José Zorrilla y Moral (1817 – 1893) schrieb 1844 Don Juan Tenorio, das in demselben Jahr uraufgeführt wurde. Es wurde Brauch, das Stück Jahr für Jahr am Allerseelentag, ein katholischer Gedenktag für alle Verstorbenen am zweiten November, in den Theatern Spaniens aber auch Hispanoamerikas aufzuführen.
In dieser Hausarbeit wird das Werk Zorrillas unter dem Aspekt der Magie betrachtet. Insbesondere der zweite Teil des romantischen Dramas beschäftigt sich mit der Magie und geht thematisch in die Zeit der berühmten comedias de magia zurück. Deshalb ist es interessant, sich diesen magischen comedias zu widmen, und die magischen Elemente herauszufiltern, die das zeitgenössische Publikum begeisterten und die eine entscheidende Rolle in diesem Bekehrungswerk spielen.
Magie und Technik wirkten immer mehr zusammen, da die Bühnenmaschinerie eine zentrale Bedeutung für die Umsetzung der comedias de magia hatte.
Außergewöhnlich in diesem Buch sind die Darstellungen seelischer Erfahrungen des Protagonisten und die Konfrontation mit nichtmenschlichen Akteuren aus Himmel und Hölle. Die Begegnung mit den Toten und die magischen Momente stehen den realistischen und weltlichen Szenen des ersten Teils gegenüber.
Don Juan, der eigentlich ein burlador, ein Frauenverführer, ist, erfährt während des zweiten Teils die Macht der magischen Liebe. Ihre Rolle im Rahmen der dramatischen Handlung soll dabei herausgehoben werden und insbesondere die Apotheose der Liebe im dritten und letzten Akt des Stücks, der als einziger Akt musikalisch begleitet wird.
Zum Schluss soll der Aspekt betrachtet werden, inwiefern die Magie eine Funktion in Don Juans Seelenrettung hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die comedias de magia
2.1 Zensur und Kritik der comedias de magia
2.2 Zorrilla und die comedia de magia
3 Magie und Technik
4 Die nichtmenschlichen Agenten der Magie
4.1 Schatten und Geister
4.2 Das Skelettmotiv
4.3 Die Engel
4.4 Doña Inés als dea ex machina
4.5 Der Steinerne Gast
5 Die Magie der Liebe
6 Don Juans Seelenrettung
7 Das musikalische Ende
8 Schlussbemerkung
9 Literatur
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einsatz magischer Elemente in José Zorrillas Drama Don Juan Tenorio und analysiert, wie diese übernatürlichen Aspekte sowie die Bühnentechnik der damaligen Zeit zur Seelenrettung des Protagonisten beitragen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Zorrilla die Tradition der comedias de magia nutzt, um eine spirituelle Wandlung des Frauenverführers Don Juan in eine dramatische Apotheose der Liebe zu verwandeln.
- Die Tradition und zeitgenössische Rezeption der comedias de magia.
- Die zentrale Rolle der Bühnentechnik und der magie artificielle.
- Die Funktion nichtmenschlicher Akteure (Geister, Engel, Statuen) in der Handlung.
- Die symbolische Bedeutung der Liebe als erlösendes, magisches Element.
- Die Transformation des Don Juan vom Verführer zum Erlösungssuchenden.
Auszug aus dem Buch
4 Die nichtmenschlichen Agenten der Magie
Der zweite Teil des romantischen Dramas Don Juan Tenorio spielt in einer Mondnacht, fünf Jahre nachdem Don Juan die Flucht aus Sevilla ergriffen hat. Don Juan ist zurückgekehrt und findet einen Friedhof der Familie Tenorio mit den statuengeschmückten Gräbern seiner Opfer: der Komtur Don Gonzalo de Ulloa, Doña Inés’ Vater, seinen Vater Don Diego Tenorio und sogar die Statue seiner Geliebten Doña Inés, die aus Kummer gestorben ist, wie es der Escultor, der Bildhauer, Don Juan erzählt: „Dicen que de sentimiento […] / por don Juan“ (V. 2845 - 2848).
Gies betont, dass die Vertreter der Magie in Zorrillas Tenorio in der Personenliste auftauchen, was bedeutet, dass sie zum Verzeichnis gehören. Zu ihnen zählen die „esqueletos, estatuas, ángeles, sombras“ (Personenverzeichnis). Zorrilla aber will mit dem zweiten Teil kein Drama der Verdammnis schaffen, sondern dem Zuschauer die Hoffnung vermitteln, dass Don Juan die Möglichkeit hat, sich vor der strafenden Gerechtigkeit Gottes und vor der drohenden ewigen Verurteilung zu retten. So gibt Zorrilla in den Bühnenanweisungen vor, dass der Friedhof nichts Furchteinflößendes haben soll: „no debe tener nada de horrible“ (I. 1).
Die Friedhofsszene stellt den Höhepunkt des szenischen Vergnügens dar, weil sich hier alle magischen Wirkungen, beispielweise die Verwandlungen der Statuen, die Schatten, das Verschwinden des Steinernen Gasts durch die Wand, dem Zuschauer anhand des Bühnenapparats präsentiert werden. Der Autor selbst fügt die magischen Effekte in seine Regieanweisungen ein: „Desaparece LA ESTATUA sumiéndose por la pared“ (II. 2). Hier bedient sich der Autor der Falltüren. Diese dienen zum Verschwindenlassen der Schauspieler, um deren scheinbare Fähigkeit des Unsichtbarwerdens zu illusionieren. Die Zauberkunst Zorrillas besteht darin, Illusionen zu erzeugen, die in Szene gesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt Zorrillas Werk vor und erläutert die Bedeutung der Magie als zentralen Aspekt für die thematische Untersuchung der Bekehrung Don Juans.
2 Die comedias de magia: Dieses Kapitel beschreibt den kulturellen Kontext der spanischen Magiekomödien im 19. Jahrhundert und Zorrillas spezifische Einbindung dieser Gattung.
3 Magie und Technik: Hier wird der theoretische Zusammenhang zwischen Bühnenmaschinerie und der sogenannten künstlichen Magie (magie artificielle) als Mittel der dramatischen Illusion beleuchtet.
4 Die nichtmenschlichen Agenten der Magie: Dieses Kapitel untersucht die übernatürlichen Figuren wie Geister, Skelette und den Steinernen Gast und deren Funktion als moralische Instanzen im zweiten Teil des Stücks.
5 Die Magie der Liebe: Der Abschnitt betrachtet die Liebe als das höchste magische Element, das eine bekehrende und erlösende Wirkung auf den Protagonisten entfaltet.
6 Don Juans Seelenrettung: Das Kapitel analysiert den psychologischen Prozess der Reue Don Juans und den Einfluss der übernatürlichen Kräfte auf seine endgültige Erlösung.
7 Das musikalische Ende: Hier wird die Funktion der Musik als atmosphärisches Gestaltungsmittel zur Untermalung des transzendenten Schlussaktes hervorgehoben.
8 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über Zorrillas Rolle als Magier und Regisseur, der durch die Inszenierung des Übernatürlichen bis heute eine Faszination ausübt.
Schlüsselwörter
José Zorrilla, Don Juan Tenorio, Romantik, spanisches Drama, Comedias de magia, Bühnenmagie, Magie, Seelenrettung, Übernatürliches, Doña Inés, Steinerner Gast, Bühnentechnik, Erlösung, Theatergeschichte, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Verwendung von magischen Elementen im Drama Don Juan Tenorio von José Zorrilla und wie diese den dramatischen Verlauf beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Tradition der Magiekomödien, die Bedeutung der damaligen Bühnentechnik sowie die Rolle der übernatürlichen Akteure für die Rettung des Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch magische Inszenierung und das Wirken übernatürlicher Wesen die moralische Bekehrung und letztendliche Erlösung Don Juans herbeigeführt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Dramas, ergänzt durch die Einbeziehung zeitgenössischer Theaterkontexte und wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bühnentechniken, die Analyse der nichtmenschlichen Agenten wie Geister und Statuen sowie die Betrachtung der Liebe als erlösendes Element.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Magiekomödie, romantisches Drama, Seelenrettung, Bühnenmagie, übernatürliche Akteure und Apotheose.
Welche spezifische Rolle spielt die Figur Doña Inés im magischen Kontext?
Sie fungiert als Vermittlerin zwischen Gott und Don Juan und wird im Text als eine Art dea ex machina charakterisiert, die entscheidend in das dramatische Geschehen eingreift.
Warum wird die Friedhofsszene als Höhepunkt der Magie hervorgehoben?
Weil hier alle magischen Effekte, einschließlich der Verwandlung von Statuen und dem Wirken der Geister, durch die Bühnenmaschinerie zu einer Illusion verdichtet werden, die den Protagonisten in eine psychologische Krise stürzt.
Wie interpretiert die Autorin das Ende des Stücks?
Das Ende wird als Apotheose der Liebe interpretiert, in der Don Juans Rettung durch den übernatürlichen Eingriff seiner Geliebten und den göttlichen Willen innerhalb einer musikalisch untermalten Schlussszene besiegelt wird.
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- Patricia Aguilar (Author), 2004, Geister & Gräber - Die Magie in José Zorrillas "Don Juan Tenorio", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28773