Unter Criminal Profiling versteht man die Zusammenstellung von möglichen Persönlichkeitsmerkmalen, Verhaltensauffälligkeiten und Lebensumstände eines unbekannten Täters auf Grund genauer Analyse der Tatortspuren, sowie weiterer kriminalistischer und viktimiologischer Erhebungen (Meyer 2002).
Nicht zuletzt die in jüngster Verhangenheit erfolgreich lancierten Kinofilme „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und TV-Serien wie beispielsweise „Profilier“ und „Das FBI ermittelt“ haben zu einem wahren Boom des Phänomens „Profiling“ beigetragen. Der ermittelnde „Profiler“ wird in den populärwissenschaftlichen Beiträgen sehr häufig als eine Art Wahrsager dargestellt, welcher scheinbar mittels hellseherischer Eingebung aus minimalen Tatortspuren eine nahezu perfekte Rekonstruktion des Geschehens inklusive einer detaillierten Täterbeschreibung erstellen kann.
Doch was steckt hinter dem mystischen Schleier dieser hellseherisch anmutenden Ermittler? Welche konkreten Vorgehensweisen und Instrumente werden verwendet? Wie valid und reliabel sind die Methoden?
Diese Arbeit liefert zunächst einen historischen Abriss über die Entwicklung dieser noch jungen Disziplin.
Im weiteren Verlauf soll das Criminal Profiling definiert werden und ein Überblick über Ziele, Anwendungsgebiete, theoretische Prämissen und Aspekte wie das Tatortverhalten oder die Täterhandschrift gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG
2.1. Die ViCLAS-Datenbank
2.2. Europäische Entwicklungen
3. CRIMINAL PROFILING
3.1. Definitionen und Ziele
3.2. Anwendungsgebiete
3.3. Theoretische Prämissen
3.4. Tatortverhalten
3.5. Modus Operandi.
3.6. Täterhandschrift
3.7. Inszenierung des Tatorts
3.8. Profiling Prozess
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Disziplin des Criminal Profiling wissenschaftlich fundiert einzuordnen, ihre historischen Wurzeln zu beleuchten und zentrale Methoden sowie Anwendungsbereiche der Fallanalyse zu definieren, um das populärwissenschaftlich verzerrte Bild des „hellseherischen Profilers“ durch faktenbasierte Ansätze zu ersetzen.
- Historische Entwicklung der Täterprofilerstellung in den USA und Europa
- Definitionen, Ziele und grundlegende Anwendungsgebiete des Criminal Profiling
- Erörterung theoretischer Prämissen und die Bedeutung des Tatortverhaltens
- Unterscheidung und Analyse von Modus Operandi und Täterhandschrift
- Strukturierung und Darstellung des methodischen Profiling-Prozesses
Auszug aus dem Buch
3.4. Tatortverhalten
Zentrales Element des Profiling ist der Rückschluss von Täterverhalten auf Täterpersönlichkeit (Täterprofil). Das Verhalten des Täters spiegelt sich in den drei Elementen „Modus Operandi“, „Täterhandschrift“ und „Inszenierung des Tatortes“ wider (Turvey 1999).
2.5. Modus Operandi
Der Modus Operandi beschreibt den Tatablauf samt Durchführung und Planung. Er liefert den Ermittlern wichtige Informationen über das Verhalten und somit indirekt über die Persönlichkeitszüge des Täters (Douglas 1992). Er ermöglicht den Ermittlern die Hypothesengenerierung, weshalb ausgerechnet dieser Modus angewendet wurde. Dennoch muss beachtet werden, dass der Modus Operandi gerade bei Serientätern nicht konstant ist. Er wird beeinflusst durch das Opferverhalten, die örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten und nicht zuletzt wird die wiederholte Tatbegehung eines Verbrechers aufgrund eines Lernprozesses „perfektioniert“ und somit modifiziert (Douglas 1992). Der Modus Operandi ist somit ein dynamischer Prozess und orientiert sich vorwiegend an pragmatischen Überlegungen des Täters (Erreichen des Ziels, Geheimhaltung der Identität, Flucht). Der Modus Operandi war ursprünglich das einzige Element um Verbindungen zu mehreren Taten zu knüpfen (Turvey 1999).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Begrifflichkeit des Criminal Profiling sowie kritische Distanzierung von der populärkulturellen Darstellung des Profilers als Wahrsager.
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG: Nachzeichnung der Anfänge der Fallanalyse von frühen Ansätzen wie dem Fall Jack the Ripper bis hin zur Etablierung professioneller Strukturen wie der FBI-Abteilung BSU und dem ViCLAS-System.
3. CRIMINAL PROFILING: Detaillierte Darstellung der Kernkomponenten der Disziplin, einschließlich der theoretischen Basisannahmen und der methodischen Unterscheidung zwischen verschiedenen Verhaltensweisen des Täters.
Schlüsselwörter
Criminal Profiling, Täterprofil, Fallanalyse, Modus Operandi, Täterhandschrift, Signatur, Behavioral Science Unit, ViCLAS, Serientäter, Tatortanalyse, Kriminalpsychologie, Ermittlungstaktik, Forensik, Verhaltensauffälligkeit, Spurenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man grundsätzlich unter Criminal Profiling?
Criminal Profiling bezeichnet die Methode, aus der detaillierten Analyse von Tatortspuren und weiteren kriminologischen Daten auf die Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster eines unbekannten Täters zu schließen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit behandelt die Historie, die grundlegenden Definitionen, die theoretischen Annahmen sowie die methodischen Elemente des Profiling wie Modus Operandi und Täterhandschrift.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Ziel ist es, die wissenschaftliche Basis des Criminal Profiling aufzuzeigen und ein objektives Verständnis für die Arbeit von Profilern jenseits von Mythen zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär erläutert?
Die Arbeit beschreibt den systematischen Profiling-Prozess, der von der Datensammlung über die Tatortanalyse und Opfereinschätzung bis hin zur Erstellung eines Täterprofils reicht.
Was sind die wichtigsten Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Definition von Zielen, die theoretischen Grundlagen und die detaillierte Analyse der für die Fallanalyse relevanten Täterverhaltensweisen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Zentrale Begriffe sind neben dem Criminal Profiling vor allem die Unterscheidung von Modus Operandi, Täterhandschrift (Signatur) und die Rolle der Tatort-Inszenierung.
Was ist der Unterschied zwischen Modus Operandi und Täterhandschrift?
Der Modus Operandi dient der pragmatischen Tatdurchführung und ist dynamisch, während die Täterhandschrift (Signatur) dem emotionalen Leitmotiv des Täters entspringt und über lange Zeit konstant bleibt.
Wie unterscheidet sich ViCLAS von früheren Systemen?
ViCLAS ist ein flexibles, zweisprachiges System, das neben Mordfällen auch Sexualdelikte erfasst und einen länderübergreifenden, kostenlosen Datenabgleich zur Identifizierung von Serientätern ermöglicht.
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- Dr. phil. Marcel Maier (Author), 2004, Criminal Profiling. Historische Entwicklung, Definition und Anwendungsgebiete, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288773