Geister & Gräber - Die Magie in José Zorrillas "Don Juan Tenorio"


Seminararbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die comedias de magia
2.1 Zensur und Kritik der comedias de magia
2.2 Zorrilla und die comedia de magia

3 Magie und Technik

4 Die nichtmenschlichen Agenten der Magie
4.1 Schatten und Geister
4.2 Das Skelettmotiv
4.3 Die Engel
4.4 Doña Inés als dea ex machina
4.5 Der Steinerne Gast

5 Die Magie der Liebe

6 Don Juans Seelenrettung

7 Das musikalische Ende

8 Schlussbemerkung

9 Literatur

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1 Einleitung

José Zorrilla y Moral (1817 – 1893) schrieb 1844 Don Juan Tenorio , das in demselben Jahr uraufgeführt wurde. Es wurde Brauch, das Stück Jahr für Jahr am Allerseelentag, ein katholischer Gedenktag für alle Verstorbenen am zweiten November, in den Theatern Spaniens aber auch Hispanoamerikas aufzuführen.

In dieser Hausarbeit wird das Werk des Zorrillas unter dem Aspekt der Magie betrachtet. Insbesondere der zweite Teil des romantischen Dramas beschäftigt sich mit der Magie und geht thematisch in die Zeit der berühmten comedias de magia zurück. Deshalb ist es interessant, sich diesen magischen comedias zu widmen, und die magischen Elemente herauszufiltern, die das zeitgenössische Publikum begeisterten und die eine entscheidende Rolle in diesem Bekehrungswerk spielen.

Magie und Technik wirkten immer mehr zusammen, da die Bühnenmaschinerie eine zentrale Bedeutung für die Umsetzung der comedias de magia hatte.

Außergewöhnlich in diesem Buch sind die Darstellungen seelischer Erfahrungen des Protagonisten und die Konfrontation mit nichtmenschlichen Akteuren aus Himmel und Hölle. Die Begegnung mit den Toten und die magischen Momente stehen den realistischen und weltlichen Szenen des ersten Teils gegenüber.

Don Juan, der eigentlich ein burlador, ein Frauenverführer, ist, erfährt während des zweiten Teils die Macht der magischen Liebe. Ihre Rolle im Rahmen der dramatischen Handlung soll dabei herausgehoben werden und insbesondere die Apotheose der Liebe im dritten und letzten Akt des Stücks, der als einziger Akt musikalisch begleitet wird.

Zum Schluss soll der Aspekt betrachtet werden, inwiefern die Magie eine Funktion in Don Juans Seelenrettung hat.

2 Die comedias de magia

Die berühmteste Gattung während der Romantik war die der comedias de magia. Sie sind Teil einer kulturellen Vergangenheit und genossen eine große Popularität während des gesamten XVIII. und XIX. Jahrhunderts.

Das Publikum sah in den magischen Szenen der comedias fliegende Schauspieler oder andere Effekte wie das plötzliche Verschwinden von Personen, Verwandlungen oder das automatische Angehen einer Kerze. Aber charakteristisch an den Magiekomödien waren auch die Chöre, die Tänze und die sichtbaren Feuerregen. Dem spanischen Volk gefielen diese magischen Effekte, weil sie ins Staunen gebracht wurden. Daher gewannen Bühnenbild und Bühnenmaschinerie, welche durch die Technik eine professionelle Inszenierung der magischen Effekte boten, immer mehr an Bedeutung.

Zum Repertoire der Technik gehörte z. B. auch die Falltür, die zu dieser Zeit modern wurde. Zudem gab es eine caxa de truenos, mit der der Zuschauer ein gewaltiges Gewitter betrachten konnte.

Der Erfolg der comedias de magia kam auch dadurch, dass alle an dem Schauspiel teilnahmen, sowohl Reiche als auch Arme, Diener und Kinder, gebildete Leute oder Bürgerliche. Das Publikum erwartete von einer Magiekomödie, etwas Außerordentliches zu sehen. Außerdem boten die comedias de magia eine Möglichkeit, um aus der Realität und dem Alltag zu entkommen.

Die Werbung für die comedias de magia reichte teilweise aus, um das Theater zu füllen. Als erfolgreichen Anreiz für das Stück kündigten die Unternehmer die magischen Elemente an.

2.1 Zensur und Kritik der comedias de magia

Die comedias wurden aussortiert und es war Pflicht, diese einem Corregidor, einem Richter, zu präsentieren, der über die Zensuren verfügte. Sie unterlagen einer kirchlichen und einer politischen Zensur, um eine Billigung oder ein Verbot der comedias zu erlassen.

Die Kritiker dieser Zeit bemängelten die Unwahrscheinlichkeit der comedias de magia, da sie viele phantastische und unwahrscheinliche Szenen enthalten. Andere hielten das Stück für kitschig oder wenig seriös, weil seine Wurzeln nicht der Realität entspringen. Auch Don Juan Tenorio ist ein Stück, in dem das Jenseits konkret eingreift und deshalb nicht als realistisch gelten kann.

2.2 Zorrilla und die comedia de magia

Zorrilla wurde durch diese besondere Gattung der Magiekomödie inspiriert und schuf eine comedia de magia insbesondere durch den zweiten Teil seines romantischen Dramas Don Juan Tenorio, der viele magische Elemente aufweist. Nicht umsonst lautet der Untertitel des Werks „drama religioso-fantástico“. Die Theatralik des Werks ist beeindruckend und sie war das, was das Publikum begeisterte.

Zorrilla verband erstmals Aspekte der Magiekomödie, die dem Publikum sehr gefielen, mit dem romantischen Drama, das große Begeisterung im vorangegangenen Jahrzehnt ausgelöst hatte. Mit seinem Untertitel „drama religioso-fantástico“ eroberte er das Publikum und wurde modern aufgrund der Spiritualität des romantischen Stücks, seiner Theatralik und seines poetischen Talents. Somit war Zorrilla der erste, der eine Kombination der zwei berühmtesten Tendenzen zu seiner Zeit vollzog. Er war derjenige, der die erste romantische Magiekomödie in Spanien schrieb.

3 Magie und Technik

Bevor ich mich mit der Magie in Don Juan Tenorio beschäftige, möchte ich den Zusammenhang zwischen Magie und Technik deutlich machen.

Es gibt einen Unterschied zwischen Wunder einerseits und magischer Operation andererseits. Ein Wunder geht auf göttlichen Eingriff zurück, wobei ein Mensch der Vermittler sein kann, wie Doña Inés, die zwischen Gott und Don Juan tritt. Die Kunst, wunderbare Wirkungen unabhängig von göttlicher Macht hervorzubringen, nennt man Magie. Besonders Don Juan Tenorio ist ein Bühnenstück, in dem die magische Operation im Mittelpunkt steht.

Es gibt drei Arten der Magie, nämlich die magie naturelle, die ungewöhnliche Wirkungen durch geschickte Nutzbarmachung der Naturkräfte hervorbringt, die magie artificielle, die solche Wirkungen durch rein menschliche Kunst erzielt und die magie diabolique, welche sich in einem Pakt mit Satan begründet. Hier widmen wir uns der magie artificielle, die von Relevanz für die romantische Magiekomödie Don Juan Tenorio ist, da hier die Bühnenmagie auf medientechnischer Grundlage im Vordergrund steht. Zorrilla, der in seinem Stück als Magier fungiert, erlangt die wunderbaren Effekte dadurch, dass er mit natürlichen Mitteln, der Bühnenmaschinerie und Bühnenbild Übernatürliches vortäuscht.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Geister & Gräber - Die Magie in José Zorrillas "Don Juan Tenorio"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V28773
ISBN (eBook)
9783638304627
ISBN (Buch)
9783638760652
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geister, Gräber, Magie, José, Zorrillas, Juan, Tenorio
Arbeit zitieren
Patricia Aguilar (Autor), 2004, Geister & Gräber - Die Magie in José Zorrillas "Don Juan Tenorio", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28773

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