"Gott ist tot". Nietzsches wohl mit berühmtester Ausspruch symbolisiert für viele seine gesamte Philosophie. Ein Mann, zerrissen zwischen seiner religiösen Herkunft und seinem Willen nach Abtrennung von allen Regeln und Normen. Ein Mann, dessen größtes Ziel die beinahe rauschhafte Loslösung von allem Materiellen war, hin zu der absoluten Freiheit des Geistes. Friedrich Nietzsche: umstrittener Denker und Philosoph, Nihilist. Aber ist alles, was man über ihn sagen kann, dass er ein Querdenker war?
Viele Menschen wurden in ihrem Denken von seinen Deutungen geprägt. Sein Nihilismus-Begriff z.B. beeinflusste in großem Stile den Expressionismus (als einen berühmten Vertreter nenne ich hier Franz Kafka) und wurde „zur geistesgeschichtlichen Grundhaltung des Kulturpessimismus dieser Epoche“. Außerdem übte er einen großen Einfluss auf Autoren der Literatur (u.a. R. M. Rilke, H. von Hofmannsthal, T. Mann), der Philosophie (vor allem M. Heidegger und K. Jaspers) und sogar der Psychologie (z.B. S. Freud) aus. Von den Nationalsozialisten wurden seine Gedanken für propagandistische Zwecke genutzt.
Es ist also deutlich ersichtlich, dass er in Europa eine nicht zu unterschätzende Wirkung hatte, wenn auch nicht zu Lebzeiten.
Ein Großteil seiner Philosophie hat allerdings Wurzeln in anderen Philosophien, wie sollte es auch anders sein. Eine dieser Wurzeln möchte ich in dieser Facharbeit untersuchen.
Was für ein Mensch war Friedrich Nietzsche überhaupt? Ich möchte zuerst aufführen, wie seine Lebenssituation war. Dabei werde ich genauer auf seine Biographie Bezug nehmen in der ich seinen Lebenslauf schildern werde. Außerdem werde ich auf seine Werke eingehen, allerdings nicht sehr ausführlich, da das den Rahmen dieser Facharbeit sprengen würde.
In Nietzsches Werken begegnet man oft dem Gegensatz des Apollinischen und des Dionysischen. Was aber ist das genau? Inwiefern war dieser Gegensatz überhaupt wichtig, z.B. in der Antike? Wie definiert Nietzsche das selber und warum war es für ihn so wichtig?Das ist der wichtigste Punkt der Facharbeit.
Nach der Erläuterung dieser Aspekte werde ich meine Untersuchungsergebnisse zusammenführen. Und schließlich versuche ich die Frage zu beantworten: Wem von beiden, Apollo oder Dionysos, folgte Nietzsche?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Friedrich Nietzsche
2.1.1 Portrait
2.1.2 Lebenslauf
2.1.3 Die drei Phasen in Nietzsches Philosophie
2.2 Das Apollinische
2.2.1 Apollo
2.2.2 Nietzsches Deutung Apollos
2.3 Das Dionysische
2.3.1 Dionysos
2.3.2 Nietzsches Deutung des Dionysischen
2.4 Kontrast Apollinisch – Dionysisch
2.5 Apollo oder Dionysos, wem folgte Nietzsche?
3 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Friedrich Nietzsche geprägte Gegensatzpaar des Apollinischen und Dionysischen, um zu analysieren, welche dieser beiden Strömungen das Denken und die philosophische Entwicklung des Philosophen stärker maßgeblich beeinflusst hat.
- Biographische Analyse von Friedrich Nietzsche
- Die drei Entwicklungsphasen der Philosophie Nietzsches
- Gegenüberstellung der Gottheiten Apollo und Dionysos
- Nietzsches Interpretation von Ordnung versus Rausch
- Beantwortung der Frage nach Nietzsches persönlicher Zuordnung
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Nietzsches Deutung Apollos
Nietzsche selber schreibt über Apollo:
Apollo, als der Gott aller bildnerischen Kräfte, ist zugleich der wahrsagende Gott. Er, der seiner Wurzel nach der „Scheinende“, die Lichtgottheit ist, beherrscht auch den schönen Schein der inneren Phantasie-Welt. Die höhere Wahrheit, die Vollkommenheit dieser Zustände im Gegensatz zu der lückenhaft verständlichen Tageswirklichkeit, sodann das tiefe Bewusstsein von der in Schlaf und Traum heilenden und helfenden Natur ist zugleich das symbolische Analogon der wahrsagenden Fähigkeit und überhaupt der Künste, durch die das Leben möglich und lebenswerth (sic!) gemacht wird. Aber auch jene zarte Linie, die das Traumbild nicht überschreiten darf, um nicht pathologisch zu wirken, widrigenfalls der Schein als plumpe Wirklichkeit uns betrügen würde - darf nicht im Bilde des Apollo fehlen: jene maassvolle (sic!) Begrenzung, jene Freiheit von den wilderen Regungen, jene weisheitsvolle Ruhe des Bildnergottes. Sein Auge muss „sonnenhaft“, gemäss (sic!) seinem Ursprunge sein; auch wenn es zürnt und unmuthig (sic!) blickt, liegt die Weihe des schönen Scheins auf ihm.
In diesem Zitat sind Apollos wahrsagende Funktionen erwähnt, und er wird als der Gott der vollkommenen Wahrheit dargestellt. Allerdings scheint Nietzsche vor allem das Maßvolle wichtig zu sein, das die „Freiheit von den wilderen Regungen“ ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Philosophie Nietzsches ein und umreißt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich des Gegensatzes von Apollo und Dionysos.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die biographischen Grundlagen Nietzsches, die Definition der Begriffe Apollinisch und Dionysisch sowie deren kritische Gegenüberstellung und die abschließende Identifikationsfrage.
2.1 Friedrich Nietzsche: Hier werden das Portrait, der Lebenslauf und die drei Phasen der philosophischen Entwicklung Nietzsches detailliert dargestellt.
2.2 Das Apollinische: Dieses Kapitel erläutert das apollinische Prinzip als Ausdruck von Ordnung und Harmonie sowie dessen mythologische Wurzeln.
2.3 Das Dionysische: Es folgt eine Beschreibung des dionysischen Prinzips, das den Rausch und das Aufbrechen von Grenzen in den Mittelpunkt stellt.
2.4 Kontrast Apollinisch – Dionysisch: Hier findet eine Synthese der Unterschiede sowie der Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Kunstformen statt.
2.5 Apollo oder Dionysos, wem folgte Nietzsche?: Dieses Kapitel zieht die Schlussfolgerung aus der vorangegangenen Untersuchung und analysiert Nietzsches persönliche Tendenz zum Dionysischen.
3 Schluss: Im Fazit wird die zentrale These bekräftigt, dass Nietzsche zeitlebens dem Dionysischen folgte, jedoch an der praktischen Umsetzung dieses Ideals scheiterte.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Apollo, Dionysos, Apollinisch, Dionysisch, Philosophie, Nihilismus, Ewige Wiederkehr, Kunsttheorie, Schopenhauer, Antike, Tragödie, Amor fati, Übermensch, Geist.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Theorie von Friedrich Nietzsche, speziell mit seiner Definition des apollinischen und dionysischen Gegensatzes.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die antike Mythologie im Kontext der Ästhetik, die Philosophiegeschichte des 19. Jahrhunderts und Nietzsches persönliche Sinnsuche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, zu welchem der beiden Pole – Apollo oder Dionysos – sich Nietzsche im Laufe seines Lebens und Schaffens stärker zugehörig fühlte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um Nietzsches eigene Werke sowie Sekundärliteratur und biographische Informationen kritisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine theoretische Definition der Begriffsgegensätze und eine anschließende Auswertung der philosophischen Position Nietzsches.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nihilismus, Rausch, Ordnung, tragische Existenz und das Streben nach dem „Ja“ zum Leben charakterisiert.
Wie unterscheidet Nietzsche das Apollinische vom Dionysischen?
Nietzsche beschreibt das Apollinische als das Prinzip der Ordnung, Form und klaren Vision, während das Dionysische das Irrationale, den Rausch und das Aufbrechen individueller Grenzen repräsentiert.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich Nietzsches „Folgschaft“?
Die Autorin folgert, dass Nietzsche zwar zeitlebens nach dem Dionysischen strebte, um ein uneingeschränktes „Ja“ zum Leben zu finden, an diesem Anspruch jedoch letztlich scheiterte.
- Quote paper
- Luise Pfannenschmidt (Author), 2013, Apollo oder Dionysos. Wem folgte Nietzsche mit seiner Philosophie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288239