Formen baulicher Aufwertung und deren Folgen am ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof

Touristische Potenziale


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff Gentrifizierung

3 Gentrifizierung in Berlin

4 Ausgangssituation Flughafen Berlin- Tempelhof

5 Entwicklungen seit dem Jahr 2008

6 Befürchtungen der Anwohner

7 Entwicklungspotenziale

8 Aktuelle und geplante Nutzung

9 Ausblick

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bebauung, Umgestaltung und Nutzung des Geländes des ehemaligen Stadtflughafens Berlin Tempelhof wurde in den vergangenen Jahren in einer breiten öffentlichen Diskussion erörtert und ist weiterhin ein Streitthema zwischen Wirtschaftsinteressenten, Politik und Bevölkerung. Die einmalige Situation, eine große Freifläche mitten im Stadtgebiet Berlins neu gestalten zu können, bietet vielfältige Möglichkeiten und ist eine einzigartige Gelegenheit für Stadtplaner kreatives Potenzial zu entfalten. Einige Anwohner fürchten jedoch Prozesse der Gentrifizierung in Tempelhof, aufgrund der Erfahrungen von anderen Stadtteilen Berlins, und wollen negative Folgen verhindern. Die Bedeutung von Gentrifizierung im Allgemeinen und die Entwicklung der Gentrifizierung in Berlin sollen in Kapitel 1 und 2 behandelt werden. Um die aktuellen Prozesse zu verstehen wird in Kapitel 3 die historische Ausgangssituation des Flughafengeländes erklärt um anschließend in Kapitel 4 die Entwicklungen seit dem Jahr 2008, dem Zeitpunkt der Stilllegung des Flugverkehrs, zu erläutern. Durch diese Entwicklungen entstehen Sorgen bei den Anwohnern, die in Kapitel 5 diskutiert werden. In dieser Arbeit sollen besonders die Potenziale (Kapitel 6), die dieses Gelände bietet, und die aktuellen und zukünftigen Nutzungsformen (Kapitel 7) betrachtet werden. Abgerundet werden die Betrachtungen durch einen Ausblick in die Zukunft in Kapitel 8.

Durch die Aktualität der Geschehnisse ist das Tempelhofer Feld in der Wissenschaft noch kaum behandelt worden und bietet somit ein besonders spannendes Forschungsobjekt.

2 Der Begriff Gentrifizierung

Gentrifizierung ist ein Prozess, durch den ein Stadtteil in seinem Charakter grundlegend verändert wird. Die Umstrukturierung eines Stadtteils hat – wie auch das im Folgenden behandelte Beispiel Berlin Tempelhof zeigt –positive wie negative Folgen. Dies wird auch in den Begriffsdefinitionen deutlich.

Der Begriff „Gentrifizierung“ wurde erstmals von der Soziologin Ruth Glass im Jahr 1964 in Bezug auf Stadtteile in London beschrieben: „One by one, many of the working class quarters of London have been invaded by the middle classes - upper and lower – shabby modest mews and cottages [...] have been taken over when their leases expired, and have become elegant, expensive residences. Larger Victorian houses, downgraded in an earlier or recent period - which were used as lodging houses or were otherwise in multiple occupation - have been upgraded once again” (GLASS 1964, S.18). Nach Glass beinhaltet der Prozess der Gentrifizierung also einerseits einen sozialen Wandel durch die Verdrängung von sozial und ökonomisch schwächer gestellten bzw. Arbeiterschichten durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten und andererseits einen baulichen Wandel durch Aufwertung renovierungsbedürftiger zu hochwertigeren Gebäuden.

Diese beiden Prozesse sind auch der Inhalt aktuellerer Definitionen, unterschiedlich ist jedoch die Zuordnung von Ursache und Wirkung.

Häußermann beschreibt Gentrifizierung als „die bauliche Aufwertung eines Quartiers mit nachfolgenden sozialen Veränderungen […], die in der Verdrängung einer statusniedrigen sozialen Schicht durch eine höhere resultiert“ (HÄUßERMANN 2008, S.242). Hier ist die bauliche Aufwertung die Ursache der Veränderungen.

Helbrecht versteht unter Gentrifizierung „einen stadtbezogenen Aufwertungsprozess, der auf der Verdrängung unterer Einkommensgruppen durch den Zuzug wohlhabenderer Schichten basiert und zu Qualitätsverbesserungen im Gebäudebestand führt“ und sieht somit den sozialen Wandel als Ursache des Gentrifizierungsprozesses (HELBRECHT 1996, S.2).

Um die Ursache und Wirkung der Gentrifizierung besser zu verstehen, ist es sinnvoll die verschiedenen Phasen des Prozesses und die Entwicklung in der Stadt Berlin zu beleuchten.

3 Gentrifizierung in Berlin

Gentrifizierung ist keine sprunghafte Änderung des Ist- Zustands, sondern ein Prozess, der aus vier bis fünf Phasen besteht, deren Übergänge fließend sind (vgl. BORSDORF u. BENDER 2010 S. 220f; KRAJEWSKI 2006 S.48).

Berlin nimmt im Bezug auf die städtebauliche Entwicklung und somit auch auf die Ausmaße der Gentrifizierung im internationalen Vergleich eine Sonderstellung ein. Die jahrzehntelange Trennung der Stadt und die in vielen innenstadtnahen Vierteln heruntergekommene und renovierungsbedürftige Bausubstanz nach der Wiedervereinigung, war die Grundlage, damit der Prozess der Gentrifizierung beginnen konnte. Diese Gebiete Berlins waren Mitte der 1990er Jahre zu „Europas größtem Sanierungsgebiet“ erklärt worden (Holm 2006, S.12). Die Miete war gering und die Wohnlage durch Leerstände aufgrund von Unbewohnbarkeit geprägt (vgl. FRIEDRICHS 1996, S.14). Hier setzt die erste Phase der Gentrifizierung, bzw. des doppelten Invasions-Sukzessionszyklus ein (vgl. Dangschat 1988, S. 280f). Die von der Forschung als Pioniere bezeichneten Studenten, Künstler und Kreative ziehen in die Häuser, da sie die niedrigen Mieten und die zentrale Lage schätzen. Diese Gruppen gelten als risikofreudig und aktiv und haben die Fähigkeiten durch ihr gestalterisches Potenzial die Viertel aufzuwerten (vgl. BLASIUS 1990, S.37). Diese Aufwertung prägt besonders die zweite Phase, in der die passende Infrastruktur, wie Bars, Cafés, Galerien, etc., geschaffen wird und weitere Pioniere zuziehen. Häufig werden in Eigenregie Häuser in den Innenräumen renoviert und die Fassade bemalt. Es entsteht eine Stimmung, die ein positives und anziehendes Image eines Szeneviertels ausstrahlt (vgl. Holm, 2012, S.663). Davon ausgehend zieht in den Phasen drei und vier eine weitere Gruppe, die sogenannten Gentrifier in das Viertel. Es kommt zur „eigentlichen Gentrifikation“ (Krajewski, 2006, S.48). Gentrifier haben ein höheres ökonomisches Potenzial als die Pioniere, haben einen hohen Bildungsstand und sind überwiegend vollzeitbeschäftigt (vgl. ALISCH et al. 1996, S.106 u. ZEHNER 2001, S.145f). Investoren des Immobilienmarkts sehen das Potenzial, dass diese, in der Anzahl stetig steigende Gruppe, mehr Kapital für Wohnen ausgeben kann. Die Bausubstanz wird vermehrt aufgewertet, mit der Folge, dass die Mieten steigen. Die ursprüngliche Bevölkerung des Viertels ist nicht mehr in der Lage diese Kosten zu tragen und wird in der Regel verdrängt, in Gebiete in denen die Gentrifizierung noch nicht weit fortgeschritten ist (vgl. BLASIUS 1990, S.38). In Phase fünf ziehen weitere Gentrifier in das Viertel und die Mieten steigen weiter an. Das Image des Viertels wandelt sich weiter zum Positiven, bis hin zu dem eines attraktiven Szeneviertels (vgl. Krajewski 2006, S.48).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gentrifizierungsspirale in Berlin 1

Quelle: http://gentrificationblog.wordpress.com

Nach Alban und Holm begann die Welle der Gentrifizierung in Berlin im Stadtteil Kreuzberg 1987 und setzt sich spiralförmig in den innenstadtnahen Vierteln fort. Nach der Wende, also „nach 1989 boten zunächst die Bezirke Mitte und Prenzlauer Berg die Gelegenheit, günstig eine Wohnung zu mieten und in den zu DDR-Zeiten vernachlässigten Altbauten eigene Ideen auch mit geringen ökonomischen Mitteln zu verwirklichen“ (Meth 2004, S. 34). 2007 begann in Neukölln, dem an Tempelhof angrenzenden Bezirk die Gentrifizierung. Verfolgt man den Pfeil und die fortschreitenden Jahreszahlen der Grafik gedanklich weiter, so endet er im Stadtteil Tempelhof. Wie in den folgenden Kapiteln 4 und 5 beschrieben, änderten sich in den Jahren 2008 und 2010 die lokalen Begebenheiten in Tempelhof, sodass dort der Beginn einer Gentrifizierung möglich wurde. Tempelhof ist demnach in einer der ersten Phase der Gentrifizierung, stellt aber aufgrund der besonderen geographischen Begebenheiten eine Sonderform im Gentrifizierungsprozess dar.

Um die aktuellen Prozesse in diesem Viertel zu verstehen, ist es nötig die historische Ausgangslage und die Infrastruktur im Folgenden näher zu untersuchen.

4 Ausgangssituation Flughafen Berlin- Tempelhof

Der Stadtteil Berlin Tempelhof, der 2001 im Zuge einer Verwaltungsreform mit dem Stadtteil Schöneberg zum Stadtteil Tempelhof-Schöneberg fusioniert ist, liegt südlich des Berliner Stadtzentrums. Prägend für das Erscheinungsbild, das Selbstverständnis und das öffentliche Interesse ist der ehemalige Flughafen Berlin- Tempelhof, wie in Abbildung 2 zu erkennen ist.

Der Flugbetrieb in Tempelhof begann 1923 nach der Eröffnung des ersten Flugfelds. Das Nazi- Regime wollte hier Europas größtes Flugdrehkreuz errichten und erweiterte zwischen 1936 und 1941 das Gelände in diesem Sinne durch monumentale Bauten, wie z.B. das Flughafengebäude, die Abfertigungshalle, die Flugsteighalle, etc. (vgl. BERLINONLINE 2013). Berühmtheit erlangte der Flughafen besonders durch die Errichtung einer Luftbrücke in den Jahren 1948 und 1949, als der Landweg zum Stadtteil Westberlin durch die sowjetische Besatzungsmacht abgeschnitten wurde und die Versorgung der Menschen durch Flugzeuge aufrecht erhalten werden musste. Berlin- Tempelhof war dabei das wichtigste Drehkreuz (vgl. TEMPELHOFER FREIHEIT 2012).

Der Flugverkehr in Tempelhof wurde zunächst 1975 zugunsten des neu erbauten Flughafens Berlin Tegel eingestellt, jedoch 1985 für Geschäftsverkehr und Gesellschaften mit kleineren Flugzeugen wiedereröffnet, bis er im Jahr 2008 eingestellt wurde und der Flughafen am 30. Oktober endgültig geschlossen wurde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Formen baulicher Aufwertung und deren Folgen am ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof
Untertitel
Touristische Potenziale
Hochschule
Universität Passau  (Geographie)
Veranstaltung
Regionale wirtschaftliche Potenziale
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V288759
ISBN (eBook)
9783656890690
ISBN (Buch)
9783656890706
Dateigröße
1022 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berlin, Tempelhof, Potenzial, Potenziale, Raumgestaltung, Gentrifizierung, Tourismus, raumplanung, flughafen, Tempelhofer Feld
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Formen baulicher Aufwertung und deren Folgen am ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288759

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