Aufbau von Veränderungsmotivation auf der Grundlage des Transtheoretischen Modells


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Motivation

3. Das Transtheoretische Modell

4. Motivierende Gesprächsführung
4.1 Der „Geist“ der motivierenden Gesprächsführung
4.2 Vier allgemeine Interventionsprinzipien
4.2.1 Empathie ausdrücken
4.2.2 Diskrepanzen entwickeln
4.2.3 Widerstand umlenken
4.2.4 Selbstwirksamkeit fördern
4.3 Methoden der motivierenden Gesprächsführung
4.3.1 Offene Fragen stellen
4.3.2 Aktives Zuhören
4.3.3 Bestätigen
4.3.4 Zusammenfassen

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: A Spiral Model of the Stages of Change

Abb. 2: Motivational Interviewing

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit sind Menschen in Hilfeprozessen nicht immer dazu motiviert ein Problemverhalten zu verändern, auch wenn dies für Außenstehende offensichtlich notwendig erscheint. Gesundheitsschädigende Verhaltensweisen wie bspw. Rauchen, Drogenkonsum, problematisches Ernährungs- oder riskantes Sexualverhalten können neben den gesundheitlichen Folgen, auch soziale und finanzielle Problemlagen hervorrufen. Die Gründe der Betroffenen für ihre Verhaltensweisen sind vielschichtig. Fehlendes Problembewusstsein oder bspw. Resignation können einen therapeutischen Hilfeprozess in einem Beratungskontext erschweren. Wie die Profession der Sozialen Arbeit eine Verhaltensänderung unterstützen und die Änderungsmotivation bei den Betroffenen hervorrufen kann, sowohl bei jenen mit als auch ohne Veränderungsabsicht, werde ich in dieser Arbeit vorstellen.

Nach einer Motivationsdefinition (Kap. 2) widme ich mich den Stufen der Verhaltensänderung und damit dem ersten Teil des Transtheoretischen Modells der intentionalen Verhaltensänderung (Kap. 3). Hier stelle ich vor, wann eine Verhaltensänderung stattfindet und wovon sie gekennzeichnet ist. Anschließend stelle ich den Schwerpunkt meiner Arbeit, die Technik der motivierenden Gesprächsführung (Kap. 4) und damit die fundamentalen Interventionsprinzipien und die „Anfangsstrategien“/Methoden vor. Abschließend (Kap. 5) folgt ein kurzer Ausblick auf die Anwendung der motivierenden Gesprächsführung in der Praxis.

Hinweis:

Zur Vereinfachung der Lesbarkeit werden die nachfolgenden Ausführungen in der männlichen Form verfasst, jedoch beziehen sie sich auf beide Geschlechter. Ebenso wird sich -der Homogenität wegen- auf eine Therapeut- Klient- Beziehung bezogen.

2. Definition der Motivation

Die Frage nach der Motivation (lat.:movere: bewegen) ist jene, die nach der „Gesamtheit der Beweggründe, die jdn. zu etwas veranlassen“ (Bünting, 1996, S. 784) fragt. Es handelt sich demnach um eine zielgerichtete Verhaltensweise, deren Antrieb sich aus den Zielen und Wünschen einer Person speist (vgl. Reisenzein, 2005, S. 61). Jedem Veränderungsverhalten liegt demnach eine motivationale Bereitschaft zugrunde. Diese richtig einzuschätzen, kann mit Hilfe des Transtheoretischen Modells erfolgen.

3. Das Transtheoretische Modell

Das Transtheoretische Modell der intentionalen Verhaltensänderung (Abgek.: TTM) wurde nach James O. Prochaska und Carlo DiClemente in den 1980'er Jahren entwickelt. Es handelt sich hierbei um ein Stufenmodell, dass die Verhaltensänderungsphasen eines Menschen beschreibt. Prochaska, DiClemente & Norcross fanden in Studien mit Alkoholkonsumenten, Rauchern, adipösen Klienten und Opiatkonsumenten heraus, dass intentionale Verhaltensänderungen sowohl mit als auch ohne professionelle Hilfe stattfinden (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S.1102).

Letztere, in Eigenregie durchgeführte Verhaltensänderungen, werden fälschlicherweise auch als „spontaneous remission“ (ebd.) benannt. Auf diesen Sachverhalt weisen ebenso Miller & Rollnick (2009, S. 18) hin. Jene Verhaltensänderungen sind allerdings auf einen hohen Selbstverpflichtungsgrad der betroffenen Person und auf den Einfluss und die soziale Unterstützung von externen Personen zurückzuführen (vgl. Orford, 1985; Tuchfeld, 1981, zit.n. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S.1102).

Prochaska, DiClemente & Norcross (1992) untersuchten demzufolge, ob Verhaltensänderungen einer generellen Struktur unterlegen sind (vgl. S. 1102). Sie kamen zu folgendem Ergebnis:

„From our perspective the underlying structur of change is neither technique-oriented nor problem specific. The evidence supports a transtheoretical model entailing (a) a cyclical pattern of movement through specific stages of change, (b) a common set of processes of change, and (c) a systematic integration of the stages and processes of change“ (a.a.O., S. 1110).

Prochaska, DiClemente & Norcross (1992) haben festgestellt, dass die Struktur eines Veränderungsverhaltens gleichbleibend ist. Es ist aus diesem Grund von Bedeutung, dass der Therapeut die aktuelle Motivationslage des Klienten für eine mögliche Verhaltensänderung richtig einschätzt, um Interventionsmaßnahmen anpassen zu können (vgl. S.1110). Diesbezüglich wird auf Kap. 4.1 verwiesen.

Abb. 1: A Spiral Model of the Stages of Change

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Veränderung von abhängigen Verhaltensweisen vollzieht sich in dem Durchlaufen einer Serie von einzelnen Stufen („Stages of Change“). Beginnend bei der Absichtslosigkeit, gefolgt von der Absichtsbildung, der Vorbereitung, der Handlung, der Aufrechterhaltung und der Beendigung

(vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1103). Die Stufen der Verhaltensänderung geben dem Therapeuten Auskunft darüber, in welcher Phase sich der Klient befindet und wann jener in die nächsthöhere bzw. niedrigere Stufe auf-/abgestiegen ist.

„Individuals typically recycle through these stages several times before termination of the addiction“ (a.a.O., S.1102). Die einzelnen Veränderungsstufen sind zeitlich auf sechs Monate dimensioniert und können jederzeit von Rückfällen heimgesucht werden, die einen „Spiralabstieg“ in die zuletzt besuchte Stufe bedeuten. „...most relapsers (…) do not regress all the way back to where they began“ (a.a.O., S. 1105). Die Betroffenen lernen durch Rückfälle aus ihren Fehlern und erhalten die Möglichkeit ihr Rückfallverhalten oder das was dazu geführt hat, zu reflektieren. In einem neuen „Anlauf“ kann durch entsprechende, gezieltere therapeutische Interventionen Einfluss genommen werden, um einen weiteren Rückfall zu verhindern (vgl. ebd.). Rückfälle führen bei dem Klienten u. a. zu Scham- und Versagensgefühlen, was ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schmälern und Widerstand hervorrufen kann (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S.1104).

Dieser äußert sich durch das Verbleiben in der Stufe der Absichtslosigkeit: „Resistance to recognizing or modifying a problem is the hallmark of precontemplation“ (a.a.O., S. 1103). Diese Stufe ist davon gekennzeichnet, dass dem Klienten sein selbstschädigendes Verhalten gar nicht bewusst ist, was zur Folge hat, dass eine Verhaltensänderung in den nächsten sechs Monaten nicht absehbar sein wird (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1103).

„It isn't that they can't see the solution. It is that they can't see the problem“ (Chesterson, G.K., zit.n. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1103).

Klienten kommen demnach nicht freiwillig in die Beratung, sondern durch den Druck von den sich bspw. sorgenden oder sich trennen wollenden (Ehe-) Partner bei Fortsetzung des schädigenden Verhaltens (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1103).

Die zweite Stufe ist die der Absichtsbildung, in der erste Bewusstwerdungsprozesse beim Klienten aktiviert werden. Jene werden sich ihrer Situation gewahr und können sich besonders lange in dieser Stufe aufhalten. Grund hierfür ist die Entscheidungsbalance, die Wahrnehmung von Vor- und Nachteilen einer Verhaltensänderung. Diskrepanzen (lat.: discrepantia, Widersprüchlichkeit resp. Missverhältnis zwischen zwei Sachen, aus: Duden-Internetquelle) und Ambivalenzen (Zwiespältigkeit; Spannungszustand; Zerrissenheit [der Gefühle und Bestrebungen], aus: Duden-Internetquelle) werden hervorgerufen und exploriert (vgl. a.a.O., S. 1104).

Die dritte Stufe ist die der Vorbereitung. Selbstschädigendes Verhalten wurde etwas abgebaut. Auch wenn noch keine effektiven Strategien für ein konkretes Änderungsverhalten vorliegen, der Klient hat sich in dieser Stufe zum Ziel gesetzt, in naher Zukunft etwas zu verändern, egal wie (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1104).

Die vierte Stufe ist die konkrete Handlungsebene. Sie bezieht sich auf den Beginn des Änderungsverhaltens, in dem Änderungen tatsächlich vorgenommen werden. Zeit, Kraftaufwand und Durchhaltevermögen sind in erheblichem Maße erforderlich für den Erfolg der vorgenommenen Handlung. Für das soziale Umfeld sichtbar gewordene Veränderungen, können durch Anerkennung und Zuspruch bei dem Klienten eine unterstützende Wirkung entfalten (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1104).

Die vorletzte Stufe bezieht sich auf die Aufrechterhaltung des Veränderungsverhaltens und damit auf die Fähigkeit, das abhängige Verhalten für sechs Monate und darüber hinaus für unbestimmte Zeit aufzugeben. Das Veränderungsverhalten aus der Handlungsebene wird stabilisiert, um tatsächliche Rückfalle und die damit verbundenen Gefühle zu vermeiden. Als unterstützende Maßnahme kann ein zwischen Therapeut und Klient gefertigter „Notfallplan“ helfen. Dieser dient als Handlungsanweisung, um konkrete Rückfallgefühle beim Klienten zu überwinden. Die Aufrechterhaltung stellt bei bestimmten Abhängigkeitserkrankungen die letzte Phase dar (vgl. ebd.).

Die Beendigungsphase stellt das Ideal erfolgreicher Verhaltensänderungen dar. In dieser Phase werden weder Gedanken für das in der Vergangenheit liegende problematische Verhalten aufgebracht, noch quält sich der Klient mit etwaig auftretenden Versuchungen, die zugleich eine Rückfallgefahr darstellen würden (vgl. Miller, Duncan & Hubble, 2000, S. 120). Demzufolge argumentieren die Autoren hier ähnlich wie Prochaska, DiClemente & Norcross (1992) bzgl. des Erreichens der zuvor genannten Phase (s. Aufrechterhaltung).

Jeder Veränderungsstufe werden desweiteren Veränderungsprozesse („Processes of Change“) zugeordnet. Sie geben Auskunft über die Art und Weise, wie der Auf-/Abstieg innerhalb der Verhaltensänderungsstufen stattfindet (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S.1107).

Die Autoren unterscheiden kognitiv-affektive Vorgehensweisen von verhaltensorientierten, wobei letztere vorwiegend im Bereich der Handlungsstufe stattfinden (vgl. a.a.O., S. 1109, „Table 2“).

Ein Beispiel für eine kognitiv-affektive Strategie wäre die Steigerung des Problembewusstseins („Consciousness raising“) in den ersten beiden Stufen (Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S. 1109, „Table 2“). Im Vordergrund angemessener Interventionen stehen hierbei: 1. Die Wahrnehmung und das Abwägen von Vor- und Nachteilen für eine Verhaltensänderung (Entscheidungsbalance). 2. Bereits vorhandenes Wissen dem Status Quo gegenüberzustellen. 3. Die Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen (Selbstwirksamkeitserwartung) (vgl. Prochaska, DiClemente & Norcross, 1992, S.1107 f.).

Mit dem Wissen um die phasenweise Veränderung menschlichen Verhaltens, wird nun im folgenden Kapitel das darauf aufbauende Konzept der motivierenden Gesprächsführung (Abgek.: m. G.) vorgestellt (vgl. Interessengemeinschaft Motivierende Gesprächsführung, 2001, o. S., Internetquelle).

4. Motivierende Gesprächsführung

Das erste Buch der m. G. (engl.: Motivational Interviewing) wurde im Jahr 1992 von Miller & Rollnick veröffentlicht (vgl. Miller & Rollnick, 2009, S.12). Die Autoren konzentrierten sich anfänglich auf die Behandlung von Suchtproblematiken bei Alkohol- und Drogenkonsum. Da sich die Anwendung der m. G. aber auch in anderen Bereichen, u. a. in dem der „Sozialarbeit“ (Miller & Rollnick, 2009, S.12) etabliert hat, konzentrierten sich die Autoren sodann auf die Förderung von Verhaltensänderungen im Allgemeinen (vgl. a.a.O., S.14).

Die m. G. ist nach Hapke, Kremer & Rumpf (2000) geeignet für Beratungssettings in „…Arztpraxen, Gesundheitsämter(n), Beratungsstellen, Psychiatrische(n) Kliniken …, in denen die Motivation zur Verhaltensänderung häufig nicht Voraussetzung, sondern Ziel des Beratungskontaktes ist“ (S. 410).

Nach Kremer & Schulz (2013) findet die Anwendung der m. G. sowohl bei psychischen Erkrankungen als auch in weiterentwickelter Form, in der Jugendhilfe und der medizinischen Behandlung statt (vgl. S. 7).

Im Mittelpunkt stehen hierbei Erkrankungen die eine Veränderung von Lebensgewohnheiten bedingen, dies wäre bei Diabetes mellitus oder Adipositas der Fall (vgl. Kremer & Schulz, 2013, S. 11).

Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht, dass die m. G. zwei Ziele verfolgt. Zum einen die Motivation zu einer Verhaltensänderung aufzubauen (Phase 1), zum anderen die Selbstverpflichtung für eine Verhaltensänderung zu stärken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Motivational Interviewing

Dies geschieht mit Hilfe von Zielfestlegungen und der Ausarbeitung konkreter Handlungspläne im Beratungsprozess (Phase 2). Zur Zielerreichung tragen sieben verschiedene Methoden bei, die auf vier Interventionsprinzipien aufbauen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Aufbau von Veränderungsmotivation auf der Grundlage des Transtheoretischen Modells
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit)
Veranstaltung
Psychosoziale Beratung
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V287618
ISBN (eBook)
9783656879879
ISBN (Buch)
9783656879886
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufbau, veränderungsmotivation, grundlage, transtheoretischen, modells
Arbeit zitieren
Kathrin Hilbert (Autor), 2014, Aufbau von Veränderungsmotivation auf der Grundlage des Transtheoretischen Modells, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287618

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