Schizophrene Personen weisen neben den sogenannten typischen Symptomen für diese Krankheit, wie z.B. desorganisiertes Denken oder Halluzinationen, auffällige sprachliche Muster auf. Ihre Sprache erscheint unzusammenhängend, was dazu führen kann, dass Menschen in ihrem Umfeld sie nur schwer oder gar nicht verstehen können. Daraus ergibt sich die Frage: Ist das sprachliche Verhalten Schizophrener nur der Reflex einer Denkstörung oder das Ergebnis einer Sprachstörung?
Um diese Frage klären zu können, werden wir zuerst die Schizophrenie und das allgemeine Krankheitsbild beschreiben, wobei sich die Symptome in positive und negative untergliedern lassen. Beide Arten von Symptomen basieren auf gestörten Denkvorgängen. Um erklären zu können, wie diese zustande kommen, werden wir ausführen, welche biologischen Dispositionen im Gehirn bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen.
Im letzten Teil unserer Arbeit befassen wir uns mit der Sprache von schizophrenen Patienten, wobei hier die Fehlleistungen ausschließlich im syntaktischen und semantischen Bereich vorliegen.
Anhand dieser Ergebnisse wollen wir die einleitende Frage schließlich beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schizophrenie
2.1 Symptome von Schizophrenie
2.1.1 Positive Symptome
2.1.1.1 Wahnvorstellungen
2.1.1.2 Desorganisiertes Denken und Sprechen
2.1.1.3 Intensivierte Wahrnehmung und Halluzinationen
2.1.1.4 Inadäquater Affekt
2.1.2 Negative Symptome
2.1.2.1 Alogie
2.1.2.2 Flacher Affekt
2.1.2.3 Willensstörungen
2.1.2.4 Sozialer Rückzug
2.2 Biologische Erklärungen für Schizophrenie
2.2.1 Typ-I-Schizophrenie: Biochemische Abweichungen
2.2.2 Typ-II-Schizophrenie: Abnorme Gehirnstruktur
3. Schizophrenie und Sprache
3.1 Syntax
3.1.1 Morphosyntaktische Abweichungen
3.2 Semantik
3.2.1 Konkretismus
3.2.2 Inkohärenz
3.2.3 Wortassoziationen
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der biologischen Disposition bei Schizophrenie und den resultierenden Auffälligkeiten im sprachlichen Verhalten. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das sprachliche Verhalten schizophrener Patienten primär als Reflex einer Denkstörung oder als eigenständige Sprachstörung zu betrachten ist.
- Symptomatologie der Schizophrenie (positive und negative Symptome)
- Biologische Erklärungsmodelle (Typ-I und Typ-II Schizophrenie)
- Syntaktische Besonderheiten und deren Ursprünge
- Semantische Störungsbilder (Konkretismus, Inkohärenz, Assoziationsstörungen)
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Konkretismus
Konkretismus wird bei prozessual und ungünstig verlaufenden schizophrenen Psychosen vorgefunden. Er gilt als typisch für Kommunikations- und Begegnungsweisen schizophrener Patienten. Konkretismus ist ein Denk-, Sprach- und Ausdrucksphänomen. Die „falsche Konkretisierung“ und die „konkretisierende Verdinglichung“ sind charakteristisch für schizophrene Störungen des Denkverhaltens. Es ist umstritten, ob es sich hierbei um eine Störung des Wahrnehmens, der Aufmerksamkeitsfunktion, des Denkens, des Sprechens oder der Kommunikation im allgemeinen Sinne handelt.
Holm-Hadulla ist der Meinung, dass dieses Phänomen sowohl auf der Ebene des Wahrnehmens und Denkens, als auch auf der Ebene des körpersprachlichen Ausdrucks stattfindet. Der Patient zeigt ungewöhnliche Verknüpfungen von heterogenen Sinnebenen. Es kommt vor, dass sie metaphorische Redeweisen körpersprachlich handelnd darstellen, oder ihr Konkretismus äußert sich auf der Ebene rein verbalen Sprechens und Denkens. Chapman fand heraus, dass Schizophrene überwiegend mit denotativen, wortwörtlichen Aspekten und Symbolen umgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Phänomen des desorganisierten Sprechens bei schizophrenen Personen und formuliert die Forschungsfrage nach der Verbindung zwischen Denkstörung und Sprachstörung.
2. Schizophrenie: Dieses Kapitel beschreibt das Krankheitsbild, die Unterteilung in positive sowie negative Symptome und erläutert biologische Erklärungsmodelle wie die Dopaminhypothese und strukturelle Gehirnabnormitäten.
3. Schizophrenie und Sprache: Der Hauptteil analysiert die sprachlichen Auswirkungen der Störung, wobei die Bereiche Syntax (morphosyntaktische Abweichungen) und Semantik (Konkretismus, Inkohärenz, Wortassoziationen) detailliert untersucht werden.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die beobachteten sprachlichen Defizite bei Schizophrenen als Resultat einer übergeordneten Denkstörung zu werten sind, die aus der mangelnden Filterung von Reizen resultiert.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Denkstörung, Sprachstörung, Neurolinguistik, Konkretismus, Inkohärenz, Wortassoziationen, Syntax, Semantik, Dopaminhypothese, positive Symptome, negative Symptome, Psychopathologie, Kommunikation, Sprachfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sprachliche Verhalten von Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, und analysiert, inwiefern dies mit den kognitiven Beeinträchtigungen des Krankheitsbildes korreliert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der klinischen Symptomatologie der Schizophrenie, den biologischen Ursachen der Krankheit sowie einer linguistischen Analyse der syntaktischen und semantischen Auffälligkeiten in der Sprache der Patienten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob das häufig beobachtete unzusammenhängende Sprechen Schizophrener lediglich eine Folgeerscheinung ihrer Denkstörung ist oder ob eine eigenständige, primäre Sprachstörung vorliegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender psychiatrischer und linguistischer Studien sowie der beispielhaften Untersuchung eines Textkorpus zur Veranschaulichung syntaktischer und semantischer Fehler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der biologischen Grundlagen der Schizophrenie und die tiefgehende Analyse spezifischer sprachlicher Phänomene wie den Konkretismus, die textuelle Inkohärenz und pathologische Wortassoziationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Schizophrenie, Denkstörung, Sprachstörung, Konkretismus und Inkohärenz.
Was genau versteht man unter dem in der Arbeit beschriebenen Konkretismus?
Konkretismus beschreibt die Unfähigkeit, abstrakte Begriffe oder metaphorische Redeweisen zu erfassen, wodurch Schizophrene diese buchstäblich interpretieren und auf eine konkrete, oft unangemessene Ebene verlagern.
Warum tritt bei schizophrenen Patienten häufig eine Inkohärenz in der Sprache auf?
Die Inkohärenz entsteht durch das Abreißen des inhaltlich-sachlogischen Bezugs zwischen den Sätzen, was dazu führt, dass die Sprache ihr "Verweisungsgefüge" verliert und für Außenstehende schwer oder gar nicht nachvollziehbar wird.
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- Ellen Becker (Author), Deborah Boden (Author), 2002, Schizophrenie und Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28834