In der Diskussion zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit wird immer wieder eingebracht, die hohen Lohnkosten seien zu einem großen Teil schuld an der schlechten Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Um die Arbeitslosigkeit zu senken und den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken und zu erhalten, wird daher die Senkung der Lohn(neben)kosten verlangt, damit in Deutschland zusätzliche Beschäftigung erschlossen werden kann.
Als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik und zur Wirtschafts- bzw. Wachstumsförderung wird daher die Erschließung des Dienstleistungssektors mit Hilfe eines Niedriglohnmodells gefordert. Wie dieses Niedriglohnmodell funktionieren soll und welche Erwartungen sich daraus ergeben, soll Gegenstand der folgenden Ausarbeitung sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Das Niedriglohnmodell
3 Das neoliberale Arbeitsmarktmodell
3.1 Zentrale Annahmen des neoliberalen Arbeitsmarktmodells
3.2 Der Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und dem Lohnniveau
3.2.1 Der Zusammenhang zwischen Arbeitsangebot und Mindesteinkommen
3.2.2 Der Zusammenhang zwischen Arbeitszeitvorgaben und Arbeitsangebot
3.3 Die Wirkung von Einkommensänderungen
3.4 Die Wirkungen von Preisänderungen
4 Modelle des Niedriglohnsektors
4.1 Das Mainzer Modell
4.2 Das Modell Saar
4.3 Das Modell der Friedrich – Ebert – Stiftung
5 Kritische Betrachtung
5.1 Zur Gültigkeit der Voraussetzungen
5.2 Zur Gültigkeit des Marktmodells
5.3 Die Situation auf dem Markt
5.4 Die Wirkung von Kapital auf Beschäftigung
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Eignung eines Niedriglohnmodells als Instrument zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob eine Senkung des Lohnniveaus im Dienstleistungssektor unter Berücksichtigung neoliberaler Marktmodelle tatsächlich zur Schaffung zusätzlicher Beschäftigung führen kann.
- Theoretische Fundierung des neoliberalen Arbeitsmarktmodells und dessen Annahmen
- Analyse der Zusammenhänge zwischen Lohnniveau, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage
- Gegenüberstellung praktischer Modelle zur Umsetzung eines Niedriglohnsektors (Mainzer Modell, Modell Saar, Modell der Friedrich-Ebert-Stiftung)
- Kritische Diskussion der Marktbedingungen und der Substitution von Arbeit durch Kapital
Auszug aus dem Buch
Die Wirkungen von Preisänderungen
Die zusätzlichen Leistungen sollen natürlich am Markt absetzbar sein; im Falle des Dienstleistungssektors können die Leistungen im Modell aufgrund der geringen Produktivität und hohen Arbeitsintensität jedoch nur zu geringen Preisen angeboten werden. Um dies zu erreichen, sollen die Lohn(neben-)kosten gesenkt werden. Wenn der Preis gering genug ist, findet das Angebot auch eine Nachfrage. Daher soll als dritter Punkt die Wirkungen von Preisänderungen auf die nachgefragte Menge an Gütern bzw. Leistungen untersucht werden.
Die Menge, die von einem Gut nachgefragt wird, hängt von der Präferenzordnung, dem Preis des betreffenden Gutes, von den Preisen der anderen Güter und dem Einkommen ab. Welche Wirkung hat es, wenn sich der Preis eines Gutes (z.B. der Dienstleistungen) verändert, während die anderen Preise und das Einkommen konstant bleiben?
Im Gefolge einer Preissenkung kann sich der Haushalt mehr vom betroffenen Gut leisten, das gesamte Nutzenniveau steigt. Die Preisveränderung bedeutet weiterhin, daß sich das Preisverhältnis zwischen den einzelnen Konsumgütern ändert. Somit kann man den Gesamteffekt einer Preisänderung aufspalten in den Effekt, der Folge der Realeinkommensveränderung ist und den Effekt, der Folge des veränderten Preisverhältnisses ist. Infolge einer Preissenkung wird ein Gut X relativ zu einem Gut Y billiger. Der Konsument wird deshalb Gut Y durch Gut X substituieren. Die Mengenänderung, die auf die Veränderung des Preisverhältnisses zurückzuführen ist, ist der Substitutionseffekt der Preissenkung. Die Preissenkung bedeutet weiterhin, daß sich das Realeinkommen verändert, während das Nominaleinkommen konstant bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Problematik der Massenarbeitslosigkeit und die Forderung nach einem Niedriglohnsektor als arbeitsmarktpolitisches Instrument.
Das Niedriglohnmodell: Erläuterung der These, dass einfache Arbeit in Deutschland aufgrund hoher Lohnkosten zu teuer sei, und Vorstellung der Idee einer produktivitätsorientierten Lohnanpassung.
Das neoliberale Arbeitsmarktmodell: Darstellung der theoretischen Grundannahmen des Modells, einschließlich der Konzepte von Arbeitsangebot, -nachfrage und des homo oeconomicus.
Modelle des Niedriglohnsektors: Konkrete Vorstellung der Ansätze des Mainzer Modells, des Saar-Modells und des Vorschlags der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Kritische Betrachtung: Hinterfragung der theoretischen Voraussetzungen und der praktischen Marktbedingungen, insbesondere unter dem Aspekt der Substitution von Arbeit durch Kapital.
Zusammenfassung: Fazit zur Eignung des Niedriglohnmodells, wobei die theoretische Fragwürdigkeit und die begrenzte Prognosefähigkeit hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Niedriglohnsektor, Neoliberalismus, Arbeitsmarktmodell, Beschäftigungspolitik, Lohnniveau, Arbeitsangebot, Arbeitsnachfrage, Subventionierung, Transferleistungen, Kapitalsubstitution, Grenznutzen, Preiselastizität, Dienstleistungssektor, Vollbeschäftigung, Sozialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die ökonomische Argumentation hinter der Forderung, durch einen Niedriglohnsektor die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu bekämpfen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die neoliberale Theorie des Arbeitsmarktes, die Ausgestaltung verschiedener Niedriglohnmodelle sowie die kritische Untersuchung der realen Marktbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll beantwortet werden, ob sich ein Niedriglohnsektor theoretisch und praktisch dazu eignet, zusätzliche Beschäftigung im tertiären Sektor zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt das mikroökonomische Standardmodell der liberalen Wirtschaftstheorie als Analyseinstrument und setzt dieses in einen kritischen Kontext mit realen ökonomischen Prozessen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Niedriglohnmodells, die Vorstellung spezifischer politischer Konzepte und eine detaillierte kritische Auseinandersetzung mit diesen Ansätzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Kernbegriffe sind hier das Niedriglohnmodell, die Lohnkostenproblematik, die Rolle der Transferleistungen und die zunehmende Substitution von menschlicher Arbeit durch technisches Kapital.
Inwiefern beeinflusst das „Mainzer Modell“ die Anreizstrukturen für Sozialhilfeempfänger?
Das Mainzer Modell schlägt eine Staffelung der Freibeträge vor, um erwerbstätigen Sozialhilfeempfängern einen höheren finanziellen Anreiz zur Aufnahme einer Beschäftigung zu bieten, statt diese voll auf die Sozialhilfe anzurechnen.
Warum kritisiert der Autor die Substitution von Arbeit durch Kapital?
Der Autor weist darauf hin, dass technischer Fortschritt und Kapitalinvestitionen dazu führen, dass einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden, was den arbeitsmarktpolitischen Effekt einer Lohnsenkung konterkariert.
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- Tobias Thauer (Author), 2001, Das neoliberale Marktmodell - Ist das Niedriglohnmodell geeignet, zusätzliche Beschäftigung zu schaffen ?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2884