Szenario des Micromégas ist grundsätzlich als Vergleich angelegt. Es findet, manchmal explizit, manchmal unterschwellig, ein permanenter Größenvergleich zwischen Micromégas, dem Saturnier und den Menschen statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse an Voltaires Relativismus anhand der Erzählung Micromégas und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Micromégas, eine philosophische Geschichte: Dieses Kapitel ordnet das Werk historisch ein, diskutiert dessen Entstehungsgeschichte und beleuchtet die Rolle als erster Conte philosophique.
3. Der Terminus Relativismus: Hier wird der Begriff Relativismus durch eine Begriffsgeschichte und eine Analyse aktueller Wörterbuchdefinitionen geklärt, um Anachronismen zu vermeiden.
4. Die Relativität der Erkenntnis: Das umfangreichste Kapitel untersucht, wie Voltaire durch Sinne, Perspektivwechsel und Vergleiche die Begrenztheit menschlicher Erkenntnis aufzeigt.
5. Die Relativität der Moral: Dieses Kapitel prüft, ob sich in Micromégas ein moralischer Relativismus findet, und kontrastiert dies mit Voltaires Konzept einer natürlichen, universellen Moral.
6. Schlußfolgerungen: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Voltaire zwar ein erkenntnistheoretischer Relativist ist, im Bereich der Moral jedoch universelle Ansprüche vertritt.
Schlüsselwörter
Voltaire, Micromégas, Relativismus, Erkenntnistheorie, Moral, Conte philosophique, Empirismus, Anthropozentrismus, Perspektive, Vergleich, Aufklärung, John Locke, Philosophiegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Konzept des Relativismus im Werk von Voltaire, speziell anhand seiner Erzählung Micromégas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Unterscheidung zwischen der Relativität der Erkenntnis und der Relativität der Moral.
Welches Hauptziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Voltaire zwar in der Erkenntnistheorie relativistisch argumentiert, im moralischen Bereich jedoch universalistische Positionen einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine textnahe Analyse unter Einbeziehung begriffsgeschichtlicher und philosophischer Nachschlagewerke durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Voltaire durch Mittel wie Größenvergleiche und Perspektivwechsel die Grenzen menschlicher Wahrnehmung demonstriert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erkenntnistheorie, empirische Induktion, Anthropozentrismuskritik und der Conte philosophique.
Wie bewertet die Arbeit die Figur Micromégas?
Micromégas wird als Werkzeug Voltaires betrachtet, um die menschliche Perspektive zu relativieren und den Anthropozentrismus zu hinterfragen.
Inwiefern unterscheidet sich Voltaires Methode von der cartesianischen?
Voltaire wird als radikaler Empiriker dargestellt, der die cartesianische Deduktion ablehnt und stattdessen auf die Sinneserfahrung setzt.
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- Ulrich Jacobs (Author), 2002, Voltaires Micromégas, ein Beispiel für Relativismus in der Aufklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28756