Ein Vergleich der Gesellschaftsverträge von Hobbes und Rousseau


Hausarbeit, 2012
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hobbes
2.1. Kurzer historischer Hintergrund
2.2. Der Gesellschaftsvertrag

3. Jean-Jacques Rousseau
3.1. Kurzer historischer Hintergrund
3.2. Der Gesellschaftsvertrag

4. Gesellschaftsverträge im Vergleich

5. Persönliches Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau sind bis heute zwei der bedeutendsten Vertreter der politischen Wissenschaft, deren Vorstellungen die Politik bis heute entscheidend prägen. Mit „Leviathan“ hat Thomas Hobbes im Jahre 1651 eines der bedeutendsten Werke der politischen Philosophie herausgebracht. „Leviathan“ wird als das Hauptwerk Hobbes‘ angesehen und ist aus diesem Grund die Hauptquelle meiner ausgewählten Zitate, sofern ich mich in meiner Hausarbeit auf Hobbes beziehe. Bei Rousseau bediene ich mich überwiegend verschiedener Literaturen über den „Gesellschaftsvertrag“. Ziel dieser Hausarbeit ist es nicht nur die beiden verschiedenen Ansichten zu durchleuchten, sondern diese auch in einen Vergleich zu setzen, um mögliche Unterschiede herauszuarbeiten.

Beginnen werde ich bei beiden Vertragstheoretikern jeweils mit einem kurzen historischen Hintergrund, damit ein besseres Verständnis über das Entstehen der Theorien und der Gedanken beider gegeben ist. Anschließend komme ich zum Wesentlichen, den Gesellschaftsverträgen der jeweiligen Person. Wie oben bereits erläutert geht es im nächsten Schritt um einen Vergleich der Theorien. Als Abschluss dieser Hausarbeit soll das persönliche Fazit dienen, das meine Meinung zu den beiden Vorstellungen darstellt.

Ich halte es für wichtig, im Vorfeld klarzustellen, dass der Ausgangspunkt beider Vertragstheoretiker der „Naturzustand“ ist, in dem es keinerlei politische Autorität oder Ordnung gibt, folglich ein staatenloser Zustand. Diesen Naturzustand werde ich bei Rousseau und Hobbes jeweils explizit im Vorfeld erläutern.

2. Thomas Hobbes

2.1 Kurzer historischer Hintergrund

Geboren wurde Thomas Hobbes am 05. April 1588 in Westport bei Malmesbury. Er erhielt eine gute Ausbildung in klassische Sprachen, am College spezialisierte er sich dann auf Logik und Physik des Aristoteles. Nach dem Studium wurde er Erzieher bzw. Sekretär junger Adeliger und begleitete diese auf mehrjährige Bildungsreisen auf das europäische Festland. Als noch entscheidender für die

Prägung seiner politischen Theorie gelten allerdings die Erfahrungen im englischen Bürgerkrieg. Hobbes lebte in Zeiten des Wirtschaftsumbruches und der ständigen Kämpfe in Religionsfragen wie auch im Kampf zwischen der Krone und dem Parlament. Aus Furcht floh er nach Frankreich, da sich 1640 die Parlamentspartei durchsetzte, er aber die absolutistische Politik des Königs befürwortete. Dort stieß er unter anderem auf Euklids „Elementa“, die seit dem seine wissenschaftliche Methode geprägt hat. Hobbes bekleidete nie ein politisches Amt, verbrachte allerdings sein ganzes Leben in der Nähe von maßgeblichen Politikern seiner Zeit.1

2.2 Der Gesellschaftsvertrag

Wie schon in der Einleitung beschrieben, ist der Ausgangspunkt für Hobbes‘ Theorie der Naturzustand. Er beschreibt ihn in seinem Werk „Leviathan“ als „ […] Krieg eines jeden gegen jeden.“2 Durch die im Naturzustand fehlende politische Autorität und Ordnung kommt es in der Gesellschaft zum Misstrauen anderer gegenüber, das bis hin zur Todesfurcht und zur Angst um das Eigentum führt. Durch die knappen Güter und die fehlenden Gesetze kommt es zur dauernden Feindschaft und zur Furcht untereinander. Hobbes unterstellt in seinem Werk die körperliche und geistige Gleichheit der Menschen, die die zuvor beschriebenen Ängste um Leben und Eigentum nur noch verstärken. Der Unterschied sei niemals so groß, dass einer einen Vorteil erlangen könne.3 Ebenfalls beschreibt Hobbes: „ […] so ist der schwächste stark genug, den stärksten zu töten - entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen […]“4 Wenn zwei Menschen nach dem selben Gegenstand streben, gebe es daher nur zwei Möglichkeiten, sich gegenseitig zu Vernichten oder zu unterwerfen.5 Des Weiteren geht Hobbes darauf ein, dass jedermann im Kriege von seiner eigenen Vernunft angeleitet werde und dass es nichts gebe, das der Mensch nicht zum Schutz vor dem Feind verwenden könne. Der Mensch habe daher ein Recht auf alles, selbst auf den Körper eines anderen.6 Hobbes stellt an dieser Stelle im „Leviathan“ eine allgemeine Regel der Vernunft auf:

„ Jedermann hat sich um Frieden zu bemühen, solange dazu Hoffnung besteht. Kann er ihn nicht herstellen, so darf er sich alle Hilfsmittel und Vorteile des Krieges verschaffen und sie benützen.“7 Abgeleitet davon, unterscheidet Hobbes zwischen dem Gesetz der Natur: „Suche den Frieden und halte ihn ein“ und dem Recht der Natur: „Wir sind befugt, uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen.“8 Aus dem ersten Gesetz der Natur leitet Hobbes das zweite Gesetz ab, welches besagt, dass „ jedermann .. freiwillig […] auf sein Recht auf alles verzichten [soll] […] und er soll sich mit so viel Freiheit gegenüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegenüber sich selbst einräumen würde.“9 Kurz: „Andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.“10 Solange jemand das Recht beibehält, zu tun was er will, solange befinden sich die Menschen im Krieg.

Einen Grund, warum sich die Menschen letztendlich einen Vertrag unterwerfen würden, liegt in dem Ziel und der Absicht für ihre Selbsterhaltung zu sorgen und ein zufriedeneres Leben zu führen, was auch bedeutet endlich dem Kriegszustand zu entkommen. Der Kriegszustand sei aufgrund der Leidenschaften der Menschen dann unumgänglich, wenn es keine sichtbare Gewalt gibt, die die Einhaltung der natürlichen Gesetze (Gerechtigkeit, Billigkeit, Bescheidenheit etc.) überprüft und bei Verletzung dieser, mit Strafe droht.11 Die Übereinstimmung der Menschen beruhe, im Gegensatz zu den Bienen und Ameisen, die Aristoteles zu den politischen Lebewesen zählt, nur auf einen Vertrag, der künstlich ist. Außer dem Vertrag müsse es aber noch eine allgemeine Gewalt geben, die die Übereinstimmung beständig und dauerhaft macht. Diese allgemeine Gewalt habe ebenfalls die Aufgabe, die Menschen im Zaum zu halten und ihre Handlungen auf das Gemeinwohl hinzulenken.12

Der alleinige Weg zur Erreichung einer solchen allgemeinen Gewalt, liegt laut Hobbes in der Übertragung ihrer gesamten Macht und Stärke auf einen Menschen oder einer Versammlung von Menschen.13 Hobbes schreibt in seinem Werk: „[…] dass jedermann alles als eigen anerkennt, was derjenige, der auf diese Weise seine Person verkörpert, in Dingen des allgemeinen Friedens und der allgemeinen Sicherheit tun oder veranlassen wird, und sich selbst als Autor alles dessen bekennt […].“14 Der eigene Wille muss dem Willen des Souveräns untergeordnet und Entscheidungen müssen akzeptiert werden. „Es ist eine wirkliche Einheit aller in ein und derselben Person, die durch Vertrag eines jeden mit jedem zustande kam, als hätte jeder zu jedem gesagt: Ich autorisiere diesen Menschen oder diese Versammlung von Menschen und übertrage ihnen mein Recht, mich zu regieren, unter der Bedingung, dass du ihnen ebenso dein Recht überträgst und alle ihre Handlungen autorisierst.“15 Durch diesen Vertragsschluss eines jeden mit jedem wird der „Leviathan“ erschaffen, den Hobbes als einen sterblichen Gott definiert, oder auch als Staat (lat. civitas) angesehen werden kann. Durch die ihm verliehene Autorität stehe ihm so viel Macht und Stärke zur Verfügung, dass er diese erstens für den innerstaatlichen Frieden und zweitens gegen auswärtige Feinde einsetzen soll.16 In seiner Einleitungs-Passage des Leviathan bezeichnet Hobbes die Souveränität als künstliche Seele, die dem ganzen Körper Leben und Bewegung gibt.17 Wolfgang Kersting, u.a. Autor des Werkes „Jean-Jacque Rousseaus Gesellschaftsvertrag“, beschreibt das ganze folgendermaßen: „ […] durch diese Akte der Rechtsübertragung und Autorisierung wird die Menge zu einem politischen Körper, der durch den Souverän beseelt wird.“18 Zum Abschluss ist hinzuzufügen, dass der Souverän absolute Herrschaft gegenüber seinen Untertanen hat, nachdem sie ihn einmal „hergestellt“ haben. Er kann gegen sie kein Unrecht tun und sie können nicht mehr über ihn verfügen, da alle Rechte auf ihn übertragen wurden.19 Aus diesen Gründen ist die Vertragstheorie Hobbes‘ deutlich dem Absolutismus zuzuordnen.

3. Jean-Jacques Rousseau

3.1 Kurzer historischer Hintergrund

Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf geboren. Sein Vater, Isaac Rousseau war Uhrmacher in vierter Generation und verließ die Familie für einige Jahre, allerdings vor Jean-Jacques‘ Geburt.

[...]


1 Vgl. Christian Wagnsonner: Thomas Hobbes (1588 - 1673) in: Institut für Religion und Frieden, URL: http://www.irf.ac.at/index.php?option=com_content&task=view&id=175&Itemid=28 (Stand: 10.09.2004).

2 Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates, 1966: S. 96.

3 Vgl. Ebd.: S. 94.

4 Ebd.: S. 94.

5 Vgl. Ebd.: S. 95.

6 Vgl. Ebd.: S. 99.

7 Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates, 1966: S. 99 ff.

8 Ebd.: S. 100.

9 Ebd.: S. 100.

10 Ebd.: S. 131.

11 Vgl. Ebd.: S. 131.

12 Vgl. Ebd.: S. 134.

13 Vgl. Ebd.: S. 134.

14 Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates, 1966: S. 134.

15 Ebd.: S. 134.

16 Vgl. Ebd.: S. 134.

17 Vgl. Ebd.: S. 5.

18 Kersting, Wolfgang: Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag, 2002: S. 41.

19 Vgl. Tim Neu: Einführung in die frühe Neuzeit, in: FNZ-Online der Uni Münster, URL: http://www.uni-muenster.de/FNZ- Online/recht/polittheorie/unterpunkte/gemeinwesen.htm (Stand: o. J.)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Gesellschaftsverträge von Hobbes und Rousseau
Hochschule
Hochschule Osnabrück  (Wirtschaft und Sozialwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V288282
ISBN (eBook)
9783656886051
ISBN (Buch)
9783656886068
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, gesellschaftsverträge, hobbes, rousseau
Arbeit zitieren
Johannes Kohls (Autor), 2012, Ein Vergleich der Gesellschaftsverträge von Hobbes und Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288282

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