Social Media Abstinenzler. Entgehen diesen Menschen relevante Informationen und entstehen dadurch Benachteiligungen im privaten oder beruflichen Umfeld?


Bachelorarbeit, 2014

78 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Netzwerke
2.1 Definition und Bedeutung
2.2 Kurzfassung über die Entstehung des Internets
2.3 Entstehung und Relevanz digitaler sozialer Netzwerke
2.4 Facebook
2.5 Chancen und Möglichkeiten digitaler sozialer Netzwerke
2.6 Risiken und Gefahren digitaler sozialer Netzwerke

3 Social Media Abstinenzler
3.1 Lock-In-Effekt
3.2 Was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß
3.3 Austritt-Trend und mögliche Folgen für Social Media Abstinenzler
3.4 Auswertung einer eigenen Umfrage mit Social Media Abstinenzlern
3.5 Experteninterview

4 Fazit & Diskussion

5 Eidesstattliche Erklärung

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: A Short History of Social Media

Abbildung 2: Reichweite auf Facebook

Abbildung 3: Genutzte soziale Netzwerke im Internet

Abbildung 4: Positive Erfahrungen in sozialen Netzwerken

Abbildung 5: Abhängigkeiten in sozialen Netzwerken

Abbildung 6: Sichtbarkeit einzelner Angaben in sozialen Netzwerken

Abbildung 7: Aussagen zum Thema Datenschutz

Abbildung 8: Gründe für die Nicht-Nutzung sozialer Netzwerke

1 Einleitung

In dieser Bachelor Arbeit geht es um die Auswirkungen von Social Media Abstinenz. Im Wesentlichen beschäftige ich mich mit der Plattform Facebook und der Facebook- Abstinenz von jungen Menschen. Die Begriffe Social Media Abstinenz und Facebook- Abstinenz verwende ich dabei synonym. Eine genaue Definition gebe ich im Kapitel 3

Das Thema Social Media ist in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht in der Literatur beleuchtet worden. Oft geht es um die Auswirkungen, die sich durch die Benutzung oder die sehr häufige Benutzung von digitalen sozialen Netzwerken ergeben. Häufig werden die Konsequenzen für Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik untersucht. Wäh- rend meiner Recherchen zu meinem Thema habe ich allerdings kaum Literatur dazu gefunden, welche Effekte soziale Netzwerke auf Social Media Abstinenzler haben Aus diesem Grund habe ich einen Fragebogen erstellt und eine eigene Umfrage mit Facebook-Abstinenzlern durchgeführt. Hauptsächlich haben Studenten daran teilgenommen. An Hand der erhaltenen Antworten kann ich Hauptgründe, Hauptfolgen der Facebook-Abstinenzler sowie Alternativmedien herausfinden. Ich selbst bin - abgesehen von meinem veralteten meinVZ-Profil - in keinem digitalen Netzwerk aktiv und habe selbst Erfahrungen als Social Media Abstinenzler sammeln können. Ein Experteninterview ergänzt meine Ausarbeitung.

Um auf das Thema Social Media Abstinenzler näher eingehen zu können, erläutere ich im Vorfeld Eigenschaften, Entwicklungen, Risiken und Chancen sowie die Relevanz digitaler sozialer Netzwerke für Mensch, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Digitale soziale Netzwerke haben in der jüngeren Vergangenheit Einfluss in die unterschied- lichsten Bereiche genommen und unser Leben nachhaltig verändert. Die Fragestel- lung, ob Social Media Abstinenzler dadurch benachteiligt sind, ist noch nicht näher bearbeitet worden.

2 Soziale Netzwerke

In diesem Kapitel werde ich als Erstes auf die Relevanz sozialer Netzwerke und sozialer Kontakte eingehen. Hierbei sind nicht unbedingt digitale Netzwerke gemeint, sondern die klassische Form, bzw. jede Form sozialer Netzwerke.

Als Zweites werde ich eine Kurzfassung der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Internets vorstellen, auf dem die digitalen sozialen Netzwerke basieren.

Im Kapitel 2.3 gehe ich speziell auf die Entwicklung der digitalen sozialen Netzwerke ein. Hierbei schneide ich Themen an, wie die Beeinflussung der Netzwerke auf die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft.

Da Facebook in Deutschland die höchsten Mitgliederzahlen digitaler Netzwerke hat, stelle ich dann das Netzwerk Facebook im eigenen Kapitel 2.4 vor.

Im fünften Unterkapitel zeige ich Chancen und neue Möglichkeiten der digitalen sozialen Netzwerke auf. Hierbei gehe ich andeutungsweise auf die positiven Effekte für Privatpersonen, Unternehmen und die Politik ein.

Im sechsten Unterkapitel präsentiere ich die Gefahren und Risiken, die sich durch digitale soziale Netzwerke ergeben können. Dabei stelle ich kurz die negativen Effekte für Privatpersonen, Unternehmen und Politik vor.

2.1 Definition und Bedeutung

Ein soziales Netzwerk besteht aus zwei grundlegenden Elementen: Menschen und ihren Beziehungen zueinander.1 Diese Beziehungen können jeweils unterschiedlicher Natur sein. Sie können zum Beispiel kurzlebig oder langlebig sein. Sie können ober- flächlich oder auch intensiv sein. Je nach dem, wie man den Begriff Beziehung defi- niert, gibt es weitere Kriterien, nach denen man die Beziehungen untereinander unterteilen kann.2

Die Menschen, die sich in einem sozialen Netzwerk befinden, prägen dieses auch. Je nach dem, welche Interessen und Charakterzüge ein Mensch hat, beeinflusst und prägt er das soziale Netzwerk.

Man weiß inzwischen, dass die meisten Menschen über zahlreiche Sozialkontakte ver- fügen und wie hoch der Vernetzungsgrad zwischen den Menschen ungefähr ist. Jeder Mensch hat die unterschiedlichsten Beziehungen zu unterschiedlichsten Menschen. Wir kennen meistens viele Menschen mit Namen und/oder dem Gesicht nach und zählen oftmals Personen zu unseren Freunden, die es im Zweifel gar nicht sind. Dies wiederum kommt auf die Definition des Begriffs „Freund“ an. Das möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter vertiefen.

Man hat an Hand einer Befragung von 326 Amerikanern herausgefunden, dass die Befragten im Durchschnitt vier enge Sozialkontakte hatten. Zwölf Prozent der Befrag- ten gaben an, keine engen Sozialkontakte zu haben und fünf Prozent gaben an, dass sie acht oder mehr enge Sozialkontakte hätten. Die Hälfte der engen Sozialkontakte seien Freunde. Die andere Hälfte seien zum Beispiel Ehepartner, Kinder, Eltern, Ge- schwister, Nachbarn, Arbeitskollegen usw. Der Soziologe Peter Marsden bezeichnet diese Gruppe als „zentrales Diskussionsnetzwerk“. Man neigt dazu, mit seinen engen Kontakten für sich relevante Fragestellungen zu diskutieren. Eine Befragung in den 80er Jahren unter 1.521 Amerikanern hat unter anderem gezeigt, dass Menschen mit einem Universitätsabschluss tendenziell ein doppelt so großes Diskussionsnetzwerk haben, als Menschen ohne einen Schulabschluss.3 Hierzu ist festzuhalten, dass es damals noch keine digitalen sozialen Netzwerke gab. Es kann also sein, dass durch die Digitalisierung gleiche Untersuchungen heute ein anderes Ergebnis erzielen. Dies ist jedoch nicht das primäre Thema meiner Ausarbeitung. Ich möchte nur andeuten, welche Rolle soziale Netzwerke für Einzelpersonen spielen können.

Um zu erfahren, wie engmaschig ein soziales Netzwerk ist, muss man herausfinden, ob die Sozialkontakte von Person A sich untereinander kennen. Wenn Person A Person B kennt und Person B kennt Person C und Person C kennt Person A, nennt man dieses Beziehungsdreieck transitiv. Einige Menschen leben in vielen transitiven Beziehungen und sind häufig sehr stark in einer einzelnen Gruppe vernetzt und aktiv. Während andere Menschen wenige transitive Beziehungen unterhalten und Beziehungen zu Menschen in unterschiedlichen Gruppen haben und so als Brücke zwischen den einzelnen Gruppen/Netzwerken fungieren können.4

In digitalen sozialen Netzwerken sind transitive Beziehung schnell kenntlich zu ma- chen. Man kann transitive Beziehungen auch schneller durch digitale soziale Netzwer- ke entstehen lassen. Das so genannte Kleine-Welt-Phänomen, dass jeder Mensch mit jedem anderen Menschen der Erde über andere Menschen verbunden ist, konnte dank sozialer Netzwerke statistisch belegt werden. 2008 waren es 6,6 Menschen, über die ein Mensch durchschnittlich mit jedem anderen Menschen verbunden war.5 Unbestä- tigten Aussagen nach läge die Zahl heute bei unter fünf Personen. Bei den statistischen Erhebungen oder Experimenten auf digitalen Plattformen werden allerdings nur die Menschen berücksichtigt, die dort auch zu finden sind.

Nicht nur die Menschen prägen die Netzwerke, in denen sie sind, sondern die Netz- werke prägen auch die Menschen. Die Anzahl an Sozialkontakten hat einen Einfluss auf uns und unser Leben. Auch wie viele Sozialkontakte unsere engen Kontakte ha- ben, wirkt sich auf uns aus. Studien zeigen, dass Menschen mit einem größeren Freundeskreis sich weniger einsam fühlen. „Menschen, die sich dauerhaft einsam füh- len, verlieren über einen Zeitraum von zwei bis vier Jahren acht Prozent ihrer Freun- de.“6 Hinzu kommt, dass einsame Menschen, die sich dauerhaft so fühlen, auch weniger Freundschaften schließen.7

Eine weitere Studie ergab, dass Menschen, die in einer direkten Beziehung zu einem glücklichen Menschen stehen, selbst um 15 Prozent glücklicher sind. Wenn dieser Mensch mit einer anderen Person eine enge soziale Bindung hält, wird an ihn noch zehn Prozent des Glücks weitergegeben. An die nächste Person dann noch sechs Prozent, die diese Person glücklicher ist, weil sie über zwei andere Personen einen glücklichen Menschen kennt.8 Diese vielleicht seltsam klingende These, bzw. dieses Resultat der Studie zeigt, wie wichtig enge Sozialkontakte sind und wie sie uns und unsere engen Kontakte beeinflussen.

Das heißt, mich beeinflussen nicht nur die Personen in meinem Umfeld und die ich zu meinen Sozialkontakten zähle, sondern auch deren Sozialkontakte, die ich unter Umständen noch nie gesehen habe oder keinen Kontakt mit ihnen hatte.

Die interdependenten Beeinflussungen der Menschen untereinander und der Netzwer- ke zu Menschen bzw. andersherum sind die Basis für die These des so genannten Gruppenzwangs. Wenn in meinem Umfeld beispielsweise viele Personen einem digita- len sozialen Netzwerk beitreten, neige ich dazu, dort auch Mitglied zu werden. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen ist es die Neugier, da es nun einen Bereich gibt, den mein Umfeld kennt und darüber kommuniziert, während ich es nicht tue. Die Angst etwas zu verpassen, ist also ein wichtiger Grund. Auch das Dazugehörigkeitsgefühl ist ebenfalls ein relevanter Grund.

Wir können also daraus schließen, dass soziale Kontakte und soziale Netzwerke sehr wichtig für uns Menschen sind. Wir haben ein Urbedürfnis, das bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist, einer Gruppe anzugehören oder uns mit anderen Menschen zu verbinden/zu verbünden.

2.2 Kurzfassung über die Entstehung des Internets

Heutzutage gehört das Internet für einen Großteil der Menschen in Deutschland zum Alltag. Für Unternehmen, aber auch für Privatpersonen hat es eine Bedeutung, die immer weiter steigt. Der Ursprung lag in den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Ergebnis des damals vom US-Verteidigungsministerium geförderten Projekts heißt Arpanet (Advanced Research Project Agency). Das Ziel dieses Projektes war die Her- stellung von Verbindungen zwischen heterogenen Computersystemen in einem Ver- bund. Die ersten vier Computer, die in Universitäten an unterschiedlichen Standorten in den USA positioniert waren, hatten im Jahr 1969 ihre ersten Verbindungen zueinan- der. Der Grundstein für das heutige Internet war damit gelegt. Im Jahr 1984 waren über 1.000 Computer durch das Internet miteinander verbunden.9 Die Anschaffungs- kosten für einen Computer und dessen Benutzung konnte sich fast niemand leisten. Anfang der 90er Jahre änderte sich dies aber. Am 6. August 1991 wurde das World Wide Web zur öffentlichen Benutzung freigeschaltet.10 Im Jahr 1992 waren es bereits über eine Million und im Jahr 2008 über 500 Millionen Computer.9 Im Jahr 2012 gab es weltweit rund 2,4 Milliarden Internetnutzer.11

Das ursprüngliche Ziel war es, Computersysteme miteinander zu verbinden. Da sich hinter den Computern Menschen befinden, war das Ziel, Menschen miteinander zu verbinden. Dahinter steckt ein Urbedürfnis der Menschen, sich zu verbinden, zu ver- bünden und einer Gruppe anzugehören. Gruppen bieten uns Orientierung und wir scheinen viele Vorteile aus ihnen zu ziehen.12 Man kann also interpretieren, dass die Erfindung des Internets auf Basis des Bedürfnisses der Menschen, sich mit einander zu verbinden, entstanden ist. An dieser neuen Art des Verbindens kann natürlich nur teilnehmen, wer auch einen verbindungsfähigen Computer hat und ihn entsprechend nutzt.

Durch das Internet ist nicht nur die Verbindung zwischen Computern und so zwischen Menschen und das Überwinden von geografischen Distanzen möglich geworden, sondern es bildet auch eine Grundlage für zahlreiche neue Geschäftsideen, Innovationen oder neue Distributions- und Kommunikationskanäle.

Dieser Prozess ist nicht der erste, der neue Kommunikationsmöglichkeiten für die Menschen als Resultat bietet. Schon jeder Prozess davor löste jedes Mal eine Debatte aus.13 In der Vergangenheit sind für neue Kommunikationsmöglichkeiten Beispiele, wie Buchdruck, Funk, Telegraf, Schreibmaschine, Telefon usw. zu nennen.

In solchen Debatten sind die Pessimisten der Ansicht, die neuen Kommunikationsmöglichkeiten schwächten die traditionellen Beziehungen, während die Optimisten die neuen Möglichkeiten als Ergänzung der bisherigen sehen.13

Die aktuellen Diskussionen drehen sich eher um die möglichen gesellschaftlichen Folgen und seltener um die Konsequenzen für den Nicht-Nutzer. Ein völlig neuer Ansatz in einer solchen Debatte ist die Betrachtung des Nicht-Nutzers in einem Umfeld von Nutzern der neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

2.3 Entstehung und Relevanz digitaler sozialer Netzwerke

Eine neue Möglichkeit der Kommunikation sind die digitalen sozialen Netzwerke. Zwar gab es bereits im Jahr 1997 das erste Community-Portal SixDegrees, welches bis zum Jahr 2000 online war, jedoch war vermutlich der Markt, sprich die Menschen, noch nicht reif dafür. Online-Netzwerke machen nur Sinn, genau wie ein Telefon oder ein Faxgerät, wenn mehrere Menschen dies auch nutzen.14 Das unterstreicht noch mal die Interpretation, dass das Internet und auch die digitalen sozialen Netzwerke zum Verbinden der Menschen erfunden wurde. Ein digitales soziales Netzwerk, bei dem es nur drei Mitglieder gibt, hält sich nicht lange am Markt.

Doch rund ein Jahrzehnt nach dem Online-Gang von SixDegrees gab es den Durchbruch für die digitalen sozialen Netzwerke. Für hundert Millionen Menschen sind diese ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden.15

Nicht nur für Privatpersonen hat sich durch die immer steigende Verbreitung und Etab- lierung des Internets und der sozialen Netzwerke eine Menge im Alltag und in der Le- bensweise verändert, sondern auch im Arbeitsalltag und in den Abläufen von Unter- nehmen. Genauso beeinflussen digitale soziale Netzwerke auch die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft.

Einen Überblick über die Online-Gänge einzelner Social Media-Dienste/-Plattformen und ein paar Fakten zum Thema Social Media zeigt die untere Grafik.

Abbildung 1: A Short History of Social Media

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bevor ich die Auswirkungen auf Einzelpersonen und Unternehmen in den Blick nehme und die Chancen und Risiken der Netzwerke im Kapitel 2.5 und 2.6 beschreibe, möchte ich kurz an Hand von ein paar Beispielen die Relevanz der digitalen sozialen Netzwerke verdeutlichen. Facebook ist das mitgliedsstärkste soziale Netzwerk in Deutschland und Gegenstand der Betrachtung im eigenen Kapitel 2.5.

Im Jahr 2002 ging Friendster online und hatte im Jahr 2003 bereits 300.000 Mitglieder. Als dann die Medien dies aufgriffen und vermehrt darüber berichteten, erhöhten sich die Mitgliederzahlen rasant und brachten somit den Betreibern Probleme. Die Server waren nicht für so einen Ansturm geeignet. Auch hatte sich ein Eigenleben auf der Plattform entwickelt. Die ursprünglichen Regeln und Normen wurden gebrochen und es war schwierig, diese Probleme in den Griff zubekommen.16 Ein weiteres Problem für Friendster kam auf, als im Juli 2003 das Netzwerk MySpace online ging.17

Friendster ging letztendlich durch MySpace zu Grunde.18 Die Mitgliederzahlen von MySpace stiegen stark an und die von Friendster sanken nach und nach immer weiter. Im Jahr 2006 hatte MySpace 100 Millionen Mitglieder und war bis zum Jahr 2008 mit etwa 235 Millionen Mitglieder19 das erfolgreichste soziale Netzwerk der Welt.18 MySpace hatte sich auf das Thema Musik und Künstler spezialisiert und war für die breite Masse attraktiv geworden.

Der Gründer von MySpace, Tom Anderson, vermutet im Interview mit einem Reporter der Zeitung „Die Welt“ im Jahre 2008, dass MySpace die E-Mail ersetzen werde. Dies kam bisher nicht so. Im Jahr 2005 hat er und sein Partner, Chris DeWolfe, MySpace an Rupert Murdochs News Corp. für 580 Millionen Dollar verkauft.19 Ruper Murdochs bezeichnete diese Investition zu der Zeit als beste seines Lebens.18

Die Investitionssumme in Höhe von 580 Millionen Dollar zeigt, welcher Wert einem digitalen sozialen Netzwerk in der Wirtschaft beigemessen wurde. Die Bedeutung für Mensch und Gesellschaft kann man daraus nur ableitend vermuten.

Welchen politischen Einfluss digitale soziale Netzwerke haben können, möchte ich an Hand der so genannten Twitter-Revolution aufzeigen.20 Im Jahre 2006 wurde die Platt- form Twitter online geschaltet. Twitter bietet den Nutzern die Möglichkeit Kurznachrich- ten von maximal 140 Zeichen Länge zu versenden. Jedes Mitglied kann die Kurznachrichten, auch Tweets genannt, von anderen Mitgliedern abonnieren, sofern sie der Veröffentlichung zugestimmt haben.21

Der weißrussische Publizist, Evgeny Morozov, der über politische und gesellschaftliche Auswirkungen von Technik spricht und schreibt, prägte den Begriff der TwitterRevolution im Jahre 2009. Damals wurde dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Aufstand im Iran in der westlichen Presse verwendet. Es gab eine Protestbewegung gegen das amtierende Regime im Iran und jeder Regime-Kritiker, der einen TwitterAccount besaß, wurde zum Vermittler der Bewegung gemacht. So bezeichnete man dieses als digitalen Aufstand oder als Twitter-Revolution.20

Durch die Plattform Twitter kam zum Beispiel die Behinderung der Arbeit von ausländischen Journalisten in Teheran an die Öffentlichkeit und selbst deutsche TwitterMitglieder färbten aus Solidarität ihre Account-Bilder in die Farbe der Protestbewegung grün. Ein Berater des Umfeldes des damaligen Präsidenten George Bush schlug Twitter für den Nobelpreis vor.20

Der Kritiker, Evgeny Morozov, der damals von einer Twitter-Revolution gesprochen hatte, hat inzwischen seine Meinung, bzw. seine Äußerung wieder zurück genom- men.23 Dennoch misst man der Plattform Twitter einen Beitrag an den damaligen Situa- tionen zu.

Ein weiteres Beispiel für die Einflussnahme von sozialen Netzwerken auf die Politik, die Gesellschaft und auf Krieg oder Frieden, ist die These, dass Facebook eine beson- dere Rolle am Arabischen Frühling eingenommen habe. Es gibt Theorien, dass durch die Posts auf Facebook der Arabische Frühling stark beeinflusst, wenn nicht gar in Gang gesetzt wurde. In der Folge wurden mehrere Staatsoberhäupter gestützt und durch Proteste und Aufstände Revolutionen eingeleitet.24 Zwar ist man sich über den genauen Umfang des Einflusses von Facebook nicht einig, doch die Einflussnahme an sich ist unstrittig.

Im weiteren Sinne bzw. je nach Definition gehören Online-Spiele ebenfalls zu digitalen sozialen Netzwerken. Der Vollständigkeit halber möchte ich kurz auch auf das Thema Online-Spiele eingehen.

Das Online-Spiel World of Warcraft spielen jeden Monat rund elf Millionen Menschen weltweit.25 Im Jahr 2005 haben die Programmierer des Spiels für die User einen Bereich eröffnet. In diesem Bereich wurden viele Spieler mit einer ansteckenden Krankheit von einer Schlange infiziert. Es sollte ein Bereich für fortgeschrittene Spieler sein, die dort eine extra Herausforderung erhielten. Leider lief dieses Vorhaben aus dem Ruder, da die Spieler sich nicht an die Regeln hielten und die ansteckende Krankheit auch in die anderen Bereiche des Spiels transportierten, wo sich nach und nach viele Spieler ansteckten und das herkömmliche Spiel somit zerstört wurde. Dieses Problem konnte nur durch einen kompletten Neustart des Servers und des Spiels behoben werden.25 Die Spieler haben sich in diesem Fall nicht an die Regeln gehalten, sondern mussten durch technische Beschränkungen geleitet werden.

Inzwischen sind die Mitgliederzahlen, die zu Hochzeiten bei zwölf Millionen lagen, bis zum Juni 2013 auf 7,7 Millionen gesunken.27 Ob der Trend sich weiter fortsetzt, bleibt offen.

Ein anderer wichtiger Aspekt bei Online-Spielen ist die Möglichkeit, sein Äußeres zu verändern. In allen Kulturen ist die Veränderung oder Anpassung des Äußeren Norma- lität, sei es durch Kleidung, Frisur, Tätowierungen oder Bemalungen, durch Schön- heitsoperationen oder Sport. Unser äußeres Erscheinungsbild hat nämlich hohen Einfluss auf das Verhalten anderer Menschen uns gegenüber. So erhalten nach Statis- tiken attraktive Menschen mehr Lohn für eine gleiche Tätigkeit, haben tendenziell mehr Freunde oder werden von Ärzten und Krankenschwestern bevorzugt behandelt.28

Im Internet hat man die Möglichkeit, sein Aussehen zu verändern oder sich anders darzustellen. Man kann auf ein Profilbild in den sozialen Netzwerken verzichten oder auch ein falsches Bild online stellen. Oder man nimmt ein Bild, wo man besonders hübsch aussieht, vielleicht professionell geschminkt und frisiert wurde und erscheint so subjektiv gesehen attraktiver für andere. Wenn man zum Beispiel etwas dicker ist, kann man ein Bild online stellen, auf dem nur der Kopf zu sehen ist oder Ähnliches. Natürlich ist Attraktivität oder Schönheit subjektiv, dennoch gibt es Ideale in den unter- schiedlichen Kulturen, die bestimmen, was tendenziell für attraktiv gehalten wird und was nicht.

In Online-Spielen wird oftmals dieser Veränderungswunsch des äußeren Erschei- nungsbildes aufgegriffen. In der virtuellen Welt von Second Life können die Spieler 150 Parameter für Ihre Spielfiguren auswählen und verändern. Diese Spielfiguren werden Avatare genannt.27

In einem Experiment wurde ermittelt, dass sich die Spieler attraktive Avatare selbstbe- wusster verhalten, als die Spieler mit weniger attraktiven Avataren. Auch geben Spieler mit attraktiven Avataren eher persönlichere Details von sich preis, als die anderen.29

Abschließend möchte ich noch die Relevanz von digitalen sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche andeuten. Wie wichtig sind ihnen das Internet, Handys und soziale Netzwerke?

Die jährliche JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest hat herausgefunden, dass im Jahr 2013 knapp 97 Prozent der 12 bis 19jährigen ein Handy besitzen und knapp 89 Prozent einen Internetzugang haben. Sei es über einen eigenen Computer/Laptop oder über ein Smartphone. Einen eigenen Computer oder Laptop haben 80 Prozent der 12 bis 19jährigen.30

Bei den 12 bis 19jährigen wird das Internet am häufigsten aller Medien genutzt. An Platz zwei steht nicht mehr das Fernsehen, wie im Jahr 2012, sondern das Handy. Das Fernsehen wurde vom Handy auf Platz drei verdrängt. Im Jahr 2012 war dies nämlich noch andersherum. Da man über das Handy, bzw. ein Smartphone ins Internet gehen kann, ist auch im Punkt Internet das Handy mit unbestimmtem Anteil vorhanden und andersherum. Die neuen Medien, wie Internet oder Handy steigen nicht weiter deutlich gegenüber alter Medien, wie Bücher oder Tageszeitungen, wie es in den letzten Jah- ren der Fall war.31 32

77 Prozent der 12 bis 19jährigen nutzen 2013 täglich oder mehrmals die Woche ein digitales soziales Netzwerk.33 Das mit großem Abstand meistgenutzte Netzwerk ist Facebook. 80 Prozent der Jugendlichen sind auf Facebook aktiv.34

89 Prozent der 12 bis 19jährigen finden es wichtig bis sehr wichtig, das Internet zu nutzen. Nur Musik zu hören, wird von ihnen als noch wichtiger eingestuft.35

Wir können also festhalten, dass das Internet und digitale soziale Netzwerke bei jun- gen und sehr jungen Menschen einen hohen Stellenwert haben. Diese junge Generati- on gehört zu den Digital Natives, also Menschen, die mit der digitalen Welt aufgewachsen sind. Während die älteren Generationen zu den Digital Immigrants zäh- len. Sie sind nicht mit Computern, dem Internet und einer digitalen Welt aufgewach- sen.36

2.4 Facebook

Das digitale soziale Netzwerk Facebook hat laut aktuellen eigenen Angaben im dritten Quartal 2013 728 Millionen Nutzer, die täglich aktiv sind. Im gleichen Zeitraum waren 1,189 Milliarden Nutzer nur monatlich im Netzwerk aktiv. Die Zahl der täglichen mobi- len Nutzer lag im gleichen Zeitraum bei 507 Millionen. Im dritten Quartal 2012 waren es noch 329 Millionen.37

Mitte 2013 lag die Zahl der Weltbevölkerung bei 7,137 Milliarden Menschen. Demzufolge sind gut zehn Prozent der Weltbevölkerung täglich bei Facebook aktiv.38

Wie es deutschlandweit aussieht, zeigt die nachfolgende Grafik.

Abbildung 2: Reichweite auf Facebook

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach der aktuellen Volkszählung in Deutschland leben etwa 80,2 Millionen Menschen in Deutschland. Davon sind knapp 17 Millionen über 65 Jahre und etwa 12,6 Millionen unter 18 Jahren.39 Rund 23,7 Prozent der 80,2 Millionen Menschen in Deutschland sind täglich auf Facebook.40 Seit März 2013 habe laut einer Studie von PwC Facebook als beliebteste Anlaufseite im Internet der Deutschen Google abgelöst.41

Die nachfolgende Grafik zeigt, welche Altersstrukturen die Mitglieder von sozialen Netzwerken aufweisen. Die Statistik ist aus dem Jahre 2011.42 Inzwischen gibt es The- sen und eventuelle Trends, welche die Altersstrukturen etwas verändert haben könn- ten, weil mehr junge Menschen sich von Facebook abwenden und mehr ältere Menschen sich auf Facebook anmelden.43 Nach dieser Grafik von BITKOM sind die Mitglieder bei Facebook tendenziell zwischen 14 und 29 Jahre alt.42 Aus diesem Grund und weil ich selbst als Nicht-Facebook-Mitglied zwischen 14 und 29 Jahren bin, kon- zentriere ich mich in meiner Umfrage in Kapitel 3.4 auf die erweiterte Zielgruppe 16 bis 30 Jahre.

Abbildung 3: Genutzte soziale Netzwerke im Internet

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am 4. Februar 2004 ging Facebook online. Der Ursprung des digitalen Facebooks war ein haptisches Facebook, welches einmal im Jahr an der Universität Harvard erstellt und verteilt wurde. In diesem Buch waren damals alle Studenten mit ihren Campus- Adressen und einem Foto aufgeführt. Für das Sozialleben der Studenten war dies ein wichtiger Bestandteil. Als in einem College einmal die Veröffentlichung des Facebooks verzögerte, weil es Probleme in der Druckerei gab, begannen vier Studenten einen Hungerstreik. Die Studenten durchforsteten das Facebook nach möglichen Partner, nach Mentoren oder einfach um zu gucken, wie die anderen so drauf sind. Zumindest anhand ihrer Fotos.44

Anfang 2004, rund 25 Jahre nach dem haptischen Facebooks, gab es dann die digitale Version. Die Plattform war so beliebt an der Harvard Universität, dass auch andere Universitäten daran Interesse hatten und diese dann übernahmen. In den Anfängen war das Netzwerk nur den Studenten zugänglich gemacht. Sie konnten die Fotos und einige Informationen über ihre Mitstudenten einsehen. Nach und nach gab es mehr Universitäten und auch Schulen, die Facebook als Plattform/Netzwerk nutzten, bevor das Netzwerk komplett öffentlich genutzt wurde. Im Jahr 2008 hatte Facebook mehr Mitglieder als MySpace und war somit die größte Online-Community weltweit.44

Die Ursprünge von Facebook lagen also in der Harvard Universität und in dem menschlichen Bedürfnis, sich mit anderen Menschen zu verbinden und Kontakte zu knüpfen. Aufgrund des Alters der Facebook-Mitglieder und aufgrund der Tatsache, dass der Ursprung von Facebook in der Universität lag, habe ich primär Studenten befragt, die nicht bei Facebook angemeldet sind. Dazu aber mehr im Kapitel 3.

In einer Studie, bei der mehr als eine Million Facebook-User analysiert wurden, kam heraus, dass jedes Facebook-Mitglied im Durchschnitt 342 Freunde hat. Facebook selbst begrenzt die Anzahl an Freunden, die ein normales Mitglied haben darf, auf 5.000. Die 20jährigen Nutzer haben die meisten Freunde, während die jüngeren und älteren tendenziell weniger Freunde haben, weil Sie vermutlich noch nicht so lange Mitglied sind. Die Statistik zeigt ebenfalls, dass die Facebook-Nutzer unter 50 Jahren eher mit gleichaltrigen Mitgliedern befreundet sind, während die ab 50jährigen haupt- sächlich mit andersaltrigen Mitgliedern befreundet sind. Weiter zeigt die Studie an Hand der angegebenen Beziehungsstatus, dass die jüngeren Mitglieder (bis 25) eher Single sind, die etwas älteren in einer Beziehung (bis 35) leben und die noch älteren verheiratet sind.45

Auf Facebook werden pro Minute im Durchschnitt rund 80.000 Beiträge gepostet. Die Themen, über die am häufigsten geschrieben werden, sind bei den männlichen Mitgliedern Sport, Zitate und Lebensweisheiten, spezielle Anlässe, wie Partys oder Sportevents, das eigene Empfinden, Musik und Video Spiele. Während die weiblichen Facebook-Nutzer über die Themen spezielle Anlässe, Zitate und Lebensweisheiten, das eigene Empfinden und über Freunde und Familie schreiben.45

Das Thema Schule und Universität wird bei beiden Geschlechtern nur etwa halb so oft erwähnt, wie spezielle Anlässe oder die Lebensweisheiten. Über Karriere und Geld wird noch weniger geschrieben. Festzuhalten hierbei ist also, dass relevante Informati- onen zum Thema Schule, Universität oder Karriere nicht häufig Thema bei Facebook sind im Gegensatz zu anderen Themen.45 Die Relevanz der einzelnen Beiträge oder Themen wird allerdings nicht nach der Häufigkeit bewertet. Es kann ja durchaus einen wichtigen Beitrag zum Thema Universität geben, während gleichzeitig 20 Beiträge über Sport und das eigene Empfinden online gestellt werden. Welcher Beitrag dann davon für die einzelnen Personen tatsächlich als relevant eingestuft wird, bleibt an dieser Stelle offen, da es subjektiv ist. Nicht jeder empfindet die gleichen Themen als relevant oder irrelevant.

Nicht unerwähnt sollte der Vollständigkeit halber, der Börsengang von Facebook im Mai 2012 bleiben. Das Unternehmen ging mit einem Preis von 38 US-Dollar pro Aktie an die Börse und sank danach sehr stark. Doch im August 2013 war die Aktie bei 40 US-Dollar und damit über dem Ausgabepreis von Mai 2012. Der Börsenwert des Unternehmens Facebook ist damit auf über 100 Milliarden Dollar gestiegen.46 Mit ein Grund, warum die Aktie seit August 2013 noch weiter stieg, sind die 60 Prozent mehr Umsatz, die das Unternehmen durch Werbeeinnahmen erzielte.47

Wir können nicht nur festhalten, dass Facebook inzwischen einen erfolgreichen Bör- sengang hinter sich hat, sondern auch, dass Facebook in Deutschland die meisten Mitgliederzahlen hat und hauptsächlich über spezielle Anlässe und Lebensweisheiten geschrieben wird und dass die mobile Nutzung stark ansteigt. Mobilen Internetzugang haben wir unter anderem mit Hilfe von Smartphones. Der Vorteil des mobilen Internets, lässt vermuten, dass die Menschen hauptsächlich unterwegs ihre Smartphones nut- zen. Doch dies ist nur bei 88 Prozent, im Gegensatz zur Nutzung der Smartphones zu Hause, die bei 97 Prozent liegt, der Fall. Die Smartphone-Nutzer, die darüber ins mobi- le Internet gehen, tun dies zu 45 Prozent, um auf Webseiten sozialer Netzwerke zu surfen.48 Das Thema mobiles Internet und das Thema digitale soziale Netzwerke kön- nen an Hand der in diesem aufgeführten Zahlen in Verbindung gebracht werden.

Anders als vor einigen Jahren, wo man nur am stationären Computer online sein und somit auch nur dort auf Facebook sein und darüber kommunizieren konnte, ist es heutzutage möglich, von fast überall, über Facebook oder andere digitale soziale Netzwerke zu kommunizieren. Mit Hilfe des mobilen Internets und der Smartphones, Tablets oder Zwischenformen aus beidem können die Mitglieder sozialer Netzwerke (fast) immer und (fast) überall mit ihren digitalen Freunden kommunizieren, Posts lesen und kommentieren. Dank der eingebauten Kameras in Smartphones ist es möglich auch Fotos und Videos relativ schnell und einfach hochzuladen, um sie mit anderen zu teilen.

Abschließend möchte ich in diesem Unterkapitel noch auf einen möglichen Trend ein- gehen. Ein Artikel in der Zeitung „Die Welt“ vom 1. November 2013 beschreibt einen Trend, dass viele jüngere Amerikaner von Facebook abwandern. Zwar sei die Zahl der amerikanischen Teenagers stabil, jedoch sei die Zahl der aktiven täglichen Nutzung zurückgegangen. Besonders bei den jüngeren Teenager. So heißt es in dem Artikel. Als Begründung dafür werden folgende Faktoren aufgeführt. Auf Facebook seien Men- schen aus allen Altersgruppen aktiv und die jüngeren fänden das Netzwerk nicht so cool, wenn auch viele ältere dort aktiv sind. Außerdem störe viele die Werbung, die auf Facebook geschaltet wird. Somit wechseln viele Mitglieder zu anderen Netzwerken. Es sei nicht so, dass die meisten dann kein digitales Netzwerk mehr nutzen, sondern sie wechseln zu einem anderen Netzwerk. Als Konkurrenten werden im Artikel Twitter und Tumbir genannt, die nicht so viel Werbung schalten. Dies bezieht sich allgemein eher auf den amerikanischen Markt.47

Doch es gibt auch bei europäischen Teenagern den Trend, sich von Facebook abzu- wenden. Die „Global Social Media Impact Study“ forschte 15 Monate lang im Bereich Social Media und legte seinen Fokus auf 16 bis 18jährige Jugendliche.49 Die Untersu- chungen wurden in insgesamt neun Städten, unter anderem in Großbritannien, Italien, und Türkei durchgeführt.50 Man fand heraus, dass 16 bis 18jährige sich vor allem von Facebook abwenden, da Eltern und weitere ältere Personen sich vermehrt bei Face- book anmelden und die Jüngeren dies störe. Dies sei eine Art Demographie-Problem von Facebook. In Berichten über die Studie heißt es, dass Facebook für viele 16 bis 18jährige nicht nur an Bedeutung verliere, sondern für sie sogar gestorben sei.49

Im Zeitungsartikel in der Welt heißt es, dass die Menschen, die bei Facebook kein Pro- fil haben oder ihr Profil so gut wie nie nutzen, einer Welt angehören, die es bald nicht mehr so geben werde.47 Mit dieser Behauptung entsteht ein Druck für die, die nicht bei Facebook angemeldet sind. Es scheint also ein allgemeines Gefühl vorzuherrschen, dass fast jeder Mitglied bei Facebook ist und die, die es nicht sind, tatsächlich eine Ausnahme darstellen. Ihre Anzahl wird angeblich immer kleiner. Dieses ist eine inte- ressante These in Bezug auf meine Fragestellung: Fühlen sich Facebook-Abstinenzler tatsächlich benachteiligt und gehen ihnen relevante Informationen verloren?

2.5 Chancen und Möglichkeiten digitaler sozialer Netzwerke

Wie bereits erwähnt, kann man mit Hilfe der Digitalisierung geografische Distanzen leicht überwinden. Mit Hilfe von digitalen sozialen Netzwerken kann man zum Beispiel mit Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten an anderen Orten oder Ländern Kontakt halten. Diese Möglichkeit ist meistens kostengünstiger, als zu telefonieren. Wenn Freunde oder Familienmitglieder ins Ausland gezogen sind, kann man zum Bei- spiel über Skype kostenlos (abgesehen von den Kosten für den Internetzugang und die Hardware) chatten, telefonieren oder auch per Videoübertragung Kontakt halten. Dies ist nicht nur kostengünstiger, als zu telefonieren oder regelmäßig Briefe zu schreiben, sondern auch schneller und flexibler. Die Skype-Anrufe oder allgemein die digitalen Mitteilungen kommen zeitgleich, bzw. zeitnah bei der anderen Person an. Diese kann jedoch antworten oder reagieren, wann es ihr passt. Briefe hingegen brauchen Zeit, bis sie bei der anderen Person angekommen sind.

Außerdem hat man durch die digitalen sozialen Netzwerke die Möglichkeit, alte Kon- takte, wie Schulfreunde oder verlorene Bekannte, wiederzufinden. Die Plattform StayFriends hat sich dies zum Konzept gemacht. Leicht kann man dort ehemalige Schulfreunde oder auch Lehrer wiederfinden und wieder Kontakt mit Ihnen aufnehmen.

[...]


1 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 29

2 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 32

3 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 35

4 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 36

5 Vgl. Dambeck, H. [Jeder-kennt-jeden-Gesetz]

6 Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 85

7 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 85

8 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 77

9 Vgl. Peters, R. [Internet-Ökonomie], S. IX

10 Vgl. Görig, C. [Gemeinsam], S.17

11 Vgl. o.V. [Zahlen]

12 Vgl. Wanhoff, T. [Freunde], S. 49f.

13 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 326

14 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 342f.

15 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 342

16 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 343

17 Vgl. Khoschnam, A. [Relaunch-Serie]

18 Vgl. Juknat, I. [MySpace]

19 Vgl. o. V. [Mann]

20 Vgl. Raab, K. [Online], S. 289

21 Vgl. Reißmann, O./Lischka, K., Stöcker, C. [Twitter-Geschichte]

21 Vgl. Pilarczyk, H. [Internetkritiker]

22 Vgl. Leistert, O./Röhle, T. [Generation], S. 13

25 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 322ff.

26 Vgl. Kraft, B. [World]

27 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 331

27 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 331

29 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 332

30 Vgl. o. V. [JIM-Studie], S. 8

31 Vgl. o. V. [JIM-Studie], S. 12f.

32 Vgl. o.V. [JIM-Studie], S 11f.

33 Vgl. o. V. [JUM-Studie], S. 37

34 Vgl. o. V. [JIM-Studie[, S 38

35 Vgl. o. V. [Jim-Studie], S. 13

36 Vgl. Hilker, C. [Social Media], S. 21

37 Vgl. Morschhäuser, T. [Facebook-Nutzerzahlen]

38 o. V. [Weltbevölkerung], S. 6

39 Vgl. o.V. [Deutschland]

40 Kirch, N. [Facebook]

41 Vgl. Cole, T. [Facebook-Verweigerer]

42 Vgl. o. V. [Untersuchung], S. 5

43 Vgl. Woll, J. [Studie]

44 Vgl. Christakis, N.A./Fowler, J.H. [Macht], S. 344f

45 Vgl. Pohl, S. [Facebook-Studie]

45 Vg. Pohl, S. [Facebook-Studie]

46 Vgl. Kuls, N. [Milliarden]

47 Vgl. Dams, J. [Facebook]

47 Vgl. Dams, J. [Facebook]

48 Vgl. o. V. [Planet]

47 Vgl. Dams, J. [Facebook]

49 Vgl. Woll, J. [Studie]

50 Vgl. o. V. [About]

49 Vgl. Woll, J. [Studie]

47 Vgl. Dams, J. [Facebook]

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Social Media Abstinenzler. Entgehen diesen Menschen relevante Informationen und entstehen dadurch Benachteiligungen im privaten oder beruflichen Umfeld?
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1.3
Autor
Jahr
2014
Seiten
78
Katalognummer
V288247
ISBN (eBook)
9783656918646
ISBN (Buch)
9783656918653
Dateigröße
997 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Media, Social Media Verweigerer, Nicht-Nutzer von Social Media, Social Media Abstinenzler
Arbeit zitieren
Jessica Müller (Autor), 2014, Social Media Abstinenzler. Entgehen diesen Menschen relevante Informationen und entstehen dadurch Benachteiligungen im privaten oder beruflichen Umfeld?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288247

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