Didaktisch-methodische Aufbereitung von „Dantons Tod“ für den Unterricht


Referat (Ausarbeitung), 2010

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung des Unterrichtsmodells zu „Dantons Tod“
2.1. Was ist „EinFach Deutsch“
2.2. Struktureller Aufbau des Unterrichtsmodells zu „Dantons Tod“

3. Exemplarische Untersuchung zu Danton und Robespierre
3.1. Wissenschaftliche Annäherung
3.1.1. Danton
3.1.2. Robespierre
3.2. Analyse des Bausteins 3 aus dem Modell

4. Entwicklung einer Unterrichtsstunde
4.1. Unterrichtsentwurf mit Kommentar
4.2. Vergleich zum Entwurf von Kinne

5. Reflexion
5.1. Analyse der Plenumsdiskussion
5.2. Eigene Bewertung des Unterrichtsmodells

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

„Bei der Planung dieser Unterrichtsreihe wird davon ausgegangen, daß es sich bei ‚Dantons Tod‘ um ein Stück handelt, das Schülern nicht unmittelbar zugänglich und verständlich ist“[1], so schätzte bereits 1990 Norbert Kinne in seinem Unterrichtsentwurf zu Büchners „Dantons Tod“ den Schwierigkeitsgrad des Werkes ein. Zum einen kommt darin die Notwendigkeit einer notwendig sensiblen Aufbereitung des Werkes für den schulischen Kontext zum Ausdruck, zum anderen impliziert „Dantons Tod“ aber gerade durch die hohe Komplexität ein immenses Lernpotential. Diese beiden Aspekte haben mich zur Auswahl des Referats zur didaktisch methodischen Aufbereitung von „Dantons Tod“ im Rahmen unseres Büchner-Seminars veranlasst, deren Ausgestaltung auch Gegenstand dieser Arbeit sein soll.

Wie bereits im Referat möchte ich meinen Schwerpunkt auf die Analyse des Unterrichtsmodells zu „Dantons Tod“ der Reihe „EinFach Deutsch“ vom Schöningh-Verlag legen. So werde ich zunächst im 2.Kapitel die Reihe „EinFach Deutsch“ prägnant vorstellen, die Struktur des Modells zu Dantons Tod darlegen und einige spezifische Gesichtspunkte dieses herausstellen. Im 3.Kaptiel liegt der Fokus auf dem Baustein 3 „Der Epikureer und der Moralist“, wobei ich eine wissenschaftliche Untersuchung zu Danton bzw. Robespierre voranschalten werde, um den Ansprüchen dieser Arbeit gerecht zu werden. Abschließen soll dieses Kapitel eine Kritik am Baustein. Es folgt im anschließenden Kapitel die Entwicklung eines Unterrichtsentwurfs zum vorher behandelten Unterthema, der sich stark an dem Baustein orientieren, aber eventuelle Schwächen berücksichtigen soll. Im zweiten Teil des Kapitels erfolgt ein Vergleich mit dem angesprochenen Entwurf von Kinne um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen. Bevor das Fazit als 6. Kapitel abschließt, möchte ich im 5.Kapitel eine präzise Reflexion des Modells, aber auch der Plenumsdiskussion vornehmen, um überhaupt eine endgültige Bewertung des Modells durchführen zu können.

Sowohl bei den bereits im Referat selbst diskutierten als auch bei den „neuen“ Themen ist es mein Ziel die Schwierigkeiten dieses hochkomplexen doch zugleich gewinnbringenden Klassikers für die schulische Rezeption zu vergegenwärtigen und sinnvolle Lösungsstrategien zu entwickeln. Zudem bestimmt die Frage nach der Qualität des dargestellten Modells die folgenden Ausführungen immanent.[2]

2. Vorstellung des Unterrichtsmodells zu „Dantons Tod“

Um eine größtmögliche Übersichtlichkeit zu gewährleisten, werde ich die Seitenangaben, die sich auf das „EinFach Deutsch“ - Unterrichtsmodell zu „Dantons Tod“[3] beziehen, entsprechend im Fließtext in Klammern setzen.

2.1. Was ist „EinFach Deutsch“

Wie auch im Referat möchte ich anfangs kurz die Reihe „EinFach Deutsch“ des Schöningh-Verlages vorstellen und dabei die wesentlichen Punkte der Präsentation schildern.

Die Reihe „EinFach Deutsch“ vom Schöningh Verlag umfasst eine großes Repertoire an Unterrichtsmodellen für die Schule, die nach den jeweiligen Schulstufen gegliedert sind. Dabei findet man neben Unterrichtsmodellen auch in der Regel die zugehörigen Textausgaben.[4] Besonders sinnvoll erscheinen die Textausgaben, die sich zusammensetzen aus dem Text, der Biografie, einer Schriftenübersicht, dem historischen Hintergrund und theoretischen Aspekten, weil innerhalb der Unterrichtsmodelle zum einen aus der zugehörigen Text zitiert wird und zum anderen auch Elemente aus den anderen Bereichen der Textausgabe systematisch aufgegriffen werden. Dies lässt sich u.a. bei „Dantons Tod“ nachvollziehen, wo beispielsweise in dem Unterrichtsmodell auf Seite 32 unten auf den Lebenslauf in der Textausgabe[5] verwiesen wird.

Der Schöningh-Verlag erhebt dabei den Anspruch einen praxiserprobte Unterrichtsmodelle als „ideale Lösung für einen modernen, aber dennoch substanziellen Deutschunterricht“[6] zuliefern. Dabei folgen die Modelle immer demselben Aufbau. Zunächst erfolgt eine Zusammenfassung des Werkes. Daran schließen sich die didaktischen Überlegungen an. Danach werden die einzelnen Bausteine, die natürlich von Werk zu Werk variieren und den größten Platz einnehmen, dargestellt. Abschließend findet man noch eine Reihe von Zusatzmaterialien und ein Literaturverzeichnis (Siehe Inhaltsverzeichnis S.6 f.). Ob die Unterrichtsmodelle tatsächlich diesem hohen formulierten Anspruch standhalten und Preise zwischen 10 und 30 Euro rechtfertigen kann, gilt es explizit am Beispiel von „Dantons Tod“ zu überprüfen.

2.2. Struktureller Aufbau des Unterrichtsmodells zu „Dantons Tod“

Da der Aufbau zum Unterrichtsmodell von „Dantons Tod“ nicht sonderlich von der prinzipiellen Struktur – geschildert in 2.1. – abweicht, möchte ich hier nur entsprechend auf die Präsentationsfolien (Anhang 1) verweisen, wo die konkretisierten Oberthemen wiederzufinden sind. Allerdings ist es mein Anliegen, die einzelnen Bausteine, die ich im Referat lediglich aufgelistet und zur Übersichtlichkeit beigefügt habe (Siehe Anhang 2), näher beschreiben, da sie auch die vom Autor gesetzten Schwerpunkte vergegenwärtigen und nicht noch einmal explizit Teil dieser Arbeit sind.

Der 1.Baustein ist mit „Die Französische Revolution – Fakten und Erfahrungen“ überschrieben. Dieser Baustein dient dazu einerseits den Begriff der Revolution zu klären und andererseits als Basis für die Bearbeitung des Werkes die Grundzüge der französischen Revolution und wichtige Beziehungen bzw. Spannungen zu erfassen (S.21-36).

Der Baustein 2 „Zeitenwende“ soll die Schüler an die Person Büchner, die Lebensumstände, sein Denken und sein Schaffen heranführen und in Verbindung zu Baustein 1 dessen Sicht auf den Begriff der Revolution aufschlüsseln. Nicht zuletzt wird in Form des „Hessischen Landboten“ auch ein weiterer Zugang zum Denken Büchners geboten, mit dem später ein breiteres Verständnis für das Werk erreicht werden soll (S.37-49).

Den Baustein 3 „Der Epikureer und der Moralist“ möchte ich an dieser Stelle überspringen, da er in besonderem Maße Gegenstand dieser Arbeit sein wird. Es folgt Baustein 4 „Die Sprache in ‚Dantons Tod‘“ (S.72-86). Hier wird die Rhetorik der verschiedenen Figuren auf Besonderheiten untersucht und nicht zuletzt der Versuch unternommen, Rückschlüsse auf Büchners Stil zu ziehen.

Ein intensiver Blick auf die Figuren neben Danton und Robespierre wird in Baustein 5 „Vom einfachen Volk und von anderen Personenkreisen“ (S.87-100) gelegt. Dies ist insofern Bedeutung, da Büchner in „Dantons Tod“ Volk und Nebenfiguren feste Funktionen zuweist, was zwar in der Literatur üblich, doch in der vorliegenden Form von Besonderheit ist.[7]

„Die Revolution und die ‚Kinder der Aufklärung‘ (Szene III.1, III.7)“ lautet die Überschrift des 6.Bausteins. Dieser Baustein bietet einen philosophischen Exkurs in diverse Gebiete wie dem Verstand, Gott oder philosophischen Strömungen von Nihilismus über Hedonismus hin zu Idealismus. Ich halte gerade diesen Baustein für sehr gelungen, da er sowohl für den fächerübergreifenden Unterrichts von Nutzen ist, als auch den philosophischen Wesenskern des Werkes aufarbeitet und somit den Schülern verschiedene Zugänge zum Werk bietet.

Abschließend folgt mit Baustein 7 „Büchners Literatur- und Kunstauffassung“ (S.122-141) ein auch in der Literaturwissenschaft viel diskutiertes Themenfeld. Nicht nur, dass die Schüler so Eindrücke über aktuelle literaturwissenschaftliche Diskurse (z.B. offenes versus geschlossenes Drama) erhalten, sie können auch auf die Rezeptionsgeschichte von „Dantons Tod“ zugreifen.

Wie bereits an einigen Punkten angesprochen, halte ich viele Bausteine für sinnvoll thematisch sehr sensibel ausgewählt, so dass das ungeheure Potential dieses Klassikers ausgeschöpft wird. Vermissen tue ich jedoch trotz dem Zugriff auf die Französische Revolution und dem Nihilismus eine größere Zuwendung zum historischen Fatalismus, der in Büchner Denken und in Bezug auf „Dantons Tod“ eine überragende Rolle spielt.[8] Auch wenn das Thema die Schüler vielleicht nahe an ihre Grenzen führt, halte ich den Entwurf an dieser Stelle für verkürzt. Insgesamt allerdings ist der Entwurf aus thematischer Sicht meiner Meinung nach als überaus brauchbar und vollständig zu bewerten.

3. Exemplarische Untersuchung zu Danton und Robespierre

3.1. Wissenschaftliche Annäherung

Bevor ich mich der Analyse des zentralen Bausteins 3 widme, werde ich auf die literaturwissenschaftliche Position über die Figuren Danton und Robespierre als Vertreter des Epikurismus und Moralismus eingehen. Dies macht insofern Sinn, als dass durch die Bearbeitung der literaturwissenschaftlichen Perspektive Kriterien zur Beurteilung der Konsistenz des Bausteins geliefert werden können. Hierdurch wird auch eine Vergleichbarkeit der angebrachten Haltungen des Autors gewährleistet. Bei der literaturwissenschaftlichen Untersuchung werde ich mich wesentlichen Jan Thorn-Prikkers „Revolutionär ohne Revolution“ berufen, da die Literatur zu diesem Themenfeld recht überschaubar ist, aber vor allem weil das genannte Werk als durchaus anerkannt gilt und nicht zuletzt auch im Literaturverzeichnis des Unterrichtsmodells wiederzufinden ist (S.143).

3.1.1. Danton

Thorn-Prikkers prägnanteste These zur Einordnung Dantons im Drama, besagt dass der „Hedonismus […] Kritik an der Moral“[9] ist. Daraus folgt, dass Danton als Vertreter des Hedonismus nicht nur den Gegenspieler von Robespierre, sondern auch den Kritiker des Moralismus darstellt. Er wendet sich also sowohl gegen Robespierre, als auch gegen dessen gesamte idealistische und moralistische Philosophie, die auf der Basis der Vernunft fußt. Eben diese bedeutet für Danton den Hedonisten aber die „Aufopferung des Individuums“.[10]

Die Figur Danton bedient im Drama selbst noch eine weitere Funktion. Neben der Funktion „als Medium der Kritik an Robespierre“[11] und somit am Moralismus soll Danton auch noch eine Angriffsfläche für anti-hedonistische Argumente bieten. So formuliert Danton im Dialog mit Robespierre seinen Grundsatz des Hedonismus: „Jeder handelt seiner Natur gemäß d.h. er tut, was ihm wohl tut“[12]. Während er also den Individualismus und Egoismus postuliert, kritisiert er im Gegenzug Robespierre dafür, dass er mit Hilfe der Moral nur sein eigenes Interesse durchsetzen will. Somit wird eine logische Inkonsistenz zwischen Kritik und eigener Überzeugung sichtbar.[13]

[...]


[1] Kinne, Norbert: Stundenblätter „Dantons Tod“. S.12.

[2] Aufgrund der Struktur und der Fragestellung dieser Arbeit hält sich die zusätzliche Literatur in Grenzen, da der Schwerpunkt hier nicht auf der tiefen wissenschaftlichen Analyse des Werkes (abgesehen vom 3.1.), sondern der Untersuchung des sehr neuen Unterrichtsmodells liegt, zu dem noch keine weitere Literatur erschienen ist.

[3] Vollständige literarische Fußnote: Schläbitz, Norbert (erarb.)/ Diekhans, Johannes (Hrsg.): Georg Büchner: Dantons Tod. EinFach Deutsch. Unterrichtsmodell.

[4] Eine sortierte Übersicht aller Unterrichtsmodelle und Textausgaben findet sich auf http://www.schoeningh-schulbuch.de/suche/reihenansicht.xtp?id=W00336. Abgerufen am 27.08.2010.

[5] Vgl. Schläbitz, Norbert (erarb.)/ Diekhans, Johannes (Hrsg.): Georg Büchner: Dantons Tod. Ein Drama. EinFach Deutsch. S.102-114.

[6] http://www.schoeningh-schulbuch.de/suche/reihenansicht.xtp?id=W00336allText=1. Abgerufen am 27.08.2010.

[7] Eine schöne Vertiefung zum speziellen Charakter des Volkes und den damit verbundenen Massenszenen bietet sich in Pongs-Andersson, Frida: Die Tragödie Georg Büchners. S.16-24. Ein Exkurs dazu würde allerdings den Rahmen und das Ziel dieser Arbeit sprengen.

[8] Vgl. Müller Nielaba, Daniel: Die Nerven lesen. Zur Leit-Funktion von Georg Büchners Schreiben. S.76 ff.

[9] Thorn-Prikker, Jan: Revolutionär ohne Revolution. Interpretation der Werke Büchners. S.37.

[10] Ebd. S.38.

[11] Ebd. S.40

[12] Pörnbacher, Karl (Hrsg.) et al.: Georg Büchner. Werke und Briefe. Münchner Ausgabe. S.86.

[13] Vgl. Thorn-Prikker, Jan: Revolutionär ohne Revolution. S.40.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Didaktisch-methodische Aufbereitung von „Dantons Tod“ für den Unterricht
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Georg Büchner
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V288937
ISBN (eBook)
9783656891789
ISBN (Buch)
9783656891796
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg Büchner, Dantons Tod, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Marius Hummitzsch (Autor), 2010, Didaktisch-methodische Aufbereitung von „Dantons Tod“ für den Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288937

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