Gesellschaftliche Akzeptanz und ökonomische Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Urheberrecht in Deutschland und Urheberrechtsverletzungen

3. Gesellschaftliche Akzeptanz von Urheberrechtsverletzungen

4. Die ökonomischen Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen
4.1. Gründe für das Urheberrecht
4.1.1. Entstehung der Verfügungsrechte und der Vertragstheorie
4.1.2. Urheberrecht im Rahmen der Property Rights Theorie
4.2. Institutionenökonomische Erklärungsversuche für Urheberrechtsverletzungen
4.2.1. Erklärungsversuch 1: Beckers Theorie der optimalen Bestrafung
4.2.2. Erklärungsversuch 2: Geistiges Eigentum als Kollektivgut?
4.2.3. Erklärungsversuch 3: Trittbrettfahrerproblem
4.2.4. Zwischenfazit
4.3. Analyse der ökonomischen Folgen hinsichtlich Effizienz
4.4. Exemplarische Analyse der ökonomischen Folgen anhand der Musikbranche

5. Fazit und Handlungsempfehlungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als vor einigen Jahren eine Werbekampagne in den Kinosälen und Fernsehgeräten zu sehen war, in denen verkündet wurde, dass das illegale Herunterladen von Filmen mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann, war ihr die Aufmerksamkeit sicher. In diesem Zusammenhang wurde vielen erst bewusst, welche Ausmaße dieser kriminelle Sektor angenommen hatte und welche Schäden er verursacht. Urheberrechtsverletzungen sind seitdem nicht mehr nur ein für Juristen interessantes Thema, auch Ökonomen schalteten sich mehr und mehr in die Diskussion ein. So wurden zahlreiche Schätzungen vorgenommen, auf welche Summen sich das Schadensausmaß wohl beziffere.

Die ökonomische Analyse des Rechts kann in diesem Bereich einen Beitrag leisten, weil an am Beispiel der Urheberrechtsverletzung Interdependenzen bestehen. So soll im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden, welche gesellschaftliche Akzeptanz Urheberrechtsverletzungen entgegengebracht wird und welche ökonomischen Ursachen und Folgen auftreten.

Zur Vorgehensweise dieser Arbeit: sie teilt sich in vier Blöcke ein, in denen mehrere Leitfragen beantwortet werden sollen. Zunächst wollen wir uns das Urheberrecht im deutschen Rechtssystem anschauen um daraufhin feststellen zu können, was unter dem Begriff der Urheberrechtsverletzung zu verstehen ist. Was und wen schützt das Urheberrecht und mit welchen Mitteln? Was zeichnet eine Urheberrechtsverletzung aus? Im zweiten Teil soll die gesellschaftliche Akzeptanz von Urheberrechtsverletzungen untersucht werden. Wie verbreitet ist die Akzeptanz? Welche Konsequenzen hat dies? Im dritten Teil wird das Augenmerk auf die ökonomischen Ursachen und Folgen gerichtet sein. Zuerst soll eingeordnet werden, wie eine Urheberrechtsverletzung ökonomisch entsteht und wie sie einzuordnen ist, sodass daraufhin eine Analyse der ökonomischen Folgen möglich ist. Abschließend werden alle Themen im Fazit zusammengeführt und es soll versucht werden, Handlungsempfehlungen sowohl an Wirtschaft als auch an die Rechtsprechung zu formulieren.

Ziel und Anspruch dieser Arbeit ist es, eine ökonomische Analyse des Rechts vorzunehmen, die den Rechtsgegenstand des Urheberrechts mit ökonomischen Methoden untersuchen will.

2. Urheberrecht in Deutschland und Urheberrechtsverletzungen

Im ersten Schritt soll nun ein Überblick über das Urheberrecht gegeben werden, bevor wir uns mit den Verletzungen des Urheberrechts beschäftigen. Zunächst soll eine kurze historische Einführung stattfinden, bevor Theorien, Inhalte und Funktionen des Urheberrechts erläutert werden. Anhand von Ausschnitten aus den Gesetzestexten soll dann verdeutlicht werden, was unter dem Urheberrecht zu verstehen ist, sodass wir uns anschließend definieren können, was eine Urheberrechtsverletzung ist.

Das Urheberrecht nimmt in unserer globalisierten und gut vernetzten Welt eine besondere Rolle ein. Es spiegelt gleichermaßen den Interessenkonflikt zwischen den Kreativen, den Verwertern und den Nutzern wider.[1] Werfen wir einen kurzen Blick auf seine historische Entwicklung: in der Antike gab es keinerlei Art von Urheberrecht, da man der Auffassung war, dass z.B. Künstler die Werke nicht selber hervorbringen, sondern nur Mittel für die Götter sind und dass lediglich durch sie gewirkt wird, sie selber aber nicht wirken. Die ersten juristischen Äußerungen traten im 16. Jahrhundert im Zuge der Erfindung des Buchdruckes auf. Man musste sich plötzlich mit der Frage befassen, wie es um die Nachdruckrechte von Werken bestellt sei. So wurde 1531 das erste Gesetz auf deutschsprachigem Raum verabschiedet. Es entstand ein Privilegienwesen, das bis ins 19. Jahrhundert bestand hatte. Eine erste Kodifikation des Urheberrechts fand am 11.6.1837 in Preußen mit dem Gesetz zum Schutz des Eigentums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung statt. Es beinhaltete den Schutz des Werkes auf Lebenszeit des Künstlers und bis 30 Jahre nach seinem Tod.[2] Dies war gewissermaßen die Geburtsstunde des Urheberrechts. Dieses wurde im Zuge der raschen technischen und technologischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert immer wieder angepasst und erweitert. Es wird sich auch in Zukunft den Veränderungen anpassen müssen und befindet sich zurzeit im Zuge der EU-Harmonisierungsprozesse erneut im „Umbau“.

Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Urheberrechtstheorien, die kurz angeführt werden sollen. Die Theorie vom geistigen Eigentum entstand in den Zeiten der wirtschaftlichen Umwälzungen im England und Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts. „Die Theorie vom geistigen Eigentum war wegen der Erkenntnis des Schutzes der geistigen Arbeit befruchtend und wurde durch die Naturrechtslehre beeinflusst.“[3] Sie arbeitete erstmals den Unterschied zum Sacheigentum heraus. Die dualistische Theorie von Josef Kohlers trennt hingegen scharf zwischen dem Urheberrecht als Vermögensrecht und dem Persönlichkeitsrecht. Unter Urheberrecht wird das Recht am Werk in Form eines wirtschaftlich verwertbaren Gutes verstanden. Das Individualrecht hingegen gewährt eine persönliche Beziehung des Urhebers zu seinem Werk. Die monistische Theorie sieht das Urheberrecht als Einheit von vermögensrechtlichen und urheberpersönlichkeitsrechtlichen Befugnissen. Allfeld äußerte sich dazu wie folgt: „Mit Rücksicht auf die doppelte Funktion des Urheberrechts, rein persönliche Interessen und Vermögensinteressen zu schützen, ist es weder zu den Vermögens- noch zu den Persönlichkeitsrechten zu stellen.“[4] Dieser Theorie hat sich auch die deutsche Rechtsprechung verschrieben.

Die Regelungsinhalte des Urheberrechts sind auf der monistischen Theorie aufbauend definiert als „die Gesamtheit der Rechtsbeziehungen, in denen künstlerische, literarische und wissenschaftliche Werke und Leistungen der ausübenden Künstler sowie Produzenten geschaffen und der Verwertung bzw. Nutzung zur Verfügung gestellt werden.“[5]

Das Urheberrecht erfüllt verschiedene Funktionen, die kurz skizziert werden sollen. Das Urheberrecht fördert Innovationen, indem diese geschützt werden (Innovationsfunktion). Dem Urheber wird ein positives Nutzungsrecht sowie die Befugnis Dritte von der Einwirkung auszuschließen gewährt (Vergütungsfunktion). Unter der Kommunikationsfunktion wird verstanden, dass die Aneignung und der Genuss der vorhandenen Werke einen Kommunikationsprozess zwischen Urhebern, Künstlern und Verbrauchen darstellen. Zuletzt hat das Urheberrecht noch eine Schutzfunktion, denn es ist auf den Schutz der materiellen Interessen in Form der Verwertungsrechte und seinen ideellen Interessen in Form der Urheberpersönlichkeitsrechte der Urheber gerichtet.[6]

Nachdem wir nun betrachtet haben, wie das Urheberrecht entstanden ist, auf welchen Ideen es basiert und welche Funktionen es erfüllt, wollen wir den Blick auf das lenken, was es schützt. Dies ist gleich im zweiten Paragraphen des Urheberrechtsgesetzes geregelt. Damit ein Werk vom Urheberrecht geschützt wird, muss es einige Bedingungen erfüllen, die in §2 Abs. 2 UrhG aufgeführt sind. Bei dem Werk muss es sich um eine persönliche Schöpfung handeln, die durch einen Menschen geschaffen wurde und auf dessen Einfall basiert. Etwas bereits Vorgefundenes zählt daher nicht dazu. Des Weiteren muss das Werk einen geistigen Inhalt aufweisen; es darf sich also nicht um ein rein handwerklich erstelltes Erzeugnis handeln, sondern ihm muss ein gedanklicher Inhalt innewohnen. Zugleich muss es konkret wahrnehmbar sein, also durch die menschlichen Sinne erfassbar sein. Darüber hinaus muss es eine individuelle Prägung besitzen. Die Maßstäbe für letzere Bedingung sind nicht sehr hoch angesetzt. Es besteht auch die Möglichkeit der Doppelschöpfung, wenn also zwei Menschen unabhängig voneinander zwei gleich individuelle Werke gestalten. Zuletzt muss auch eine sogenannte Gestaltungshöhe erreicht sein, d.h., dass die Schöpfungsqualität aus der Masse des Herkömmlichen herausheben muss. Es ist jedoch nicht möglich, eine exakte Höhe festzulegen. Erfüllt ein Werk diese Voraussetzungen, wird es vom Urheberrecht geschützt.[7]

Zusammenfassend ließe sich festhalten, dass das Urheberrecht im objektiven Sinne die Interessen eines Urhebers an seinem Werk schützt indem es das Recht am Werk gegenüber jedermann schützt.[8] Doch das Urheberrecht weist eine wesentliche Beschränkungen auf, nämlich eine zeitliche. Gemäß deutschem Recht gilt das Urheberrecht nur bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Dahinter steht die Auffassung, dass die Allgemeinheit „um des Kulturlebens willen nach einer gewissen Zeit Anspruch auf freie, unentgeltliche Benutzung der geistigen Güter“[9] habe.

Nachdem wir nur eingehend definiert haben, was durch das Urheberrecht geschützt wird, ist auch ersichtlich, was unter einer Urheberrechtsverletzung zu verstehen ist, nämlich alles, was die durch das Urheberrecht geschützten Aspekte verletzt.

Doch wie ist es denn nun um die Akzeptanz des Urheberrechts bestellt? Werden Urheberrechtsverletzungen nicht nur von der Justiz, sondern auch von der Gesellschaft verurteilt? Diesen Fragen wollen wir uns im nächsten Abschnitt zuwenden.

3. Gesellschaftliche Akzeptanz von Urheberrechtsverletzungen

Um herauszufinden, wie es in der deutschen Bevölkerung um die Akzeptanz des Urheberrechts bestellt ist, geben der Bundesverband Musikindustrie e.V., die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. und der Börsenverein des deutschen Buchhandels jährlich eine Studie in Auftrag, die „Studie zur Digitalen Content Nutzung“. Die letzte Studie ist im Februar 2013 erhoben worden, es wurden 10.000 Personen befragt. Ziel war es unter anderem, Einstellungen und Meinungen zum Urheberrecht zu erfassen.[10] An dieser Stelle soll nur eine Bestandsaufnahme geliefert werden, eine Beschreibung der Entwicklung erfolgt nicht.

Generell bestätigt sich der Eindruck, dass das Thema aktuell ist und die Deutschen weiterhin Wert auf den Schutz von Urheberrechten legen. So gaben die Hälfte der Befragten an, sich zumindest leicht für die Debatte um das Urheberrecht zu interessieren. Rund 2/3 der Umfrageteilnehmer äußerten Verständnis für die Kreativwirtschaft und deren Bemühen zur Rechtsdurchsetzung. Eine ähnliche Mehrheit bestätigte auch die Gültigkeit der Grundidee des Urheberrechts. Nicht nur dass, auch eine eher subjektive Komponente kommt ins Spiel, denn 2/3 finden es gar „unfair“, wenn einige Menschen Inhalte illegal nutzen, während andere dafür zahlen. Knapp die Hälfte sehen auch die negativen Auswirkungen der Urheberrechtsverletzungen, darunter werden steigende Kosten für die Verbraucher und sinkende Steuereinnahmen aufgeführt. Neben den volkswirtschaftlichen Aspekten wird auch befürchtet, dass sich Urheberrechtsverletzungen negativ auf unser gesellschaftliches Wertesystem auswirken könnten. Trotz der großen Zustimmung zum Urheberrecht gibt es aber auch beschwichtigende Aussagen. So glauben die Hälfte der Befragten, dass es gerade bei Internetinhalten vielen Leuten nicht auffallen würde, wenn sie illegale Inhalte nutzen.[11]

Aus all diesen Aspekten ist festzuhalten, dass diese repräsentative Umfrage ergeben hat, dass die Mehrheit hinter dem Gedanken des Urheberrechts steht und Urheberrechtsverletzungen ächtet. Herauszustellen ist auch, dass die Gefahren für die Volkswirtschaft erkannt werden. Wie diese genau aussehen, soll im kommenden Kapitel erklärt werden.

4. Die ökonomischen Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen

In diesem Kapitel wollen wir uns mit den ökonomischen Gründen für die Errichtung des Urheberschutzes, den Problemen bei der Durchsetzung sowie mit möglichen Gründen für das Auftreten von Urheberrechtsverletzungen befassen. Zunächst wollen wir die ökonomischen Entstehungsgründe des Urheberrechts nachvollziehen um dann zu analysieren, wieso es im Rahmen institutionenökonomischer Theorien zu Urheberrechtsverletzungen kommt. Im Anschluss daran wollen wir diese Schäden genauer untersuchen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Gesellschaftliche Akzeptanz und ökonomische Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Seminar zur Ökonomischen Analyse des Rechts
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V288298
ISBN (eBook)
9783656885207
ISBN (Buch)
9783656885214
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vorgelegt am Lehrstuhl für Institutionenökonomik der Universität Bayreuth
Schlagworte
gesellschaftliche, akzeptanz, ursachen, folgen, urheberrechtsverletzungen
Arbeit zitieren
Ludwig Hollmann (Autor), 2014, Gesellschaftliche Akzeptanz und ökonomische Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288298

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gesellschaftliche Akzeptanz und ökonomische Ursachen und Folgen von Urheberrechtsverletzungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden