SEO. Nomen und pronominale Referenz in suchmaschinenoptimierten Texten


Seminararbeit, 2014
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeiehnis

1. Einleitung

2. Suchmaschinenoptimierte Texte
2.1 Textsortenklassifikation
2.2 Bedeutung und Grammatik von Keywords

3. Das Nomen und pronominale Referenz im textgrammatischen Kontext
3.1 Nomen und Formen pronominaler Referenz nach Weinrich
3.2 Textgrammatische Relevanz

4. Analyse eines Beispieltextes

5. Interpretation

6. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Autorenbriefing

Abbildung 2: Thematische Pronominalisierung

Abbildung 3: Rhematische Pronominalisierung

1. Einleitung

Suchmaschinen sind die meistgenutzte Schnittstelle zu alien Inhalten, die im Internet bereitgestellt werden. Vor allem der Anbieter Google wird von vielen Benutzern so stark frequentiert, dass man bei suchmaschinenoptimierten Texten von der im Alltag am haufigsten genutzten Textsorte uberhaupt sprechen konnte. Genau dieses Phanomen macht die akademische Betrachtung dieser vergleichsweise jungen Textsorte auch zu einem spannenden Thema im Kontext zeitgenossischer linguistischer Forschung.

Ein Text gilt dann als suchmaschinenoptimiert, wenn bei seiner Gestaltung auch beziehungsweise hauptsachlich darauf geachtet wurde, ihn so zu formulieren, dass eine Suchmaschine ihn fur mindestens ein vorher bestimmtes Keyword, das meist aus einem Nomen oder einer Nominalgruppe besteht, als besonders relevant erkennt.

Eine sorgfaltige Suchmaschinenoptimierung ist damit vor allem zur Bedienung wirtschaftlicher Interessen, zum Beispiel von Betreibern von Online- Shops oder werbefinanzierte Internetprasenzen, ein zentraler Faktor.

Wird ein Keyword von einem Benutzer in die Suchmaschine eingeben und die Anfrage abgeschickt, prasentiert die Suchmaschine ein, nach ihrer Relevanz sortiertes, Ranking ihrer entsprechenden Treffer. Dabei bewertet die Suchmaschine die Relevanz mit Hilfe mathematischer Algorithmen, welche Textstruktur und relative Haufigkeit der Keywords auswerten.

Insgesamt fallt bei der Beschaftigung mit Suchmaschinen und insbesondere bei der Beschaftigung mit Texten, die explizit darauf zugeschnitten sind, von einer Suchmaschine als relevant fur ein bestimmtes Keyword zu gelten, schnell auf, dass die sprachliche Struktur auf Wort-, Satz- und Textebene eine groBe Rolle spielt.

Denn im Gegensatz zur menschlichen Auswertung von Texten, die auf einer breiten linguistischen Grundlage basiert und neben syntaktischem auch unter anderem semantisches und pragmatisches Vorwissen einbezieht, sind die Algorithmen, die von der Suchmaschine zur Bewertung der Relevanz eines Textes fur mindestens ein bestimmtes Keyword ausschlieBlich an strukturelle, also auch auf Textebene syntaktische Pramissen gebunden.

Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen Textualitat und Benutzerfreundlichkeit, also der Gestaltung eines Textes hinsichtlich seiner Qualitat beziehungsweise Lesbarkeit und der Suchmaschinenrelevanz, also dem Grad der Angepasstheit an die zugrundeliegenden Algorithmen.

Die vorliegende Arbeit mochte untersuchen, wie sich die Optimierung hinsichtlich suchmaschinen-relevanter Meta-Anforderungen auf die Qualitat eines Textes aus Sicht des Lesers auswirkt. Sie bezieht sich dabei besonders auf Nomen und Nominalgruppen und pronominale Referenz in ihrer Bedeutung fur den Text als solcher und in ihrer Meta-Funktion als Keywords. Konkret wird damit eine wichtige syntaktische Komponente der Textsorte im Hinblick auf ihre pragmatischen Auswirkungen untersucht.

Zu diesem Zweck wird zunachst versucht die Textsorte suchmaschinenoptimierter Text, oder auch kurz SEO-Text, abgeleitet von der in der Praxis gangigen englischsprachigen Bezeichnung Search Enginge Optimization Text, angelehnt an das klassische Textklassifikationsmodells nach Brinker (vgl. Brinker 2005) zu klassifizieren. Auch Struktur, Funktion und Bedeutung von Suchmaschinen und Suchmaschinenoptimierung wird in diesem Kapitel umrissen. Die Zentralstellung des Keywords und deren Auswirkungen auf die Textgrammatik dieser Textsorte werden anschlieBend in einem separaten Unterkapitel betrachtet.

Den zweiten theoretischen Teil der Arbeit bildet eine Darstellung des Nomen und der pronominalen Referenz in der deutschen Grammatik, mit einem besonderen Augenmerk auf ihre textgrammatische Relevanz unter Bezug auf Weinrichs Textgrammatik der deutschen Sprache von 1993.

Im empirischen Teil der Arbeit erfolgt die Analyse eines kurzes Beispieltextes von der Webseite eines der erfolgreichsten deutschen Onlinehandler mit Bezug auf die vorhergehenden Erkenntnisse zu Nomen und pronominaler Referenz in der deutschen Sprache und eine Interpretation im Hinblick auf die Verwendung des Nomens als Keyword in der Suchmaschinenoptimierung.

Im abschlieBenden Fazit werden die Erkenntnisse der Arbeit zunachst noch einmal zusammengefasst, um sie dann in den Kontext der linguistischen Forschung einbetten zu konnen. Auch ein kurzer Ausblick auf die Notwendigkeit der Implementierung der Sprachwissenschaft in die Domane Suchmaschinenoptimierung finden in diesem Kapitel seinen Platz.

2. Suchmaschinenoptimierte Texte

Die Suchmaschinenoptimierung befindet sich an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Informatik und Linguistik beziehungsweise Sprachwissenschaft, denn sie erfordert die Verknupfung von Inhalten aus alien drei Bereichen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Suchmaschinenoptimierung ein wichtiges Instrument im Online-Marketing, die Informatik beschaftigt sich vor allem mit der Programmierung, Optimierung und Pflege der Suchmaschine und ihrer Datenbanken und fur die Sprachwissenschaft sind die Texte, die zur Optimierung der Auffindbarkeit einer Webseite dienen, interessant.

Mit Hilfe komplexer, Algorithmen, die vom Betreiber der Suchmaschine in einer Programmiersprache angelegt werden mussen, wird bei der Volltextsuche eine (annahernd) naturlichsprachliche Benutzeranfrage, die meistens ein zentrales Nomen oder eine zentrale Nominalgruppe beinhaltet, von der Suchmaschine mit relevantem Inhalt abgeglichen und dem Benutzer prasentiert.

Die Suchmaschine bezieht sich bei der Bewertung der Relevanz von Inhalten auf deren Gestaltung im Frontend, also der Benutzeroberflache und im Backend, der Betreiberoberflache, wobei letzteres in dieser Arbeit kaum angesprochen werden soll.

Die sprachliche Ebene der Suchmaschinenoptimierung ist ausschlaggebend fur die sogenannte On-Page Optimierung einer Seite, also die Optimierung der Benutzeroberflache im Hinblick auf die Anforderungen einer Suchmaschine. Zur Benutzeroberflache gehoren alle Texte, Bilder, Schaltflachen und weitere Elemente, die ihm unter einer URL angezeigt werden.

In den entsprechenden Algorithmen werden auf dieser Ebene verschiedene strukturelle Faktoren der Textgestaltung einbezogen, sowohl direkt im Textbeitrag als auch in sichtbaren Beschreibung von Bilder oder der, fur den Nutzer unsichtbaren Benennung durch den Seitenbetreiber im Backend.

Bei der Volltextsuche, aus der auch Google gewachsen ist, werden direkte Ubereinstimmungen mit dem gesuchten Nomen oder der gesuchten Phrase, dem sogenannten Keyword, sowie Ubereinstimmungen auf Metaebene, wie in Bild- oder Artikelbeschreibungen im Text gesucht. Mit dem Prafix „Meta-“ werden in der Praxis und in diesem Text diejenigen Faktoren bezeichnet, die der Rezipient einer Webseite zwar nicht wahrnimmt, aber die trotzdem einen groBen Einfluss auf SEO- Texte haben, da sie von Seiten der Suchmaschine diese Textsorte maBgeblich determinieren.

Ein grundlegendes Problem bei der Suchmaschinenoptimierung ist allerdings, dass deren Betreiber keine Informationen daruber, nach welchen Pramissen ihre Suchmaschinen Webseiten genau auswertet, fur die Offentlichkeit zugangig machen, da neben der organischen Optimierung, die Thema dieser Arbeit ist, auch die Moglichkeit besteht, als Betreiber eines Webseite fur ein gutes Ranking zu bezahlen.

Durch Erfolg und Misserfolg kann aber mit groBer Sicherheit gesagt werden, dass vor allem die relative Haufigkeit aber auch die Standortbestimmung und Formatierung des Keywords im Text und Annotationen, die ein Wort als besonders relevant fur den Text kennzeichnen, wie sie beispielsweise in HTML ublich sind (z.B. „<b>Wort</b>“ lasst ein Wort fur den Leser in Fettdruck erscheinen, <h1>Wort</h1> kennzeichnet die erste Uberschrift) fur die Suchmaschine eine groBe Rolle spielen.

SEO-Texte konnen grob in zwei Arten unterschieden werden. Auf der einen Seite gibt es inhaltliche relevante Texte, bei denen ein kommunikativer Zweck zusatzlich zur Auffindbarkeit eine groBe Rolle spielt. Dazu gehoren unter anderem Blogbeitrage, Webseiten von Institutionen oder Produkt- und Leistungs- beschreibungen. Auf der anderen Seite steht die sogenannte Landingpage, „eine auf ein Suchwort oder Suchbegriff hin optimierte Webseite, mit dem Ziel, in Suchmaschinen eine vordere Position zu erlangen“ (Weber 2010: 186), bei der allein die Suchmaschinenoptimierung im Vordergrund steht, sodass eine inhaltliche Relevanz fur die Webseite oder den Nutzer weit in den Hintergrund ruckt.

Landingpages werden dazu verwendet, den Nutzer durch eine Suchmaschine auf die Webseite aufmerksam zu machen und ihn dann auf die inhaltlich relevanten Unterseiten einer Webseite durch Verlinkung weiterzuleiten.

Selbstverstandlich weisen beide Arten von SEO Texten aber viele Gemeinsamkeiten auf.

Diese werden in der nachstehenden Textsortenklassifikation und der Herausstellung der Relevanz des Keywords aufgefuhrt.

2.1 Textsortenklassifikation

Zur naheren Beschreibung und vor allem zur Abgrenzung des SEO-Textes von klassischen Textsorten dienen im Folgenden zunachst einige ausgewahlte Aspekte, die Klaus Brinker in seinem Werk „linguistische Textanalyse“ (2005) zur Differenzierung von Textsorten verwendet. Im anschlieBenden Kapitel wird die Sonderstellung des Keywords genauer betrachtet, da sie die signifikantest Besonderheit dieser Textsorte ausmacht.

Die Funktion eines typischen suchmaschinenoptimierten Textes ist entweder informativ, oder aber auch direkt oder indirekt appellativ und soll dazu anregen, eine positive Einstellung gegenuber den angebotenen Leistungen oder Produkte der Seite zu erzeugen und den Besucher dazu zu bringen, sie zu nutzen beziehungsweise zu erwerben.

Thematisch sind einem solchen Text kaum Grenzen gesetzt. Haufig, vor allem bei Landingpages, ist aber ein einzelnes Objekt, das Keyword, Thema. Der Emittent eines SEO Textes wird alleine durch die Seite, auf der er sich befinden, in jedem Fall deutlich. Auch der Rezipient, die Zielgruppe, ist klar definiert und wird in einigen Texten auch direkt in der zweiten Person angesprochen. Bei Texten, die deskriptiv bzw. informativ realisiert sind, wird allerdings teilweise versucht eine unabhangige lokale Orientierung beziehungsweise die Prasentation des Textes zum Selbstzweck und nicht aus wirtschaftlichem Interesse zu zu suggerieren.

Die temporale Orientierung eines SEO Textes ist im Gegensatz dazu hauptsachlich zeitlos, da ein solcher Text ein fester Bestandteil einer Internetprasenz ist und dauerhaft Bestand beziehungsweise Relevanz haben muss um erfolgreich zu sein.

Ein klassischer Suchmaschinenoptimierter Text ist in der Regel entweder deskriptiv-sachbetont oder rational-begrundend realisiert. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden sicherlich vom Seitenbetreiber in Auftrag gegebene und auf Keywords optimierte Produkt- oder Leistungsbewertungen, die eher emotiv-bewertend oder meinungsbetont wirken sollen. Diese Texte fallen aber in eine legale Grauzone und sollen deshalb keine weitere Rolle fur diese Arbeit spielen.

Die Themenentfaltung in einem SEO-Text ist, entsprechend seiner Realisierungsform, deskriptiv oder explikativ gestaltet und oft stark auf einen Begriff und dessen Hyponyme, in der SEO Childterms genannt, fokussiert.

Auf grammatischer Ebene werden in der Regel komplexe Satzstrukturen mit vielen Nebensatzen vermieden, um den Text einer breiten Zielgruppe muhelos verstandlich prasentieren zu konnen. Die Koharenz wird durch Tempuskontinuitat, eine offensichtliche Strukturierung von Abschnitten mit Zwischenuberschriften und vor allem durch direkte, explizite Wiederaufnahmen gewahrleistet.

Insgesamt fallt bei einer klassischen Analyse auf, dass ein SEO- Text zwar isoliert mit Hilfe herkommlicher Modelle klassifiziert werden kann, nicht aber in seiner pragmatischen Einbindung in die Struktur einer Webseite oder seiner Funktion fur Suchmaschinen. Zu diesem Zweck muss, neben der Betrachtung des Textes selbst und dessen Funktion fur Emittenten und Rezipienten auch die Meta-Funktion des Textes dargestellt werden. Diese Meta-Funktion, die die strukturelle Gestaltung der Textsorte grundlegend beeinflusst, ist eine computerlinguistische beziehungsweise wirtschaftliche Instrumentalisierung des Textes zur Manipulation von Suchmaschinen, die haufig in einem direkten Konflikt mit einer effizienten Textgestaltung aus Sicht des Lesers steht.

Denn Verfasser von SEO-Texten sehen sich bei jedem Text vor der Herausforderung, ihre Texte nicht nur inhaltlich relevant und linguistisch ansprechend und verstandlich zu gestalten, sondern auch den Faktoren, welche die Suchmaschinen vorgeben, zu genuge zu tun.

2.2 Bedeutung und Grammatik von Keywords

Abbildung 1 zeigt ein reales Briefing, also die Anweisung eines Seitenbetreibers an einen Verfasser fur SEO-Texte und stammt aus dem internen Autorenbereich der Vermittlungsplattform Textbroker (www.textbroker.de), die Seitenbetreiber, die den Inhalt ihrer Seite nicht selbst gestalten mochten, mit SEO-Autoren zusammenbringt.

Das Briefing kann in der Regel von allen Autoren eingesehen werden, die sich auf Grundlage dessen dafur entscheiden konnen den Auftrag anzunehmen und den Text den Anweisungen entsprechend zu verfassen und einzureichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
SEO. Nomen und pronominale Referenz in suchmaschinenoptimierten Texten
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V287860
ISBN (eBook)
9783656880981
ISBN (Buch)
9783656880998
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SEO, SEM, Suchmaschine, Suchmaschinen, Suchmaschinenoptimierung, Google, Keywords, AdWords, Nomen, pronominale Referenz, suchmaschinenoptimierte Texte, Search Engine Optimization, Search Engine Optimisation
Arbeit zitieren
Lea Manthey (Autor), 2014, SEO. Nomen und pronominale Referenz in suchmaschinenoptimierten Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287860

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