Kann eine Moral absolut sein oder welche Arten von Moral lassen sich auffinden? Mit diesen Fragen setzte sich Friedrich Nietzsche vor allem in seinen 2 Standardwerken „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“ intensiv auseinander. Anhand seiner gewonnen Erkenntnisse aus der Analyse der philosophischen Diskussion über die Frage der Moral entwickelt er seine eigene „Typenlehre der Moral“ in Form der Unterscheidung zwischen Herren- und Sklaven-Moral.
Im Folgenden möchte ich mit Hilfe der zugrundeliegenden Ausschnitte erläutern, warum Nietzsche die Moral als relativ betrachtet. Danach bzw. dazu folgt zunächst eine Charakterisierung seiner 2 Grundtypen und anschließend eine kritischen Prüfung dieser Konzeption. Abschließend werde ich auf seine aus der Typologie rührende Vorstellung des Gerechtigkeitsbegriffs eingehen und diese hinterfragen. Gerade hier wird der kurze Einbezug von Nietzsches grundlegender Denkweise von Nöten sein, um überhaupt sein Argumentieren nachvollziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Moralvorstellungen bei Nietzsche
2.1 Charakterisierung der Herren-Moral
2.2 Charakterisierung der Sklaven-Moral
3. Kritische Prüfung der Typologie
4. Nietzsches Gerechtigkeitsbegriff
5. Fazit und Zusammenfassung der Untersuchung
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Untersuchung von Friedrich Nietzsches „Typenlehre der Moral“, insbesondere der Unterscheidung zwischen Herren- und Sklaven-Moral, sowie die Erörterung seines Gerechtigkeitsbegriffs vor dem Hintergrund der historischen und sozialen Rahmenbedingungen.
- Relativität von Moralvorstellungen
- Unterscheidung zwischen Herren- und Sklaven-Moral
- Kritik am Ressentiment und der Entstehung von „schlechtem Gewissen“
- Analyse des Gerechtigkeitsbegriffs im Kontext von Machtverhältnissen
Auszug aus dem Buch
Demgegenüber steht bei Nietzsche die sogenannte Sklaven-Moral. Sie entsteht durch die Leidenden, Unfreien usw. und hat das Ziel die eigene Situation zu verbessern. Er bezeichnet dabei die Sklaven-Moral auch als Nützlichkeits-Moral. Der Antrieb des Ressentiment ist Neid und Wut auf die Herrenklasse. Diese Vorstellungen werden seiner Meinung nach so sehr internalisiert, dass sie in den modernen Vorstellungen von „schlechtem Gewissen“ oder Schuld münden und die ursprünglichen Motive des Ressentiments vollständig verdrängen(S.282 f.).
Aufgrund dieses Prozesses sei der Wert der Werte auch grundsätzlich zu überdenken(S.279). Dadurch, dass die Vorstellungen von gut und böse aus der Nützlichkeit für die Sklaven stammen, sind es genau die Eigenschaften, die als gut bezeichnet werden, die das Leid mindern. Im Umkehrschluss wird eben das, was für die Herrschaftsschicht typisch ist als schlecht bzw. um bei Nietzsches Terminologie zu bleiben böse gekennzeichnet. Aus dem folgt, dass der Gute nach dem Maßstab der Herren-Moral der Schlechte nach dem Maßstab der Sklaven-Moral und umgekehrt ist (Vgl. S.278).
Letztlich stellt Nietzsche damit heraus, dass die Moralkonzeptionen an sich immer subjektiv und interessengeleitet aufgestellt werden, so dass es nicht die EINE Moral geben kann. Interessanterweise sucht bzw. findet Nietzsche mit seiner Typologie den Ursprung beim Menschen, der jeweils entsprechend der Moralvorstellung als gut oder schlecht bzw. gut oder böse bezeichnet wird und erst daraus folgt die Zuschreibung zu den entsprechenden Handlungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zu den Fragestellungen über die Absolutheit von Moral sowie Skizzierung der beabsichtigten Auseinandersetzung mit Nietzsches Werken.
2. Analyse der Moralvorstellungen bei Nietzsche: Untersuchung von Nietzsches Kritik an der bisherigen Philosophie und Darstellung seiner Unterscheidung zwischen den Moraltypen.
3. Kritische Prüfung der Typologie: Reflexion über die Tragbarkeit der nietzscheanischen Typologie unter Berücksichtigung moderner demokratischer Prinzipien.
4. Nietzsches Gerechtigkeitsbegriff: Erörterung der Verbindung zwischen Nietzsches Gerechtigkeitsverständnis und seiner Vorstellung einer notwendigen arbeitenden Menschenklasse.
5. Fazit und Zusammenfassung der Untersuchung: Resümee über den Nutzen von Nietzsches Methodik bei gleichzeitiger Ablehnung der lückenhaften Typologie.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Moral, Herren-Moral, Sklaven-Moral, Gerechtigkeit, Ressentiment, Machtverhältnisse, Historizität, Wert der Werte, Philosophie, Ethik, Klassenkampf, Gewissen, Schuld, Moraltypologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Friedrich Nietzsches moralphilosophische Ansätze in seinen Werken „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Relativität von Moral, die Unterscheidung zwischen Herren- und Sklaven-Moral sowie Nietzsches Verständnis von Gerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Nietzsches Typenlehre der Moral darzustellen, kritisch auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen und sein Gerechtigkeitsverständnis zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Auseinandersetzung mit den Primärquellen, ergänzt durch eine kritische philosophische Bewertung der Thesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Charakteristika der Herren- und Sklaven-Moral erläutert, die Historizität von Moralvorstellungen diskutiert und eine kritische Einordnung zu modernen Werten vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moral-Typologie, Machtverhältnisse, Ressentiment, Gerechtigkeitsbegriff und Wertediskurs charakterisiert.
Warum lehnt der Autor die Typologie Nietzsches weitgehend ab?
Der Autor empfindet die Typologie als zu extrem, klassenorientiert und unzureichend für die Beschreibung moderner, komplexer Gesellschaftsstrukturen.
Inwieweit erkennt der Autor den Wert der nietzscheanischen Analyse an?
Der Autor würdigt das Bewusstwerden über den Gegensatz von Herrschenden und Beherrschten sowie die Einsicht, dass Moral oft Machtverhältnisse widerspiegelt.
- Quote paper
- Marius Hummitzsch (Author), 2010, Über Moral und Gerechtigkeit in „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“ von Friedrich Nietzsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288930