Um auf betriebliche Anspruchsgruppen näher eingehen zu können, ist es notwendig, den Begriff „Anspruchsgruppen“ zu konkretisieren. Je nachdem, ob man die Shareholder-Sichtweise oder den Stakeholder-Ansatz heranzieht, werden Anspruchsgruppen unterschiedlich weit gefasst. Im Folgenden werden die beiden Ansätze näher beleuchtet.
Das Shareholder-Modell weist ein enges Begriffsverständnis auf und sieht in den Aktionären die einzig legitime Anspruchsgruppe. Der Stakeholder-Value-Ansatz nach Freeman identifiziert hingegen neben den Shareholdern zahlreiche andere Anspruchsgruppen, die Stakeholder genannt werden. Stakeholder werden vom Unternehmen beeinflusst und sind in der Lage, das Unternehmen zu beeinflussen.
Die Stakeholder-Theorie entstand aufgrund der Komplexitätszunahme des Unternehmensumfeldes und entwickelte sich von der Produktionssichtweise über die Managementsichtweise hin zur Stakeholder-Sichtweise des Unternehmens. Stakeholder werden nach Kriterien wie Macht, Legitimität und Dringlichkeit kategorisiert. Darüber hinaus können Stakeholder im strengen und weiten Sinn, Kapitalmarkt-, Produktmarkt- und Organisations-Stakeholder, primäre und sekundäre, soziale und nichtsoziale Stakeholder unterschieden werden. Um für alle Beteiligten eine „Win-Win-Situation“ zu erreichen, muss das Unternehmen Stakeholder-Management betreiben. Zentral ist dabei, die Interessen der Stakeholder entsprechend ihrer Wichtigkeit zu erfüllen und die Implikationen, die sich aus den vier Sichtweisen (deskriptiv, instrumentell, normativ, betriebswirtschaftlich) der Stakeholder-Theorie ergeben, zu berücksichtigen.
Mit Hilfe der Stakeholder-Analyse können die relevanten Stakeholder eines Unternehmens identifiziert, deren Interessen ermittelt und Strategien zum erfolgreichen Stakeholder-Management entwickelt werden. Die Stakeholder-Analyse stellt den operativen Teil der Stakeholder-Theorie dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Shareholder-Value-Ansatz
3 Stakeholder-Value-Ansatz
3.1 Sichtweisen des Unternehmens im Wandel der Zeit
3.2 Klassifikation der Stakeholder
3.3 Stakeholder-Management
3.4 Stakeholder-Analyse
4 Zusammenfassung
5 Literaturverzeichnis inklusive weiterführender Literatur
5.1 Bücher und Zeitschriften
5.2 Homepages und Online-Dokumente
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den Begriff der betrieblichen Anspruchsgruppen (Stakeholder) zu präzisieren und das Konzept des Stakeholder-Value-Ansatzes dem eng gefassten Shareholder-Value-Ansatz gegenüberzustellen, um ein umfassenderes Verständnis für die modernen Anforderungen an das Management zu schaffen.
- Vergleichende Analyse von Shareholder-Value und Stakeholder-Value
- Historische Entwicklung der Unternehmenssichtweisen
- Klassifikationsmodelle für Stakeholder (z.B. Macht, Legitimität, Dringlichkeit)
- Instrumente und Strategien des effektiven Stakeholder-Managements
Auszug aus dem Buch
3.1 Sichtweisen des Unternehmens im Wandel der Zeit
Die Entstehung des Stakeholder-Value-Ansatzes geht Hand in Hand mit der Entwicklung der Unternehmen von einfachen Familienbetrieben zu multinationalen Großunternehmen. In der Vergangenheit dominierte die Produktionssichtweise (Abb. 2), wo der Kleinunternehmer nur mit zwei Stakeholdern, Lieferanten und Kunden, konfrontiert war. Die Lieferanten stellten dem Betrieb die zur Produktion benötigten Ressourcen zur Verfügung, die fertigen Produkte wurden an die Endverbraucher verkauft. Das übrige Umfeld hatte keinen wesentlichen Einfluss auf die betriebswirtschaftlichen Überlegungen und Verhaltensweisen des Unternehmers.
Im Laufe der Zeit wurden die einstmals überschaubaren Unternehmen komplexer. Sie wuchsen, setzten neue Technologien ein und beschäftigten eine Vielzahl von Mitarbeitern. Der Kapitalbedarf der großen Unternehmen nahm rapide zu und überstieg bald die finanziellen Möglichkeiten des privaten Produzenten. So wurde die bisherige Sichtweise von der Managementsichtweise des Unternehmens abgelöst (Abb. 3), welche zusätzlich die Stakeholder Mitarbeiter und Kapitalgeber umfasst. Der Unternehmer wandelte sich vom Eigentümer zum Manager und sah sich fortan mit einer wesentlich komplizierteren Unternehmensumwelt konfrontiert. Eine Missachtung der Anliegen der Arbeiter oder der Kapitalgeber hatte Streiks bzw. geringere Kapitalzuschüsse zur Folge, wodurch die Produktion ernsthaft gefährdet worden wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und verdeutlicht die Notwendigkeit, den Begriff Anspruchsgruppen abhängig vom gewählten Ansatz – Shareholder oder Stakeholder – unterschiedlich weit zu fassen.
2 Shareholder-Value-Ansatz: Hier wird der Shareholder-Ansatz erläutert, bei dem das Management primär darauf ausgerichtet ist, den Wert des Unternehmens für die Anteilsinhaber und somit die Dividende zu maximieren.
3 Stakeholder-Value-Ansatz: Dieser Abschnitt beschreibt den Wandel vom Shareholder-Modell hin zu einem integrativen Stakeholder-Ansatz, der neben Kunden und Lieferanten auch Mitarbeiter und weitere gesellschaftliche Gruppen in die unternehmerischen Überlegungen einbezieht.
4 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, insbesondere die Notwendigkeit des Stakeholder-Managements zur Bewältigung der gestiegenen Komplexität des Unternehmensumfelds.
5 Literaturverzeichnis inklusive weiterführender Literatur: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über die verwendeten Quellen sowie weiterführende Literatur, unterteilt in Fachpublikationen und Online-Dokumente.
Schlüsselwörter
Anspruchsgruppen, Shareholder-Value, Stakeholder-Value, Management, Unternehmensumfeld, Stakeholder-Analyse, Stakeholder-Management, Kapitalgeber, Strategische Führung, Unternehmensleitbild, Interessen, Effizienz, Unternehmenswert, Interaktion, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung von betrieblichen Anspruchsgruppen und stellt die Ansätze Shareholder-Value und Stakeholder-Value einander gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Identifikation und Klassifikation von Stakeholdern sowie Strategien für ein erfolgreiches Stakeholder-Management in komplexen Unternehmensumfeldern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Begriff der Anspruchsgruppen zu konkretisieren und aufzuzeigen, wie das Stakeholder-Value-Modell eine ganzheitlichere Sichtweise auf das Unternehmen ermöglicht als der reine Shareholder-Ansatz.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Modelle (z.B. nach Freeman, Mitchell et al. oder Savage et al.) zusammenführt und vergleichend betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historische Entwicklung der Sichtweisen, diverse Klassifizierungsmöglichkeiten von Stakeholdern sowie konkrete Managementstrategien und Analyseinstrumente wie die Stakeholder-Matrix detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Stakeholder-Management, Shareholder-Value, Stakeholder-Analyse, Unternehmensumwelt, Interessen, Macht, Legitimität und Dringlichkeit.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Shareholder- und Stakeholder-Ansatz?
Der Shareholder-Ansatz sieht primär die Kapitalgeber bzw. Aktionäre als legitime Anspruchsgruppe, während der Stakeholder-Ansatz alle Personen oder Gruppen einbezieht, die von unternehmerischen Entscheidungen betroffen sind.
Was besagt die Stakeholder-Typologie nach Mitchell et al.?
Das Modell kategorisiert Stakeholder anhand der drei Kriterien Macht, Legitimität und Dringlichkeit, um dem Management aufzuzeigen, welche Gruppen höchste Priorität bei der Bedürfnisbefriedigung genießen sollten.
Wie kann eine Stakeholder-Analyse operativ durchgeführt werden?
Durch einen strukturierten Prozess, der in der Regel die Identifikation der Hauptakteure, die Bewertung deren Interessen mittels Brainstorming oder Befragung sowie die Entwicklung spezifischer Managementstrategien umfasst.
- Arbeit zitieren
- MMag. Thomas Schrott (Autor:in), 2004, Betriebliche Anspruchsgruppen. Der Shareholder-Value- und der Stakeholder-Value Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288487