„Predigt in der Reformationszeit, Untersuchung eines Massenmediums am Beispiel des Bilderstreits in Wittenberg 1522“ ist eine klar strukturierte Arbeit, die an einem zentralen reformatorischen Thema, „dem Bildersturm“ die eingangs aufgestellte These verifiziert: Predigt ist das entscheidende Kommunikationsmittel der Reformationszeit. An dem Medium kann eindrücklich abgelesen werden, wie Predigt einerseits als „Arbeitsinstrument“ der Kirche genutzt wurde um Glaubensinhalte zu vermitteln und andererseits als Manipulationsinstrument missbraucht wurde um Machtinteressen durchzusetzen.
Den Kontext bildet die Frage nach den Kommunikationsabläufen in der frühen Information. Gestützt wird die Analyse der gewählten Quellentexte durch die aktuelle Forschungsliteratur." PD Dr. xxx, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DAS MEDIUM PREDIGT IN DER REFORMATIONSZEIT
2.1 Theologische Aspekte der Predigt
2.1.1 Neue Theologie rückt Predigt und Prediger ins Zentrum
2.1.2 Standardisierung der reformatorischen Predigt
2.2 Auswirkungen von Predigt auf den Alltag
2.3 Predigt - eine Konkurrenz zur Flugschrift?
2.4 Predigt als historische Quelle
2.4.1 „Zündstoff“ Predigt
2.4.2 Überlieferungsformen der Predigt
2.4.3 Diskursanalyse als historischer Zugang zur Predigt
2.4.4 Grenzen des Zugangs
3 BEISPIEL: BILDERSTREIT IN PREDIGTEN
3.1 Karlstadts Predigt
3.1.1 Situatative Kontextanalyse
3.1.2 Analyse der Aussagen
3.1.3 Skizze einer Diskursanalyse
3.2 Luthers Predigten
3.2.1 Situative Kontextanalyse
3.2.2 Analyse der Aussagen
3.3.3 Skizze einer Diskursanalyse
4 SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Predigt als das entscheidende Massenmedium der Reformationszeit. Ziel ist es, anhand des Wittenberger Bilderstreits von 1522 die Funktion der Predigt sowohl als Instrument zur Vermittlung religiöser Inhalte als auch als machtpolitisches Manipulationsinstrument zu analysieren und den gesellschaftlichen Kommunikationsprozess dieser Epoche zu beleuchten.
- Die Predigt als zentrales Kommunikationsmittel der frühen Reformation.
- Theologische Aspekte und Standardisierungsprozesse der reformatorischen Predigt.
- Methodische Anwendung der Diskursanalyse auf historische Predigttexte.
- Die Rolle der Predigt im ikonoklastischen Konflikt zwischen Karlstadt und Luther.
- Wechselwirkungen zwischen reformatorischer Lehre und gesellschaftlichem Handeln.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 „Zündstoff“ Predigt
Predigt hat vor allem einen religiösen Inhalt. Man kann diesen historisch, theologisch, sowie literatur- oder sprachwissenschaftlich analysieren. Oft ist Predigt auch ein sehr emotionales Thema und die sonst so wertneutrale Wissenschaft neigt dazu „auf der einen oder anderen Seite des Pferdes herunterzufallen“. Das mag durch die persönliche Biographie oder (Nicht-)Glaubensstandpunkt des jeweiligen Forschers bedingt sein. An zwei Zitaten wird die Problematik leicht deutlich:
Die Kanzel blieb also in dieser Zeit das wahrscheinlich wichtigste Propaganda-Instrument.25
Predigt [ist] das öffentliche [...] Besprechen christlichen Glaubens, als Verkündigung von „Gottes Wort in Menschenmund“ durch die von der Kirche im Namen Jesus Christi Beauftragten um Hörer durch das Wirken des Heiligen Geistes zum freien Ergreifen des Evangeliums von der ankommenden Herrschaft Gottes einzuladen.26
Bei den Aussagen handelt es sich um zwei Extreme: Weder das eine, noch das andere Extrem wird einer historischen Analyse gerecht; Ist ein Ansatz zu kirchenkritisch-modern geprägt („Propaganda“ ist negativ wertend), ist der andere zu theologisch (die zweite Definition ist nur aus einer religiösen Weltsicht heraus verstehbar). Es gilt einen Balanceakt zu finden, sich in eine zutiefst religiös geprägte Zeit einzudenken und gleichzeitig das heutige Mehr an Wissen für eine historische Darstellung zu nutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die religiöse Ausgangslage der vorreformatorischen Zeit und formuliert die zentrale These der Predigt als wichtigstes Massenmedium der Reformation.
2 DAS MEDIUM PREDIGT IN DER REFORMATIONSZEIT: Dieses Kapitel erläutert die theologische Bedeutung, die Standardisierung der Predigt durch Postillen sowie deren Rolle als historische Quelle und Konkurrenz zur Flugschrift.
3 BEISPIEL: BILDERSTREIT IN PREDIGTEN: Hier erfolgt eine konkrete Fallstudie, in der die Predigten von Karlstadt und Luther vor dem Hintergrund des Wittenberger Bildersturms analysiert und diskurstheoretisch vergleichend betrachtet werden.
4 SCHLUSS: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Predigt als zentrales Element der sich neu bildenden reformatorischen Öffentlichkeit und als machtpolitisches Instrument.
Schlüsselwörter
Reformation, Predigt, Wittenberg, Bilderstreit, Andreas von Bodenstein, Karlstadt, Martin Luther, Massenmedium, Diskursanalyse, Öffentlichkeitsarbeit, Bildersturm, Konfessionalisierung, Kirchenordnung, Kommunikationsprozess, Religionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Predigt als primäres Massenmedium in der frühen Phase der Reformation zwischen 1517 und 1525.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Theologie der Predigt, der Einfluss von Predigten auf den Alltag, das Verhältnis von mündlicher und schriftlicher Kommunikation sowie der spezifische Bilderstreit in Wittenberg.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Predigten einerseits zur Verbreitung neuer Glaubensinhalte genutzt wurden und andererseits als machtpolitisches Instrument zur Beeinflussung der Gemeinde und obrigkeitlicher Entscheidungen dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin wendet primär die historische Diskursanalyse an, methodisch angelehnt an Achim Landwehr und in Anlehnung an die Diskurskonzepte von Michel Foucault.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Predigt als Medium und eine konkrete Fallstudie, die Karlstadts und Luthers Positionen zum Ikonoklasmus vergleichend analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Reformationsgeschichte, Medientheorie, Ikonoklasmus, Diskursanalyse und politische Machttheologie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Luthers Position in den Invokavitpredigten von der Haltung Karlstadts?
Während Karlstadt auf eine sofortige, teils gewaltsame Umsetzung des Bilderverbots drängte, plädierte Luther für einen gemäßigteren Weg, da er die äußere Bildentfernung als zweitrangig gegenüber der inneren Glaubenshaltung betrachtete.
Welche Rolle spielten die "Postillen" für die Standardisierung der Predigt?
Postillen dienten als gedruckte Hilfsmittel für Prediger, um eine einheitliche Auslegung der biblischen Texte zu gewährleisten und so die Vielfalt der Predigtinhalte im Sinne der neuen Lehre zu regulieren.
- Citar trabajo
- Nadine Wörner (Autor), 2004, Predigt in der Reformationszeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28819