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Das Hermetische an Paul Celans "Fadensonnen"

Titel: Das Hermetische an Paul Celans "Fadensonnen"

Essay , 2007 , 11 Seiten

Autor:in: Rachel Kafui Alinyoh-Fotter (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Gedicht „Fadensonnen“ ist von Personen verschiedenster Provenienz, Feuilletonisten, Ideologen und Literaturwissenschaftlern mit unterschiedlichem Ergebnis ausgelegt worden. All diese Deutungsversuche sind auf den letzten Satz gerichtet: „Es gibt zu diesem Gedicht vor allem wohl wegen seines provokativen – oder resignativen – Schlusses verhältnismäßig viele Interpretationen, die sich jedoch meist auf eben den letzten Satz beschränken und die bisweilen eben auch jene Überschrift tragen, die auch ich dieser Phase der Lyrik Celans gegeben habe“. Hartmut Steinecke spricht in seinem Aufsatz „Lieder... jenseits der Menschen“ nicht unbedingt jedem Leser die notwendigen Voraussetzungen zu, ein Gedicht Celans adäquat interpretieren zu können. Er nennt im Wesentlichen exemplarisch vier mögliche Interpretationsansätze, die von Celan-Interpreten, v.a. für das Gedicht „Fadensonnen“, gewählt wurden:

- Das esoterische Verstehen, oder: Schreiben als Vorstufe zum Verstummen;
- Das theologische Verstehen, oder: Was liegt jenseits der Menschen?
- Das ideologische Verstehen, oder: Alles ist Politik;
- Das naive Verstehen, oder: Der Leser ist alles

Das „esoterische Verstehen“ sieht in Celans Beschäftigung mit dem Problem der Sprache, also die Sprachreflexion, das Zentrum der Deutungsmöglichkeit Celan`scher Dichtung: wenn Celan die Sprache als unzulänglich erklärt, das Phänomen Welt zu erfassen, kommt er diesem Ansatz nach immer mehr zu einem Verstummen, was durch eine zunehmend hermetische Sprache angedeutet wird. Bei der theologischen Auslegung wird versucht – ausgehend von der Deutungsrichtung, die durch das Adverb „jenseits“ gegeben wird –, das Gedicht „Fadensonnen“ in „der heilsgeschichtlichen Tradition“ zu sehen. Es evoziere ein „messianischen Leuchten“. Celan verweise in dem Gedicht auf ein zu erwartendes Jenseits.

Ideologisch hat man Celan vorgeworfen, sein Gedicht sei „ bewusst konzipiert gegen jede gesellschaftliche Realität, als esoterisches Sich-Abschließen im Elfenbeinturm. Erich Fried liest das Gedicht als Einladung „ins Nichts“; er erkennt den „furchtbaren Irrtum“ Celans in der Hoffnung, es gebe Lieder jenseits der Menschen zu singen. Das von Hartmut Steinecke aufgezählte vierte Deutungsmuster hebt den Aspekt des Lyrischen in „Lieder zu singen“ hervor und erkennt, dass Wohlklang, Musikalität im romantischen Sinne nach den Ungeheuerlichkeiten im 2. Weltkrieg nicht mehr angebracht sein kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

FADENSONNEN

1. Das poetische Werk Celans im Überblick

2. Der Stand der Forschung im Umriss

3. Zur Struktur von „Fadensonnen“

4. Interpretationen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit widmet sich einer eingehenden Analyse des Gedichts „Fadensonnen“ von Paul Celan, um dessen hermetische Struktur zu dechiffrieren und die verschiedenen literaturwissenschaftlichen Deutungsansätze in den Kontext der zeitgeschichtlichen Traumata des Dichters einzuordnen.

  • Analyse des hermetischen Stils in Celans Lyrik
  • Untersuchung der Struktur und Rhythmik des Gedichts „Fadensonnen“
  • Diskussion verschiedener Forschungsansätze (esoterisch, theologisch, ideologisch, naiv)
  • Beleuchtung der biographischen Hintergründe und der Bedeutung des „Vergessens“
  • Erläuterung des Begriffs der „Sprachreflexion“ bei Paul Celan

Auszug aus dem Buch

Zur Struktur von „Fadensonnen“

Das Gedicht besteht nur aus einer Strophe, die wiederum sieben Verszeilen beinhaltet. Obwohl es recht kurz ist, weist es einige Enjambements auf und es verfügt über einen freien Rhythmus. Auffallend ist, dass es keine Pronomina enthält, was darauf hindeutet, dass ein Geschehen dargestellt wird, in das kein „Ich“ oder „Du“ involviert ist.

Die ,,grauschwarze Ödnis‘‘ steht in Opposition zum ,,Lichtton‘‘, ein Kompositum, das hier ein ,,Zusammenfallen‘‘ im Sinne von griechisch ,,symballein‘‘ anzeigen könnte und somit Symbolcharakter erhält. Die Verschmelzung von ,,Licht‘‘ – als Zukunft und Hoffnung verstanden – mit ,,Ton‘‘, was auf das Singen von Liedern verweisen könnte.

Das Dechiffrieren fällt allerdings schwer, weil das zukünftige Geschehen an einen Ort ,,jenseits der Menschen‘‘ verlagert ist. Werner Wögerbauer erkennt im Gedicht „einen logischen Dreischritt“, jede Aussage sei die Voraussetzung für die folgende bzw. deren Konsequenz; der Doppelpunkt markiert, dass am Schluss die Conclusio folgt.

Zusammenfassung der Kapitel

FADENSONNEN: Einleitende Präsentation des Originalgedichts von Paul Celan inklusive Quellenangabe.

1. Das poetische Werk Celans im Überblick: Ein Überblick über die stilistische Entwicklung Celans vom Frühwerk bis zum Spätwerk und die Funktion seiner hermetischen Sprache angesichts traumatischer geschichtlicher Erfahrungen.

2. Der Stand der Forschung im Umriss: Darstellung und kritische Würdigung der existierenden Deutungsmuster, die sich meist auf den Schluss des Gedichts konzentrieren.

3. Zur Struktur von „Fadensonnen“: Analyse der formalen Gestaltung, des Rhythmus und der zentralen Oppositionen im Gedicht.

4. Interpretationen: Eingehende Untersuchung des Titels und der symbolischen Bedeutungsebenen, insbesondere im Hinblick auf die Debatte um Lyrik nach Auschwitz.

Schlüsselwörter

Paul Celan, Fadensonnen, hermetische Lyrik, Sprachreflexion, Holocaust-Trauma, Lyrik nach Auschwitz, Literaturwissenschaft, Interpretation, Zeitgeschichte, Gedichtanalyse, Symbolik, Sprachkritik, Adorno, Erich Fried, Nachkriegsliteratur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Gedicht „Fadensonnen“ von Paul Celan und untersucht, wie der Autor sprachliche Chiffrierung nutzt, um komplexe Themen wie Trauma, Geschichte und die Möglichkeiten der Poesie in der Moderne auszudrücken.

Welches ist das zentrale Thema des Textes?

Das zentrale Thema ist die Auseinandersetzung mit der Unfassbarkeit geschichtlicher Katastrophen und die Frage, ob und wie nach dem 2. Weltkrieg noch Lyrik möglich ist, die nicht in Wohlklang erstarrt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die verschiedenen interpretatorischen Ansätze zu „Fadensonnen“ zusammenzuführen und ein tieferes Verständnis für die hermetische Dichtung Celans zu schaffen, die den Leser zwischen Verzweiflung und Hoffnung schweben lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl formale Aspekte (Struktur, Rhythmik) als auch intertextuelle und historische Kontexte einbezieht, um das Gedicht ganzheitlich zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der allgemeine Werkkontext, der Forschungsstand zur Rezeption des Gedichts sowie eine detaillierte strukturelle und inhaltliche Exegese der einzelnen Zeilen und Symbole durchgeführt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie hermetischer Stil, Sprachreflexion, Shoah-Trauma, intertextuelle Bezüge und die Dialektik zwischen „Ödnis“ und „Hoffnung“ charakterisiert.

Wie interpretiert der Autor das „jenseits der Menschen“?

„Jenseits der Menschen“ wird als ein Ort oder Zustand gedeutet, der jenseits der menschlichen Gleichgültigkeit und der rassistischen Klischees liegt – ein utopischer Raum, in dem freie Sprache und Lieder wieder möglich sein könnten.

Wie steht die Arbeit zu Erich Frieds Kritik?

Die Arbeit bewertet Frieds Vorwurf eines „furchtbaren Irrtums“ (die Poesie ins Jenseits zu verlegen) als eine zu einseitige Sichtweise, da Celans Chiffrierung den Leser bewusst in einem interpretatorischen Schwebezustand belasse.

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Details

Titel
Das Hermetische an Paul Celans "Fadensonnen"
Autor
Rachel Kafui Alinyoh-Fotter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V287691
ISBN (eBook)
9783668399068
ISBN (Buch)
9783668399075
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hermetische paul celans fadensonnen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rachel Kafui Alinyoh-Fotter (Autor:in), 2007, Das Hermetische an Paul Celans "Fadensonnen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287691
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Leseprobe aus  11  Seiten
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