Um die Wirtschaftsleistung eines Landes oder einer Region zu messen, ist die Wissenschaft seit vielen Jahrzenten auf Indikatoren angewiesen. Anhand dieser Messgrößen soll eine Vergleichbarkeit zwischen den Volkswirtschaften geschaffen werden. Das am weitesten verbreitete und am längsten genutzte Konzept ist das des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In den letzten 20 Jahren hat sich jedoch in der Literatur die Frage gestellt, wie zeitgemäß das BIP zur Berechnung des Wohlstands eines Landes ist. Um der Frage nachzugehen und dem Leser einen Überblick über die Anwendbarkeit des BIP und anderer Indikatoren zugeben, soll in dieser Hausarbeit der Sachverhalt der Wohlstandsmessung durch das Bruttoinlandsprodukt dargestellt werden. Aufgrund der Kürze der Hausarbeit, kann dem Leser allenfalls ein Einstieg bzw. ein Überblick zur Thematik gegeben werden. Eine vollständige Betrachtung des komplexen Sachverhalts wäre in diesem Rahmen nicht möglich. Zunächst wird der Begriff des BIP definiert und die Berechnung bzw. Zusammensetzung des Indikators gezeigt. Im Ländervergleich soll anschließend dem Leser gezeigt werden, wie ein Ranking nach dem Bruttoinlandsprodukt vorgenommen werden kann. Im darauffolgenden Kapitel werden einige Kritikpunkte genannt, die die Problematik des BIP als Indikator für Wohlstand aufzeigen. In Kapitel vier werden ausgehend von der Kritik am BIP weitere Indikatoren vorgestellt, die den Wohlstandsbegriff aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Schließlich wird am
Ende der Hausarbeit ein kurzes Fazit gezogen und ein Ausblick über zukünftige Indikatorensysteme gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bruttoinlandsprodukt
2.1 Definition und Berechnung
2.2 Ländervergleich
3 Kritik am Bruttoinlandsprodukt
4 Andere Indikatoren
4.1 Human Development Index
4.2 Happy Planet Index
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als zentralen Indikator zur Messung des gesellschaftlichen Wohlstands und beleuchtet dabei die theoretischen Grenzen sowie alternative Ansätze zur Wohlstandsmessung.
- Definition und Berechnungsmethoden des BIP
- Möglichkeiten und Grenzen des internationalen Ländervergleichs
- Kritische Analyse des BIP hinsichtlich ökologischer und sozialer Faktoren
- Vorstellung alternativer Indikatoren wie Human Development Index (HDI) und Happy Planet Index (HPI)
- Diskussion über die Komplexität und Zukunftsfähigkeit von Wohlstandsindikatoren
Auszug aus dem Buch
3 Kritik am Bruttoinlandsprodukt
Nachdem in den vorausgegangenen Kapiteln gezeigt wurde, wie das BIP berechnet wird und wie nützlich es für Vergleiche im Zeitverlauf oder Ländervergleiche ist, soll nun dargestellt werden, welche Schwachstellen dieses Konzept als Indikator für Wohlstand aufweist. Im Folgenden sollen einige der Kritikpunkte genannt und erläutert werden.
Ein Grundproblem stellt die Bewertung zu Marktpreisen dar. Güter, die nicht zu Marktpreisen bzw. einem angelehnten Bewertungskonzept bewertet werden können, sind im Bruttoinlandsprodukt nicht enthalten. Beispielweise werden die Wertschöpfung der Schattenwirtschaft, der Hausarbeit und Kindererziehung nicht berücksichtigt. Schätzungen des statistischen Bundesamtes zur Folge kann sich dieser Betrag auf 30 – 50 % des BIP summieren, der aber nicht statistisch erfasst wird (vgl. Schaper 2001, S. 45).
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die Nichtberücksichtigung von Umweltschäden bzw. die Erhöhung des BIP für die Beseitigung von Umweltschäden. Güter wie Luft und Wasser werden frei genutzt und fließen in keiner Form in das BIP mit ein, obwohl sie streng genommen einen Wert haben. Seit Beginn der 1990er Jahre und dem zunehmenden Umweltbewusstsein rücken diese Kritikpunkte immer stärker ins Interesse der Wissenschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Bruttoinlandsprodukts als Instrument zur Messung der Wirtschaftsleistung ein und begründet die Notwendigkeit, dessen Eignung als Wohlstandsindikator kritisch zu hinterfragen.
2 Das Bruttoinlandsprodukt: Dieses Kapitel definiert das BIP, erläutert die verschiedenen Berechnungsweisen (Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung) und beschreibt, wie es als Instrument für intertemporale sowie internationale Vergleiche genutzt wird.
3 Kritik am Bruttoinlandsprodukt: Hier werden die Schwachstellen des BIP aufgezeigt, insbesondere die mangelnde Erfassung von Schattenwirtschaft, unbezahlter Arbeit, Umweltschäden sowie die Problematik, Bildungsausgaben als reinen Konsum zu klassifizieren.
4 Andere Indikatoren: Das Kapitel stellt alternative Ansätze zur Wohlstandsmessung vor, die spezifische Defizite des BIP adressieren, wobei der Human Development Index (HDI) und der Happy Planet Index (HPI) im Fokus stehen.
5 Ausblick: Der Ausblick fasst die Herausforderungen einer ganzheitlichen Wohlstandsmessung zusammen und stellt fest, dass das BIP trotz seiner Schwächen aufgrund seiner einfachen Handhabung auch in Zukunft eine Rolle spielen wird.
Schlüsselwörter
Bruttoinlandsprodukt, Wohlstandsindikator, Wirtschaftswachstum, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, BIP pro Kopf, Humankapital, Human Development Index, Happy Planet Index, Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung, Ökologischer Fußabdruck, Nachhaltigkeit, Schattenwirtschaft, Wohlstandsmessung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) geeignet ist, den tatsächlichen Wohlstand einer Gesellschaft abzubilden, und welche methodischen Grenzen dabei bestehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Berechnung des BIP, die Kritik an dessen Aussagekraft sowie die Vorstellung alternativer Indikatoren, die soziale und ökologische Aspekte stärker gewichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser einen Überblick über die Anwendbarkeit des BIP zu geben und zu erörtern, warum es als alleiniger Wohlstandsindikator kritisch zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der existierende Konzepte, Definitionen und Kritikpunkte aus der makroökonomischen Fachliteratur zusammengeführt und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Erläuterung des BIP, eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Berechnungsgrundlagen und die Untersuchung alternativer Indikatoren wie den HDI und HPI.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Wohlstandsindikator, Bruttoinlandsprodukt, Wirtschaftswachstum, Nachhaltigkeit und soziale Wohlfahrt charakterisieren.
Warum wird die Schattenwirtschaft als Kritikpunkt am BIP angeführt?
Die Schattenwirtschaft sowie unbezahlte Tätigkeiten wie Kindererziehung werden nicht zu Marktpreisen erfasst, was dazu führt, dass ein signifikanter Teil der tatsächlichen Wertschöpfung statistisch ignoriert wird.
Welche Rolle spielt der ökologische Fußabdruck im Happy Planet Index?
Im HPI dient der ökologische Fußabdruck als Korrekturfaktor für Nachhaltigkeit, um sicherzustellen, dass ein hoher Wohlstand nicht auf Kosten künftiger Generationen erzielt wird.
- Arbeit zitieren
- Jens Konermann (Autor:in), 2013, Die Eignung des Bruttoinlandsproduktes als Wohlstandsindikator, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287912