Störungen und Störungsumgang als Normalität in der interkulturellen Kommunikation


Seminararbeit, 2012

17 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ... 1
2
Spezifische Aspekte der interkulturellen Kommunikation ... 2
3
Handlungsoptionen bei Nichtverstehen ... 4
3.1 Systematische Darstellung nach Liedke ... 4
3.2 Reparaturverfahren ... 6
3.3 Kompensationsstrategien ... 8
4
Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der
interkulturellen Kommunikation ... 9
5
Fazit ... 10
6
Literaturverzeichnis ... 12
7
Anhang ... 13

1
1 Einleitung
Die interkulturelle Kommunikation nimmt eine besondere Stellung in der Kommunika-
tions- und Gesprächsforschung ein. Dies rührt vor allem daher, dass gerade hier Störun-
gen und Probleme in Gesprächen allgegenwärtig und daher charakteristisch sind. Nicht
umsonst bezeichnet Liedke (2002: 158) die Kommunikation zwischen Mutter- und
FremdsprachensprecherInnen als ,,Ort des kommunikativen Mißverständnisses
schlechthin".
Ziel dieser Arbeit soll es sein, prägnante Charakteristika der interkulturellen Kommuni-
kation mit Bezug auf Störungen und den Umgang mit diesen herauszuarbeiten und zu
systematisieren. Hierfür werde ich im ersten Schritt auf allgemeine sprachliche Beson-
derheiten der interkulturellen Kommunikation ­ die sich im Rahmen der Arbeit als rele-
vant erweisen - eingehen. Daraufhin gilt es explizit das Nichtverstehen bzw. die Störun-
gen näher zu betrachten, wobei sowohl eine gängige Systematik von Martina Liedke
(3.1), als auch Reparaturverfahren (3.2) und Kompensationsstrategien (3.3) thematisiert
werden sollen. In Kapitel 4 wird dann als Konsequenz aus den vorangegangenen Be-
trachtungen hinterfragt, inwiefern bessere Voraussetzungen zum Gelingen der mög-
lichst störungsfreien Kommunikation bei den Sprechern und Hörern geschaffen werden
können. In der gesamten Arbeit legt die Transkription ,,Der Unfall" von Liedke (2002:
213 ff.) die textuelle Grundlage zur Behandlung und Anwendung der theoretischen As-
pekte.
Im Verlauf gilt es auf zwei Fragen konsequent Bezug zu nehmen und abschließend dazu
eine Aussage zu treffen. Zum einen muss hinterfragt werden, warum sich besonders die
interkulturelle Kommunikation so störungsanfällig und reparaturbedürftig zeigt. Zum
anderen kann es nur das Ziel sein, immer nach Optimierungsmöglichkeiten der Interak-
tion zu suchen, was ,,kontinuierliche Anstrengung und kommunikative Arbeit" (Fiehler
2002: 7) erfordert. Was für Handlungsoptionen gibt es für die Akteure? Welche Strate-
gien sollten zur Störungsbeseitigung aber auch Störungsprävention verfolgt werden?
Auf diese Fragen möchte ich stetig Bezug nehmen und letztlich auch eine Bewertung
vornehmen.

2
2 Spezifische Aspekte der interkulturellen Kommunikation
Generell weist die linguistische Forschung zur interkulturellen Kommunikation und den
damit einhergehenden Problemen in der Verständigung eine lange Tradition auf (vgl.
Liedke 2002: 198). Dies sorgt dafür, dass viele der nun folgenden Einzelaspekte relativ
gut erforscht sind und bereits Gegenstand früherer Studien und Veröffentlichungen wa-
ren.
1
Ich möchte mich jedoch vor allem an den schon öfter angeführten Aufsatz von
Liedke (2002) halten, da hier meiner Meinung nach in besonderer Art und Weise präg-
nant die wesentlichen und gegenüber anderen Forschungsschwerpunkten konstituieren-
den Faktoren zusammengestellt sind und die durchgeführte Gesprächsanalyse inkl.
Transkription sehr ergiebig ist.
Zunächst hat man sich unbedingt zu vergegenwärtigen, dass interkulturelle Kommuni-
kation aufgrund verschiedener Zugänge quasi zwangsweise problembelastet sein muss.
So wirkt sich der soziokulturelle Hintergrund der Akteure in der Regel immanent auf
den Gesprächsverlauf und vor allem den Verständigungsprozess aus. Eine unterschied-
liche Herkunft und damit verbunden differente Sprachgewohnheiten können nicht ad
hoc überwunden werden. Denn schließlich verfügen die Sprecher bzw. Hörer nicht über
dasselbe gesprächsbezogene Repertoire an Ritualen, Reparaturaktivitäten u.Ä. (vgl. u.a.
Reuter 2002: 269; Egbert 2009: 164). Viel berücksichtigt ist demgemäß auch die soge-
nannte non-verbalen Ebene, die mittlerweile in der interkulturellen Kommunikations-
forschung einen festen Platz eingenommen hat. Wahrlich (2002: 2) spricht sogar davon,
dass das Nonverbale 65 Prozent des kommunikativen Verhaltens ausmache, wodurch
aufgrund der unterschiedlichen Gewohnheiten die Schwierigkeiten in der Kommunika-
tion zwischen kulturell verschiedenstämmigen Dialogpartnern nochmals gesteigert wer-
de (vgl. Wahrlich 2002: 3).
2
Die nicht-sprachlichen Elemente interkultureller Kommu-
nikation sollen im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht tiefgründiger beleuchtet werden,
wenngleich man beim Forschen im entsprechenden Gebiet den enormen Einfluss derer
immer im Blick haben muss.
1
Liedke (2002: 198) gibt einen knappen Überblick über weiterführende Abhandlungen zu den Einzel-
apekten.
2
Bei Wahrlich (2002) finden sich entsprechend auch äußerst interessante Beispiele von kommunikati-
ven Missverständnissen, die in kulturell differierenden nonverbalen Praxen begründet liegen.

3
Auf sprachlicher Ebene lassen sich gleich mehrere Aspekte ausfindig machen. Zualler-
erst muss das Phänomen Interferenz angesprochen werden. Unter Interferenzen sind
nach Liedke (2002: 198) ,,Einflüsse der Erstsprache des Lernenden auf sein kommuni-
katives Handeln in der Fremdsprache, die zu abweichenden Strukturen führen" zu ver-
stehen. In der Transkription lässt sich ein Paradebeispiel für eine Interferenz ausma-
chen. So verwendet die griechisch stämmige Erzählerin slagen für ,,schlagen" (siehe
B4, Fl. 2) synonym für ,,angefahren werden", da beides über denselben Ausdruck im
Griechischen ausgesagt wird. Dadurch wird schon sehr früh ein, auch aufgrund der aus-
bleibenden fremdinitiierten Reparaturen, so nicht überwindbares Verständigungs- und
Verständnisproblem erzeugt. Interferenzen werden also häufig durch unterschiedliche
Wissensbestände gerade vom Wortschatz her erzeugt.
Im angegebenen Beispiel B4 lässt sich auch noch ein anderes Phänomen ausmachen.
Dies betrifft den Ausdruck die (Fl. 2). An der Stelle findet eine Übergeneralisierung
statt. Da die im Deutschen häufig in der Konjugation verwendet wird, nutzt es die Spre-
cherin unverhältnismäßig und fälschlicherweise oft (hohe Erfolgschance). Für die Höre-
rin hat dies jedoch deutlich negative Folgen, weil sie nun rekonstruieren muss, auf was
oder wen sich die eigentlich bezieht. So kann die Hörerin in dem gewählten Beispiel bis
zum Ende den Täter nicht identifizieren (vgl. ebd.: 204 ff.). Sowohl Übergeneralisie-
rung als auch Interferenz lassen sich der Überordnung Vagheit zuschreiben. In beiden
Fällen kann nämlich entweder semantisch oder grammatikalisch keine eindeutige Ein-
ordnung erfolgen.
Neben dem großen Komplex der Vagheit findet man auch viele Missverständnisse vor
(vgl. ebd.: 208). Auslöser solche Missverständnisse kann z.B. überlappendes Sprechen
sein, was man auch im Beispiel mehrmals nachweisen kann (siehe z.B. Fl. 29 ff.).
Durch das überlappende Reden geht ein Stück weit Struktur verloren und gerade
FremdsprachlerInnen können dadurch leicht überfordert werden. Auch wenn Missver-

4
ständnisse durchaus leichter aufgelöst werden können, stellen sie eine klare Gefahr für
den Gesprächsverlauf dar.
Allein die Phänomene Vagheit und Missverständnisse führen uns vor Augen wie spezi-
fisch sich die interkulturelle Kommunikation zeigt und welches große Spektrum an Ge-
fahren für das Gespräch bzw. zumindest den Verstehensprozess das Ganze birgt. Die
große Störungsanfälligkeit ist also durchaus leicht begründbar. Interferenzen, Übergene-
ralisierung oder Missverständnisse machen dabei aber natürlich nur einen kleinen Teil
der Risikoquellen und Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation aus. Vie-
le weitere werden im Kapitel drei folgen, obwohl es dabei schon deutlich stärker um die
Handlungsoptionen bei Nichtverstehen geht und nicht die bloßen Aspekte angeführt
werden.
3 Handlungsoptionen bei Nichtverstehen
Nach der nun erfolgten Annäherung an den Gegenstand interkulturelle Kommunikation
und der grundlegenden Erkenntnis, prinzipiell stark störungsanfällige und reparaturbe-
dürftige Interaktionen vorzufinden, soll in diesem Kapitel der Frage nachgegangen wer-
den, welche Handlungsmöglichkeiten den ­ zumeist ­ Dialogpartnern im Umgang mit
auftretenden Verstehensproblemen zur Verfügung stehen.
3.1 Systematische Darstellung nach Liedke
Liedke (2002: 204) liefert dafür eine umfangreiche Darstellung zu den Handlungsoptio-
nen bei Nichtverstehen, die hier aufgegriffen und näher vorgestellt werden soll. Direkt
in 3.1 werde ich auch auf den rechten Ast der Darstellung eingehen.
Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Störungen und Störungsumgang als Normalität in der interkulturellen Kommunikation
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Sprachliche Interaktion in Institutionen
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V288925
ISBN (eBook)
9783668624764
ISBN (Buch)
9783668624771
Dateigröße
1627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle Kommunikation, Störungen, Nicht-Verstehen
Arbeit zitieren
Marius Hummitzsch (Autor), 2012, Störungen und Störungsumgang als Normalität in der interkulturellen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288925

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