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Jüdische Sachsen im antisemitischen Königreich? Antisemitismus im Königreich Sachsen 1871-1914

Titel: Jüdische Sachsen im antisemitischen Königreich? Antisemitismus im Königreich Sachsen 1871-1914

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 34 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Heiko Neumann (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Fokus auf den drittgrößten Staat im Reich mit über 4 Millionen Einwohnern um 1900 und somit der regionalgeschichtliche Zugang erklärt sich durch die besonderen politischen und sozioökonomischen Verhältnisse im Königreich. Dieser Zugang reiht sich ein in die Debatte, ob der sächsischen Geschichte im deutschen Vergleich eine Besonderheit zugrunde liegt. Hintergrund dieser Überlegung bildet die Annahme des kanadischen Historikers James Retallack, dass „Preußen eben nicht Deutschland und Deutschland nicht Preußen war“ – die Geschichte des Kaiserreichs nicht nur unter dem Gesichtspunkt preußischer Hegemonie zu schreiben ist, sondern regionale Spezifika für ein differenziertes Gesamtbild herauszuarbeiten sind. Der Antisemitismus bietet sich für ein solches Vorgehen an, da dieser das Verhältnis zwischen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft kennzeichnet und besonders in Zeiten ökonomischer Krisen und gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit offenbart, wie es um die (sächsische) Mehrheitsgesellschaft im Untersuchungszeitraum bestellt war.

Es wird der Frage nachgegangen, was die sächsischen Spezifika an der Nahtstelle zwischen jüdischen Leben und sächsischen Antisemitismus in Bezug auf die ideologische, parteipolitische und gesellschaftliche Sphäre waren? Demnach wird eine Betrachtung beider Perspektiven vorgenommen: Die der sächsischen Juden und der sächsischen Antisemiten, um einerseits die Beweggründe der Letzteren zu konkretisieren und um andererseits die jüngsten Studien zum Thema zusammenzufassen.

Im ersten Kapitel erfolgt eine überblicksartige Darstellung des Antisemitismus im Kaiserreich, um so eine übergeordnete Vergleichsebene für die nachgestellten regionalgeschichtlichen Kapitel zu schaffen. Anschließend wird das jüdische Leben in Sachsen skizziert, damit der Antisemitismus nicht losgelöst betrachtet und so eine entsprechende Rahmung vorgenommen wird. Im dritten Kapitel sind die Spezifika des politischen, administrativen wie gesellschaftlichen Antisemitismus im Königreich herauszuarbeiten. Schließlich wird das letzte Kapitel zentrale Aussagen zusammenfassen und die Besonderheiten jüdischen Lebens in der »antisemitischen Hochburg« pointiert darlegen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung und methodische Überlegungen

I. Überblick: Antisemitismus im Kaiserreich

II. Jüdisches Leben: jüdischer Sachse?

III. Antisemitismus im Königreich Sachsen

Fazit: Jüdisches Leben in der »antisemitischen Hochburg«

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die spezifischen Ausprägungen des Antisemitismus im Königreich Sachsen zwischen 1871 und 1914. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen der jüdischen Minderheit und der sächsischen Mehrheitsgesellschaft unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und politischer wie sozioökonomischer Dynamiken zu analysieren.

  • Regionale Spezifika des Antisemitismus im deutschen Kaiserreich.
  • Soziokulturelle Integration und Akkulturation der jüdischen Bevölkerung in Sachsen.
  • Die Rolle des politischen Antisemitismus und seine parteipolitische Verankerung.
  • Administrativer Antisemitismus als staatliche Benachteiligungspraxis.
  • Interaktion zwischen wirtschaftlichen Krisen und der Konstruktion von Feindbildern.

Auszug aus dem Buch

Der politische Antisemitismus

Zu Beginn der 1870er war der Antisemitismus allein ein publizistisches Phänomen. Dies änderte sich jedoch 1878 mit der Gründung der Christsozialen Arbeiterpartei, später Christsozialen Partei, des Berliner Hofpredigers Adolf Stoecker im Zuge der antisemitischen »Berliner Bewegung«40. Wenig später löste der Geschichtsprofessor Heinrich von Treitschke mit seinem Aufsatz in den Preußischen Jahrbüchern den »Berliner Antisemitismusstreit« aus, wodurch einerseits ganze Generationen des Bildungsbürgertums wie auch mittels Unterhaltungs- und Trivialliteratur untere Bevölkerungsschichten im antisemitisch-nationalistischen Sinne geprägt wurden und andererseits der Antisemitismus überhaupt salonfähig wurde41. Der »Antisemitismusstreit« wie auch die mit 250.000 Unterschriften versehende »Antisemitenpetition« von 1880/81, welche auf die Aufhebung der jüdischen Emanzipation abzielte, sorgten für eine mediale Dauerpräsenz und somit für eine Dynamisierung der konstruierten »Judenfrage«42. Auf der Gegenseite verfolgte die jüdische Presse aufmerksam die heraufziehenden Anfeindungen: Die Petition „ist offenbar nur ein sogenannter Fühler, der losgelassen wird, um die Stimmung zu erkunden, und wenn sich einige Anhaltspunkte finden sollten, daran sich festzusaugen. Die erste Mittheilung über diese Petition fand sich in der »Lutherischen Tageszeitung«. Sie geht also vom protestantisch-pietistischen Lager aus.“43 Des Weiteren ist in die erste Phase des politischen Antisemitismus die – im Gegensatz zur religiös argumentierenden Christsozialen Partei – seit 1879 auftretende rassistische »Antisemitenliga« unter dem Publizisten Wilhelm Marr einzuordnen44.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung und methodische Überlegungen: Einführung in die Thematik der jüdischen Emanzipation und des Antisemitismus in Sachsen, eingebettet in den regionalgeschichtlichen Kontext des Kaiserreichs.

I. Überblick: Antisemitismus im Kaiserreich: Analyse der ideengeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen des Antisemitismus auf Reichsebene unter Berücksichtigung liberaler und völkischer Strömungen.

II. Jüdisches Leben: jüdischer Sachse?: Untersuchung der soziokulturellen Situation und Identitätsfindung der jüdischen Gemeinschaft in sächsischen Großstädten unter dem Druck von Akkulturation und Zuwanderung.

III. Antisemitismus im Königreich Sachsen: Untersuchung der spezifischen Ausprägungen des politischen und administrativen Antisemitismus im sächsischen Königreich.

Fazit: Jüdisches Leben in der »antisemitischen Hochburg«: Synthese der Forschungsergebnisse zur besonderen Rolle Sachsens im Kontext des modernen Antisemitismus und der jüdischen Existenzbedingungen.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Königreich Sachsen, Kaiserreich, Jüdische Emanzipation, Akkulturation, politische Parteien, Mittelstand, Rassenantisemitismus, jüdische Identität, administrative Benachteiligung, Sozialgeschichte, Sozialdemokratie, Diskriminierung, Preußen, 19. Jahrhundert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Form des Antisemitismus im Königreich Sachsen zwischen 1871 und 1914 sowie dessen Auswirkungen auf das jüdische Leben in der Region.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des organisierten politischen Antisemitismus, den administrativen Maßnahmen des sächsischen Staates und der soziokulturellen Integration der jüdischen Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die sächsischen Besonderheiten des Antisemitismus herauszuarbeiten und zu klären, warum Sachsen als »antisemitische Hochburg« charakterisiert wurde, obwohl dort nur eine kleine jüdische Minderheit lebte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt einen regionalgeschichtlichen Zugang, der die sozioökonomischen Bedingungen in Sachsen mit den übergeordneten politischen Entwicklungen im Deutschen Kaiserreich verknüpft und moderne sozialgeschichtliche Analysemodelle verwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Stadien des politischen Antisemitismus in Sachsen, das Zusammenwirken von konservativen Kräften mit Antisemiten sowie die administrative Ausgrenzung jüdischer Staatsdiener detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den zentralen Begriffen gehören Antisemitismus, Sachsen, Jüdische Emanzipation, Akkulturation, Rassenantisemitismus und das Spannungsfeld zwischen christlicher Mehrheitsgesellschaft und jüdischer Minderheit.

Warum war es für jüdische Bürger in Sachsen besonders schwer, Richter zu werden?

In Sachsen herrschte eine informelle Verwaltungspraxis für den »christlichen Staat«, die jüdische Bürger systematisch von Anstellungen im Staatsdienst und insbesondere von Richterämtern ausschloss, was im starken Kontrast zur Situation in anderen Bundesländern stand.

Welche Rolle spielte der Mittelstand bei der Verbreitung antisemitischer Ideen?

Der sächsische Mittelstand, der sich durch wirtschaftliche Umbrüche und Exportkrisen bedroht fühlte, diente den antisemitischen Parteien als primäres Wählerklientel, um sich vom liberalen und sozialdemokratischen Lager abzugrenzen.

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Details

Titel
Jüdische Sachsen im antisemitischen Königreich? Antisemitismus im Königreich Sachsen 1871-1914
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Sächsische Landesgeschichte)
Veranstaltung
Auf der Suche nach föderalen Elementen – das deutsche Kaiserreich am Vorabend des Ersten Weltkriegs (1914)
Note
1,0
Autor
Heiko Neumann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
34
Katalognummer
V288088
ISBN (eBook)
9783656883692
ISBN (Buch)
9783656883708
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antisemitismus Kaiserreich Sachsen sächsischer Antisemitismus Akkulturation Judentum sächsisches Königreich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heiko Neumann (Autor:in), 2013, Jüdische Sachsen im antisemitischen Königreich? Antisemitismus im Königreich Sachsen 1871-1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288088
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Leseprobe aus  34  Seiten
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