Das Herrscherbild um 1000 am Beispiel Konrads II.

Ideal und Selbstbild


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung – Grundstein einer neuen Dynastie

2. Biographie
2.1 Konrad der Ältere – Aufstieg bis 1024
2.2 König Konrad II.
2.3 Kaiser Konrad II.

3. Das Herrscherbild um 1000 am Beispiel Konrads II.
3.1 Konrad II. - Ein idealer Herrscher?
3.2 Herrscherliches Selbstverständnis

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung – Grundstein einer neuen Dynastie

Der Tod des kinderlosen Heinrichs II. im Jahre 1024 sollte eine große Veränderung für das Reich bedeuten – das Ende der Ottonen, der Dynastie des großen Herrschers Otto. Anstatt dieser kam eine neue Familie an die Macht, die das folgende Jahrhundert regieren sollte, geprägt von Krisen mit Fürsten und inländischen Oppositionen, vor allem jedoch durch den Investiturstreit und Streitigkeiten mit dem Papst. Der erste Herrscher dieser Dynastie, die wir heute Salier nennen, war Konrad II. Er erreichte während seiner Herrschaftszeit, seine Dynastie zu etablieren und seine Herrschaft zu legitimieren und legte damit den Grundstein für die Regierungen seiner Nachfahren.

Aber gehen wir noch einmal zu den Anfängen dieser aufstrebenden Dynastie zurück. Die Salier, nicht zu verwechseln mit den Salfranken, gehörten schon unter den Karolingern zur adligen Führungsschicht[1] und „entstammten [daher den] zur Herrschaft befähigten Geschlechtern“[2]. Der Begriff „Salier“ als Dynastie etablierte sich aber erst zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, unter anderem durch Ekkehard von Aura, der Konrad II. und seine Nachkommen in seinem Werk rex salicus beschrieb.

Ihr Aufstieg begann mit Konrad dem Roten, einem Konradiner, Schwiegersohn Ottos des Großen und Herzog von Lothringen. Dessen Sohn Otto von Worms wurde 987 nach dem „Aufstand der drei Heinriche“ Herzog von Kärnten. Diesen Besitz musste er allerdings 985 wieder abtreten, wurde aber dafür von Otto III. mit Gütern in und um Worms entschädigt. 1002 verzichtete Otto nach dem Tod Ottos III. auf die Kandidatur um die Krone und erhielt dafür von Heinrich dem Zänker Kärnten zurück. Bis zu seinem Tod 1004 gelang es ihm in seinem Herzogtum eine Erbfolge einzuführen, sodass ihm sein Sohn Konrad (von Kärnten) folgte. Sein ältester Sohn Heinrich (von Worms) der laut dem „Senioritatsprinzip“[3] eigentlich Erster in der Erbfolge gewesen wäre, war schon 990/991 gestorben. Mit dieser Rückstufung seines Familienzweiges hatte Heinrichs Sohn Konrad der Ältere, der spätere Konrad II., lange zu kämpfen und kaum jemand hätte bei seiner Geburt gedacht, dass er einmal die höchste Würde des Reiches tragen sollte.

In der folgenden Arbeit werde ich aufzeigen, wie Konrad II. dem Herrscherideal seiner Zeit gerecht wurde und wie er sich selbst als „Kaiser dreier Reiche“ sah. Daher wird die Hausarbeit von einer kurzen Biographie Konrads eingeleitet. Es folgt die Darstellung des Herrscherideals um 1000 und die des Selbstbilds Konrads als König und Kaiser.

Als besonders aufschlussreich erweist sich hier die Gesta Chuonradi imperatoris von Wipo, einem Kaplan Konrads. Diese verfasste er sieben Jahre nach Konrads Tod, unter der Regentschaft dessen Sohnes Heinrichs III., woraus man schließen kann, dass sie Negatives auslässt und vieles beschönigt. Die Gesta ist demnach dekonstruktivistisch zu betrachten, da ihr Autor als Mitglied des salischen Hofes einen tieferen Sinn hinter seinen historischen Beschreibungen vermitteln will. Dennoch gibt sie aufschlussreiches Wissen über die Taten Konrads II und die Ansichten dieser Zeit, speziell das Herrscherbild betreffend, preis. Die Gesta wird durchgehend nach der Übersetzung von Werner Trillmich zitiert.

2. Biographie

2.1 Konrad der Ältere – Aufstieg bis 1024

Konrad der Ältere, der älteste und einzige Sohn Heinrichs (von Worms), wurde im Jahre 990 geboren wurde und musste ohne Vater aufwachsen. Die Vormundschaft über den jungen Konrad ging zunächst auf seinen Onkel Konrad von Kärnten über. Doch es gab anhaltende Spannungen zwischen Konrad von Kärnten und seinem Neffen, denn dieser fühlte sich nach wie vor zurückgesetzt, da nur relativ wenig Besitz der Salier in den seinigen überging.

Um 1000 kam Konrad der Ältere in die Obhut des Wormser Bischofs Burchard. Durch diesen erhielt er eine gute und mit weltlichen Schwerpunkten gesetzte Erziehung. Er erlernte den Umgang mit Waffen, Verwaltung und Rechtspflege, die Grundprinzipien der Herrschaft und „ritterliche Tugenden im Umgang mit Gleichgestellten und Untergebenen“[4]. Es scheint, als wäre er schon damals auf das Amt des Herrschers vorbereitet worden. Dies war zu dieser Zeit jedoch noch keinesfalls absehbar, denn „ohne Not ging man nicht ab von der regierenden Dynastie“[5].

Im Jahre 1016 heiratete er mit 26 Jahren die gleichaltrige Gisela von Schwaben, deren Ahnenreihe bis zu Karl dem Großen reicht. Für sie war es die dritte Ehe. Doch die Verbindung wurde von den Zeitgenossen kritisch beäugt, da laut kanonischem Recht ein zu hoher Verwandtschaftsgrad zwischen den beiden bestand[6]. Die Hochzeit stellte sich für Konrad jedoch als sehr vorteilhaft heraus. Er konnte nicht nur auf die Regentschaft im Herzogtum Schwaben hoffen, da Giselas Söhne noch unmündig waren, auch sein Ansehen und die Beziehungen zu den Hochadligen verbesserten sich durch die Vermählung. Doch kurz nach der Hochzeit entzog Heinrich II. Gisela das Verwaltungsrecht über Schwaben und setzte als Vormund ihrer Söhne, und damit auch Verwalter deren Erbguts, den Bruder ihres verstorbenen Ehemannes ein. Diese Entscheidung erzeugte nicht nur Spannungen zwischen Giselas ältestem Sohn Ernst und Konrad, sie verstärkte auch das gespannte Verhältnis zu Heinrich II. Die Salier waren allgemein Gegner der Herrschaftsauffassung Heinrichs, da ihr Ziel eine „eigenständige Machtbegründung im salischen Adelshaus“[7] war, Heinrich II. aber wegen seines Selbstanspruches als Herrscher wenig Platz für Machtansprüche des Adels ließ.

Schon kurz nach der Hochzeit, am 28. Oktober 1017, wurde Konrads Sohn Heinrich, der spätere König Heinrich III., geboren.

2.2 König Konrad II.

„Möge die gesamte Kirche der Heiligen zum Herrn beten und Fürbitte leisten,

damit unser Herr und König Konrad die Würde, die er hier heute

rein von Gott empfängt, unverletzt bewahre [...].“[8]

Der Aufstieg Konrads zum König war keineswegs zwangsläufig. Die Möglichkeit bot sich erst durch den Tod des kinderlosen Heinrichs II. im Jahre 1024, der zu Lebzeiten keine Designation betreffend seiner Nachfolge geäußert oder festgehalten hat. Da Heinrich II. einen sehr starken Herrschaftsanspruch vertrat und sein Tod in gewisser Weise den „Tod von König und Königtum in einer Person“[9] bedeutete, war die Sorge um eine zu lange Thronvakanz und einen geeigneten Nachfolger nicht nur bei den Großen, sondern im ganzen Reich, begründet. Außerdem befürchtete man Unruhen und Abspaltungsversuche innerhalb des Reiches, besonders in Italien, denn die „entscheidende Integrationskraft für den Zusammenhalt des Reiches“[10] war nach wie vor ein starker und autoritärer Herrscher.

Zu dieser Zeit bestand das Thronfolgerecht aus einer Mischung zwischen Wahlrecht der Großen und dem Erbanspruch der Nachkommen des Herrschers[11], welcher in diesem Falle ausblieb. Wider Erwarten betrug die Zeit der Thronvakanz „kaum mehr als sechs Wochen“[12]. Bereits am 4. September 1024 fand die Königswahl in Kamba, einer heute nicht mehr existierenden Stadt gegenüber Oppenheim, statt. Zur Wahl standen Konrad der Ältere und sein Vetter Konrad der Jüngere. Dass im Jahre 1024 ein Salier den Thron besteigen sollte, stand schon jetzt fest. Geleitet wurde die Wahl von dem Erzbischof Aribo von Mainz, der als Erster wählen durfte und ein großer Befürworter Konrad des Älteren war.[13]

Wipo hat der Königswahl Konrads in der Gesta Chuonradi ein eigenes Kapitel gewidmet. Durch den „Abzug der Opposition verlieh [er] der Wahl den Charakter der Einmütigkeit“[14], doch die allgemeine Zustimmung für Konrad den Älteren lässt sich nicht abstreiten. Wipo verstärkt diese Grundstimmung nur, indem er Gegenstimmen und Befürworter Konrads des Jüngeren kaum erwähnt. Nun könnte man in dieser Situation befürchten, dass sich die beiden salischen Linien über den Streit um die Krone völlig entzweiten. Doch Konrad der Ältere und sein Vetter einigten sich schon vor der Wahl, dass sie denjenigen, den Gott als Herrscher auserwählt hatte, unterstützen werden. Hier werden in Wipos Schrift die moralischen Qualitäten Konrads des Älteren herausgestellt, der vor der Wahl selbstlos seinem Vetter verkündet: „Merke ich, daß des Volkes Stimme dich wünscht, […] dann werde ich dir diese Gunst nicht durch Intrigen schmälern; ich will dich vielmehr freudiger noch als die anderen wählen“[15].

Nach dieser salisch-internen Einigung begann also die Wahl an sich. Aribo von Mainz stimmte für Konrad den Älteren und die geistlichen Großen, mit Ausnahme des Erzbischofs von Köln, schlossen sich ihm an. Die Lothringer, die für Konrad den Jüngeren stimmen wollten, zogen sich noch vor der Abstimmung zurück. Nach dieser sehr einstimmig wirkenden Wahl, die als „Bestätigung der vorangegangen Meinungsbildung und […] Dokumentation des göttlichen Willens“[16] angesehen wurde, erhielt Konrad, nun offiziell Konrad II., von der Kaiserwitwe Kunigunde die Herrscherinsignien. Schon durch diesen Akt wird klar, dass trotz der neuen Dynastie vorherige Traditionen nicht vollständig abgeschafft werden.

Offiziell wurde Konrad am 8. September 1024 in Mainz von Erzbischof Aribo zum König des „ostfränkisch-deutsche[n] Reich[es]“[17] gesalbt und gekrönt. Eigentlich sollte in den folgenden Tagen auch Konrads Ehefrau Gisela gekrönt werden, doch der Mainzer Erzbischof zögerte, da die Ehe „nach strenger kanonischer Auffassung kirchenrechtlich anfechtbar“[18] war, und lehnte die Krönung schließlich ganz ab. Doch nach der Verweigerung des Mainzers erklärte sich der Kölner Erzbischof Pilgrim von Köln dazu bereit, Giselas Krönung zu vollziehen. Am 21. September 1024 wurde Gisela nicht nur zur Königin gekrönt, auch die Opposition des Kölners, der noch bei der Wahl in Kamba auf der Seite Konrads des Jüngeren war, galt als gebrochen.

Zwei Tage danach begann der Königsumritt Konrads II., eine Tradition, die er von seinem Vorgänger Heinrich II. übernahm. Sein erster Halt war Aachen, der Sitz Karl des Großen. Nicht zufällig nahm er dort auf dessen Kaiserstuhl Platz. Seine Herrschaftsziele, „die kraftvolle Durchdringung des Reiches, die Bildung der Reichseinheit mit fester Hand, die straffe Indienstnahme der Reichskirche und die glanzvolle Überhöhung der Herrscherstellung“[19], gingen nicht nur auf Heinrich II., sondern schon auf Karl den Großen zurück. Auch Wipo erkennt den Rückbezug Konrads, und schreibt: „An Konrads Sattel hängen die Steigbügel Karls des Großen“[20]. Während des Itinerars gelang es dem neuen Herrscher nahezu alle inländischen Oppositionen, beispielsweise die der Sachsen, zu brechen.

Eines der größten Probleme während seiner Herrschaft als ostfränkischer König waren die Eigeninteressen der Herzöge und Stämme.[21] In Burgund musste er sich mit Rudolf III. von Burgund, einem Onkel Giselas, auseinandersetzen. Dieser hatte Verträge mit Heinrich II., die den Liudolfinger als Oberlehnsherr anerkannten und ihm Erbansprüche zusicherten. Nach Heinrichs Tod versuchte Konrad erst über seine Ehefrau, dann über staatsrechtliche Argumentation und die Transpersonalität des Königtums ebenfalls Burgund für sich zu beanspruchen. Um seinen Anspruch zu verdeutlichen und seine Herrschaft im burgundischen Raum zu festigen, besetzte er die Bistümer mit Königstreuen und setzte Rudolf III. damit unter Druck. Diesem gab der burgundische König 1027 nach und sicherte Konrad II. die gleichen vertraglichen Rechte wie Heinrich II. zu[22]. Dem Salier gelang es sogar, die Verträge auch schon für seinen Sohn geltend zu machen, was zeitlich mit der Absicherung der Nachfolge vor dem ersten Italienzug korrespondierte.

2.3 Kaiser Konrad II.

Um seinen Vorbildern Karl dem Großen und Heinrich II. jedoch gänzlich gerecht zu werden, fehlte Konrad II. noch etwas Entscheidendes: Die Kaiserwürde. Zu dieser sollte ihm sein erster Italienzug verhelfen. Im Februar 1026 begann er, ein Heer zusammenzustellen. Außerdem söhnte er sich mit seinem Stiefsohn Ernst von Schwaben aus, unter dem Vorbehalt, dass dieser am Feldzug teilnahm[23]. Da der Italienzug nicht ohne Risiko war, designierte er vor dem Aufbruch seinen neunjährigen Sohn Heinrich als Nachfolger, falls ihm etwas zustoßen sollte. Der Wille, eine Erbfolge seiner Dynastie für das Amt des Königs einzuführen, ist schon damals eines der Hauptziele Konrads.

Die Umstände in Italien waren für den König günstig. Bischof Aribert von Mailand war seit kurzem Wortführer der deutschen Partei im italischen Episkopat und zu einem Bündnis mit dem ostfränkisch-deutschen Herrscher weitaus mehr bereit als sein Vorgänger Bischof Leo von Vercelli[24]. So wurde Konrad am 25. März 1026 von Aribert in Mailand zum König des langobardisch-italienischen Reiches gekrönt, der erste Teilerfolg seines Italienzuges. Ein weiterer war der Niederschlag eines Aufstandes in Ravenna, bei dem der König zum ersten Mal militärische Stärke demonstrieren konnte.

Dies konnte er erneut in der Auseinandersetzung mit Pavia zeigen. Hier hatten sich die zuvor erwähnten Sorgen nach dem Tod Heinrichs II., und damit einer sehr starken Herrscherautorität, bewahrheitet. Die Pavesen hatten nach dem Tod des Kaiers 1024 die Königspfalz zerstört und damit ihre „Herbergspflicht“[25] verletzt. Zu ihrer Verteidigung argumentierten sie, dass eine Bestrafung nicht rechtmäßig sei, da es zu dieser Zeit keinen König gegeben habe. Konrad antwortet darauf sehr bildhaft: „Ist der König tot, so bleibt doch das Reich bestehen, ebenso wie ein Schiff bleibt, wenn dessen Steuermann“[26] fällt. Mit der Transpersonalität, die stark von Konrad II. geprägt wurde, wurde der Staat als abstrakte Institution vom regierenden Herrscher gelöst und „bringt staatlich-politische Kontinuität zum Ausdruck“[27], der „Thron überdauert [also] den Wechsel der Herrscher“[28]. Diese staatsrechtliche Vorstellung sollte sich noch in mehreren Entscheidungen des salischen Königs zeigen.

Der Feldzug gegen die Pavesen gestaltete sich schwierig, doch konnten sie Anfang 1027 dem Heer Konrads nicht mehr standhalten. Kurz darauf, am Osterfest 1027, wurde Konrad II. in Rom von Papst Johannes XIX. nur zweieinhalb Jahre nach seiner Königserhebung zum Kaiser gekrönt. Die Anwesenheit „hochrangiger Persönlichkeiten wie König Knut von Dänemark [und England], König Rudolf III. von Burgund und Abt Odilo von Cluny“[29] zeigte, dass das König- und Kaisertum der neuen salischen Dynastie vollends angenommen war.

Nach seiner Rückkehr und der Stabilisierung seiner Herrschaft in Italien, wendete sich der Kaiser 1028 intensiv seiner Nachfolge zu. Er ernannte seinen zehnjährigen Sohn Heinrich zum Herzog von Bayern und verschaffte ihm damit eine eigene Machtbasis. Ostern des gleichen Jahres ließ er ihn in Aachen, erneut unter der Leitung des Erzbischofs Pilgrim von Köln, zum Mitkönig salben. Auf einer Bulle einer Urkunde vom 23. August 1028 bezeichnete er seinen Sohn als spes imperii, als „Hoffnung für das Kaisertum“[30], und designierte den damaligen Mitkönig also schon als späteren Kaiser. Ebenfalls wurde im Zuge der Sicherung seiner Erbschaft eine Gesandtschaft nach Byzanz geschickt, um nach einer passenden Ehefrau für den Sohn des Kaisers zu suchen. Auch wenn das Projekt scheiterte, gibt es Aufschluss über die wohl sehr positive Einstellung Konrads zu Byzanz. Außerdem ist es ein weiterer Versuch, sich in die Tradition der Ottonen zu stellen[31]. Als solcher kann neben dem Herrschaftsumritt auch die frühe Mitregentschaft Heinrichs III. ausgelegt werden. Des Weiteren wäre die Hochzeit seines Sohnes mit einer Tochter des byzantinischen Kaisers durch die unbestreitbar „römische Kontinuität“[32] des östlichen Kaisertums eine weitere Herrschaftslegitimation, die Konrad II. zeit seines Amtes zu stärken versuchte.

Im Jahre 1032 starb Rudolf III. von Burgund und Konrad II. wurde, wie in den Verträgen von 1027 vereinbart, erneut zum König gekrönt. Die Königserhebung zum Herrscher von Burgund machte ihn zum König dreier Reiche und stärkte seine Herrschaft noch einmal immens. Die Übernahme Burgunds symbolisiert den Beginn der Reichstrias bestehend aus dem nordalpinen Raum, Italien und Burgund.

Die nächsten Jahre waren vor allem durch Unruhen innerhalb des Reiches geprägt. Die Herrschaft in Italien, die auf der Reichskirche beruhte[33], schien jedoch zunächst gesichert. Um seine Macht zu stabilisieren, ging Konrad dazu über, die wichtigen italischen Bistümer mit ihm gegenüber loyal eingestellten Prälaten zu besetzen[34]. Doch eine Verschiebung des Machtgefüges in Oberitalien Ende 1035/Anfang 1036 führte in Mailand zu Unruhen. Erzbischof Aribert versuchte „durch besonders energische Maßnahmen“[35] den Machtzuwachs der neu entstehenden militärischen Oberschicht zu stoppen. Konrad sah in dem Handeln des Bischofs aber außerdem eine „angestrebte Schwächung […] der militärischen Präsenz des Reiches“[36] in Norditalien. Daraufhin setzte er Aribert als Bischof von Mailand ab und einen Kaisertreuen ein. Er ging auch gegen die Bischöfe von Vercelli, Cremona und Piacenza vor, um an Ariberts Verbündeten ein Exempel zu statuieren. Doch die demonstrierte Stärke und vor allem die Härte seines Vorgehens stieß nicht nur beim Volk und bei den Großen, sondern selbst bei Wipo, auf Kritik.

Konrad starb am 4. Juni 1039 und wurde am 3. Juli im Dom zu Speyer beigesetzt.

[...]


[1] vgl. Boshof, Egon: Die Salier. Stuttgart 1987. S. 7.

[2] Trillmich, Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Bonn 1991. S. 124.

[3] Weinfurter, Stefan: Das Jahrhundert der Salier (1024-1125). Ostfildern 2004. S. 20.

[4] Trillmich: Kaiser Konrad II. S. 135.

[5] Boshof: Die Salier. S. 31.

[6] vgl. Wolfram, Herwig: Konrad II. Kaiser dreier Reiche. München 2000. S. 53.

[7] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 24.

[8] Wipo: Gesta Chuonradi imperatoris. in: Trillmich, Werner (ed.): Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. Darmstadt 1961. S. 549.

[9] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 25.

[10] ebd. S. 25.

[11] vgl. Boshof: Die Salier. S. 32.

[12] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 26.

[13] vgl. ebd. S. 29.

[14] Boshof: Die Salier. S. 35.

[15] Wipo: Gesta Chuonradi. S. 543.

[16] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 28.

[17] Wolfram: Konrad II. S. 172.

[18] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 31.

[19] ebd. S. 32.

[20] Wipo: Gesta Chuonradi. S. 557.

[21] vgl. Boshof: Die Salier. S. 44.

[22] vgl.ebd. S. 67.

[23] vgl. Boshof: Die Salier. S. 46.

[24] vgl. ebd. S. 46.

[25] Boshof: Die Salier. S. 41.

[26] Wipo: Gesta Chuonradi. S. 561.

[27] Boshof: Die Salier. S. 42.

[28] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 50.

[29] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 37.

[30] Weinfurter: Herrschaft und Reich der Salier. Grundlinien einer Umbruchzeit. Sigmaringen 1991. S. 34.

[31] Otto II. (955-983) war mit Theophanu, einer byzantinischen Königstochter, verheiratet.

[32] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 40.

[33] vgl. Boshof: Die Salier. S. 75.

[34] Boshof: Die Salier. S. 75.

[35] Weinfurter: Das Jahrhundert der Salier. S. 50.

[36] ebd. S. 50.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Herrscherbild um 1000 am Beispiel Konrads II.
Untertitel
Ideal und Selbstbild
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V287803
ISBN (eBook)
9783656883197
ISBN (Buch)
9783656883203
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konrad II., Papst, Herrscherbild, Kaiser, Salier, Simonie, Investiturstreit, Gregor VII., Heinrich IV., Gottesgnadentum, Canossa
Arbeit zitieren
Linda Molitor (Autor), 2013, Das Herrscherbild um 1000 am Beispiel Konrads II., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287803

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