Die Bedeutung von Goebbels' Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Gleichschaltung der Medien


Seminararbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die freien Medien der Weimarer Republik verlieren ihre Unabhängigkeit

2.Begriffsdefinitionen
2.1. Volksaufklärung und Propaganda
2.2. Gleichschaltung

3. Zur Person Joseph Goebbels
3.1. Goebbels vor 1933: Vom Studenten zum Journalisten
3.2. Goebbels‘ Rolle bei den Nationalsozialisten
3.3. Propagandaminister Goebbels

4. Die systematische Gleichschaltung der Medien und die Bedeutung für die Me- diennutzer in der Zeit des Nationalsozialismus
4.1. Die Methoden des NS-Regimes zur Gleichschaltung der Medien
4.2. Die Institutionen zur Gleichschaltung der Presse und Kultur in der NS-Zeit
4.3. Auswirkungen auf die Medien und deren Nutzer
4.3.1 Zeitungen und Zeitschriften
4.3.2 Radio und Musik
4.3.3 Fernsehen und (Film-)Theater
4.3.4 Literatur

5. Die Bedeutung und Folgen für Journalisten, Autoren und Künstler
5.1 Regimetreue Autoren und Künstler
5.2 Non-konforme Autoren und Künstler

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Die freien Medien der Weimarer Republik verlieren ihre Unabhängigkeit

Die Verfassung der Weimarer Republik sicherte den Deutschen das Recht, ihre freie Meinung äu- ßern zu dürfen. Dies war die Grundlage für eine freie Presse. Im Zuge der technischen Weiterent- wicklung trat neben den Zeitungen und Zeitschriften nach und nach auch der Rundfunk in den Vor- dergrund.

„In gewisser Weise war dieser Radioempfang ein weiterer Ausdruck der Emanzipation von Raum und Zeit einer sich herausbildenden Massengesellschaft, und folgerichtig bedienten die in der Wei- marer Republik agierenden, im übrigen (sic!) privaten Sendegesellschaften in Information, Kultur und Unterhaltung breite Interessen, meist im übrigen (sic!) in dem bis in die fünfziger Jahre üblichen Gemeinschaftsempfang vor dem Radio und später vor dem Fernsehapparat.“1

Diese Massenmedien der Weimarer Republik allerdings waren auch einer gewissen Einflussnahme durch Herrschaftsstrukturen unterworfen.2 Im Vergleich zu dem, was unter den Nationalsozialisten folgen sollte, war diese Einflussnahme jedoch gering.

Durch die Verordnung zum „Schutz von Volk und Staat“ am 28. Februar 1933, also etwa einen Mo- nat nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler, wurden diese Rechte eingeschränkt:

„Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reiches werden bis auf weiteres ausser (sic!) Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäusserung (sic!), einschliesslich (sic!) der Pressefreiheit, […] auch ausserhalb (sic!) der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig.“3

Dies kann wohl als Grundstein für das verstanden werden, was im Laufe der NS-Herrschaft folgen sollte: die Gleichschaltung der Medien.

Eine bedeutende Persönlichkeit des NS-Regimes und mitverantwortlich für die Gleichschaltung war Joseph Goebbels. Um sein Vorgehen als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda besser verstehen zu können, ist ein Blick auf seinen Lebenslauf hilfreich. Denn nicht nur, dass er vor allem durch seine eigene Arbeitslosigkeit zur NSDAP gefunden hatte, sondern auch eine körperliche Be- hinderung kann wohl als ausschlaggebend für das Karrierestreben gedeutet werden. Darüber hin- aus kannte sich der promovierte Germanist in Sachen Medien aus, schließlich schrieb er selbst für Zeitungen, wenn auch nicht immer erfolgreich.

2.Begriffsdefinitionen

2.1. Volksaufklärung und Propaganda

„Die Propaganda war neben Gewalt und Terror eines der wichtigsten Herrschaftsinstrumente der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945.“4 Doch was versteht man unter Propa- ganda? „Mit dem Begriff Propaganda werden Formen der Massenkommunikation umschrieben, die darauf abzielen, die Einstellungen, Werthaltungen und Meinungen des Zielpublikums zu beeinflussen. Heute wird der Begriff negativ mit gelenkter politischer Kommunikation in Verbindung gebracht.“5 Im Falle des NS-Regimes kann allerdings nicht von einer einheitlichen Ideologie ausgegangen wer- den, die propagiert worden war, vielmehr sammelte die NS-Ideologie in sich die Ablehnung gegen den Bolschewismus und Marxismus auf der einen Seite und die Gegnerschaft zum demokratisch- parlamentarischen Kapitalismus auf der anderen Seite.6 Volksaufklärung ist hier als ein für den Nationalsozialismus typischer Euphemismus für Propaganda zu verstehen. Allerdings wurde der Begriff bereits im 18. Jahrhundert verwendet:

„Die Inhalte, die bis dato für die Aufklärung der Gebildeten maßgeblich waren, sollten nun an sämtliche Teile der Bevölkerung weitergegeben werden, also auch an die ländlichen und städtischen Unterschichten. […] Das ‚Volk‘ und speziell der Bauer wurde, anders als in früheren Zeiten, mit großer Sympathie und Anteilnahme betrachtet, wenngleich auch – insbesondere in der späteren Volksaufklärung durchaus von oben herab.“7

Die Nationalsozialisten sahen sich also offenbar in der Rolle der Aufklärer und verbreiteten ihre Ideologie von oben herab im deutschen Volk.

2.2. Gleichschaltung

Bei „Gleichschaltung“ handelt es sich um einen Begriff, der im Nationalsozialismus entstanden ist. Geprägt wurde der Begriff durch den in der Weimarer Republik bayerischen und späteren Reichsjustizminister Franz Gürtner.8 Erstmals tauchte er in zwei Gesetzen im Jahre 1933 schriftlich auf.

„Beide zielten, die Befugnisse ausnutzend, welche die Reichsregierung durch das Ermächtigungsgesetzerhalten hatte, auf Länderebene auf die politische Ausschaltung aller Minister, Abgeordneten und höheren Staatsbeamten, die nicht der NSDAP oder der DNVP angehörten. […] Der Begriff G[leichschaltung] erfuhr im folgenden (sic!) eine Ausweitung. Er wurde auf verschiedenste Maß- nahmen und Schritte angewendet, mit denen Institutionen und Organisationen der neuen Macht und deren Regierungs- und Herrschaftsprinzipien eingepaßt (sic!) wurden oder sich auch selbst ‚gleichschalteten‘.“9

3. Zur Person Joseph Goebbels

„Joseph Goebbels ist oft als zynischer, teuflisch begabter Propagandatechniker beschrieben wor- den, als der dunkle Reklamefürst totalitärer Politik. Neuere Forschungen haben dieses Bild um eine wichtige Dimension ergänzt: Goebbels war extremer Typus einer Generation, die sich auf die Suche nach einer ganzheitlichen politischen Religion begeben hatte.“10

1897 kam Paul Joseph Goebbels als drittgeborener Sohn eines Buchhalters im rheinländischen Rheydt zur Welt.11 Dort wuchs er in unauffälliger Umgebung auf. Früh geprägt allerdings hat Goeb- bels ein physisches Leiden: Er hinkte. „Dieser Klumpfuß freilich kann sowohl angeboren, wie auch durch Krankheit, das heißt Knochenmarkentzündung oder Kinderlähmung, entstanden sein.“12

Durch Goebbels‘ Tagebuchaufzeichnungen ist belegt, dass ihm dieser physische Nachteil psychische Probleme bereitet hatte. Misstrauen und Bosheit, aber auch Geltungsbedürfnis gegenüber Frauen und sich selbst gegenüber – trotz seiner Behinderung meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst –prägten vor allem seine jungen Jahre. „[A]ll dies entsprang doch nichts anderem als dem ihm stets bewußten (sic!) und gegenwärtigen Gefühl seines minderen Wertes auf dem einen, körperlichen Gebiet, war ein Versuch des Ausgleichs jener Ungerechtigkeit, mit der gerade ihm unter tausend anderen ein solches Mal aufgedrückt wor- den war.“13

3.1. Goebbels vor 1933: Vom Studenten zum Journalisten

Goebbels studierte viele unterschiedliche Fächer an verschiedenen Orten: unter anderem alte und moderne Geschichte und Literatur an der Universität Würzburg, Kunstgeschichte und römische und griechische Kultur in Freiburg und Musik und Theologie in München.14 Während seiner Studienzeit arbeitete Goebbels als Redner und Schreiber und „nutzte dafür sowohl sein Hintergrundwissen als auch seine literarischen Ambitionen“15. Als Student „stand Goebbels [dem in Deutschland latent vorhandenen Antisemitismus] ablehnend gegenüber, er hielt ihn für übertrieben und beschwerte sich sogar darüber in Briefen und Notizen. […] Radikale Äußerungen sind erstmals für das Jahr 1924 belegt, so dass der Student Goebbels keineswegs als fanatischer Antisemit einzuschätzen ist.“16

Nach seiner Promotion 1922 zum Thema „Wilhelm von Schütz als Dramatiker. Ein Beitrag zur Ge- schichte des Dramas der Romantischen Schule“ in Heidelberg, versuchte sich Goebbels als Autor und Journalist. Dabei musste er jedoch schwierige Zeiten durchleben. Auch – oder gerade – für promovierte Germanisten war die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr schlecht.

„Als es Goebbels nach seiner Promotion nicht gelang, Fuß zu fassen, seine Lage immer aussichtslo- ser zu werden schien und er zu erkennen glaubte, daß (sic!) es eine nicht näher beschreibbare Macht in der Gesellschaft geben mußte (sic!), die sein Vorankommen verhinderte, da sah er zu seinem großen Troste, daß (sic!) es Deutschland – niedergedrückt von Niederlage, ‚Versailler Dik- tat‘, Inflation, Reparationszahlungen, feindlicher Besatzung und materieller Not – ebenso erging. Sein Elend war das Deutschlands, sein Leiden verquickte er mit dem der Nation […] Finstere und böse Kräfte mußten (sic!) am Werke sein und sich gegen Deutschland und Goebbels verschworen haben.“17

Schließlich, nach ersten journalistischen Erfahrungen bei der „Rheydter Zeitung“, einer kleinen Lo- kalzeitung in seiner Heimatstadt, bei der er bereits 1919 erste Artikel veröffentlichen durfte, kam er zur „Westdeutschen Landeszeitung“, musste dann aber aus Geldgründen in der Kölner Filiale der Dresdner Bank als Schreibkraft und Depotbuchhalter arbeiten. 18

„Während seiner Tätigkeit in Köln veränderten sich seine Anschauungen, er wurde ‚Zeuge von Ak- tienmanipulationen und dies festigte seinen Glauben, daß (sic!) der eigentliche Feind der Kapitalis- mus mit seinen verbrecherischen Machenschaften sei.‘ […] Durch seine Erlebnisse kamen erste Ge- danken auf, dass der vom Judentum beherrschte Materialismus die Verkörperung des Bösen sei.“19

Nachdem er nicht mehr bei der Dresdner Bank beschäftigt war, hegte Goebbels zunächst Pläne, eine eigene Zeitung herauszugeben. Realistisch waren diese Pläne jedoch nicht. Ihm fehlte schlicht- weg das nötige Startkapital.20 Während dieser Zeit begannen sich auch die politischen Ansichten Goebbels‘ zu radikalisieren. So verwundert es auch nicht, dass er ab 1924 bei der „Völkischen Frei- heit“ zu schreiben begann.21

„Stilistisch kam die Kampfpresse in lautem, aggressivem Ton und mit Schlagworten daher. Oberstes Gebot der Beiträge war, zu lehren, zu werben, zu überzeugen, zu verteidigen, und Gegner oder Oppositionelle anzugreifen. Nach Art des Gesinnungsjournalismus ging es inhaltlich um die konse- quente Verfechtung weltanschaulicher Positionen und um eine unterhaltsame Belehrung.“22

Die Artikel, die Goebbels in der „Völkischen Freiheit“ veröffentlichte, offenbarten seine politische und weltanschauliche Meinung. Wegen der offenkundigen und immer strikter formulierten Ableh- nung der Konservativen war der Journalist Goebbels aber schon nach einem Jahr für die Zeitung nicht mehr tragbar.23 Nach mehreren Monaten ohne feste Anstellung bekam Goebbels einen Job beim „Völkischen Beobachter“ und schrieb auch immer wieder für die „Deutsche Wochenschau“. Etwas später wurde er auch zum Schriftleiter der „Nationalsozialistischen Briefe“ ernannt. „Goebbels war es, der das Gesicht dieser Zeitschrift geprägt hat – ein Gesicht, das sich erheblich von dem der übrigen Parteipresse unterschied. Hier wurden die Themen wirklich angepackt, auch die heißen Eisen blieben nicht liegen, und in so manches Münchner Fettnäpfchen wurde kurz, aber kräftig hineingetreten. Der langweilige Brei des damals bereits prächtig gedeihenden Parteichine- sisch, all die banalen Wiederholungen ewig gleicher Phrasen, war hier durch Esprit ersetzt.“24

Wie die von Goebbels verfassten Artikel zeigen, erfolgte parallel zu seiner journalistischen Weiterentwicklung eine ideologische Radikalisierung – offenbar zum Leidwesen seines stilistischen Könnes. Zum Teil übernahm er immer mehr die Sprache der NSDAP, er hatte „ideologisch einwandfreie Sprachregelungen übernommen“25.

Von 1927 bis 1933 war er dann Herausgeber von „Der Angriff“, einem NSDAP-Wochenblatt, das sich nach und nach zur Tageszeitung weiterentwickelte. Dort veröffentlichte er vor allem Leitartikel.26

„Seine Hass- und Schimpftiraden richtete er gegen die ‚roten Machenschaften‘ der Biedermänner, die die Volksmoral vergifteten und deren politischer Verrat an der Arbeiterschaft symptomatisch für das deutsche Verhängnis sei.“27

3.2. Goebbels‘ Rolle bei den Nationalsozialisten

Hitler erkannte früh, dass in Goebbels ein Talent steckt, mit Worten Leute zu begeistern: „Er [Hitler] wirbt jetzt um ihn [Goebbels]. Am 8./9. April 1926 hofierte er ihn in München.“28 Und auch Goeb- bels war schon früh von Hitler angetan: „Wird er [Hitler] Nationalist oder Sozialist? […] Davon hängt meine zukünftige Hoffnung ab. Hitler als Führer deutscher Sozialisten! Die Welt gehört uns! Ich hoffe, daß (sic!) es gelingt.“29 Das notierte der Journalist bereits im Sommer 1925. Er war von dem Österreicher Hitler derart begeistert, dass er ihn als Messias des deutschen Volkes ansah und ihn sogar mit sakralen Begriffen zu beschreiben pflegte.30 Doch: War diese Glorifizierung ernst gemeint.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Goebbels' Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Gleichschaltung der Medien
Hochschule
Hochschule für Politik München
Veranstaltung
Medienpolitik und Medienrecht
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V288836
ISBN (eBook)
9783656891543
ISBN (Buch)
9783656891550
Dateigröße
1061 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, goebbels‘, reichsministerium, volksaufklärung, propaganda, gleichschaltung, medien
Arbeit zitieren
Thomas Klotz (Autor), 2013, Die Bedeutung von Goebbels' Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Gleichschaltung der Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288836

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