Ziel dieser Arbeit soll es sein, prägnante Charakteristika der interkulturellen Kommunikation mit Bezug auf Störungen und den Umgang mit diesen herauszuarbeiten und zu systematisieren. Hierfür wird im ersten Schritt auf allgemeine sprachliche Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation – die sich im Rahmen der Arbeit als relevant erweisen - eingegangen. Daraufhin gilt es, explizit das Nichtverstehen, beziehungsweise die Störungen, näher zu betrachten, wobei sowohl eine gängige Systematik von Martina Liedke (3.1), als auch Reparaturverfahren (3.2) und Kompensationsstrategien (3.3) thematisiert werden sollen. In Kapitel 4 wird dann als Konsequenz aus den vorangegangenen Betrachtungen hinterfragt, inwiefern bessere Voraussetzungen zum Gelingen der möglichst störungsfreien Kommunikation bei den Sprechern und Hörern geschaffen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Spezifische Aspekte der interkulturellen Kommunikation
3 Handlungsoptionen bei Nichtverstehen
3.1 Systematische Darstellung nach Liedke
3.2 Reparaturverfahren
3.3 Kompensationsstrategien
4 Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der interkulturellen Kommunikation
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten und die hohe Störungsanfälligkeit in der interkulturellen Kommunikation. Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten beim Auftreten von Verständigungsproblemen zu systematisieren und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gesprächsführung zwischen Mutter- und FremdsprachlerInnen abzuleiten.
- Analyse von Ursachen für interkulturelle Missverständnisse (z. B. Interferenzen, Vagheit).
- Systematisierung von Handlungsoptionen bei Nichtverstehen nach Liedke.
- Untersuchung von Reparaturverfahren und Kompensationsstrategien.
- Bewertung der notwendigen kommunikativen Kompetenzen und Voraussetzungen zur Gesprächsoptimierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Systematische Darstellung nach Liedke
Ausgehend vom Vorkommnis einer Störung, durch die der Verstehensprozess beim jeweiligen Hörer beeinträchtigt wird, verfüge der Hörer laut Liedke über zwei grundlegende Alternativen im Umgang mit diesen. Zum einen könne auf eine interaktive Reparatur verzichtetet werden, was entweder durch einen Reparaturverzicht im eigentlichen Sinn oder durch eine mentale Reparatur erfolgt. Mentale Reparatur bedeutet dabei, dass der Hörer selbst über die Rekonstruktion des Gesagten einen eigenständigen Reparaturvorgang vollzieht, ohne jedoch den Gesprächsfluss zu unterbrechen (vgl. ebd.: 203). In der Beispieltranskription, aber auch generell, finden sich gerade beim Auftreten des Muttersprachlers als Zuhörer jede Menge Beispiele hierfür. So kann man einen solchen mentalen Reparaturvorgang bei „Bürgersteig“, realisiert durch die Fremdsprecherin als Bürgerstein (Fl. 8), oder „Beispiel“, vollzogen durch Weispiel (Fl. 25), finden. Ausgehend vom untersuchten und transkribierten Gespräch kommt Liedke u.a. zu dem Schluss, dass solche mentalen Reparaturvorgänge in Gesprächen zwischen Mutter- und FremdsprachlerInnen auffällig häufig stattfinden (vgl. ebd.: 210). Bei der Suche nach den Gründen für dieses Vorgehen muss meiner Meinung nach zu allererst die Aufrechterhaltung des Gesprächsflusses aufgegriffen werden. Kein Gesprächsteilnehmer will bei stetigen Unterbrechungen das Gespräch aufrechterhalten. Hinzu kommt, dass sich viele falsche Formulierungen aufgrund der deutlichen Nähe zum eigentlichen Ausdruck (beispielsweise Snauze für „Schnauze [Fl. 15]) leicht rekonstruieren lassen. Man müsste sich sogar die Frage stellen, ob dies überhaupt als Störung zu deklarieren ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der interkulturellen Kommunikation als „Ort des kommunikativen Mißverständnisses“ ein und definiert das Ziel der Arbeit, diese Störungen zu systematisieren.
2 Spezifische Aspekte der interkulturellen Kommunikation: Dieses Kapitel beleuchtet die soziokulturellen Hintergründe und sprachlichen Phänomene wie Interferenzen, Vagheit und Missverständnisse, die eine interkulturelle Interaktion oft problembelastet machen.
3 Handlungsoptionen bei Nichtverstehen: Hier werden Strategien vorgestellt, mit denen Akteure auf Verstehensprobleme reagieren können, wobei zwischen mentaler Reparatur, Reparaturverfahren und Kompensationsstrategien unterschieden wird.
4 Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der interkulturellen Kommunikation: Das Kapitel erarbeitet die notwendigen Fähigkeiten und Einstellungen, wie Sprachwissen und kommunikative Kompetenz, um Gespräche unter interkulturellen Bedingungen erfolgreich zu führen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die störanfällige Natur der interkulturellen Kommunikation eine hohe „kommunikative Arbeit“ erfordert und unterstreicht die Relevanz der Untersuchung für die zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Kommunikationsforschung, Verständigungsprobleme, Sprachliche Interaktion, Reparaturverfahren, Kompensationsstrategien, Mentale Reparatur, Interferenz, Vagheit, Missverständnisse, Gesprächsanalyse, Kommunikative Kompetenz, Störungsanfälligkeit, Fremdsprachensprecher, Sprachwissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Störungsanfälligkeit der interkulturellen Kommunikation und den Umgang der Gesprächspartner mit auftretenden Problemen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt Themen wie die Ursachen von Kommunikationsstörungen, systematische Reparaturverfahren und verschiedene Kompensationsstrategien zur Aufrechterhaltung des Gesprächsflusses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, prägnante Charakteristika interkultureller Kommunikation hinsichtlich Störungen zu systematisieren und Handlungsoptionen sowie Voraussetzungen für eine gelingende Interaktion herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der Gesprächsforschung und wendet diese exemplarisch auf die Transkription „Der Unfall“ von Martina Liedke an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ursachen für Störungen, die Vorstellung der Systematik nach Liedke zu Handlungsoptionen bei Nichtverstehen sowie eine Diskussion über notwendige kommunikative Kompetenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Kommunikation, Reparaturverfahren, Kompensationsstrategien, Missverständnisse und Kommunikative Kompetenz.
Warum spielt das Transkript „Der Unfall“ eine so zentrale Rolle?
Das Transkript dient als praktische, textuelle Grundlage, um die theoretischen Aspekte der Störungsanalyse und die verschiedenen Reparatur- bzw. Kompensationsmechanismen realitätsnah aufzuzeigen.
Was unterscheidet „mentale Reparatur“ von „interaktiven Reparaturverfahren“?
Bei der mentalen Reparatur löst der Hörer das Verständnisproblem eigenständig, ohne den Gesprächsfluss zu unterbrechen, während interaktive Reparaturverfahren eine direkte Kommunikation der Beteiligten zur Klärung erfordern.
Welche Bedeutung haben „make-up-Strategien“ im interkulturellen Kontext?
Diese Strategien dienen dazu, ein vorhandenes Verständnis vorzutäuschen, um den Gesprächsfluss trotz vorliegender Verständnislücken aufrechtzuerhalten und die soziale Harmonie zu wahren.
Welche Rolle spielt die „kommunikative Arbeit“ für die Akteure?
Sie ist notwendig, um bei unvermeidlichen Brüchen in der Kommunikation eine kontinuierliche Interaktion zu gewährleisten und das Ziel des Gesprächs trotz kulturell bedingter Schwierigkeiten zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Marius Hummitzsch (Autor:in), 2012, Störungen und Störungsumgang als Normalität in der interkulturellen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288925