Das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen. Erwartete Effekte des TTIP und seine Kontroversen


Hausarbeit, 2015
30 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung

Einleitung

1 Transatlantisches Freihandelsabkommen
1.1 Definition
1.2 Wichtigste Verhandlungsziele

2 Erwartete Effekte des TTIP
2.1 Handelsschaffungseffekte
2.2 Handelsumlenkungseffekte
2.3 Wohlfahrtseffekte

3 Verhandlungsagende
3.1 Marktzugang
3.2 Regulierungsfragen und nichttarifäre Handelshemmnisse
3.3 Regeln, Grundsätze und neue Kooperationsformen

4 Die Kontroverse um das Freihandelsabkommen
4.1 Befürworter des geplanten Freihandelsabkommens
4.2 Gegner des geplanten Freihandelsabkommens

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1: Wirtschaftsleistung BIP4

Abb. 1.2: Kennzahlen der Handelsbeziehungen zwischen EU (28) und denUSA 2012 .6

Abb. 2.1: Wirkung einer Exporterhöhung durch TTIP und Änderung von Produktion und Jobzahl in ausgewählten Sektoren Deutschlands….9

Zusammenfassung

Seit Juli 2013 sorgt der Begriff: "TTIP" in der Öffentlichkeit für Aufregung. Die Europäische Union (EU) und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) verhandeln im Brennpunkt jener Kritiker über das geplante Transatlantische Handel-und Investitionsabkommen (Transatlantic Trade and Investment Partnership:TTIP). Es ist wohl eines der wichtigsten Debatten, die sowohl den Außenhandel als auch die Direktinvestitionen auf beiden Seiten des Atlantiks betreffen. Einige sehen das TTIP als große Chance, neue Impulse für einen Wandel und einer neuen Dynamik zu setzen. Seitens wird über den genauen Inhalt noch verhandelt, welche von Protesten begleitet werden. Doch Verbraucher- und Gesundheitsschützer fragen sich, weshalb die Öffentlichkeit über all die Facetten des Abkommens, welches allen Vorteile bringen soll, weder befragt noch informiert werden. Der Widerstand gegen das TTIP ist groß und selten war ein internationales Abkommen so umstritten wie dieses.

Die Handelsliberalisierungsoll demAbbau von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen, dem Schwung eines wirtschaftlichen Wachstums in beiden Regionen, einem leichteren Austausch von Waren, einer Schaffung von Arbeitsplätzen und den damit verbundenen Wohlstand der Gesellschaftdienen.

Ein Thema, das polarisiert, weshalb die Hintergründe und Studien sowie die Verhandlungsagenda und ihre möglichen Auswirkungen auf Bürger, Umwelt und Wirtschaft erläutert werden sollen. Mithilfe aller momentanen zugänglichen Quellen möchte ich in dieser Arbeit das geplante Abkommen sowie die einzelnen Schwerpunkte undihre Motive herauskristallisieren und ein grundlegendes Verständnis der Zusammenhänge wertungsfrei darstellen.

Einleitung

"Grenzenloser Handel schafft Wohlstand für Alle." Der britische Nationalökonom David Ricardo erwähnt in seinem Werk "Principlesof Political Economy and Taxation", dass der internationale Handel Volkswirtschaften helfen würde, sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können. Wer sich spezialisiert, produziert effizienter.[1]

Über ein transatlantisches Freihandelsabkommen (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP) zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten wird seit mehreren Jahren diskutiert. Die Handelsliberalisierung betrifft sowohl den Außenhandel als auch die Direktinvestition beider Wirtschaftsräume.

Erste Entwicklungen über ein Freihandels- und Investitionsabkommen fanden schon in den neunziger Jahren, unmittlebar nach Ende des Kalten Krieges statt. Die damals ernannte "Wirtschafts-Nato" sollte zu jener Zeit dem enormen wirtschaftlichen Aufschwung asiatischer Wirtschaftsmächte dienen. Diese entwickelten sich durch den Verkauf günstiger Produkte aufgrund billiger Arbeitskräfte sowie günstiger Materialien rasend schnell. Eine daraus resultierende Misere für den westlichen Markt sollte durch ein Handelsabkommen verhindert werden.Doch "Gut Ding will Weile haben" schließt sich einem überaus steinigen Weg zum Ziel an. Bis zur heutigen Zeit besteht gegenseitiges wirtschaftliches Interesse, welches jedoch immer wieder am Widerstand der Europäer, Amerikaner, aufgrund der Debatten um die NSA-Abhöraffäre, des Streits über die US-Verschuldungsobergrenze oder aufgrund einzelner Bündnispartner scheiterte. Als weiteres Beispielwäre das Veto Frankreichs gegen das multilaterale Investitionsabkommen oder das gescheiterte Freihandelsabkommen 2007 aufgrund der Ablehnung zahlreicher US-Lobbyisten zu nennen.[2]

Es folgte die Finanzkrise und einige Jahre vergingen,bis Anfang 2013wiederholt Verhandlungen zum Aufbau von Freihandelsabkommen ins Leben gerufen wurden, um Europa und den Vereinigten Staaten den größten Wirtschaftsraum zu schaffen und zugleich dem mächtigen China Paroli zu bieten - mittlerweile ist China zur Supermacht aufgestiegen. Obwohl die TTIP-Verhandlungen spätestens Ende 2015 in Kraft treten sollen, werden sie ein weiteres Mal verschoben. Denn beim Abkommen fehlt es noch an elementaren Regelungen und bis dahin werden die geheimen Verhandlungen sowiedas fertige Werk der Öffentlichkeit, den Europäern als auch Amerikanern vorenthalten.[3]

Das transatlantische Freihandelsabkommen dient dazu, politische Hemmnisse sowie wirtschaftliche Hindernisse abzubauen, die einem freien Handelsverkehr entgegenstehen.[4] Als Ergebnis können Waren und Dienstleistungen zwischen den Beitrittsländern frei exportiert werden und zugleich erleichtert es Unternehmen, neue Märkte zu schließen. Konsumenten könnten ebenfalls von dieser Initiative profitieren. Denn diese würden ihre Produkte zu günstigeren Preisen aus einem größeren Waren- und Dienstleistungssortiment auswählen können.

Die vorliegende Arbeit hat die Intention, das transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) anschaulich darzustellen.

Diese werde ich in den folgenden fünf Kapiteln von den Anfängen des TTIP über ihre Ziele bis hin zu ihren Effekten aufzeigen.

Was sind die Ziele und Elemente des TTIP? Welche möglichen Auswirkungen und Effekte hat ein Freihandelsabkommen? Wer zählt zu den Befürwortern, wer zu den Gegnern? Im Laufe meiner Arbeit werde ich mich unter anderem auf die IFO-Studien (Institut für Wirtschaftsforschung) beziehen, die sich mit den möglichen Auswirkungen und eines transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union auseinandergesetzt haben. Abschließend werde ich die wichtigsten Fragen bezüglich dieser kontroversen Thematikfür Unternehmen und Verbraucher eingehend erläutern und die Position der Befürworter und Gegner zu den Verhandlungselementen des TTIP darstellen. Zudem werde ich mögliche Vorteile und Nachteile eins Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens aufzeigen.

1 Transatlantisches Freihandelsabkommen

1.1 Definition

DieTransatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) steht für ein Freihandelsabkommen im Auftrag der Mitgliedsländer der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika und zielt auf eine Erleichterung des grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs und der Investitionstätigkeiten ab. Aktuelle Verhandlungen für dieses Abkommen werden seit Juli 2013 von Vertretern der Europäischen Kommission und der US-Regierung fortgesetzt. Durch die Öffnung der Märkte sollen Barrieren zwischen Europa und der USA als auch Einschränkungen für Dienstleistungen abgebaut werden, gleichzeitig Gesetze und Regeln beider Wirtschaftsregionen angeglichen werden, um somit Wachstum und Wohlstand, neue Impulse für Arbeitsplätze und eine Stärkung von Investitionen, Investorenrechten sowie deren Sicherheit zu erzielen.[5]

Wie die folgende Abbildung 1.1 zeigt, erwirtschaften die EU und die Vereinigten Staaten fast die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts (47 %)bei einem Weltbevölkerungsanteil von etwa 12 Prozent und stehen für ein Drittel der weltweiten Handelsströme. Ferner liegen die Bestände an Direktinvestitionen für die EU und USA bei 60 Prozent.

Abb. 1.1: Wirtschaftsleistung BIP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: World-Bank 2014; www.diw.de/sixcms/media.php/37/diw_roundup_42.png

1.2 Wichtigste Verhandlungsziele

Erklärtes Ziel des Abkommens ist es, Zölle im transatlantischen Handel mit industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen möglichst vollständig abzubauen, wobei die sensibelsten Erzeugnisse gesondert behandelt werden.[6]

Jean-Claude Juncker (2014), der für das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission kandidierte, plädierte im Juli 2014 für ein vernünftiges und ausgewogenes Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und fügte hinzu:

"[...] Dass Europäer und Amerikaner im 21. Jahrhundert noch immer Zölle auf die Produkte des jeweils anderen erheben, ist ein Anachronismus. Sie sollten zügig und vollständig abgeschafft werden[...]".[7]

Laut der Europäische Kommissionunterhalten die Europäische Union und die Vereinigten Staaten die weltweit größte bilaterale Handelsbeziehung.[8] Die USA sind für Europa nach Russland und China der drittgrößte Warenlieferant.[9] Das gemeinsame erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei etwa der Hälfte der gesamten globalen Wirtschaftsleistung. An die 17,3 Prozent der europäischen Exporte gingen in die USA, 11,4 Prozent der Importe aus Drittländern nach Europa kamen aus den USA (vgl. Abb. 1.2).

Abb. 1.2: Tabelle.: Kennzahlen der Handelsbeziehungen zwischen EU (28)und den USA 2012 (in 1000 €)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Europäische Kommission[10]

Für die Vereinigten Staaten zeichnet sich die Europäische Union als zweitgrößter Warenlieferant und als zweitgrößter Exportmarkt aus. Gemeinsam erstreben sie durch die geplante Freihandelsinitiative den Handelzwischen der EU und den USA zu liberalisieren und ihre Wirtschaftsleistung durch folgende Ziele in den Schwung zu bringen:[11]

- Branchenweiter Zollabbau
- Angleichung von Normen und Standards
- Investitionsschutz für Direktinvestitionen
- Öffnung der Märkte
- Dienstleistungsliberalisierung
- Technische Handelsbarrieren
- Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Senkung von Arbeitslosigkeit
- Erhöhung des Durchschnittseinkommens der Arbeitnehmer
- Ankurbeln des Wirtschaftswachstums in den Teilnehmerstaaten
- Vereinfachter Zugang zu öffentlichen Aufträgen
- Umwelt- und Arbeitsstandards
- Hygiene und pflanzengesundheitliche Regulierungen
- Patentschutz

Das aktuelle Hauptziel von der EU-Kommission und den USA ist der "Abbau von Zöllen" für eine Erleichterung des grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Harmonisierung von Standards und der Investitionsschutz. Seit der Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) und ihren handelsbezogenen geistigen Eigentumsrechten sind hier noch einige Fragen bezüglich der Investitionen offen.[12]

Im Wesentlichen soll ein wirtschaftlicher Austausch zwischen beiden Ländern ausgebaut werden. Denn gerade die seit Jahren erfolgreiche Import-Exportwirtschaft könnte großes wirtschaftliches Potenzial bergen.

Mit diesem Abkommen würde sich wohl die mächtigste globale Freihandelszone sowie eines der größten Handelsmärkte der Welt entwickeln; es würden wichtige Innovationsimpulse entstehen und einen erheblichen wirtschaftlichen Wachstum hervorbringen.

Anlässlich eines zweitägigen Besuchs in Washington D.C. am 8./9. Dezember der EU - fügte Kommissarin Malström dieses hinzu:

„Das TTIP ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Beschäftigung und Wachstum auf beiden Seiten des Atlantik wichtig, sondern auch, weil es uns die Möglichkeit gibt, globale Standards zu setzen und unsere starke transatlantische Partnerschaft zu festigen.“ [13]

2 Erwartete Effekte des TTIP

Welche erwarteten Effekte hätte ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA auf Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung?

In diesem Kapitel werde ich mich überwiegend auf die IFO-Studie zum transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU beziehen.Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fakten, Zahlen und Vorgehensweisen aus dieser Studie entnommen worden.

Betrachtet werden hier Handelsschaffungs-, Handelsumlenkungs- und Wohlfahrtseffekte sowie die daraus resultierenden Effekte auf den Arbeitsmärkten.

Laut dem IFO-Institut - welches im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eine Studie mithilfe von Daten bereits existierenden vergleichbaren Verträgen, Rückschlüsse zu Auswirkungen eines Freihandelsabkommen erstellt hat -werden zwischen der EU und den USA Güter und Dienstleistungen im Wert von etwa zwei Milliarden Euro gehandelt. Mit einer Belebung des Handels und mit Beseitigung von Barrieren könnten erhebliche wirtschaftliche Gewinne sowohl in den USA als auch in der EU entstehen und somit Volkswirtschaften positiv stimuliert werden. Allein durch eine Liberalisierung der Märkte könnten globale Wohlfahrtsgewinne um etwa 3,3 % ansteigen. Betrachten wir die einzelnen Länder könnte der Wachstum für Deutschland um etwa 4,7 %, in Frankreich um etwa 2,6 % steigen. Die USA mit 13,4 % und Großbritannien mit 9,7 % scheinen nach dieser Studie die absoluten Gewinner zu werden.Zugleich zeigt die Studie einen umfassenden Anstieg bei den Wohlfahrtseffekten. Durch diese Initiative sollen in der EU sowie USA zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das reale Einkommen in den EU-Ländern würde demnach nach einer Liberalisierung zwischen 2,6 % und 9,7% ansteigen.[14]

Wenn man die Produktions- und Beschäftigungsauswirkungen in Abbildung 2.1 einer transatlantischen Freihandelszone betrachtet, werden große Impulse für Deutschland in der Innovationsdynamik und der Zuwachs von Arbeitnehmern, die Automobilbranche, der Industriesektor sowie die Chemieindustrie, Pharmaindustrie, Maschinenbau als auch der Informations- und Kommunikationssektor ersichtlich. Zu bedenken wäre hierbei nur noch, dass sich in einem transatlantischen Markt der Wettbewerb viel stärker aufhält.[15]

Abb.: 2.1: Wirkung einer Exporterhöhung durch TTIP und Änderung von Produktion und Jobzahl in ausgewählten Sektoren Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Irawan&Welfens (2014)

Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Bereichs Außenhandel am IFO- Institut erklärt :

„ Durch eine vollständige Liberalisierung gäbe es zum einen langfristig mehr Produkte für die Verbraucher auf dem Markt, zum anderen würden die Preise aufgrund der geringeren Handelskosten fallen, was die Kaufkraft der Einkommen stärken würde. Im Falle einer reinen Zollabschaffung hingegen würde die Wohlfahrt z.B. in Deutschland nur um 0,24 % zunehmen." [16]

Die Studie zeigt desweiteren, dass eine Liberalisierung über eine Abschaffung der Zölle einen Handelszuwachs von 79% erzielen könnte. Der Anstieg der Ausfuhren in die USA würden + 94 % , nach Mexico + 10 % und Kanada + 19 % betragen. Zwar würde der Export aus Deutschland in andere EU-Länder zurückgehen, sich aber durch die Ausfuhren in die USA ausgleichen würde.[17]

Die Kanzlerin Merkel sowie der US-Politologe Daniel Hamilton preisen das Freihandelsabkommen an und machen sich für das TTIP stark - sie prophezeien größeres Wachstum und mehr Einkommen für die EU - Bürger. Die Bundeskanzlerin warnt sogar vor einem Rückfall für Europa und Deutschland, wenn kein schnelles transatlantisches Freihandelsabkommen stattfinden wird.[18]

2.1 Handelsschaffungseffekte

Der Zuwachs des Handels und somit seine langfristigen Gewinne werden nach Schätzungen des IFO-Instituts auf etwa 79 % anfallen; somit wäre ein Zuwachs des Handels zwischen den USA und der EU prägnant.[19]

2.2 Handelsumlenkungseffekte

Desweiteren nimmt der Handel zwischen Länderregionen zu, die nicht regelrecht betroffen sind. Von negativen Effekten einer Handlungsumlenkung wären jene Staaten betroffen, die sich unmittelbar in der Nähe von den USA und den EU-Mitgliedsstaaten befinden. Die Ursache würde hier in der Umlenkung seiner wichtigsten Handelspartner auf andere Mitgliedsstaaten des Abkommens liegen.[20]

2.3 Wohlfahrtseffekte

In dem dargestellten Modell des IFO-Instituts wird die Wohlfahrt homogen mit dem realen Einkommen sowie den Veränderungen des realen Bruttoinlandsproduktes betrachtet. Laut dieser Studie würde im Durchschnitt das reale Welteinkommen um 3,3 % zunehmen. Wie schon im zweiten Kapitel erwähnt, würden die USA und Großbritannien am meisten von einem Freihandelsabkommen profitieren.

Italien, Griechenland und Spanien dürften sogar von einem höheren Wachstum als Deutschland ausgehen.

Die erfolgsversprechenden Wohlfahrtseffekte zeigen sich aufgrund der weiten Verfügbarkeit von ausländischen Produkten und somit aus einer Erhöhung der Kaufkraft des Haushaltes.

Laut der IFO - Studie würden Staaten, die bereits ein Freihandelsabkommen mit der EU und den USA haben - zu nennen wären hier Mexiko und Kanada sowie alle aufstrebende Märkte wie Brasilien, Russland, Indien, China- durch ein transatlantisches Abkommen größere Verluste erleiden.

Da man in der genannten Studie nur Handels- und Einkommenseffekte betrachtet, sollte man ihre Berechnungen, deren Leistungsziele und an deren zusammengestellten Zahlen -wie zum Beispiel die Zunahme des realen BIP von 13 % - anzweifeln und womöglich mit anderen Studien vergleichen.[21]

Dass sich mit einem Freihandelsabkommen nicht alles zum Besseren wandelt, zeigt die Geschichte zu Zeiten, als Mexico mit den USA über ein derartiges Abkommen debattierte. Arbeitsplätze wurden weniger und die Arbeitslosenquote stieg.[22]

Wenn zwei bedeutende Wirtschaftsmächte sich zu einer Freihandelszone sowie Investitionsabkommen zusammentreffen, dann gibt es aus Sicht beider Regionen Effekte des eigenen Verhaltens auf den Freihandelspartner, von dort aus Rückwirkungen auf das eigene Land und darüber hinaus dann Effekte auf den Rest der Welt. Eine Betrachtung der globalen Analyseperspektive und die Beachtung von Interdependenzen wären daher äußerst wichtig.

3 Verhandlungsagende

Die aktuellste und siebte Verhandlungsrunde zum Freihandelsabkommen TTIP fand am 29. September bis 3. Oktober 2014 in Washington statt. In dieser Runde wurden unter anderem Themen wie Handel mit Waren und Dienstleistungen, Regulierungsfragen, Umwelt- und Investitionsschutz, Energie und Arbeitnehmerrechte ausdiskutiert und alle Verhandlungsbereiche dieser, außer Textilien erörtert.Der Fokus dieser Verhandlungsagenda wurde laut der Europäischen Kommission in drei Bereiche aufgeteilt:[23]

a) Marktzugang
b) Regulierungsfragen und nichttarifäre Handelshemmnisse sowie
c) Regeln, Grundsätze und neue Kooperationsformen, um gemeinsame Herausforderungen im Welthandel anzugehen und Chancen zu nutzen.

3.1 Marktzugang

ImVordergrund des Abkommens steht der Abbau der Zölle im transatlantischen Handel. Erörtert wurden zudem Vorschriften zum Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Beide Parteien haben sich laut dem Bericht der Europäischen Kommission geeinigt, dass sie ihre Dienstleistungssektoren so weit wie möglich öffnen.[24]

Im folgenden sollen die Ergebnisse dieser Bereiche genauer erläutert werden. Hier beziehe ich mich auf den "Bericht über die siebte Verhandlungsrunde vom 29. September - 3.Oktober 2014" der Europäischen Kommission.[25]

Neben den Vorschriften zum Handel und dem Zugang zum Agrarmarkt wurden in der siebten Verhandlungsrunde auch Dienstleistungen und Investitionen näher erörtert. Demnach wurden die Bereiche wie Umwelt, Vertrieb, Postdienste, Unternehmensdienstleistungen, Gesundheit, Bildung, Energie und Verkehr detailliert erläutert. Ferner wurde von beiden Parteien beschlossen, dass der höchste Liberalisierungs- und Investitionsschutz erreicht werden soll.[26]

3.2 Regulierungsfragen und nichttarifäre Handelshemmnisse

Der wesentlichste Hauptgedanke in dem transatlantischen Abkommen bezieht sich nicht unbedingt nur auf die Zölle;denn diese fallen im internationalen Vergleich niedrig aus (vgl. Tab. 3.1).

Tab. 3.1: Dimensionen und Auswirkungen eines Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach IFO, 2013

Desweiteren würde sich die Agenda auf die Angleichung von Produktnormen und Standards konzentrieren. Denn diese würden laut der Europäischen Kommission die größte Hemmnis für den transatlantischen Handel und unnötige Zusatzkosten bewirken sowie den internationalen Handel behindern. Zu nennen wären hier unterschiedliche Verbraucherbestimmungen sowie abweichende Sicherheits- und Umweltnormenfür Kraftfahrzeuge; diese müssten unbedingt verändert werden. Mit diesem Übereinkommen sollen Kosten und Verzögerungen für Unternehmen abgebaut werden als auch ein Verbraucher-, Sicherheits- und Umweltschutz generiert werden.[27]

[...]


[1] Vgl. Ricardo, 1817

[2] Vgl. Brauer & Dr. Lichter, 2014, S.4, f.

[3] Vgl. Weber, 2014

[4] Vgl. Krugman, 2009, S.289

[5] Vgl. Europäische Kommissison, 2014a

[6] Vgl. Europaische Kommission, 2014b, S.1 f.

[7] Juncker, 2014, S. 9

[8] Vgl. Europäische Kommission, 2014c

[9] Vgl. Bendini, 2014, S.3 f.

[10] Vgl. Europäische Kommission, 2013

[11] Vgl. Europäische Kommission, 2014d; IFO, 2013a

[12] Vgl. Europäische Kommission, 2014e

[13] Vgl. Europäische Kommission, 2014f

[14] Vgl. IFO, 2013b

[15] Vgl. FRANCOIS et al., 2013

[16] IFO, 2013c

[17] Vgl. IFO,2013d

[18] Vgl. Süddeutsche Zeitung, 2014; Kolb, 2014

[19] Vgl. IFO, 2013e

[20] Vgl. Felbermayr, et al., 2013, S. 26

[21] Vgl. IFO, 2013f

[22] Vgl. Schmidt, 2004

[23] Vgl. Europäische Kommission,2014g, S.2 f.

[24] Vgl. Europäische Kommission, 2014h

[25] Vgl. Europäische Kommission, 2014i

[26] Vgl. Europäische Kommission, 2014 j

[27] Vgl. Europäische Kommission, 2014k

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen. Erwartete Effekte des TTIP und seine Kontroversen
Autor
Jahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V288508
ISBN (eBook)
9783668285330
ISBN (Buch)
9783668285347
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transatlantische, freihandels-, investitionsabkommen, erwartete, effekte, ttip, kontroversen
Arbeit zitieren
Ramona Kaniut (Autor), 2015, Das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen. Erwartete Effekte des TTIP und seine Kontroversen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288508

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