Social Business. Modell, Status in Deutschland und kritische Analyse


Seminararbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Gegenstand der Arbeit
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Thematische Abgrenzung
1.4. Methodik und Überblick über die Arbeit

2. Modell des Social Business
2.1. Begriffsabgrenzung Social Business
2.2. Zum Gründer Muhammad Yunus
2.3. Entstehung des Social Business
2.4. Inhalte des Social Business
2.5. Ziele und Vorteile des Social Business
2.5.1 Ziele des Social Business
2.5.2 Vorteile des Social Business

3. Status Quo in Deutschland

4. Kritische Betrachtung des Ansatzes
4.1. Betrachtung aus Sicht der Humanistischen Psychologie
4.2. Betrachtung aus Sicht der Verhaltenspsychologie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Muhammad Yunus (Moralheroes.org, 2010)

Abb. 2: BASF Grameen Ltd. (The Grameen Creative Lab: BASF Grameen Ltd., o.J.)

Abb. 3: S-O-R-Modell (Graap 2013: 51)

1. Einleitung

1.1. Gegenstand der Arbeit

„Erst muss ich mich finden, um Dir begegnen zu können.

Ich und Du, das sind die Grundlagen zum Wir, und nur gemeinsam können wir das Leben in der Welt menschlicher machen.“[1]

Seit Beginn der Menschheit geht es um Macht. In der heutigen Zeit wird diese Macht vor allem durch Geld ausgedrückt. Dieses Denken hat sich auch in der Unternehmenspolitik durchgesetzt; Firmen sind oftmals nur auf Profit und hohe Gewinne aus. Verluste sind eine Tatsache, soziale Aspekte werden im Geschäftsbetrieb vernachlässigt, die Umwelt wird verschmutzt. Nicht jedoch im neuen Geschäftsmodell des „Social Business“, das seinen Fokus auf die Lösung sozialer Probleme legt. In dieser Seminararbeit soll dieser Ansatz der Unternehmensführung behandelt werden.

1.2. Zielsetzung der Arbeit

Obwohl das Modell des Social Business an Bekanntheit gewinnt, ist es noch nicht als Alternative zu konventionellen Unternehmen in das Bewusstsein der Menschen vorgedrungen. Diese Arbeit soll das Konzept des Social Business anhand seiner Entstehung, der Inhalte, Ziele und Vorteile erläutern. Zudem sollen die bisherigen Aktivitäten in der Bundesrepublik Deutschland aufgezeigt werden. In der kritischen Betrachtung soll vor allem auf die Sichtweise der Humanistischen Psychologie und des Behaviorismus eingegangen werden. Ziel ist, das Modell des Social Business als Alternative zu kommerziellen Unternehmen zu präsentieren.

1.3. Thematische Abgrenzung

Über das Thema Social Business wird ein grober Gesamtüberblick mit den wichtigsten Informationen gegeben. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, werden rechtliche Rahmenbedingungen und detaillierte Schritte zur Gründung eines solchen Unternehmens vernachlässigt. Auch öffentliche Kritikpunkte und Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Inbetriebnahme einer derartigen Unternehmung werden größtenteils beiseitegelassen.

Aus Mangel an Veröffentlichungen bezüglich der Entwicklungen in Deutschland werden nur einzelne Beispiele zur Verdeutlichung der Aktualität in der Bundesrepublik beleuchtet. Die kritische Betrachtung des Ansatzes beschäftigt sich gezielt mit ausgewählten Theorien aus der Verhaltens- und der Humanistischen Psychologie.

1.4. Methodik und Überblick über die Arbeit

Als entscheidende Grundlage für die Erläuterung des Modells diente das Buch des Gründers Muhammad Yunus, „Building Social Business“. Auch die Online-Auftritte einiger Social Business Institutionen stellten informationsreiche Quellen dar. Die daraus gesammelten Daten wurden nach ihrer Relevanz gefiltert und nach einer neuen Gliederung der Themen strukturiert. Beispiele aus den genannten Quellen wurden detaillierter auf deren Internetseiten recherchiert. Zur kritischen Betrachtung des Ansatzes wurden die vorlesungsbegleitenden Unterlagen der Grundlagen der Wirtschaftspsychologie hinzugezogen. Ergänzt wurden die Ausarbeitungen durch eigene Überlegungen der Verfasserin dieser Arbeit.

2. Modell des Social Business

2.1. Begriffsabgrenzung Social Business

Social Business bezeichnet das Konzept von Muhammad Yunus, des Gründers dieser Idee. Dabei ist es von Begriffen wie „social enterprise“ (sozialer Betrieb), „social entrepreneurship“ (soziales Unternehmertum) und „socially responsible business“ (sozial verantwortliches Unternehmen), welche eine Auswahl an gewinnmaximierenden Unternehmen beschreiben, abzugrenzen. Generell muss ein Social Business sowohl von den traditionellen Unternehmen mit Fokus auf Gewinnmaximierung als auch von gemeinnützigen, nicht-kommerziellen Unternehmungen, wie Wohltätigkeitsorganisationen, unterschieden werden.[2]

2.2. Zum Gründer Muhammad Yunus

Muhammad Yunus (Abb. 1) wurde 1940 in Bangladesch geboren.[3] Er studierte an der Dhaka University und erhielt nach seinem Abschluss ein Fulbright Stipendium, das ihm ein Studium an der Vanderbilt University in Nashville, USA, ermöglichte. Dort erhielt er im Jahre 1969 seinen „Ph.D.“[4] (höchster Abschluss des Postgraduiertenstudiums[5] ) und war im darauffolgenden Jahr an der Middle Tennessee State University als Assistenzprofessor im Bereich Wirtschaft tätig. Nach seiner Rückkehr nach Bangladesch wurde er im Jahr 1972 Leiter der Wirtschaftsabteilung der Chittagong University.[6]

Abb. 1: Muhammad Yunus (Moralheroes.org, 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1976 gründete Yunus die Grameen Bank[7], auf die im Verlauf der Arbeit noch detaillierter eingegangen wird. Mit dem Friedensnobelpreis, der „zu gleichen Teilen an Yunus und die Grameen-Bank“[8] vergeben wurde, wurden seine Bemühungen um „die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“[9] gewürdigt.

2.3. Entstehung des Social Business

Der erste Anreiz für die Entstehung des Social Business-Konzepts entstand bei der Begegnung Yunus‘ mit einer stark verschuldeten Frau nach dem Befreiungskrieg in Bangladesch. Diese hatte von einem Geldverleiher und Händler umgerechnet 7 US Cents geliehen, um sich Bambus für die Fertigung von Stühlen zu kaufen. Bedingung für diese Anleihe war jedoch nicht nur ein sehr hoher Zinssatz von 10%, sondern auch das Einverständnis, dem Händler alle ihre Produkte zu einem von ihm festgelegten Preis zu verkaufen. Um die Tragweite dieser Anleihen zu verstehen, erstellte Yunus eine Liste mit allen Personen, die mit diesen Händlern Leihgeschäfte eingegangen waren. Nach Abschluss seiner Befragungen ergaben sich 42 Personen, die insgesamt einen Betrag von umgerechnet 27 US Dollar geliehen hatten.

Yunus verwendete seine eigenen Mittel, um deren Schulden zu begleichen und die Kredite zurückzuzahlen. Der Grundgedanke des Social Business entstand in Bezug auf die Freude, die er dadurch bei diesen Personen hervorrief: „Wenn diese kleine Tat so viele Menschen so glücklich macht, wieso sollte ich nicht mehr davon tun?“

Seine ersten Bemühungen in diese Richtung bestanden aus Überzeugungsversuchen den lokalen Banken gegenüber[10], um diese zu Kreditvergaben an Arme[11] zu bewegen. Diese blieben jedoch erfolglos, da sämtliche Bank-Manager die Armen als nicht kreditwürdig ansahen. Erst als Yunus sich als Bürge für diese Kredite anbot, stimmten die Banken zu und verliehen geringe Geldbeträge an die Betreffenden. Er ermöglichte ihnen zudem, dass sie ihre Schulden in kleinen, wöchentlichen Summen abbezahlen konnten und ein Bankbeamter sie in den Dörfern besuchte, um ihnen den Weg in die Stadt zu ersparen. Seine Idee ging auf und die Dorfbewohner zahlten Ihre Schulden pünktlich zurück.

Doch bei dem Versuch, dieses Konzept zu expandieren, stieß Yunus immer wieder auf Schwierigkeiten mit den lokal ansässigen Banken. Dies verleitete ihn letztendlich dazu, seine eigene Bank – die Grameen Bank (übersetzt: Bank des Dorfes) – zu gründen, die nur für die Armen agieren sollte. Somit entstand das erste Social Business in Bangladesch.[12]

2.4. Inhalte des Social Business

Generell gilt es, zwei verschiedene Arten von Social Business zu unterscheiden. Bei der ersten Kategorie handelt es sich um ein Unternehmen[13], das sich der Lösung eines oder mehrerer sozialer Probleme[14] widmet, wobei die Investoren alle Gewinne in die Expansion und Verbesserung dieses Unternehmens reinvestieren. Das bedeutet, dass zu keiner Zeit Dividenden ausgezahlt werden.[15] Ein Beispiel hierfür ist das Joint Venture Grameen Danone zwischen Muhammad Yunus und dem französischen Lebensmittelproduzenten Groupe Danone. Das daraus entstandene Social Business verkauft in Bangladesch spezielle Joghurts mit allen nötigen Inhaltsstoffen wie Vitaminen und Kalzium, die einer Mangelernährung entgegenwirken sollen. Diese stellt vor allem in ländlichen Gegenden ein großes Problem dar, die Hälfte aller Kinder in Bangladesch ist von einer Unterernährung betroffen. Der Joghurt wird zu einem für die Armen erschwinglichen Preis angeboten, die Inhaber erhalten keine Dividenden oder sonstige Gewinnausschüttungen und investieren die Überschüsse in die Entwicklung neuer Joghurtsorten bzw. die Expansion in andere Gebiete.[16]

Für diese Art haben Yunus und Hans Reitz, der Leiter des Grameen Creative Lab in Wiesbaden, sieben Prinzipien formuliert, die die Grundlagen für ein Typ I Social Business bilden:

1. Der Zweck des Unternehmens ist, Armut oder eines oder mehrere Probleme (wie Bildung, Gesundheit, Zugang zu Technologie oder Umwelt), die die Menschen und die Gesellschaft gefährden, zu bewältigen. Gewinnmaximierung ist nicht der Zweck.
2. Das Unternehmen erreicht finanzielle und wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
3. Investoren erhalten lediglich den Betrag ihrer Investition zurück. Es werden keine Dividenden über die ursprüngliche Investition gewährt.
4. Bei Rückzahlung des Investitionsbetrags bleibt der Gewinn für Expansionen und Verbesserungen im Unternehmen.
5. Das Unternehmen ist umweltbewusst.
6. Die Belegschaft erhält marktübliche Löhne zu überdurchschnittlichen Arbeitsbedingungen.
7. Mach‘ es mit Freude!!

Diese Prinzipien dienen als Prüfstein und ständige Erinnerung an die Werte der Social Business-Idee.[17]

Die zweite Kategorie besteht aus konventionellen Unternehmen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, deren Inhaber jedoch arme Personen – entweder direkt oder durch einen Fonds mit sozialem Fokus – sind. Da Gewinne, die an Arme ausgeschüttet werden, Armut lindern, hilft diese Art der Unternehmung ebenfalls bei der Beseitigung eines sozialen Problems. Die bereits erwähnte Grameen Bank, die an ihre mittellosen Kunden und Kontoinhaber Mikrokredite vergibt, ist ein Beispiel für diese Variante des Social Business.[18]

Yunus betont in seinem Buch „Building Social Business“ immer wieder, dass sich Tätigkeiten in einem konventionellen Unternehmen und Aktivitäten zur Förderung der Social Business-Bewegung nicht ausschließen. Social Business bedeutet nicht, dass man als Inhaber seinen bisherigen Betrieb aufgeben oder konvertieren muss, es bietet lediglich die Möglichkeit, einen signifikanten Beitrag zur Lösung eines oder mehrerer Probleme zu leisten. Die Entscheidung liegt beim Einzelnen selbst, niemand wird verurteilt, wenn er den traditionellen Weg einer kommerziellen Laufbahn wählt.[19]

Zudem sind die Neugründung oder die Umwandlung eines bestehenden Unternehmens in ein Social Business (Social Business Erschaffer) nicht die einzigen Methoden, sich einzubringen. Ein Social Business Beeinflusser schafft durch Sponsoring existierender Veranstaltungen oder die Entwicklung neuer Veranstaltungsformate Bewusstsein für die Idee. Der Social Business Inkubator generiert neue Ideen und unterstützt Neugründer, wohingegen ein Social Business Unterstützer die gesamte Bewegung durch Ressourcen, wie Investitionen, fördert.[20]

2.5. Ziele und Vorteile des Social Business

2.5.1 Ziele des Social Business

Das offensichtlichste und primäre Ziel dieses Konzepts wird bereits durch seinen Namen definiert. Social Business – ein Unternehmen das sich der Lösung von sozialen Problemen widmet. Bei diesen Problemen kann es sich, wie unter 2.4. kurz erwähnt, um jegliche Art von sozialer, ökonomischer oder ökologischer Problematik handeln, die eine Gefahr für die Menschen oder die Umwelt darstellt.[21]

[...]


[1] Perls 1980: 11

[2] Vgl. Yunus 2010: 1

[3] Vgl. Yunus Centre [online] 2011. [Zugriff am 11.05.2014]

[4] Vgl. The Nobel Foundation [online] 2013. [Zugriff am 11.05.2014]

[5] Vgl. The Free Dictionary [online] 2003-2012. [Zugriff am 11.05.2014]

[6] Vgl. The Nobel Foundation [online] 2013. [Zugriff am 11.05.2014]

[7] Vgl. Yunus 2010: ix

[8] Spiegel Online [online] 13.10.2006. [Zugriff am 11.05.2014]

[9] Spiegel Online [online] 13.10.2006. [Zugriff am 11.05.2014]

[10] Vgl. Yunus 2010: vii-x

[11] Personen, die von 1 US Dollar oder weniger pro Tag leben (vgl. Santa Clara University [online], 2014. [Zugriff am 22.05.2014])

[12] Vgl. Yunus 2010: vii-x

[13] Vgl. Yunus 2010: 1

[14] Probleme wie Armut, Hunger, Krankheit, Gesundheitswesen, Arbeitslosigkeit, Waisenkinder, Drogen, Obdachlosigkeit, Umweltverschmutzung, usw. (vgl. Yunus 2010: 59)

[15] Vgl. Yunus 2010: 1

[16] Vgl. Yunus 2010: 34 f.

[17] Vgl. Yunus 2010: 2 f.

[18] Vgl. Yunus 2010: 2

[19] Vgl. Yunus 2010: 12f.

[20] Vgl. The Grameen Creative Lab: Companies and Social Business [online] o.J. [Zugriff am 29.05.2014]

[21] Vgl. Yunus 2010: vii

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Social Business. Modell, Status in Deutschland und kritische Analyse
Hochschule
Technische Hochschule Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V288663
ISBN (eBook)
9783656890157
ISBN (Buch)
9783656890164
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Business, Yunus
Arbeit zitieren
Simona Meyer (Autor), 2014, Social Business. Modell, Status in Deutschland und kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288663

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